Rolex Grand Slam of Show Jumping

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„I have a dream!“ – Interview mit Scott Brash

In ein paar Tagen hat Scott Brash die legendäre Chance, mit einem Major-Sieg beim Spruce Meadows ‚Masters‘ den Rolex Grand Slam of Show Jumping zu gewinnen. Im Interview erzählt der 29-jährige Schotte, wie er sich und sein Pferd „Hello Sanctos“ auf das Turnier in Calgary vorbereitet hat, was er später mal gerne über sich selbst lesen würde und warum die beste Entscheidung seines Lebens etwas mit Fußball zu tun hatte.
 

Nur noch eine Woche bis Calgary! Wie haben Sie die Zeit seit ihrem Major-Sieg in Aachen erlebt?
Sie war sehr schön! Die Aufmerksamkeit der Medien war hoch, aber nicht verrückt. Ein Major ist ein Grand Prix, den jeder Reiter einmal gewinnen möchte, und es war immer einer meiner größten Träume, in Aachen zu gewinnen. Das war so ein schönes Gefühl, von dem ich in den letzten Monaten gezehrt habe. Aber jetzt freue ich mich auf Spruce Meadows! „Hello Sanctos” ist in guter Form. Wir sind in den letzten Vorbereitungen mit ihm, haben ihn bei seinem letzten Turnier extra auf Grasboden springen lassen, um es Calgary so ähnlich wie möglich zu machen.

Was für ein Pferd ist „Sanctos“, wenn er zuhause im Stall ist?
Er ist ein sehr schlaues Pferd und ich glaube, er weiß, dass er gut und zu Recht der König im Stall ist. Zuhause ist er sehr relaxed, macht alles nach seinem eigenen Tempo, dem wir uns anpassen müssen. Er liebt es, im Gelände spazieren zu gehen, einfach ein bisschen zu entspannen. Aber wenn er in den Parcours kommt, erwacht er zum Leben, dann gibt es alles.

So wird es sicher auch in Calgary sein. Wer wird Sie dorthin begleiten? Ihre Familie und Ihre Freundin vielleicht?
Meine Freundin Hannah ist auch meine Pferdepflegerin, also wird sie auf jeden Fall dabei sein. Sie geht so fantastisch mit den Pferden um und  kümmert sich sehr liebevoll um sie. Sie wird „Sanctos“ den ganzen Weg nach Calgary begleiten, hoffentlich auch im Flugzeug. Mein Vater, der beruflich sehr eingespannt ist und daher nur zu einigen, wirklich wichtigen Turnieren kommt, wird auch in Calgary sein. Außerdem meine Pferdebesitzer und mein Hufschmied. Dass mich so viele Menschen nach Spruce Meadows begleiten, spornt mich noch mehr zum Sieg an! Es wird ein tolles Turnier werden!

Sind Sie vor solch wichtigen Turnieren wie in Calgary eigentlich nervös oder zumindest aufgeregt?
Ich würde nicht sagen, dass ich nervös oder aufgeregt bin. Ich möchte meine Sache einfach wirklich gut machen, deswegen bin ich bei großen Turnieren immer sehr fokussiert darauf, was ich zu tun habe.

Und wann waren Sie das letzte Mal bei einem Turnier richtig aufgeregt?
Als ich in Aachen gewonnen habe. Wenn du eine Prüfung unbedingt meistern willst, dich so lange darauf vorbereitet, so lange schon diesen Sieg im Sinne hast und dann einreitest und gewinnst – das ist unfassbar. Es gibt kein schöneres Gefühl auf der Welt!

… das Sie dank Ihrer zahlreichen Erfolge in den letzten Jahren schon häufiger hatten. Aber hätte es für Sie denn beruflich eine Alternative zum Profi-Reitsport gegeben?
In meiner Jugend war ich ein ziemlich guter Fußballer, aber als ich elf oder zwölf war, kam es zu dem Punkt, an dem ich mich entscheiden musste: Fußball oder Springreiten. Ich habe mich damals fürs Springreiten entschieden und bin natürlich sehr froh darüber. Aber wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich mich gerne trotzdem noch ein bisschen mehr ins Fußballspielen hineingehängt.

Und hatten Sie vielleicht auch mal daran gedacht, in den Familienbetrieb einzusteigen? Ihrem Vater gehört immerhin eine Baufirma.
Nicht wirklich! Ich sehe immer, unter welchem Stress mein Vater steht. Es scheint ein harter Job zu sein. Er ist wirklich gut darin, aber für mich wäre das nichts.

Sie sagten einmal, dass Ihr Vater Ihr Kindheitsidol war. Ist er demnach die Person, die Sie in ihrem Leben am meisten beeinflusst hat?
Nicht nur er, meine ganze Familie hatte einen großen Einfluss auf mich. Sie haben mich immer unterstützt und standen hinter mir. Wenn mal irgendetwas schiefgelaufen ist, kamen sie mir zur Hilfe. Es war fantastisch, in so einer Familie aufzuwachsen.

Was war der beste Rat, den Sie je bekommen haben?
Ich habe sehr viele gute Ratschläge von vielen Menschen bekommen, aber ich glaube, der Beste war, immer durchzuhalten und meine Träume nie aufzugeben. Ich bereue nichts, was ich in meinem Leben getan habe. Ich glaube, es ist wichtig, verschiedene Erfahrungen zu sammeln, ob gute, ob schlechte, sie machen dich zu dem Menschen, der du bist.

Wer inspiriert Sie heutzutage?
Viele Leute aus verschiedenen Gründen. Mein Pferdebesitzer Lord Harris inspiriert mich mit seinem Engagement für andere Menschen. Er ist so enthusiastisch in allem, was er tut. Immer dabei, das nächste Ziel zu erreichen, den nächsten Traum zu verwirklichen. Er finanziert Schulen und verändert damit das Leben vieler Kinder. Sie bekommen eine gute Ausbildung und damit einen wirklich guten Start ins Leben. Lord Harris, Lady Harris und genauso Lord und Lady Kirkham engagieren sich auch sehr für das Gesundheitswesen in Großbritannien, für den Tierschutz und für andere Wohltätigkeitsverbände. Meine Pferdebesitzer sind wundervolle Menschen und ich werde ihnen immer den größten Respekt entgegenbringen.

Was ist für Sie das Schönste am Leben als Springreiter, was ist das Schlechteste?
Das Beste ist, all diese wundervollen Länder und wunderschönen Turnierschauplätze zu sehen. Das Schlechteste ist das häufige Reisen. Wir leben wirklich aus dem Koffer! Wir sind vielleicht zwei oder drei Tage die Woche zuhause und dann wieder unterwegs. Das ist wirklich ermüdend und kann ganz schön hart sein. Du brauchst ein gutes Team hinter dir, damit alles funktioniert. Aber wenn wir ein paar Wochen zuhause sind, können wir das nächste Turnier kaum erwarten. Wir lieben dieses Leben einfach!

Wenn Sie so oft unterwegs sind, was machen Sie dann zum Relaxen? Haben Sie irgendwelche Hobbies abgesehen von Pferden?
Ehrlich gesagt, ist außerhalb des Pferdesports kaum Zeit für etwas anderes, aber ich liebe es, zuhause zu sein. Ich habe vor Kurzem einen Stall in Sussex, in der Nähe von Hickstead, gekauft und die Gegend und die Leute dort sind toll. Ich gehe gerne zum Essen aus oder hänge einfach ein bisschen auf dem Hof herum. Und wenn ich wirklich mal ein bisschen mehr Zeit habe, spiele ich Golf, das ist wirklich super zum Entspannen.

Wann war denn Ihr letzter richtiger Urlaub?
Der ist schon lange her. Aber meine Freundin und ich haben beschlossen, im Oktober wegzufahren. Geplant ist eine Woche Dubai zum Relaxen. Das wir schön werden!

Und vielleicht können Sie auch ein bisschen mehr Urlaubsgeld dorthin mitnehmen. Also, zurück zu Spruce Meadows: Was werden Sie in den Stunden vor dem Grand Prix machen?
Das, was ich normalerweise vor einem großen Grand Prix mache: „Sanctos“ aus der Box holen, ihn sich seine Beine vertreten lassen und sichergehen, dass er sich wohlfühlt. Dann konzentriere ich mich auf den Parcours und laufe ihn so früh wie möglich ab.

Haben Sie bestimmte Rituale vor einer Prüfung oder einen Glücksbringer?
Nein, in dieser Hinsicht bin ich total langweilig. Ich bin nicht sehr abergläubisch.

Aber sie tragen immer dieses Armband…
Das war ein Geschenk. Einer meiner Pferdebesitzer hat mir das Armband nach den Olympischen Spielen gegeben und seitdem trage ich es. Es ist einfach nur ein schönes Geschenk, aber vielleicht bringt es ja Glück, wer weiß…

Unabhängig davon, wie es in Spruce Meadows für Sie ausgeht, wie würden Sie ihre bisherige Reise mit Rolex beschreiben?
Was Rolex alles für den Pferdesport getan hat, ist unglaublich. Mit dem Grand Slam hat Rolex uns Reitern ein fantastisches Ziel gesetzt, nach dem wir alle streben. Außerdem hat der Grand Slam dem Sport mehr öffentliche Aufmerksamkeit beschert, viel mehr Menschen verfolgen nun die Majors, um zu sehen, ob wir es wirklich schaffen können. Das ist brillant für den Sport! Rolex ist schon seit vielen Jahren ein wundervoller Sponsor des Springreitens und es ist großartig, auch weiterhin von ihnen unterstützt zu werden.

Wenn Sie einen Augenblick aus Ihrer Reise mit Rolex auf einem Bild an Ihrer Wohnzimmerwand einfangen könnten, welcher wäre das?
Als ich in Aachen über die Ziellinie gekommen bin und wusste, ich habe gewonnen. Das Gefühl, das ich in diesem Moment hatte,  war das schönste seit einer langen Zeit.

Wenn Rolex in ein paar Jahrzehnten eine Jubiläumsschrift über den Grand Slam of Show Jumping herausgibt, was würden Sie darin gerne über Scott Brash lesen?
Es wäre schön, wenn ich den Menschen dafür in Erinnerung bleiben würde, dass ich viele sportliche Ziele erreicht habe und für eine lange Zeit auf Spitzenniveau reiten konnte. Wenn die Leute eines Tages auf mich genauso zurückschauen wie auf Ludger Beerbaum oder Marcus Ehning – als eine der Legenden unseres Sports – das wäre einfach großartig. Das würde ich gerne eines Tages über mich lesen.

Und wie sollte der Titel Ihres Kapitels lauten?
Hoffentlich “Ein Traum wurde wahr”. Denn wenn es in Calgary wirklich gelingen sollte, wenn ich dort gewinnen könnte, würde für mich ein absoluter Traum in Erfüllung gehen.

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Es ist an der Zeit.

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