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Steve Guerdat - Der Perfektionist

Steve Guerdat setzt sich selber hohe Ziele. In Calgary will er sie mit der Stute Nasa erreichen.

Steve Guerdat Steve Guerdat

Von Peter Jegen.

Natürlich wolle er stets gewinnen, sagt Steve Guerdat. Sein Ehrgeiz und sein erfolgsorientiertes Denken lassen einzig diese Zielsetzung zu. Selbst im Wissen, dass konstanter Erfolg gar nicht möglich ist. Weil nicht immer alles so perfekt zusammen passt wie im Sommer 2012. Bei den Olympischen Spielen von London ritt Steve Guerdat mit Nino des Buissonnets zu Gold. Viel will sich der heute 32-jährige Schweizer Springreiter darauf aber nicht einbilden. „Ich habe noch einiges Verbesserungspotenzial“, verrät er, „denn von den rund 50 Turnieren, die ich pro Jahr reite, kehre ich ja nicht jedes Mal als Sieger heim.“
Im Zusammenspiel zwischen Mensch und Pferd muss für den Erfolg jedes Detail stimmen. „Es ist eine Gratwanderung“, sagt Guerdat, speziell auch in Bezug auf Nino des Buissonnets. Der 13-jährige Franzosen-Wallach aus dem Besitz des Zürcher Financiers Urs E. Schwarzenbach, sei ein Pferd zwischen Genie und Wahnsinn, schwärmt Guerdat. Beeindruckendes Talent, gewaltiges Sprungvermögen und seine Vorsicht machen Nino des Buissonnets zu einem der besten Springpferde der Welt. Gleichzeitig aber prägen diese Eigenschaften auch den eigenen Willen des Pferdes. Dieser hatte im Juli beim CHIO Aachen wieder einmal die Oberhand. Im Rolex Grand Prix verweigerte Nino des Buissonnets im zweiten Umlauf den Einsprung in der Zweierkombination. „Das lief nicht wie gewünscht“, sagt Guerdat lakonisch.
Er hat gelernt, mit dem schwierigen Charakter seines Pferdes umzugehen, so wie er mittlerweile auch seinen eigenen impulsiven Charakter zu zügeln weiss. Ehrgeiz und Erfolgshunger sollen ihn beflügeln, nicht zerreißen, weshalb ihm auch sein Trainer Thomas Fuchs immer wieder sagt, doch etwas lockerer zu werden. Das bleibt nicht ungehört „Ich habe womöglich jeweils zu viel fokussiert und mir zu viele Gedanken gemacht“, gesteht Guerdat ein. Zumal im Sport Erfolg und Niederlage bekanntlich ja einfach nahe beieinander liegen – auch bei Steve Guerdat und Nino des Buissonnets.  Nach dem  CHIO Aachen gewannen sie beim Viersterne-CSI in Münster postwendend den Großen Preis.
Nino des Buissonnets ist das Titelkampf-Pferd des Schweizers, Nasa derweil das Spitzenpferd beim Spruce Meadows Masters, dem direkt auf die WM folgenden nächsten Major-Turnier. „Sie fühlt sich in Spruce Meadows wohl“, sagt Guerdat zu der 13-jährigen Schimmelstute, die ebenso Urs E. Schwarzenbach gehört, in dessen Stallungen oberhalb von Herrliberg bei Zürich Guerdat seit sieben Jahren beheimatet ist. 2013 hat er mit Nasa in Kanada im Großen Preis den zweiten Platz belegt, um einen Strafpunkt wegen Zeitüberschreitung blieb er nur knapp hinter dem siegreichen Belgier Pieter Devos zurück. Gelingen nun abermals fehlerlose Umgänge und das auch noch in der besten Zeit, sähe sich Steve Guerdat dafür am 14. September doppelt belohnt. Einerseits mit dem größten Anteil am Preisgeld von 1,5 Millionen Dollar, andererseits mit einem Bonus von 250.000 Euro. 
Denn im vergangenen Dezember hatte er bei seinem Heimturnier in Genf, neben Aachen und Calgary die dritte Station des Rolex Grand Slam der Springreiter, den Rolex Grand Prix gewonnen.  Damit qualifizierte sich Guerdat für das Bonus-Programm, das zusätzlich zum Preisgeld eine Million Euro auszahlt, wenn ein Reiter oder eine Reiterin innerhalb von zwölf Monaten alle drei Großen Preise in Folge gewinnt.  Werden zwei GP in Serie gewonnen, beträgt der Bonus 500.000 Euro, bei „zwei aus drei“, wie das nun für Guerdat möglich ist, sind es die erwähnten 250.000 Euro.
Doch weder diese lukrativen Summen, noch das Faktum, dass Guerdat der erste Bonus-Gewinner im Rolex Grand Slam werden könnte, stehen für den Reiter selber im Vordergrund. „Das Turnier hat Tradition und Bedeutung, die besten Reiter haben hier schon gewonnen“, sagt Guerdat als Erstes auf den CSIO in Calgary angesprochen. Springreiter ist Guerdat nämlich nicht des hohen Preisgeldes wegen geworden. Die Faszination Pferd machte ihn dazu. Sie ließ Guerdat denselben Weg wie sein Vater einschlagen. Schon Philippe Guerdat, der jetzt Equipenchef der Franzosen ist, war ein erfolgreicher Springreiter. Und der Grossvater Serge Guerdat war zu Hause in Bassecourt, im Schweizer Kanton Jura, ein bekannter Pferdehändler. Der Pferdehandel aber sagte Enkel Steve nie wirklich zu, deshalb kehrte er in den ersten Berufsjahren auch dem Stall von Jan Tops den Rücken. Weil dort ein Pferd sofort verkauft wurde, sobald Guerdat mit ihm erfolgreich war. „Ich wusste schon früh, dass ich in meiner Karriere sportlich alles zu erreichen versuche und nicht möglichst viel Geld gewinnen will“, sagt Guerdat. 
Sportlich hat Steve Guerdat bereits viel erreicht: Olympiasieg, Team-Europameistertitel, Führung in der Weltrangliste, zahlreiche bedeutende Grand-Prix-Erfolge. Ob ein 32-jähriger Springreiter da noch überhaupt Ziele haben kann? „Ja, ich versuche jeden Parcours fehlerlos zu reiten“, sagt Guerdat. Die absolute Harmonie mit dem Partner Pferd ist also sein höchster Anspruch. Kein Wunder, ist Steve Guerdat damit der Perfektionist unter den Springreitern.

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