Rolex Grand Slam of Show Jumping

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ROLEX GRAND SLAM OF SHOW JUMPING 2024 – VORSCHAU AUF DIE SAISON

(Photo: Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock) (Photo: Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock)

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping, oft als ultimative Herausforderung des Pferdesports bezeichnet, wird auch in diesem Jahr erneut das Hauptaugenmerk eines jeden Springreiters sein. Wie auch bei den Majors in Sportarten wie Tennis und Golf, gelten die Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping als prestigeträchtigste Prüfungen der Welt, die Pferd und Reiter ein Höchstmaß an Geschick abverlangen. Nicht umsonst zieht der Rolex Grand Slam of Show Jumping immer wieder die weltbesten Pferd- und Reiterpaare an und sorgt so für einen Wettbewerb auf absolutem Spitzenniveau.

 

Das erste Major des Jahres, das viertägige The Dutch Masters, findet vom 7. bis zum 10. März statt. Die Veranstaltung, die erstmals 1967 ausgetragen wurde, wird das letzte Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping im Rahmen der Feierlichkeiten zum 10-jährigen Jubiläum der Initiative sein, die beim CHIO Aachen 2023 begonnen haben. Nach seinem Sieg beim CHI Genf im Dezember wird der junge deutsche Reiter Richard Vogel als Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping sein Debüt in der Hauptarena der atemberaubenden Brabanthallen geben – in der Hoffnung, seine Jagd auf den Titel fortzusetzen und zum zweiten Reiter in der Geschichte zu werden, der jemals den Rolex Grand Slam of Show Jumping gewonnen hat.

 

Der CHIO Aachen wird oft mit dem Tennisturnier in Wimbledon verglichen und bietet die perfekte Bühne für die anspruchvollsten Prüfungen dieses Sports. Die Veranstaltung, die auch Weltfest des Pferdesports genannt wird, richtet fünf internationale Reitsportdisziplinen aus und der Höhepunkt der ereignisreichen 10 Tage wird der Rolex Grand Prix am Sonntag, dem 7. Juli, sein. Auf dem heiligen Rasen der Aachener Soers und vor den Augen von 40.000 leidenschaftlichen Reitsportfans auf den Tribünen werden 40 der weltbesten Pferd- und Reiterpaare in zwei Umläufen und einem Stechen darum kämpfen, ihren Namen auf der legendären Siegertafel zu verewigen.

 

Anschließend zieht der Rolex Grand Slam of Show Jumping weiter über den Atlantik zu dem oftmals als führendem Veranstaltungsort Nordamerikas bezeichneten Spruce Meadows. Das CSIO Spruce Meadows `Masters‘-Turnier (4. bis 8. September) richtet einen der größten Grand Prix der Welt aus, den CPKC ‚International‘ Grand Prix, presented by Rolex, für den der Parcoursdesigner Leopoldo Palacios wie immer den ultimativen Test für Mut, Präzision und Sprungkraft entwerfen wird. Letztes Jahr holte sich Rolex-Markenbotschafter Martin Fuchs aus der Schweiz mit seinem talentierten Leone Jei hier einen spektakulären Sieg.

 

Der CHI Genf bildet schließlich den Abschluss des Kalenderjahrs des Rolex Grand Slam of Show Jumping. Vom 11. bis zum 15. Dezember wird sich ein herausragendes Aufgebot von Weltklasse-Reitern im wunderschönen Genf versammeln. Die Veranstaltung findet im imposanten Palexpo statt und gilt weithin als bestes Hallenarena-Turnier des Springreitsports. Im Rahmen eines randvollen Sportprogramms bildet der Rolex Grand Prix den perfekten Abschluss für ein weiteres sensationelles Jahr des Rolex Grand Slam of Show Jumping. 

 

INTERVIEW MIT JOSIE ELIASSON

Jessica Springsteen & Josie Eliasson Jessica Springsteen & Josie Eliasson

Könnten Sie sich kurz vorstellen und uns Ihre Arbeit erläutern?

Ich heiße Josefine und arbeite seit acht Jahren für Jessica Springsteen. Anfangs habe ich auf ihrem Hof zu Hause gearbeitet und bin auch ein bisschen geritten, aber in den letzten sechs Jahren bin ich als Turnierpflegerin mit ihr und ihren Pferden um die Welt gereist. 

 

Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?

Ich habe mit dem Reiten angefangen als ich etwa fünf oder sechs war und mich sofort in die Pferde verliebt. Als ich dann etwas älter war, hatte ich ein tolles Nachwuchspferd, mit dem ich in Schweden Turniere geritten bin. Die Besitzerin des Stalles, in dem mein Pferd stand, ist regelmäßig bei den National Young Horse Championships, den Landesmeisterschaften für Nachwuchspferde, angetreten und ich bin immer mit ihr gefahren, um die Pferde zu versorgen. Mir ist schnell klar geworden, dass mir diese Arbeit Spaß macht und sie hat mich auch immer sehr unterstützt. Sie hat immer gesagt, dass ich sehr gut darin wäre und ich konnte mir all‘ die wichtigen kleinen Details merken. 

 

Dann habe ich mal eine Freundin von mir besucht, die zu der Zeit in der Schweiz mit Pferden gearbeitet hat. Schon nach knapp zwei Tagen wusste ich, dass das auch genau die richtige Arbeit für mich war. Also habe ich sie gefragt, ob sie jemanden kennen würde, der Hilfe in seinem Stall brauchte. So habe ich eine Stelle bei Romain Duguet bekommen. Ich hatte zwar noch mein eigenes Pferd, aber das habe ich verleasen können. Dann habe ich meine Sachen gepackt und bin auf Dauer in die Schweiz gezogen. Diese Stelle hatte ich etwa ein Jahr lang, bevor ich wieder zurück nach Schweden gezogen bin. Mir war klar, dass ich auf jeden Fall Turnierpflegerin werden wollte, und zwar in Europa, aber ohne Führerschein für Pferdetransporter war ich etwas eingeschränkt. Aber noch bevor ich meine erste LKW-Fahrstunde absolvieren konnte, bekam ich einen Job bei Jessica. Das ist jetzt schon über acht Jahre her. 

 

Wenn Sie noch einmal zu den Anfängen Ihrer Karriere zurückkehren könnten, welchen Rat würden Sie sich selbst geben?

Ich würde mir raten, auf diejenigen zu hören, die mehr Erfahrung haben. Was ich an diesem Beruf so liebe ist, dass man ständig Neues lernt. Und zwar aus zwei Gründen: weil sich der Sport ständig weiterentwickelt und weil jeder einzelne Reiter seine ganz eigenen Systeme und Techniken hat. Auch wenn ich finde, würde ich sagen, dass ich mehr Fragen stellen sollte – denn so lernt man dazu. 

 

Sie müssen für Wettkämpfe oft lange Flüge über den Atlantik machen. Wie stellen Sie sicher, dass die Pferde nach der Reise noch fit für ein Turnier sind? Haben Sie einen besonderen Rat für ihr Wohlergehen?

Das A und O ist, sein Pferd zu kennen und zu verstehen. So fallen einem schnell erste kleine Anzeichen auf, dass vielleicht etwas nicht stimmt. Je früher man ein Problem bemerkt, desto besser kann man dem Pferd helfen und ihm geben, was es braucht. Bei den Meisterschaftspferden ist das oft einfacher, weil man so viel Zeit mit ihnen verbringt und ihre Gewohnheiten so gut kennt. So bemerkt man selbst kleinste Veränderungen in ihrem Verhalten und kann etwas dagegen tun, bevor sie zu einem Problem werden. 

 

Haben Sie irgendeinen Aberglauben oder eine bestimmte Routine, die sie bei einem wichtigen Wettkampf befolgen?

Ich glaube, jeder hat so seine kleinen Rituale, wenn es um die wichtigen Prüfungen geht. Ich sage meiner Reiterin immer, dass sie Spaß haben soll und gebe dem Pferd einen liebevollen Klaps. Natürlich mache ich das bei den höheren Prüfungen ganz leise, um meine Reiterin nicht in ihrer Konzentration zu stören, aber ich mache es immer. 

 

Können Sie uns ein wenig über die Pferde erzählen, um die Sie sich kümmern? Welche Eigenschaften haben sie?

Unser ganz besonderes Pferd ist Don Juan van de Donkhoeve, mit dem Jessica bei den Olympischen Spielen angetreten ist. Ich habe eine unglaublich starke Beziehung zu ihm. Man verbringt so viel Zeit mit seinen Meisterschaftspferden, dass man sie auf ganz andere Art und Weise kennenlernt. Ich glaube, als Pfleger sagt man sich immer, dass man eine ganz besondere Beziehung zu seinem Pferd hat, aber ich weiß einfach, dass es bei uns so ist. Wenn ich zum Beispiel den Stall betrete, wiehert er mich an. Das macht er bei anderen nicht. Er ist mir sehr wichtig und ich werde sehr emotional, wenn es um ihn geht. Er ist ein Hengst, aber der netteste Hengst, mit dem ich je zu tun hatte. 

 

Ich filme immer alle Turniere, selbst wenn es einen Livestream gibt oder man die Videos kaufen kann. Das ist wohl auch so ein Aberglaube von mir. Wenn jemand anders filmt, weiß ich nicht, was ich mit meinen Händen anfangen soll. Ich muss einfach ein Handy in der Hand haben. Wenn ich Don [Juan van de Donkhoeve] filme, murmele ich immer vor mich hin: „Du kannst das!“. 

 

Hungry Heart ist ein anderes unserer Spitzenpferde. Er tritt in den 5-Sterne-Turnieren an. Er ist 12 und hat den ausgeprägtesten Charakter von allen Pferden im Stall. Er ist wie ein Hund. Man kann richtig mit ihm spielen. Ich mache immer Witze darüber, dass ich ihm sogar „Sitz!“ beibringen könnte, wenn ich wollte. Er ist ein sehr lustiges Pferd. Wir haben noch ein paar andere sehr vielversprechende jüngere Pferde und ich glaube, für die Zukunft sind wir gut aufgestellt. 

 

Wie stellen Sie sicher, dass die Pferde zu den wichtigen Terminen im Jahr in Bestform sind?

Wir versuchen, von einem bestimmten Turnier oder Ziel aus rückwärts zu arbeiten, um sicherzustellen, dass wir den bestmöglichen Zeitplan für das jeweilige Pferd erstellen können. Wenn wir wissen, dass ein Pferd in der zweiten Wettkampfwoche besser springt, planen wir, dass es zwei Wochen hintereinander antritt. 

 

Als Pflegerin versuche ich, den Tagesablauf der Pferde möglichst genauso zu gestalten wie zu Hause, weil ich glaube, dass sich ein Pferd dann wohler fühlt. Bei den größeren Turnieren setzen wir natürlich verstärkt Hilfsmittel wie Massagedecken ein, aber ich versuche, alles so simpel wie möglich zu halten und sie einfach nur Pferd sein zu lassen. 

 

Jessica hat im Rolex Grand Prix beim CHI Genf unglaublich gut abgeschnitten. Wie hat sich das für Sie als Team angefühlt?

Der CHI Genf ist eine ganz besondere Veranstaltung. Er ist mein Lieblings-Hallenturnier und ich würde behaupten, auch Jessicas. Wahrscheinlich würden die meisten in unserer Branche dasselbe sagen. Bei einem so berühmten und angesehenen Grand Prix so gut abzuschneiden, war ein Traum, auf den wir lange hingearbeitet haben. Wir waren vor dem CHI Genf auf einigen anderen Turnieren und er [Don Juan van de Donkhoeve] war wirklich gut in Form. Ich glaube, wir haben uns selbst sehr unter Druck gesetzt, aber das Jahr 2023 und die Saison in Europa mit diesem Ergebnis abzuschließen, war einfach unglaublich. Als wir das letzte Mal beim CHI Genf waren, ist uns beim Rolex Grand Prix ein kleiner Fehler unterlaufen. Deswegen hat es sich dieses Jahr so angefühlt, als hätten wir das wiedergutgemacht. 

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping feiert sein zehnjähriges Bestehen. Wie stark hat er diesen Sport Ihrer Meinung nach beeinflusst?

Er hat einen unglaublich großen Einfluss auf den Sport. Er ist DAS Ziel, das jeder Reiter anstrebt. Natürlich ist es fantastisch, ein Major zu gewinnen und Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping zu werden, aber ich finde, es ist ein Riesenprivileg für die Reiter, überhaupt an diesen Turnieren teilzunehmen – immerhin sind es die prestigeträchtigsten Events der Welt. Bei einer Veranstaltung wie dem CHIO Aachen oder dem The Dutch Masters anzutreten oder überhaupt auch nur dort zu sein, ist etwas ganz Besonderes. 

 

Wie wichtig sind Ihrer Meinung nach die Majors wie der CHIO Aachen für den Sport?

Ich finde, sie erhöhen die Bekanntheit des Sports enorm. Es ist immer toll, Sport auf Spitzenniveau zu erleben, und genau das bieten die Majors. Sie bieten die Chance, mehr als eine normale Prüfung zu gewinnen, wie zum Beispiel den Rolex Grand Slam of Show Jumping. Ich glaube, selbst jemand, der kein Reitsportfan ist, würde so einen Wettkampf spannend finden. 

 

Vergangenes Jahr haben Sie Ihr eigenes Unternehmen Yeehaw ins Leben gerufen, um ein Netzwerk für Pfleger und Reiter zu erschaffen. Was hat Sie dazu inspiriert? 

Es gab mehrere Aspekte, die mich zur Gründung des Unternehmens inspiriert haben. Ein Grund war, dass mich so viele Leute gefragt haben (und noch immer fragen), wie man gute Mitarbeiter und gute Jobs findet. Es gibt so viele gute Pfleger und Arbeitgeber, aber es ist schwierig, sie zusammenzubringen. 

 

Ich wollte eine Plattform kreieren, auf der jeder die verfügbaren Angebote einsehen kann. Es ist nicht schwer, in diese Branche einzusteigen, weil es so viele Jobs gibt, aber es ist schwer, die richtige Stelle für sich zu finden. Wenn man nicht die richtigen Leute kannte, gab es bisher keine wirklich offizielle Stelle, an der man nach einem Job suchen konnte.

 

Ich wollte eine Möglichkeit für Pfleger und Reiter erschaffen, einander zu finden. Ein weiteres Ziel war es, zu versuchen, den Standard für Pfleger in unserer Branche anzuheben, um bessere Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. Ich glaube, wenn man eine gute Stelle als Pfleger hat, will man diese Arbeit bis an sein Lebensende ausüben. Aber wenn man bei seinem ersten Job nicht gut behandelt wird, kann das sehr schnell dazu führen, dass man das Interesse an dieser Arbeit verliert, auch wenn man sehr gut darin ist. Ich will einfach nur dafür sorgen, dass die Menschen die bestmöglichen Jobs bekommen, denn für mich ist das die beste Arbeit, die man überhaupt haben kann. 

 

Wenn Sie einem angehenden Pfleger etwas mit auf den Weg geben könnten, was wäre das?

Ich würde ihm oder ihr denselben Rat geben wie meinem jüngeren Ich: auf die erfahreneren Pfleger zu hören und von ihnen zu lernen. Und dass man keine Angst haben soll. Viele Menschen sind zwar zufrieden mit ihrer Arbeit, aber nicht so glücklich, wie sie es sein könnten. Natürlich macht es einem Angst, etwas Neues zu probieren und eine große Veränderung in seinem Leben zuzulassen, aber es ist unheimlich wichtig, den richtigen Ort für sich zu finden. Außerdem muss man Pferde lieben. Als Pfleger hat man so lange Arbeitszeiten und muss so viel reisen, aber wenn man Pferde liebt, ist es der beste Job auf der Welt.

 

INTERVIEW MIT JOSEPH UND MARK STOCKDALE

(Photo: YRA) | (Photo: Nelson Chenault) (Photo: YRA) | (Photo: Nelson Chenault)

Die Brüder Joseph und Mark Stockdale sind beides aufstrebende Stars in ihrem jeweiligen Sport – Joseph im Springreiten und Mark im Golf.

Sie treten ein großes sportliches Erbe an, denn ihr verstorbener Vater, Tim Stockdale, vertrat Großbritannien bei den Olympischen Spielen 2008 im Springreiten.

 

Können Sie sich bitte beide kurz vorstellen und uns jeweils ein bisschen über Ihre bisherige Karriere erzählen?

[Joseph Stockdale]: Ich heiße Joseph Stockdale. Ich bin 24 Jahre alt, komme aus Northampton und bin internationaler Springreiter. 2022 habe ich zusammen mit dem britischen Team die Bronzemedaille bei der FEI-Weltmeisterschaft in Herning gewonnen und hoffe, in diesem Sommer an den Olympischen Spielen 2024 in Paris teilnehmen zu können. 

 

[Mark Stockdale]: Ich bin Mark Stockdale. Ich bin 19 Jahre alt und komme auch aus Northampton. Zurzeit bin ich in der Golfmannschaft der Herren an der University of Central Arkansas sowie in der englischen Golfmannschaft der Herren. Ich möchte Profi-Golfspieler werden und stehe derzeit auf Platz 320 der Weltrangliste.  

 

Was haben Sie aus Ihrer jeweiligen Sportart gelernt – worin bestehen Ähnlichkeiten und Unterschiede? 

[Joseph Stockdale]: Ich glaube, die Ähnlichkeit besteht in dem hohen mentalen Anspruch. Mark ist auch schon geritten und ich spiele auch gern Golf. Vor allem auf Spitzenniveau ist es im Sport extrem schwierig. Mit den Pferden gibt es so viele Aufs und Abs – es ist eine richtige mentale Achterbahnfahrt. Aus meiner Perspektive als Golfamateur ist es ein Spiel, bei dem man gegen sich selbst kämpft. Beim Springreiten ist es beinahe ein Glück, dass wir auch von anderen Faktoren umgeben sind, zum Beispiel von Pferden. Golf ist ein sehr individuelles Spiel und man kann eigentlich nur sich selbst die Schuld geben, wenn etwas nicht klappt. Ich glaube daher, dass mentale Stärke eines der wichtigsten Dinge ist, die man von beiden Sportarten lernen kann.

 

[Mark Stockdale]: Dem würde ich zustimmen. Ich würde sagen, Geduld zu bewahren und auf die viele Arbeit zu vertrauen, die man hineingesteckt hat. Diese Dinge brauchen Zeit und man muss schon sehr zäh und belastbar sein, um an die Spitze zu gelangen. Die beiden Sportarten sind sehr verschieden und haben gleichzeitig viele Gemeinsamkeiten. Man muss sehr viel Geduld haben. Man wird nicht über Nacht die Nummer eins der Welt. Man muss Tag für Tag daran arbeiten. 

 

[Joseph Stockdale]: Ich finde, im Grund geht es bei jedem Sport auf Spitzenniveau nicht unbedingt darum, was man tut oder was man erreicht, sondern um die mentale Seite des Ganzen und die Einstellung, mit der man an seine Performance herangeht. Ich finde, in der Hinsicht kann man die beiden Sportarten miteinander vergleichen, auch wenn sie völlig verschiedenen sind.  

 

Lässt sich Ihrer Meinung nach die Beziehung zwischen einem Caddy und einem Golfer mit der zwischen einem Pfleger und einem Reiter vergleichen?

[Mark Stockdale]:  Ich finde, da gibt es auf jeden Fall Parallelen. Es muss ein Vertrauensverhältnis bestehen. Joe muss bei Charlotte [seiner Turnierpflegerin] darauf vertrauen können, dass die Pferde so gut wie nur möglich auf ein Turnier vorbereitet und in Bestform sind. Genauso muss ich bei meinem Caddy darauf vertrauen können, dass wir beide mit derselben Einstellung und demselben Ziel auf den Platz gehen. Wenn wir über bestimmte Aspekte einer Runde sprechen, müssen wir auf derselben Wellenlänge sein. Wir können uns nicht herumstreiten. Aber wenn Joe in die Arena einreitet oder ich den Abschlag mache, sind der Pfleger oder Caddy letztendlich nicht mehr Teil der Gleichung. Sie haben ihren Teil erledigt und es liegt an uns selbst, in diesem Augenblick Leistung zu erbringen.

 

[Joseph Stockdale]: Ich finde, die beiden Sportarten haben eine große Gemeinsamkeit. Wie Mark schon gesagt hat, ist Vertrauen das A und O. Es nimmt einem so eine große Last von den Schultern, wenn man weiß, dass jemand hinter einem steht, dem man vertrauen kann, dass er einen dahin bringt, wo man hinwill. Es ist so wichtig, jemanden zu haben, mit dem man sich austauschen kann. Wenn Mark zum Beispiel seinen Caddy fragt: „Wie findest du diesen Schlag?“, und der Caddy dazu „Tolle Idee“ sagt, verleiht einem das einen Hauch mehr Selbstvertrauen. Bei mir ist es das Gleiche, wenn ich beim Warm-up mit Charlotte zusammen bin und sie frage: „Wie war der letzte Sprung?“, und sie sagt, dass der Sprung perfekt war. Auch wenn es eine rein mentale Sache für uns ist, verleiht es uns ein zusätzliches Selbstvertrauen in unsere Herangehensweise und in das, was wir tun. Es stärkt einen mental und gibt einem Rückendeckung, bevor man in den Parcours einreitet oder einen Schlag ausführt.   

 

Können Sie uns etwas über Ihr Team erzählen? Wie wichtig ist es für Ihren Erfolgt? 

[Joseph Stockdale]: Ich habe ein großartiges Team. Zu meinem Team zählen sehr viele Menschen. Nicht nur diejenigen, die täglich auf dem Hof arbeiten, sondern auch die Tierärzte, Hufschmiede, Physiotherapeuten und noch viele mehr. Wenn man sich vor Augen führt, wie breitgefächert mein Team ist, gibt es ziemlich viele Menschen, die das alles ermöglichen. Ich habe in letzter Zeit jede Menge Bücher über Sportpsychologie gelesen und über Radfahrer, die von einer 1-prozentigen Verbesserung sprechen. Ein Team kann einen so sehr pushen – wenn man sich in jedem Bereich um 1 Prozent verbessert, kann das insgesamt einen gewaltigen Unterschied machen. Genau darauf zielen wir ab – dass sich jeder darum bemüht, um dieses eine Prozent besser zu werden. Ich muss sagen, dass das Team und die Menschen um mich herum einfach unglaublich sind. Sie geben bei ihrer Arbeit jeden Tag 110 Prozent und dafür kann ich ihnen gar nicht genug danken. Ohne sie wäre ich heute nicht dort, wo ich bin.

 

[Mark Stockdale]: Ich würde dasselbe sagen. Ich wäre ohne diese Menschen – ob nun meine Familie oder andere – nicht dort, wo ich heute bin. Was meinen Golfsport angeht – das war völliges Neuland für meine Familie. Wir erleben also alles gemeinsam und es ist ein fortwährender Lernprozess. Es hat jede Menge schwere Zeiten gegeben und das ist etwas, über das man reden und woraus man lernen muss. Das war also ein wesentlicher Faktor. Ich bekomme auch wahnsinnig viel Unterstützung von der Universität. Heute treffe ich mich beispielsweise mit meinen Trainern, damit ich körperlich in Bestform fürs Spiel bin. Darüber hinaus hilft mir der Verband dabei, bei den besten Turnieren antreten und auf höchstmöglichem Niveau spielen zu können. Und wenn ich an die Hersteller meiner Golfschläger denke, gibt es auch dort eine lange Liste von Menschen, ohne die ich heute nicht dort wäre, wo ich bin. 

 

Können Sie erläutern, wie wichtig Majors – wie der CHIO Aachen im Springreiten und das The Masters im Golf – nicht nur für Ihre jeweilige Sportart selbst, sondern auch für deren öffentliches Image sind? 

[Joseph Stockdale]: Das sind in einer Sportart die Veranstaltungen, bei denen man einfach dabei sein muss. Wenn wir Springreiter von einem Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping sprechen, wie dem CHIO Aachen oder dem The Dutch Masters, dann sind das für uns die besten Turniere der Welt. Es sind so große, spektakuläre Veranstaltungen.

 

Bestes Beispiel dafür: Wenn ich Freunden, die nichts mit dem Reitsport zu tun haben, von verschiedenen Turnieren erzähle, wissen sie nichts damit anzufangen, aber wenn ich sage, dass ich zu einem Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping fahre, wissen sie sofort, worum es geht und sind sehr beeindruckt. Das ist das Prestige, das Rolex mit diesen Turnieren erschaffen hat. 

 

Für uns Reiter sind es die allergrößten der größten Turniere, sie bieten die höchsten Preisgelder und sind die Prüfungen, die jeder unbedingt gewinnen will. Dort bekommt man Sport auf Spitzenniveau zu sehen. 

 

[Mark Stockdale]: Im Golf ist es dasselbe. Die Menschen hören den Begriff The Masters und wissen sofort, wie viel Prestige und Geschichte damit verbunden sind. Sie kennen sogar die Namen von Gewinnern des Turniers, selbst wenn sie selbst gar nicht Golf spielen, und sie wissen, was das „Grüne Jackett“ ist. Ich glaube, die Majors bringen Menschen zusammen, die sich vielleicht ansonsten gar nicht groß für den Sport interessieren. Aber sie erkennen das Prestige und ich finde, dass das unglaublich wichtig für den Sport ist. 

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping bietet auch Nachwuchsreitern eine Chance. Wie wichtig ist es, der nächsten Generation Gelegenheit zu bieten, gegen die Besten der Welt anzutreten? 

[Joseph Stockdale]: Ich glaube, genau das hilft einem dabei, die nächste Stufe zu erreichen. Wenn man einfach nur bei normalen 5-Sterne-Turnieren antritt, ist die Konkurrenz nicht so stark wie bei den Majors des Rolex Grand Slam, die Hindernisse sind nicht ganz so anspruchsvoll und die Parcours nicht ganz so technisch. Wenn man also als Nachwuchsreiter zum ersten Mal in einem Major antritt, ist da so, als würde man ins kalte Wasser geworfen. 

 

Ich glaube, die größte Lernerfahrung sammelt man, wenn man sich leicht außerhalb seiner Komfortzone befindet. Als ich zum ersten Mal beim CHI Genf war, war ich absolut begeistert – es war ein unbeschreibliches Erlebnis. Man ist dort zusammen mit den Besten der Welt. Es gibt keinen einzigen Spitzenreiter, der nicht dort ist, und alle haben ihre besten Pferde dabei und alle wollen gewinnen. Die Stechen in den Prüfungen sind sensationell – so etwas bekommt man bei anderen Turnieren einfach nicht zu sehen. Man sieht in einem ganzen Turniermonat vielleicht mal EINEN grandiosen Ritt, aber beim Rolex Grand Prix beim CHI Genf 2022 haben wir gleich fünf Reiter hintereinander erlebt, die Spitzenzeiten geritten sind, und bei jedem dachte man, diese Zeit wäre nicht mehr zu überbieten. Bis dann der nächste kam. Das war das Nonplusultra des besten Sports, nicht nur für die Zuschauer, sondern auch als Lernerfahrung für mich. Ich habe so viel daraus gelernt. Als Nachwuchsreiter eine solche Gelegenheit zu bekommen, war enorm wertvoll, und es ist den Majors hoch anzurechnen, dass sie jungen Reitern diese Chance bieten. Ich bin mir nicht sicher, wo ich jetzt stehen würde, wenn ich diese Chancen nicht bekommen hätte. Dadurch habe ich mich so verbessert.  

 

Sie sind ja in einer Reiterfamilie aufgewachsen. Was hat Ihre Golfleidenschaft geweckt und glauben Sie, dass Sie in Ihrem von Pferden dominierten Umfeld etwas gelernt haben, das Sie in Ihre Golfkarriere einfließen lassen?

[Mark Stockdale]: Ich habe einfach so nebenher mit dem Golfspielen angefangen. Mein Vater fing damit an und Joe hat zusammen mit ihm Stunden genommen, und so sind die beiden immer am Wochenende spielen gegangen, wenn er [mein Vater] von den Turnieren zurück war. Ich wollte es auch lernen, damit ich Zeit mit ihnen verbringen konnte. Also bekam ich ein paar Stunden und das hat sofort meinen Wettkampfgeist geweckt. Ich musste einfach üben, um besser als sie zu sein und sie zu schlagen. Ich habe es ziemlich schnell gelernt und dann angefangen, Turniere zu bestreiten. Dabei habe ich mich in den Prozess verliebt, dass man trainiert und dadurch immer besser wird. Ich finde, es ist eine dieser extrem herausfordernden Sportarten – man glaubt, man hat den Bogen raus und am nächsten Tag ist alles wieder weg. Das endlose Streben danach, besser zu werden, ist das, was ich so daran liebe. 

 

Von meiner Familie habe ich gelernt, dass man keinen Tag Pause machen darf. Man muss jeden Tag reiten, man kann ein Pferd nicht einfach im Stall stehen lassen. Man muss ständig arbeiten. Wenn mein Vater und Joe geritten sind, bin ich auf den Golfplatz gegangen und habe trainiert. Das ist der Hauptaspekt, den ich gelernt habe. Aber man muss auch viel Durchhaltevermögen haben. Es wird nämlich auch schwierige Zeiten geben. Aber wenn man sein Ziel im Auge behält und jeden Tag daran arbeitet, erreicht man es irgendwann. 

 

Sie treten ein großes sportliches Erbe an, denn ihr Vater war ja bei den Olympischen Spielen dabei. Was haben Sie von ihm gelernt?

[Mark Stockdale]: Ich habe so viel von ihm gelernt. Ich denke täglich an die Dinge, die er mir beigebracht hat. Schon allein, wie er mit Menschen umgegangen ist. Ob mit den Kindern, die ein Autogramm von ihm wollten, oder wie er sich mit Menschen unterhalten hat. Wenn er auf Turnieren unterwegs war, hat ihn immer jeder gekannt und auch er kannte jeden beim Namen. Ich habe von ihm gelernt, dass man Beziehungen zu anderen Menschen knüpfen muss, um ihren Respekt zu gewinnen. Er war so engagiert und hat so hart gearbeitet. Für mich ist das einfach der Grundsatz dessen, wie man sein sollte. Man muss sich zu 100 Prozent für das engagieren, was man tun möchte, darf kein Nein als Antwort akzeptieren und muss wirklich dafür kämpfen. 

 

[Joseph Stockdale]: Das sehe ich genauso wie Mark. Er war so hartnäckig und dickköpfig. Wenn es mal nicht richtig lief oder er mal nicht gewonnen hat, hat er sich nie runterziehen lassen, sondern sich noch mehr reingehängt. Er hat immer so hart gearbeitet, wie er nur konnte, um irgendwie wieder auf Siegeskurs zu gelangen. Er war so dickköpfig. Wenn etwas nicht funktioniert hat, hat er alles dafür getan, es zum Funktionieren zu bringen und einen Weg zu finden, mit dem gewünschten Ergebnis über die Ziellinie zu reiten. Wenn uns auch nur mal kurz der Gedanke ans Aufhören durch den Kopf schießt, hören wir immer seine Stimme im Hinterkopf, die uns sagt: „Man muss am Ball bleiben und versuchen, einen Weg zu finden.“ Er ist eine große Motivation für uns beide. 

 

Wenn Sie eins der Majors gewinnen könnten, welches wäre das und warum?

[Joseph Stockdale]: Bei mir wäre das der Rolex Grand Prix beim CHIO Aachen. Das ist ein so besonderer Grand Prix, er geht über mehrere Runden und jeder spricht darüber, wie imposant und schwierig er ist. Der CHIO Aachen hat eine so fantastische Grasarena und ist ein so geschichtsträchtiger Veranstaltungsort. Es wäre ein Traum, dort zu gewinnen. Beim Golf würde ich mich für The Masters entscheiden. Das „Grüne Jackett“ zu gewinnen und auf dem Platz in Augusta zu spielen, wäre phänomenal. 

 

[Mark Stockdale]: Ich würde auch The Masters sagen. Näher kann man der Perfektion beim Golf nicht kommen. Die samtig-grünen Fairways sind perfekt getrimmt. In einem nicht-perfekten Sport kommt dieses Turnier der Perfektion am nächsten und besitzt ein unglaubliches Image. Zuzusehen, wie die Spieler am Ende das „Grüne Jackett“ anziehen – genau das war in meiner Kindheit und Jugend für mich der Inbegriff vom Golf.

(Photo : Tiffany Van Halle) (Photo : Tiffany Van Halle)

Die Geschichte hinter United Touch S

Der Mutterstamm von United Touch S basiert auf der unvergessenen Olympiasiegerin Classic Touch (Caletto II - Sevada x Landgraf I, Stamm 4025, Z.: Hans-Werner Ritters). Die von Ludger Beerbaum gerittene Caletto II-Tochter gewann 1992 in Barcelona eine Goldmedaille, was Beerbaum seine bisher einzige olympische Einzel-Goldmedaille einbrachte. Zwei Züchter spielen eine wichtige Rolle in der Geschichte von United Touch S. Zum einen die Familie van der Vorn, die Touch of Class gezüchtet hat und im Besitz von Cantate Touch war. Zum anderen der Züchter von United Touch S, der die Kombination zwischen dem Halbbruder und der Schwester vornahm, die zu United Touch S führte.

 

Die Familie van der Vorm - De Margaretha Hoeve

Cantate Touch - das erste Fohlen von Classic Touch - wurde über Joop Aaldering an die Familie van der Vorm in die Niederlande verkauft, die seit 1990 einen Pferdebetrieb mit dem Namen Margaretha Hoeve betreiben. Annemiek van der Vorm sagt im Namen ihrer Familie: „Classic Touch hatte gerade die Deutsche Meisterschaft gewonnen und meine Familie hielt sie für ein großartiges Pferd. Wir hörten von Herrn Aaldering, dass sie eine Tochter von Capitol I hatte: Cantate Touch. Wir waren immer holsteinisch orientiert, mein Vater hat damals in gute Stuten investiert und sie dann gekauft. Sie war eine fantastische Stute. Im Laufe der Jahre wurden wir Besitzer von Lux Z, und meine Familie war der Meinung, dass sie perfekt zu Cantate Touch passte. Lux Z hatte viel Umfang, Länge, Kraft und war sehr flexibel. Sie waren der Meinung, dass dies der perfekte Hengst für eine super vorsichtige Stute wie Cantate Touch sei. Ich denke, wir, vor allem meine Eltern und Brüder, haben mit etwa 60 Fohlen pro Jahr einige gute Pferde für verschiedene Leute gezüchtet. Natürlich sind wir stolz auf United Touch S. „Cantate Touch sprang über 1,60 m mit Ben Schröder, der damals für die Familie van der Vorm ritt. Das Paar gewann Nationenpreise, zudem unter anderem den Großen Preis von Modena in Italien.“

 

Julius Peter Sinnack

Julius Peter Sinnack, der 2015 mit dem Preis für den Züchter des Jahres in Westfalen ausgezeichnet wurde, versuchte seit vielen Jahren, die Stute Cantate Touch zu kaufen, nachdem er ihre Erfolge im Parcours gesehen hatte.

 

Touch of Class (Credits : Private) Touch of Class (Credits : Private)

Sinnack gab nicht auf und konnte 2003 ein Stutfohlen von Lux Z aus der Cantate erwerben. Dieses vielversprechende Stutfohlen taufte Sinnack auf den Namen Touch of Class. Sinnack erinnert sich: „Ich wollte immer etwas aus der Linie von Classic Touch haben. In den Neunzigern war Classic Touch DAS Pferd, das alle Herzen höherschlagen ließ. Ich habe sie nach ihrem Olympiasieg 1992 im Stall von Ludger Beerbaum gesehen. Sie hat mich sehr beeindruckt! Ich fragte meinen guten Freund Joop Aaldering, der viele Verbindungen hat, ob er mir helfen könnte, einen Nachkommen aus dieser Linie zu finden, denn er hatte Cantate Touch von Hans Werner Ritters gekauft und sie ursprünglich an die Familie van der Vorm verkauft. Cantate Touch war nach ihrer Sportkarriere als Zuchtstute aktiv. Ich habe versucht, Cantate Touch zu kaufen, aber sie war so teuer, dass ich sie erst einmal nicht gekauft habe. Im Jahr 2003 hatte sie ein Stutfohlen von Lux Z, für das ich mich interessierte und das ich schließlich kaufen konnte. Ich erinnere mich noch daran, als es hier auf meinem Hof ankam - ich bin ein ziemlich emotionaler Züchter - aber als sie aus dem Anhänger stieg, dachte ich, hier kommt Classic Touch, das war ein ziemlich emotionaler Moment. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht wissen, wie sie als Zuchtstute sein würde. Ich ließ sie als Jährling ein paar lockere Sprünge machen und das war überhaupt nicht gut, ich war ziemlich enttäuscht. Als Zweijährige habe ich sie gedeckt und einen Embryo gespült. Ich wollte nicht, dass sie in so jungem Alter ihr eigenes Fohlen austrägt. Aus diesem Embryo wurde ein Hengstfohlen von Diamant de Semilly, Deauville S, der sich später als ihr erster Nachkomme mit Siegen auf höchstem Niveau herausstellte - er hatte viele Spitzenplatzierungen mit Laura Kraut, sowohl in Nationenpreisen als auch in 1,60-Grand Prix wie in St. Moritz. Ich habe Diamant de Semilly eingesetzt, weil Touch of Class eine sehr blutgeprägte Stute und leicht bergab gebaut war, so dass ich wirklich dachte, dass es in Kombination mit Diamant de Semilly gut funktionieren könnte, und das tat es auch. Ich habe ihn später noch einmal für Touch of Class eingesetzt. Es dauert Wochen und manchmal Monate, bis ich die richtigen Kreuzungen für die Stuten gefunden habe. Nach Diamant de Semilly habe ich Canturo für Touch of Class eingesetzt. Aus diesem Stutfohlen wurde Zypria S, die mit Willem Greve über 1,70 m gesprungen ist. Sie waren Teil der niederländischen Olympiamannschaft in Tokio 2021 und Teil der siegreichen niederländischen Mannschaft für das Nationenpreisfinale 2019. Canturo gab Zypria S viele Eigenschaften, darunter auch eine gute Technik mit auf den Weg.

 

In dem Moment, als ich den Embryotransfer des Embryos, aus dem Deauville S wurde, abgeschlossen hatte, konnte ich Cantate Touch kaufen. Ich habe Cantate Touch dann mit dem von mir gezüchteten Hengst Con Cento S (Cento x Polydor) angepaart. Dieses Hengstfohlen, Con Touch S, wurde auf internationalem Niveau von Laura Kraut und Simone Blum vorgestellt und erreichte mit Blum 1,60 m. Nach Con Cento S habe ich den Sohn von Hors la Loi II, Untouchable, für Cantate Touch eingesetzt. Aus diesem Hengst wurde der Hengst Untouched - der Vater von United Touch S. Er war als junges Pferd ein spektakuläres Springpferd und wurde an einen Besitzer von Nick Skelton verkauft, der mit Untouched als erster internationale Erfolge feierte. Später trat Ben Maher mit ihm an, aber Untouched starb sehr früh. Ich bin mir sicher, dass er in diesem Sport Unglaubliches geleistet hätte.“

 

Photo : Tiffany Van Halle Photo : Tiffany Van Halle

United Touch S

Sinnack erinnert sich: „Das vierte Fohlen von Touch of Class war United Touch S von Untouched. Diese Anpaarung war ein großes Risiko, ein züchterischer Versuch, der völlig hätte schief gehen konnte. Aber es gab keinen Moment, in dem ich Zweifel hatte. United Touch S war als Fohlen sehr hübsch und konnte sich gut bewegen. Als United Touch S geboren wurde, habe ich gleich am ersten Tag gesagt, dass dieses Hengstfohlen das Stutfohlen, das am selben Tag geboren wurde, decken wird. So ist es dann auch gekommen. Ich hatte schon im Kopf, dass United Touch S ein gekörter Hengst werden könnte. United Touch S hätte als Holsteiner Pferd eingetragen werden können, aber der Holsteiner Verband hat seinen Vater nicht als Hengst anerkannt, sie haben ihn nicht anerkannt, als er vorgestellt wurde. So wurde United Touch S ein westfälisch eingetragenes Fohlen. Er ist eigentlich ein rein holsteinisch gezüchteter Hengst mit französischen Anteilen.

Damals setzte ich Untouched ein, da er als Sportpferd schon vielversprechende Dinge zeigte. Das hat mich auch ein Stück weit überzeugt, ihn einzusetzen, weil er seinen Körper so gut eingesetzt hat. Ich wollte diese Eigenschaften festigen. Ich wollte auch viel von Classic Touch zurück in die Linie bekommen. Es hätte aber auch ganz anders laufen können, wenn das Fohlen nicht gesund gewesen wäre oder negative Eigenschaften gehabt hätte. Inzucht ist dazu da, dass man bestimmte Eigenschaften festigt. Ich dachte wirklich, dass es zwischen Touch of Class und Untouched funktionieren könnte. Die Kombination sollte funktionieren, auch aufgrund des Exterieurs der beiden. Am Ende hat sich United Touch S als gut erwiesen. Aber ich bin mir bewusst, dass es ein Risiko war, diese Kreuzung zu machen.

Als junges Pferd hatte er eine gute Art zu springen. Ich habe immer positiv über ihn gedacht. Ich erinnere mich, dass wir, als er zwei Jahre alt war und mit anderen jungen Hengsten auf der Weide stand, dort einen Offenstall hatten und im Winter waren sie in diesem Stall. Ich habe so viele Abende damit verbracht, vor diesem Stall zu sitzen und ihn zu beobachten. Er hatte einfach etwas Besonderes und ich habe auch genau hingeschaut, weil er ingezüchtet war. Ich konnte nie etwas Negatives an ihm entdecken und ich habe ihn wirklich viele Stunden lang beobachtet. Als junges Pferd hatte er eine gute Art zu springen. Ich habe immer positiv über ihn gedacht. Ich erinnere mich, dass wir, als er zwei Jahre alt war und mit anderen jungen Hengsten auf der Weide war, dort einen Offenstall hatten und im Winter waren sie in diesem Stall. Ich habe so viele Abende damit verbracht, vor diesem Stall zu sitzen und ihn zu beobachten. Er hatte einfach etwas Besonderes und ich habe auch genau hingeschaut, weil er ingezüchtet war. Ich konnte nie etwas Negatives an ihm entdecken und ich habe ihn wirklich viele Stunden lang beobachtet.

Als Vierjähriger wurde er von Hendrik Dove geritten. Ich bringe viele meiner jungen Pferde zu ihm. Er war schon sehr begeistert von United Touch S - von seiner Rittigkeit und dem Umgang, er war ein sehr einfacher Hengst. In meinem Stall habe ich Hengste, Wallache und Stuten und das hat ihn nicht gestört. Als junges Pferd hatte er eine fantastische Springtechnik, allerdings war die Weite in dem Alter schwer zu beurteilen. Vier- und fünfjährig stand er auf dem Gestüt Schuld. Als fünfjähriges Springpferd war er Zweiter bei den Westfälischen Meisterschaften. Drei Wochen später wurde er erneut Zweiter, diesmal beim Bundeschampionat. Nach dem Bundeschampionat ging er zu Willem Greve, der ihm eine hervorragende Ausbildung zuteilwerden ließ. Ich wollte auch sicherstellen, dass er in den Niederlanden Stuten deckt, und deshalb wurde der Samen über Willems Vater, Jan Greve, verkauft.

Er hatte auch seine Halbschwester Zypria S in seinem Stall und war mit ihr in der Springreiter-Nationalmannschaft. Nach Willem Greve ging United Touch S zu Bart Bles. Er war eine schöne Kombination mit United Touch S, aber aufgrund gewisser Umstände konnte er ihn in vielen Prüfungen nicht wirklich einsetzen und am Ende musste ich ihn dort wieder wegholen. Auf einer Auktion bei Holger Hetzel habe ich Sophie Hinners kennengelernt und mit ihr über United Touch S gesprochen. Wir vereinbarten, dass ich mit ihm vorbeikommen würde, damit sie ihn ausprobieren konnte. Sophie meinte, er sei vielleicht zu stark für sie, aber Richard (Vogel) würde ihn gerne reiten. Das war zehn Tage vor den Bundeschampionaten. Richard rief mich an, um zu fragen, ob ich etwas dagegen hätte, dass United Touch S dort in der Klasse der achtjährigen und älteren Pferde startet. Ich war ein bisschen überrascht, denn jeder Züchter würde ihn sehr genau beobachten. Ich dachte, wenn das schief gehen würde, würden mich alle auslachen. Am ersten Tag hatte er zwei Abwürfe und sprang nicht besonders gut, aber am zweiten Tag gewannen sie die Prüfung.

Ich bin glücklich und auch ein bisschen stolz, dass es mit United Touch S am Ende so gut geklappt hat. In der Zucht muss man manchmal Dinge ausprobieren. Für mich kann das bedeuten, dass ich in der Zucht Fortschritte mache. Manchmal muss man auch Risiken eingehen. Züchten hat auch viel mit Glück zu tun. Und man muss Glück haben, dass die Pferde den richtigen Reiter finden. Außerdem hatte ich das Glück, dass ich mit einem tollen Mutterstamm züchten konnte. Wenn wir ein paar Generationen zurückgehen, können wir sehen, dass Feldtor schon eine Stute mit einer hervorragenden Arbeitsbereitschaft war. Jedes Mal, wenn ein Bauer einen Traktor kaufen wollte, wurde sie an den nächsten Bauern verkauft, weil alle sie haben wollten. Diese Eigenschaft ist auch heute noch in der Linie vorhanden, dass diese Pferde arbeiten wollen."

VOGEL SIEGT BEIM ROLEX GRAND PRIX - DEM LETZTEN HAUPTTURNIER DES JAHRES

(Photo : Tiffany Van Halle) (Photo : Tiffany Van Halle)

In der Geschichte des Pferdesports gibt es Reiterinnen und Reiter, deren Namen und Leistungen für immer in die Geschichte eingehen. Und darauf hofften auch die 40 Pferd-Reiter-Paare, die heute beim CHI Genf, dem letzten Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping des Kalenderjahres um einen Sieg beim prestigeträchtigen Rolex Grand Prix kämpften.

Wieder einmal stellte der erfahrene Parcoursdesigner Gérard Lachat die Teilnehmer vor eine echte Herausforderung, in der Mut, Präzision und Ausdauer gefragt waren: Auf die 14 Hindernisse im ersten Umlauf sollte ein Stechen mit acht Hindernissen folgen für den Fall, dass zwei oder mehr Pferd-Reiter-Paare den ersten Umlauf fehlerfrei absolvierten.

Nach seinem Sieg im CPKC ‚International‘, presented by Rolex beim CSIO Spruce Meadows ´Masters‘ Turnier hoffte Martin Fuchs, der aktuelle Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping, darauf, seine Jagd auf den ultimativen Titel im Springreitsport fortsetzen zu können. Der Schweizer ging als dritter Reiter in den Parcours, schied jedoch mit einem Fehler am vorletzten Hindernis schweren Herzens aus dem Rennen um den Sieg aus.

Der Parcours schien die Teilnehmer vor Probleme zu stellen, wobei besonders die Zeit knapp bemessen war. Insgesamt konnten vier Reiter die Runde zwar fehlerfrei absolvieren, wurden aber mit Zeitfehlern bestraft. Auch Favoriten wie der Einzel-Olympiasieger Ben Maher und der Weltranglisten-Achte Simon Delestre waren nicht in der Lage, den anspruchsvollen Parcours zu meistern.

Der junge Deutsche Richard Vogel, der der von Rolex unterstützten Young Riders Academy angehört, war es schließlich, der auf Startposition 15 die erste Nullrunde innerhalb der erlaubten Zeit schaffte. Das vollbesetzte Palexpo erwachte nur drei Pferde später zum Leben, als Steve Guerdat mit Dynamix de Belheme seine fabelhafte Form fortsetzte und dafür sorgte, dass es ein Stechen geben würde. Rolex-Markenbotschafter Kent Farrington war einer der unglücklichen Reiter, die mit nur vier Fehlern ins Ziel kamen, ebenso wie der Ire Shane Sweetnam, der im letzten Jahr Dritter in dieser Prüfung geworden war.

Im weiteren Verlauf begannen die Reiter, die Tücken des Parcours besser zu verstehen. So konnten sich einige Teilnehmer ebenfalls fehlerfreie Runden sichern, darunter der Belgier Wilm Vermier, der Gewinner des FEI Nations Cup™ Finales 2023, der Deutsche Christian Kukuk, und die Team-Silbermedaillengewinnerin der Olympischen Spiele in Tokio Jessica Springsteen aus den USA. Henrik von Eckermann (SWE) schockte die Zuschauer, als er als Nummer 1 der Weltrangliste mit seinem Ausnahmepferd King Edward gleich acht Fehler kassierte.

Insgesamt traten sieben Pferd-Reiter-Paare beim Stechen gegeneinander an und starteten in derselben Reihenfolge wie im ersten Umlauf. Vogel und United Touch S mit seiner beeindruckenden Galoppade waren die Ersten und begeisterten das Publikum, indem sie mit einer Zeit von 37,14 Sekunden das Tempo vorgaben und fehlerfrei blieben. Die Hoffnungen der Schweizer auf einen Heimsieg wurden zunichte gemacht, als Guerdat, der schnell aussah, zu nah an das vorletzte Hindernis geriet und einen Abwurffehler kassierte. Christian Kukuk schaffte auch den zweiten Umlauf fehlerfrei, war aber nicht so schnell wie Vogel und überquerte die Ziellinie mit fast fünf Sekunden Rückstand. Der Ire Mark McAuley blieb ebenfalls ohne Fehler, konnte aber nicht mit dem vorgegebenen Tempo mithalten. Der einzige Reiter, der Vogel noch vom Sieg abhalten konnte, war Julien Epaillard, der oft als der schnellste Reiter im Springreitsport gilt. Der Franzose scheiterte jedoch bereits am zweiten Hindernis und Richard Vogel konnte sich somit seinen ersten Sieg bei einem Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping sichern und die Saison 2023 der prestigeträchtigen Turnierserie stilvoll abschließen.

Zu seiner Position als neuer Anwärter auf den Rolex Grand Slam meinte Vogel: „Ich fühle mich unglaublich. Hier beim CHI Genf zu gewinnen und beim Rolex Grand Slam dabei zu sein, ist für mich ein Traum, der wahr geworden ist. Die Stimmung war fantastisch und mein Pferd war einfach perfekt. Er hat einen so raumgreifenden Galopp, deshalb waren besonders im ersten Umlauf einige der Linienführungen sehr schwer für ihn, aber er hat sich für mich wirklich ins Zeug gelegt. Er hat mir alles gegeben und sich das Herz aus dem Leib gesprungen. Ich war noch nie beim The Dutch Masters, aber ich freue mich sehr darauf, im März dabei zu sein – wir werden uns einen Plan für die nächsten Monate zurechtlegen und versuchen, dort zu gewinnen!“

Der deutsche Springreiter weiter: „Ich bin sehr eng mit McLain Ward befreundet und habe mir gestern Abend das gesamte Stechen vom letzten Jahr angeschaut. Ich wusste, dass man hier schnell sein muss, um zu gewinnen, und obwohl ich als Erster an der Reihe war, habe ich mich entschlossen, alles zu geben.“

INTERVIEW MIT EMMA UUSI-SIMOLA

(Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) (Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

Könnten Sie sich kurz vorstellen und uns Ihre Aufgabe erläutern?

Mein Name ist Emma Uusi-Simola und ich begleite Steve Guerdat als Pferdepflegerin auf Turnieren.

 

Steve Guerdat und Venard de Cerisy haben am Freitag das Rolex IJRC Top 10 Finale gewonnen. Wie hat sich das angefühlt?

Venard [De Cerisy] ist mein Lieblingspferd, daher war dieser Sieg etwas ganz Besonderes für mich. Ich wusste, dass sie es schaffen können, aber in diesem Sport weiß man nie so recht, ob es auch wirklich klappt. Sie waren unglaublich. Nach ein paar Jahren, die nicht ganz so gut gelaufen sind, wie wir es uns gewünscht hätten, ist der Gewinn dieser prestigeträchtigen Prüfung als Abschluss eines unglaublichen Jahres einfach großartig.

 

Venard de Cerisy und Dynamix de Belheme sind einfach fantastische Pferde – können Sie uns etwas mehr über sie erzählen?

Venard ist ein sehr scheues Pferd. Er hat gerne vertraute Menschen um sich herum und ist daher manchmal etwas schwierig, aber er ist einfach ein unglaubliches Springtalent. Er ist mein Bester!

Dynamix hat ihre eigene Persönlichkeit! Sie ist ein Star in der Arena und sehr pflegeleicht, aber sie langweilt sich sehr schnell. Steve ändert ihre Reitroutine regelmäßig, um sie bei Laune zu halten – sie macht nicht gerne immer dasselbe, aber wenn sie auf einem Turnier ist, ist sie einfach phänomenal.

 

Wie sind die Bedingungen beim CHI Genf für Sie als Pferdepflegerin und für die Pferde?

Die Ställe hier beim CHI Genf sind großartig – dieses Jahr haben die Pferde richtig große Boxen, so dass sie viel Platz haben, um sich zwischen den Prüfungen zu entspannen.

Neulich gab es einen Brunch für die Pferdepfleger, das war ein toller Start in den Tag. Das Essen war wunderbar und es war eine wirklich nette Geste seitens der Organisatoren.

Hier ist alles so gut organisiert und durchdacht. Ich kann mich wirklich nicht beschweren!

 

Sie haben kürzlich den Cavalor FEI Best Groom Award gewonnen – wie viel bedeutet Ihnen diese Auszeichnung als beste Pferdepflegerin?

Es ist einfach großartig. Ich glaube, ich habe nicht die richtigen Worte, um meine Gefühle auszudrücken – aber es bedeutet mir sehr viel. Es gibt mir das Gefühl, dass alle anderen Pferdepfleger und die Menschen um mich herum meine Arbeit und die Art und Weise, wie ich sie ausübe, zu schätzen wissen. Deshalb fühlt es sich toll an, diesen Preis gewonnen zu haben.

 

Sind Sie gerne bei den Majors – The Dutch Masters, dem CHIO Aachen, Spruce Meadows 'Masters' und dem CHI Genf? Wodurch unterscheiden sie sich Ihrer Meinung nach von den anderen Turnieren?

Diese Majors sind die besten Turniere der Welt. Für mich unterscheiden sie sich vor allem von den anderen Veranstaltungen im Kalender, weil sie so gut organisiert sind. Man hat auch das Gefühl, dass die Pferde ebenso wie der Sport auf höchstem Niveau wirklich im Mittelpunkt stehen.

 

Was gefällt Ihnen besonders daran, Teil von Steves Teams zu sein?

Es ist etwas ganz Besonderes – ich liebe es, mit ihm und dem Team zu arbeiten. Er behandelt die Pferde sehr gut und ich mag seine Einstellung: Pferde sollten Pferde sein dürfen. Bei uns im Stall ist alles sehr einfach gehalten – es ist nicht übermäßig kompliziert. Wir versuchen einfach, die Pferde glücklich und erfolgreich zu machen. Er ist zudem ein großartiges Reittalent!

 

Als Turnierpflegerin sind Sie viel unterwegs. Wie wichtig ist Ihr Team zu Hause?

Es ist entscheidend für unseren Erfolg. Ich habe vollstes Vertrauen in unser Team. Wenn ich unterwegs bin, muss ich mir keine Sorgen um die Pferde zu Hause machen, denn ich weiß, dass sie perfekt versorgt werden. Das ist für mich und auch für Steve sehr wichtig.

 

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten?

Ich liebe es, zu reisen und auf Turnieren zu sein – ich bin nicht gerne zu Hause, daher passt dieser Job sehr gut zu mir! Außerdem mag ich es, einfach bei den Pferden zu sein und mich um sie zu kümmern. Jedes Pferd hat seine eigene Persönlichkeit, das macht diese Arbeit sehr interessant.

 

Wie lautet der beste Ratschlag, den Sie jemals erhalten haben?

Der beste Rat, den ich je erhalten habe, lautet: Ständig weiter dazu lernen. Ich denke, es ist unglaublich wichtig, anderen bei der Arbeit zuzusehen und von ihnen zu lernen. Schließlich kann man sich immer weiter verbessern.

 

Wie wichtig ist das Gemeinschaftsgefühl unter den Pferdepflegern?
Ich glaube nicht, dass viele der Pferdepfleger diese Arbeit ohne die unglaubliche Gemeinschaft, die wir haben, machen würden – sie ist eines der Dinge, die uns alle am Laufen halten. Wir unterstützen uns alle gegenseitig. Zum Beispiel haben wir uns am Freitagabend nach dem Rolex IJRC Top 10 Finale gegenseitig geholfen, damit wir alle die Ställe verlassen konnten. Ein Gemeinschaftsgefühl wie dieses ist einfach großartig.

INTERVIEW MIT PARCOURSDESIGNER GÉRARD LACHAT

(Photo : Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock) (Photo : Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock)

Was macht den CHI Genf für Sie zu einer so besonderen Veranstaltung?

Die Atmosphäre beim CHI Genf ist einfach unglaublich. Alles findet unter einem Dach statt und ist hervorragend durchdacht. Beim The Dutch Masters ist es ähnlich. Die Wettbewerbe dort sind grandios, aber die Arena ist viel kleiner. Der CHI Genf ist für seine Größe und die Ausmaße seiner Hauptarena bekannt – sie ist eine der größten Hallen der Welt für Springreitturniere.

 

Was ist das Besondere daran, einen Parcours für die beste Hallenveranstaltung der Welt zu entwerfen?

Die besten Pferd-und-Reiterpaare der Welt treten beim CHI Genf an. Deswegen kann die Parcoursgestaltung eine schwierige Aufgabe sein und einen sehr unter Druck setzen. Die Hauptarena bei dieser Veranstaltung ist in ihrer Größe mit einigen Anlagen im Freien vergleichbar. Das ist außergewöhnlich und bietet mir die Chance, wirklich interessante Parcours zu entwerfen. Es gibt hier auch noch ein paar andere einzigartige Elemente, wie den See und den Brunnen, die wir bei der Gestaltung des Parcours berücksichtigen müssen – die Fans müssen schließlich den gesamten Parcours überblicken können. Deshalb ist die richtige Handhabung der Lagepläne sehr wichtig. Außerdem muss der Parcours die Reiter herausfordern, sie sind immerhin die Besten der Welt. Die richtige Balance zwischen diesen Elementen zu findenist also das A und O, wenn man für einen spannenden Wettkampf sorgen will.

 

Können Sie uns ein wenig über den Parcours für den Rolex Grand Prix am Sonntag erzählen?

Ich finde, wir haben für Sonntag einen sehr klassischen Parcours gestaltet, in dem auch der doppelte Liverpool wieder vertreten sein wird. Diese beiden Gräben kamen schon beim CHIO Aachen und beim CSIO Spruce Meadows `Masters‘ zum Einsatz. Ich glaube, sie werden eine sehr knifflige Kombination für den Rolex Grand Prix am Sonntag ergeben, weil sie direkt neben dem See platziert sind. An der Stelle hat sich dieses Hindernis noch nie befunden, wir werden also sehen, wie es sich springen lässt. Ich glaube, erfahrenere Reiter wie diejenigen, die im Rolex IJRC Top 10 Finale angetreten sind, werden damit klarkommen, aber es wird dennoch ihr technisches Können auf die Probe stellen.

 

Wer wird Ihrer Meinung nach den Rolex Grand Prix am Sonntag gewinnen?

Der Rolex Grand Prix am Sonntag wird auf jeden Fall sehr interessant. Ich glaube wirklich, dass jeder ihn gewinnen könnte. Wir haben einige unfassbar talentierte Schweizer Reiter dabei, wie Martin Fuchs und Steve Guerdat. Außerdem treten eine Reihe von Spitzenreitern aus verschiedenen Ländern an. Ich glaube, es gibt etwa 10 oder 15 Paare, die dieses Jahr gewinnen könnten – es wird unglaublich spannend werden.

 

Wie sind Sie zum Parcoursdesign gekommen?

Ich habe auf nationaler Ebene mit dem Designen von Parcours begonnen und mir mit der Zeit einen Ruf erarbeitet, sodass ich schließlich Parcours auf nationalem Spitzenniveau wie für den Schweizer Grand Prix entwerfen durfte. Als ich angefangen habe, Parcours auf internationalem Niveau zu gestalten, war ich zu Beginn nur Assistent. Ich hatte das unglaublich große Glück, mit einigen ganz herausragenden Designern zusammenzuarbeiten, wie Rolf Lüdi, der zu der Zeit einer der besten Parcoursdesigner in Europa war.

Später in meiner Laufbahn begann ich dann, mit Frank Rothenberger und Louis Konickx zusammenzuarbeiten. Louis assistiert mir sogar hier diese Woche. Er hat eine große Rolle in meiner Karriere gespielt und ich bin ihm unglaublich dankbar für seine Hilfe. Es ist großartig, die Meinung von jemand anderem über die Parcours zu hören, denn das stärkt die eigenen Ideen und hilft dabei, sie zu verwirklichen.

Parcoursdesigner müssen bestimmte Prüfungen ablegen, um Top-Designer zu werden, aber ich finde, der wahre Lernprozess ist die Arbeit als Assistent bei einem etablierten Designer. Man nutzt das theoretische Wissen, das man sich angeeignet hat, und erlebt es aus erster Hand.

Es gibt eine ganze Reihe von jungen Parcoursdesignern, die beim CHI Genf helfen möchten, und wir suchen uns jedes Jahr einen bis zwei davon aus, die uns assistieren dürfen. So geben wir ihnen die Gelegenheit, bei einer der besten Veranstaltungen der Welt Erfahrungen zu sammeln. Ich habe in meiner Karriere auch solche Chancen bekommen und finde es deshalb so wichtig, anderen das Gleiche zu ermöglich. Dieses Jahr haben wir zwei junge und vielversprechende Designer aus der Schweiz dabei, die unsere Abläufe kennenlernen möchten. Ich bin dieses Jahr zum neunten Mal als Parcoursdesigner bei diesem Turnier und es ist großartig, ein paar jüngere Designer mit neuen Ideen zu haben, die mir helfen.

 

Auf welchen Parcours sind Sie besonders stolz?

Meiner Meinung nach war der Rolex Grand Prix beim CHI Genf 2021 der beste Parcours, den ich je entworfen habe. Alle Reiter haben den Parcours gelobt und es war ein unglaublicher Wettkampf. Dieses Jahr habe ich mir diesen Parcours noch mal ganz genau angesehen und alle Aspekte genau unter die Lupe genommen, die ich mit einbauen wollte.

 

Was sind Ihre Leidenschaften abseits der Parcoursgestaltung?

Im Augenblick habe ich nicht viele Hobbys außer dem Parcoursdesign. Ich verbringe einen Großteil meiner Zeit mit der Arbeit in dem Zuchtbetrieb, den meine Frau und ich betreiben. Daüber hinaus bin ich vergangene  Woche bin ich zum ersten Mal Großvater geworden, was sehr aufregend ist und garantiert noch mehr von meiner Zeit beanspruchen wird.

 

Wie hat der Rolex Grand Slam of Show Jumping den Springreitsport gefördert?

Ich glaube, der Sport hat sehr davon profitiert, dass der Rolex Grand Slam of Show Jumping ins Leben gerufen wurde. Er umfasst die besten Turniere der Welt und das Niveau der Prüfungen ist enorm hoch. Der Sport entwickelt sich fortlaufend weiter und der Rolex Grand Slam of Show Jumping motiviert die Reiter wirklich sehr dazu, Bestleistungen zu erbringen und ein Major zu gewinnen. Er öffnet den Reitern auch Türen und stellt sicher, dass die jüngeren Generationen Gelegenheit bekommen, bei einigen der besten Turniere der Welt anzutreten.

GUERDAT DOMINIERT ERNEUT DAS ROLEX IJRC TOP 10 FINALE

(Photo: Tiffany Van Halle) (Photo: Tiffany Van Halle)

Spürbare Vorfreude lag in der Luft des Palexpo, als das leidenschaftliche und fachkundige Publikum beim CHI Genf der 22. Ausgabe des prestigeträchtigen Rolex IJRC Top 10 Finales entgegenfieberte. In der innovativen und weltweit angesehenen Prüfung, die oft mit dem Nitto ATP Finale im Tennis verglichen wird, traten die aktuellen Top 10 der Weltrangliste über zwei Runden gegeneinander an, um zum Champion der Champions gekrönt zu werden.

Es war wirklich ein sehr internationales Starterfeld, da die zehn Reiter aus acht verschiedenen Nationen stammen. Unter diesen Spitzenathleten befanden sich der letztjährige Gewinner dieser Prüfung und Weltranglistenerste, Henrik von Eckermann, der amtierende Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping, Martin Fuchs, sowie der Olympiasieger im Einzel, Ben Maher. Vor dem Wettkampf kam das Publikum in den Genuss der traditionellen Reiterparade, die die Aufregung und sensationelle Atmosphäre in der Hauptarena noch weiter schürte.

Da beide Runden gewertet und die Fehler addiert wurden, standen die Reiter von dem Augenblick an, in dem sie in den Parcours einritten, unter großem Druck. In der Eröffnungsrunde traten die Reiter in umgekehrter Reihenfolge der Rangliste an, sodass der Ire Shane Sweetnam, ein Newcomer in dieser Prüfung, es als Erster mit dem 1,60-Meter-Parcours aufnahm. Sweetnam gelang eine perfekte Runde, womit er die Richtzeit für die neun noch übrigen Reiter vorgab. Die nächsten Reiter bemühten sich vergebens, diese Vorlage zu toppen und selbst Favoriten wie Simon Delestre, Harrie Smolders und Max Kümussten Fehler hinnehmen – Delestre acht und Smolders sowie Kühner sogar je zwölf. Julien Epaillard gelang es mit einer für ihn typischen schnellen Runde mit nur einem Abwurf, sich im Rennen zu halten.

Nach ihm erwachte das Palexpo jedoch richtig zum Leben, als dem Schweizer Steve Guerdat mit Venard de Cerisy die zweite fehlerfreie Runde der Prüfung gelang – ein Ergebnis, das ihm seine Rolex-Markenbotschafterkollegen, Martin Fuchs und Kent Farrington, leider nicht nachmachen konnten. Ein weiterer Favorit, Ben Maher, scheiterte ebenfalls an dem Parcours, wohingegen der letzte Starter der ersten Runde, Henrik von Eckermann, sein ganzes Talent unter Beweis stellte, um seine Hoffnungen auf einen zweiten Folgesieg am Leben zu erhalten.

Nach dem Umbau des Parcours traten die Reiter in umgekehrter Reihenfolge aus der ersten Hälfte der Prüfung erneut an. Max Kühner absolvierte zum Auftakt eine fehlerfreie Runde, ebenso wie die vier folgenden Reiter, doch aufgrund der aus der ersten Runde übernommenen Fehler blieb ihnen ein Platz an der Spitze verwehrt. Kent Farrington gelang mit Greya nach den vier Punkten aus der ersten Runde ein fehlerfreier Ritt, während Julien Epaillard, oft als schnellster Reiter der Welt bezeichnet und der einzige andere Starter mit vier Fehlerpunkten, als Erster erneut Fehlerpunkte in diesem verkürzten Parcours hinnehmen musste.

Nun lagen aller Augen auf den letzten Drei, die mit null Fehlern aus der ersten Runde in die Arena einritten. Der erste der drei Fehlerfreien, Guerdat, hatte Glück bei der Doppelkombination, beendete die Runde jedoch fehlerfrei in einer Zeit von 48,13 Sekunden. Henrik von Eckermann startete als Nächster, doch das Glück war dem Weltmeister offenbar nicht hold, denn er ritt zu nah an Hindernis Nummer 13 heran und holte sich damit vier Fehlerpunkte. Der Einzige, der nun noch zwischen dem Heimfavoriten und seinem Sieg stand, war der Neuling Sweetnam, der sich allerdings zwei Abwürfe leistete. So konnte der Schweizer Reiter die Prüfung zum dritten Mal für sich entscheiden.

Seinen Sieg kommentierte Guerdat wie folgt: „Ich bin so aufgeregt. Es ist unfassbar, dass ich diese unglaubliche Prüfung zum dritten Mal gewonnen habe! Es ist wirklich ganz unbeschreiblich. Ich habe schon so viele Erfolge bei dieser fantastischen Veranstaltung gefeiert – aber ich werde immer wieder aufs Neue überrascht! Das Publikum war fantastisch und die Atmosphäre beim CHI Genf ist ganz außergewöhnlich. Dieser Augenblick bedeutet mir unglaublich viel.“

Der Schweizer Reiter fügte noch hinzu: „Venard war unglaublich. Er ist ein so tolles Pferd und ich bin so stolz auf ihn. Dieser Sieg wäre nicht möglich gewesen ohne mein Team – diese Menschen haben den Sieg ebenso sehr verdient wie ich!“

KENT FARRINGTON EROBERT ZUM SECHSTEN MAL DEN SPITZENPLATZ BEI DER TROPHÉE DE GENÈVE

(Photo : Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock) (Photo : Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock)

Die wunderschöne Stadt Genf begrüßte wieder einmal die talentiertesten Pferd-und-Reiterpaare der Welt zu dem oft als beste Hallenreitsportveranstaltung der Welt bezeichneten Spitzenturnier, dem CHI Genf. Das Event, in dessen Rahmen das letzte Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping in diesem Kalenderjahr stattfindet, begann gestern, und heute wurden die ersten internationalen 5*-Prüfungen eingeläutet.

Insgesamt 48 Pferd-und-Reiterpaare traten in der Hauptprüfung des Tages an, im 1,60-Meter-Springen um die heiß begehrte Trophée de Genève. Die Prüfung war gleichzeitig die erste Chance für die Reiter, sich einen Platz in der Spitzenprüfung der Veranstaltung, dem Rolex Grand Prix, zu sichern. Wie beim CHI Genf so oft, war das Starterfeld das reinste Staraufgebot mit dem amtierenden Olympiasieger im Einzel, dem Weltmeister im Einzel und dem Europameister im Einzel, Ben Maher, Henrik von Eckermann und Steve Guerdat.

Als Erster galoppierte der Ire Shane Sweetnam auf seinem Fuchswallach Cjoxx Z in die legendäre Arena des Palexpo in Genf ein. Das Duo absolvierte eine fehlerfreie Runde, leistete sich jedoch einen ärgerlichen Zeitfehler. Dem vierten Starter, dem formstarken Vitor Bettendorf, der bereits zwei der heutigen Prüfungen gewonnen hatte, gelang die erste fehlerfreie Runde. Ihm folgte der Schweizer Pius Schwizer, der nach einer hervorragenden Leistung zur großen Freude seines Heimpublikums ins Stechen einzog. Als die Hälfte des Starterfelds angetreten war, gab es acht fehlerfreie Runden zu verzeichnen, denn der meisterhaft entworfene Parcours forderte viele Fehler.

Nach einer kurzen Pause kam das Publikum in den Genuss von weiteren sieben fehlerfreien Durchläufen und einigen Darbietungen von außergewöhnlicher Reitkunst, unter anderem von Kent Farrington, der diese Prüfung vor zwei Jahren gewann, von dem Deutschen Christian Kukuk sowie von dem Schweizer Elian Baumann. Zur großen Enttäuschung der Schweizer Zuschauer mussten jedoch die Lieblinge der Fans, Steve Guerdat und Martin Fuchs, der amtierende Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping, einige Fehler hinnehmen, womit ihnen der Einzug in die zweite Runde verwehrt blieb.

Insgesamt 15 Reiter schafften es ins Stechen, nachdem sie den von Gérard Lachat entworfenen Parcours fehlerfrei absolviert hatten, und ritten in derselben Reihenfolge wie in der ersten Runde in die Arena ein. Gleich der erste Starter, der luxemburgische Reiter Bettendorf, gab mit einer fehlerfreien Runde in 38,63 Sekunden die Richtzeit vor, doch die Führung wechselte noch mehrmals in diesem außergewöhnlichen Stechen. Für den Weltranglistenersten in der U25, Harry Charles, sah es kurzzeitig so aus, als würde er sich mit einer Zeit von 37,08 Sekunden seinen ersten Sieg in der diesjährigen Ausgabe des CHI Genf holen, bevor Kent Farrington, ebenfalls ein Rolex-Markenbotschafter, die Ziellinie 2,31 Sekunden schneller als Charles erreichte und wahre Begeisterungsstürme beim Publikum auslöste. Die noch übrigen fünf Pferde konnten das Tempo, das der Amerikaner mit seiner einzigartigen Stute, Toulayna, vorgelegt hatte, nicht überbieten, und so nahm Farrington zum zweiten Mal in drei Jahren die Trophée de Genève mit nach Hause.

Begeistert von der Leistung seiner neunjährigen braunen Stute, kommentierte Farrington: „Ich bin ganz begeistert von meinem Pferd. Ich habe diese Woche zwei Jungpferde mitgebracht, die sich wirklich gut entwickeln, und ich bin überwältigt von Toulaynas Leistung. Meine Taktik im Stechen war es, um den Sieg zu kämpfen – ich wollte meinem Pferd ermöglichen, gute Erfahrungen zu sammeln –, aber es ist eins der größten Turniere der Welt und ich bin hier, um mich mit den anderen zu messen.“

Im Hinblick auf den Rolex Grand Prix am Sonntag fuhr der Amerikaner fort: „Nach heute Abend bin ich ziemlich aufgeregt, aber morgen ist ein neuer Tag und es liegt noch ein weiter Weg vor mir – aber ich freue mich schon sehr darauf.“

Toulaynas Pflegerin Denise Moriarty fügte noch hinzu: „Ich bin so stolz. Sie macht immer alles mit – sie tut alles, was wir von ihr wollen, und zwar außergewöhnlich gut. Trotz ihrer erst neun Jahre ist sie ein unglaublich zuverlässiges Pferd und wir freuen uns schon sehr darauf, wie sie sich noch weiter entwickeln wird. Sie hat die Anreise von Amerika sehr gut überstanden. Sie ist generell sehr entspannt, außer, wenn sie in der Arena ist.“

INTERVIEW MIT VERANSTALTERIN SOPHIE MOTTU MOREL

(Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder) (Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder)

Wie lief die Planung für die diesjährige Veranstaltung?

Alles ist prima gelaufen. Die Vorbereitungen für die Show begannen im Februar mit der Ausarbeitung des Zeitplans für das Sportprogramm und der Pläne für die Kommunikation. Wir sind hocherfreut darüber, dieses Jahr das zehnjährige Bestehen des Rolex Grand Slam of Show Jumping zu feiern, und haben ein großartiges Aufgebot an Reitern, die an der Veranstaltung teilnehmen. Und wir freuen uns sehr, unsere Fans erneut beim CHI Genf begrüßen zu können.

 

Gibt es in diesem Jahr etwas Neues beim CHI Genf? Werden Sie das zehnjährige Bestehen des Rolex Grand Slam of Show Jumping mit etwas Besonderem feiern?

Wir halten am Samstagabend um 21.00 Uhr in der Hauptarena eine Zeremonie zu Ehren von Steve Guerdat ab. Er hat an sämtlichen Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping teilgenommen und diese unglaubliche Leistung wollten wir honorieren. Außerdem werden wir auch die Pfleger feiern – wir veranstalten zum ersten Mal einen Brunch für sie. Sie sind ein so wesentlicher Bestandteil dieses Sports und deshalb ist es uns wichtig, ihnen für all ihre harte Arbeit zu danken. Und zu guter Letzt haben wir noch einige kleinere Aktivitäten geplant, um das zehnjährige Bestehen des Rolex Grand Slam of Show Jumping zu feiern.

 

Wie wichtig sind die freiwilligen Helfer für den erfolgreichen Ablauf der Veranstaltung?

Sie sind das Herz und die Seele der Veranstaltung – sie machen sie zu etwas wirklich Einzigartigem. Sie sind mit so viel Leidenschaft dabei, die sie in die Veranstaltung mit einbringen. Sie sind einfach großartig und geben so viel – wir sind ihnen unbeschreiblich dankbar.

 

Der CHI Genf legt einen starken Fokus auf die Nachwuchsreiter. Warum ist das ein Punkt, den Sie jedes Jahr so hervorheben?

Das ist enorm wichtig für uns – sie sind die Stars von morgen. Wir möchten ihnen die Chance geben, in derselben Arena anzutreten wie die talentiertesten Reiter der Welt. Die Prüfungen für Nachwuchsreiter gehören zur Struktur der Veranstaltung und wir finden es enorm wichtig, jungen Reitern Chancen zu bieten.

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping feiert sein zehnjähriges Bestehen. Welche positiven Auswirkungen hatte die Initiative auf den CHI Genf als Veranstaltung?

Sie hatte gewaltige Auswirkungen – sie erhebt die vier Veranstaltungen, aus denen sie besteht, auf ein ganz neues Niveau. In unserem Sport einen Grand Slam zu haben, ist sehr wichtig, und der CHI Genf fühlt sich geehrt, ein Teil davon zu sein. Der Rolex Grand Slam of Show Jumping hat unseren Sport für all jene präsenter und verständlicher gemacht, denen der Reitsport bisher fremd war. Das Springreiten kann für Menschen, die sich nicht damit auskennen, schwierig zu verstehen und sehr komplex sein, aber der Rolex Grand Slam macht alles ganz einfach – es gibt vier Majors und das sind die Turniere, die jeder gewinnen will.

 

Was war Ihr persönliches Highlight in den ersten 10 Jahren des Rolex Grand Slam of Show Jumping?

Es fällt mir sehr schwer, mich da auf eine Erinnerung festzulegen, weil es so viele unvergessliche Augenblicke gab – ich würde sagen, mein persönliches Highlight war Steves [Guerdat] Sieg 2013 hier beim CHI Genf. Es war das erste Major, das wir je organisiert hatten, und einen Schweizer Reiter gewinnen zu sehen, war einfach überwältigend.

 

Was raten Sie jemandem, der in die Sportveranstaltungsbranche einsteigen möchte?

Man muss den Sport, in dem man arbeiten möchte, wirklich begreifen. Ich fände es zum Beispiel schwieriger, eine Fußballveranstaltung zu organisieren als eine Reitsportveranstaltung, weil ich nicht viel vom Fußball verstehe. Wenn man ein Musikkonzert oder eine Sportveranstaltung organisiert, darf man keine Angst vor den vielen Arbeitsstunden haben.

Außerdem ist es auch wichtig, gute Beziehungen zu externen Einflussnehmern wie Politikern oder dem Staat zu haben. Beim CHI Genf ist es beispielsweise ganz entscheidend, eine gute Beziehung zum Kanton Genf zu haben. Man muss sich auch im Finanzwesen auskennen und multitaskingfähig und flexibel sein – man macht nämlich jeden einzelnen Tag etwas anderes. Und zu guter Letzt muss man mit Stress umgehen können. Manchmal steckt man in einer schwierigen Lage und dann muss man imstande sein, Ruhe zu bewahren.

 

Was sind für Sie ebenso wie für den CHI Genf die wichtigsten Komponenten, die eine erfolgreiche Sportveranstaltung oder ein Sport-Major ausmachen?

Insgesamt ist es eine Mischung aus den Fans, den Medien und den Sponsoren. Ich glaube, man muss eine Community schaffen, der sich die Fans und freiwilligen Helfer angehörig fühlen. Es ist wichtig, ein starkes Band zu den Menschen zu knüpfen, die einen lieben.

Natürlich muss man auch gute Beziehungen zu den Sponsoren unterhalten. Ohne sie kann man keine Veranstaltung organisieren. Eine sehr enge Beziehung zu ihnen zu haben und flexibel und anpassungsfähig zu sein, was ihre Wünsche angeht, ist ausgesprochen wichtig, wenn man eine erfolgreiche Veranstaltung auf die Beine stellen will. Man kann nicht in seinem „stillen Kämmerlein“ arbeiten, man muss vorgegebene Grenzen sprengen, um zusammen mit seinen Partnern Lösungen zu finden. Die Welt ändert sich jeden Tag und dessen muss man sich bewusst sein.

Man muss auch den Athleten sehr nahestehen, denn sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Veranstaltung. Es ist eine Mischung aus all dem – man muss für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen all diesen Elementen sorgen, um eine erfolgreiche Veranstaltung auszurichten.

 

Wenn wir uns die Tennislegenden Nadal, Federer und Djokovic ansehen, die die Tenniswelt und ihre Majors dominiert haben, wie wichtig ist es für den CHI Genf, dass die Weltbesten bei der Veranstaltung antreten?

Für die Sponsoren ist das sehr wichtig – sie wollen die Besten haben. Es ist auch wesentlich für unsere Kommunikation. Wenn man Tickets verkaufen will, muss man die besten Athleten der Welt in seiner Show haben, denn genau die wollen die Fans sehen. Es ist zwar keine Katastrophe, wenn man nicht die besten Reiter hat, aber für das Image der Veranstaltung ist es besser, wenn die Crème de la Crème vertreten ist. Das verleiht der Veranstaltung Glaubwürdigkeit. Außerdem lockt es Freiwillige an, die immer gern an einer Veranstaltung mitwirken, bei der die Besten dabei sind.

 

Der CHI Genf wird oft als die führende Hallenveranstaltungsstätte für Pferdesport angesehen. Wie stellen Sie sicher, dass Sie sich fortwährend weiterentwickeln und anpassen, um diesen Status aufrechtzuerhalten?

Das ist nicht einfach – es gibt sehr viele fantastische Veranstaltungen in aller Welt. Um den CHI Genf auf Spitzenniveau zu halten, werfen wir jedes Jahr einen Blick zurück und reflektieren, was uns gut gelungen ist und was wir hätten besser machen können. Jahr für Jahr organisieren wir eine Nachbesprechung mit den Partnern der Veranstaltung und dem gesamten Team, um einen kritischen Blick auf die Veranstaltung zu werfen und zu überlegen, wie wir noch besser werden können.

Eine Reihe Mitglieder unseres Organisationskomitees sind Freiwillige, die viel Leidenschaft mitbringen, und wenn man Leidenschaft besitzt, ist man auch motiviert. Unser Organisationskomitee ist sehr stolz auf unsere Veranstaltung. Wir hören uns an, was die Menschen zu sagen haben, und sind immer offen für Kritik. Wir wollen einfach das Bestmögliche liefern. Wir scheuen uns nicht, etwas zu verändern und uns anzupassen. Es fließt einfach viel Leidenschaft durch unsere Adern. Vielleicht ist das eine Erklärung dafür, weshalb der CHI Genf so erfolgreich ist.

 

Lassen Sie und die Organisatoren des CHI Genf sich von anderen großen Sportveranstaltungen inspirieren, z. B. im Tennis oder Golf?

Es ist sehr wichtig, sich andere Springreitveranstaltungen anzusehen, aber auch andere Sport-Events. Man muss das tun, was die anderen tun – ob es sich um ein Festival handelt, eine Fußballveranstaltung oder ein Konzert – man muss immer dazulernen.

Wenn man eine Veranstaltung besucht, bekommt man immer neue Ideen, die man auf seinen eigenen Sport übertragen kann. Ich versuche, auch andere Veranstaltungen zu besuchen. Es sind vielleicht nicht ganz so viele, wie ich gern möchte, aber wenn ich es mal zu einer schaffe, versuche ich immer, mit den Organisatoren zu sprechen und hinter die Bühne zu gelangen und mich auch mit vielen Menschen aus dem Team zu unterhalten, von den Ticketverkäufern bis hin zu den Kommunikationsmitarbeitern und der Security. Die Idee für unsere Security habe ich von einem Festival in der Schweiz übernommen, und unser Ticketverkaufssystem stammt von einer Musikveranstaltung, bei der ich war. Auch von Sportübertragungen im Fernsehen kann man sich Ideen holen.

Es ist wichtig, dass wir immer offen sind und darüber nachdenken, was für den CHI Genf am besten funktionieren würde. Manchmal funktioniert etwas bei einer Veranstaltung in Deutschland, aber nicht in der Schweiz, weil wir hier einfach eine andere Kultur haben. Es ist wichtig, dass man reist, beobachtet und Veränderungen gegenüber offen ist.

INTERVIEW MIT LOVISA MUNTER

(Photo : Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock ) (Photo : Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock )

Können Sie sich kurz vorstellen und uns sagen, für wen Sie arbeiten und was Ihre Aufgabe ist?

Ich heiße Lovisa Munter und arbeite seit drei Jahren als Travelling Groom für Bertram Allen.

 

Erzählen Sie uns ein wenig über Ihre Reise zum CHI Genf ...

Wir waren letzte Woche auf einem Turnier in La Coruña in Spanien. Auf dem Weg hierher haben wir einen Zwischenstopp in Frankreich eingelegt, um sowohl den Pferden als auch mir eine kleine Pause zu gönnen. Dienstagabend sind wir hier beim CHI Genf angekommen.

 

Was können Sie tun, um einem Pferd zu helfen, wenn es nicht gerne reist? Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Pferde bequem reisen, damit sie weiterhin Höchstleistungen bringen können?

Bertrams Pferde sind beide sehr problemlos auf Reisen. Sie sind sehr erfahren, vor allem Pacino Amiro. Auf der Fahrt zum CHI Genf haben wir 12 Stunden Pause gemacht, in denen sie sich ausruhen konnten. Beim Reisen ist es sehr wichtig, die üblichen Fütterungszeiten der Pferde beizubehalten und zu versuchen, alles so „normal“ wie möglich zu gestalten. Deswegen halten wir den Transporter unterwegs immer wieder an, um ihnen ihr Mash und ihr Futter zu geben. Außerdem haben sie Heunetze und Wassereimer in ihrem Bereich des Transporters. Ich reise für gewöhnlich mit nur zwei Pferden in einem Transporter, damit sie viel Platz haben – so verkraften sie das Reisen sehr gut.

 

Wie wichtig ist das gesamte Team, z. B. Tierärzte, Hufschmiede etc. für den gemeinsamen Erfolg?

Sehr wichtig. Wir können uns wirklich glücklich schätzen, weil wir ein so großartiges Team haben. Wir haben einen fantastischen Tierarzt. Ich rufe ihn jede Woche an, um mit ihm über die Pferde zu sprechen. Bertram hat auch einen großartigen Hufschmied. Ich hatte noch nie Probleme mit den Hufen irgendeines der Pferde.

Zu Hause haben wir eine Reiterin für die Flatwork, Nathalie, die auch die Hauptreiterin von Pacino [Amiro] und von Bertrams anderen guten Pferden ist. Sie leistet fantastische Arbeit. Kate, die Pflegerin zu Hause, ist sehr verlässlich. Sie ist diejenige, die ich jederzeit anrufen und um Rat fragen kann.

 

Können Sie uns ein wenig über die Pferde erzählen, die Sie mitgebracht haben, und über ihre Charaktere?

Pacino Amiro, Bertrams Spitzenpferd, ist einfach unglaublich! Wir haben so viel zusammen erlebt. Letzte Woche war ich auf meinem sage und schreibe 50. Turnier mit ihm. Er hat einen sehr lustigen Charakter. Er weiß, dass er im Stall der Boss ist. Er kann sehr fordernd und eigensinnig sein. Man kann ihm nichts befehlen, er tut, was er will.

Unser anderes Pferd hier ist Castigo de Amor. Er ist neu, wir haben ihn erst seit ein paar Monaten, aber er hat schon zwei Grands Prix gewonnen. Er ist ein Hengst, hat aber einen unglaublich goldigen Charakter – wir nennen ihn unser „kleines Einhorn“. Mit ihm habe ich nie Probleme.

 

Wie sind die Bedingungen beim CHI Genf für Sie als Pferdepfleger und für die Pferde?

Ich bin jetzt zum dritten Mal beim CHI Genf und es ist eine der besten Veranstaltungen der Welt. Das sagen alle und es stimmt. Wenn man hier ankommt, hilft einem das Team vom CHI Genf beim Entladen und Ausmisten. Die Boxen für die Pferde sind geräumig und ruhig – alles ist einfach großartig.

 

Sind Sie gerne bei den Majors – The Dutch Masters, dem CHIO Aachen, Spruce Meadows ‚Masters‘ und dem CHI Genf? Wodurch unterscheiden sie sich Ihrer Meinung nach von den anderen Turnieren?

Die vier Majors gelten als die besten Turniere der Welt. Als Kind habe ich immer davon geträumt, mal bei diesen Turnieren mitzureiten, aber es ist etwas ganz Besonderes für mich, als Pflegerin dabei zu sein. Die Einrichtungen für die Pferde sind perfekt und die Atmosphäre dort ist einzigartig.

Dieses Jahr war ich zum ersten Mal beim CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘ und es war unbeschreiblich. Ich war auch schon beim CHIO Aachen – ein phänomenaler Austragungsort! Diese Majors sind die vier Turniere, von deren Sieg alle Reiter träumen. 

 

Blicken Sie und Bertram mit Zuversicht in die kommende Woche?

Ja, wir sind zuversichtlich. Bertram ist sehr gut in Form. Er ist als Vorbereitung auf den CHI Genf letzte Woche in den 5*-Turnieren in La Coruña angetreten. Er war gut, aber nicht ganz perfekt, was ihm aber diese Woche hoffentlich gelingen wird. Er bringt bei den wichtigen Majors normalerweise Bestleistungen – unter Druck ist er sehr gut.

 

Was gefällt Ihnen besonders daran, Teil von Bertrams Teams zu sein?

Es ist unglaublich toll. Es ist ein wahr gewordener Traum, mit einem Reiter wie ihm zusammenzuarbeiten. Ich habe Bertram schon immer gern reiten gesehen. Er ist einer der schnellsten Reiter der Welt und ein ausgezeichneter Pferdekenner. Ich bin wahnsinnig stolz darauf, mit ihm und seinen Pferden arbeiten zu dürfen.

 

Welche Eigenschaften haben Bertram Ihrer Meinung nach über einen so langen Zeitraum so erfolgreich gemacht?

Es ist verblüffend, wie Bertram jedes Pferd dazu bringen kann, für ihn zu kämpfen und zu springen. Er besitzt ein Talent, das nicht viele Reiter besitzen.

 

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der in die Branche einsteigen möchte?

Als ich angefangen habe, arbeitete ich in der Schweiz und war nur bei den nationalen Turnieren. Die besten Lernerfahrungen habe ich in den Stephex Stables gesammelt. Ich war dort Teil eines größeren Teams und habe mit einer Reihe von erfahrenen Reitern und Pflegern gearbeitet. Es war eine großartige Gelegenheit, die anderen zu beobachten und von ihnen zu lernen. Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg ist es, Geduld bei der Suche nach einer guten Stelle zu haben, sobald man die entsprechende Erfahrung gesammelt hat.

 

Wie sieht die Gemeinschaft der Pferdepfleger aus? Unterstützen sie einander?

 Es ist enorm wichtig, eine Gemeinschaft aus Pflegern und Freunden zu haben, die einander helfen. Viele meiner engsten Freunde sind diese Woche hier. Diese Unterstützung bedeutet, dass wir uns gegenseitig helfen. Während der langen Nachtfahrten rufen wir einander immer gern an und das ist toll. Für mich sind sie meine zweite Familie. Wir sehen uns öfter als unsere richtigen Familien.

Leone Jei – „Es braucht nur ein Pferd, um alle Träume wahr werden zu lassen“

(Photo : Beeld Werkt) (Photo : Beeld Werkt)

Die Geschichte des KWPN-Wallachs Leone Jei (Baltic VDL - Dara x Corland) ist voller Emotionen. Sein Züchter Gijs van Mersbergen verstarb, bevor er den Erfolg von Leone Jei unter dem Sattel von Martin Fuchs erleben konnte. Sein Geburtsname Hay El Desta Ali wurde von seinem Züchter im Internet gefunden.

 

Es begann mit Pardous

Maartje van der Velden ist die Enkelin von Gijs van Mersbergen. Von klein auf war Maartje in den Zuchtbetrieb ihres Großvaters eingebunden. Sie erinnert sich: „Mein Großvater kaufte die Peter Pan-Tochter Pardous als junge Stute, sie wurde die Stammstute der Linie. Sie war immer eine besondere Stute – sie war eine sanfte, ruhige Stute, aber man konnte in bestimmten Situationen durchaus auch ihr Temperament erkennen. Mit uns war sie sehr sanft, als wir noch klein waren. Wir konnten uns mit ihren Fohlen anfreunden. Ich erinnere mich zum ersten Mal an Pardous, als ich sechs Jahre alt war, und sie starb, als ich 16 Jahre alt war, so dass ich im Grunde mit ihr [Pardous] aufgewachsen bin. Ich glaube, sie hat ihren Charakter an ihre Nachkommen weitergegeben – die meisten von ihnen waren unkompliziert und zeigten viel Leistungsbereitschaft. Die Mutter von Leone Jei, Dara, war ein bisschen anders. Sie hatte viel Charakter, nicht im schlechten Sinne, aber mein Großvater ließ sie uns als kleine Kinder nicht allein führen. Ich persönlich habe Pardous nie springen sehen, da sie bei uns auch nur als Zuchtstute eingesetzt wurde, so dass ich schwer sagen kann, was sie an ihre Nachkommen weitergegeben hat. Mein Großvater war ein großer Fan des Holsteiner Hengstes Cardento, er hat ihn sieben Mal für Pardous eingesetzt."

 

Cardento trat mit dem schwedischen Reiter Peter Eriksson in Springprüfungen bis hin zu 1,60 Meter an. Sie nahmen an den Weltreiterspielen 2022 in Jerez de la Frontera und an den Olympischen Spielen 2004 in Athen teil. Außerdem nahmen sie an zwei FEI-Europameisterschaften teil: Arnheim im Jahr 2001 und Donaueschingen im Jahr 2003. Er ist Vater mehrerer Spitzenpferde wie Catch Me Not S und Katanga vh Dingeshof.

 

Maartje van der Velden berichtet weiter über die Hengstwahl ihres Großvaters: „Meinem Großvater gefiel, wie Cardento und Corland im Sport auftraten. Er mochte die Art, wie sie sprangen. Die Kreuzung mit Pardous und Cardento funktionierte. Mein Großvater züchtete vier Pferde aus dieser Kreuzung, die 1,40 Meter und höher sprangen. Der Wallach Impossible Dream sprang unter dem Sattel von Kelly Arani 1,55 Meter hoch. Impossible Dream war als Fohlen sehr lieb, er wuchs mit den anderen Fohlen auf und war immer sehr neugierig, wenn wir auf die Weide kamen. Für meinen Großvater war es auch sehr wichtig, dass die Pferde einen guten Charakter hatten. Da wir als Kinder mit den Pferden zusammen sein durften, legte er großen Wert darauf, dass die Pferde einen guten Charakter hatten. Er wollte, dass man seinen Pferden vollkommen vertrauen kann. Aus der Kombination zwischen Pardous und Corland entstand die Stute Dara, die Mutter von Leone Jei. Dara ist die Ausnahme in dieser Geschichte, sie ist eine ziemlich heiße Stute. Wir durften nicht alleine mit Dara zusammen sein, er [mein Großvater] musste mit uns zusammen sein. Sie hat diese 'Schärfe' auch an ihre Nachkommen weitergegeben. Wir können mit Stolz sagen, dass sie mit Leone Jei ein wirklich außergewöhnliches Pferd hervorgebracht hat – sie ist wirklich die speziellste Stute in dieser Linie. Dara und ihre Mutter Pardous waren einige Jahre lang mit ihren Nachkommen zusammen. Mein Großvater züchtete etwa fünf oder sechs Fohlen pro Jahr. Eine Zeit lang züchtete er auch Dressurpferde, aber sein Herz gehörte dem Springsport. Das hat ihn viel mehr begeistert, und er fand es ganz besonders, dass die Pferde über die hohen Hindernisse springen konnten. Wir haben uns auch jedes große Turnier angesehen. Er mochte den Sport sehr. Leider bin ich nie mit meinem Großvater zum CHIO Aachen gefahren, aber der Plan ist, dass ich mit meiner Großmutter zu den Olympischen Spielen nach Paris fahre. Wir würden Leone Jei auch gerne bei einem anderen Rolex Grand Slam of Show Jumping Major sehen, das wäre etwas ganz Besonderes – dieses Jahr waren wir bei den Dutch Masters. Ich halte die ganze Familie darüber auf dem Laufenden, wo Leone Jei springen wird oder welche Ergebnisse er erzielt. Ich versuche, den Überblick über alle Pferde aus dieser Linie zu behalten, die mein Großvater gezüchtet hat. Ich habe auch eine Stute, deren Großmutter Pardous ist. Diese Stute, Chantal, sprang unter dem Sattel von Koen Leemans über 1,30 Meter. Pardous ist leider verstorben, deshalb haben wir beschlossen, Chantal für die Zucht zu verwenden.

 

Mein Großvater verkaufte Dara, so dass Chantal die einzige Stute war, die er noch hatte. Sie brachte 2019 ihr letztes Fohlen zur Welt. Leider verstarb mein Großvater, bevor das Fohlen geboren wurde. Ad van Hal hat uns in diesem Jahr sehr geholfen, er war der beste Freund meines Großvaters. Vielleicht fangen wir mit Chantal wieder an zu züchten, aber es fiel mir wirklich schwer, Chantals letztes Fohlen zu verkaufen, weil es das letzte Fohlen war, das mein Großvater gezüchtet hat. Chantal ist auch für mich etwas ganz Besonderes; sie war ihr ganzes Leben lang bei uns, außer als sie bei Koen Leemans war.“

 

Leone Jei

Maartje van der Velden erzählt weiter über Leone Jei: „Mein Großvater mochte Baltic VDL immer. Er war der Meinung, dass Cardento nicht gut zu Dara passte, deshalb entschied er sich für Baltic VDL. Züchten ist immer ein kleines Glücksspiel, aber es hat gut funktioniert. Leone Jei gefiel uns als Fohlen sehr gut, und wir setzten erneut Baltic VDL ein, aus dem dann die Stute Idara hervorging. Sie ist jetzt in den USA im Besitz von Dark Horse, Martin Fuchs ist mit ihr in den USA über 1,45 Meter gestartet. Sie wurde zuerst vom Team Fuchs gekauft, das sie an Dark Horse weiterverkaufte. Idara war nicht so heiß wie ihre Mutter und Leone Jei.“

 

„Wir mussten immer über den Geburtsnamen von Leone Jei lachen. Mein Großvater nannte ihn Hay El Desta Ali – wir sagten ihm, er solle sich einen normalen Namen aussuchen, es gäbe so viele schöne Namen mit einem 'H'. Mein Großvater suchte im Internet nach einem schönen Namen mit 'H' und kam mit 'Hay El Desta Ali' heraus. Schließlich fanden wir heraus, dass es so viel bedeutet wie 'es ist, was es ist'. Letztendlich war es also doch ein besonderer Name. Als Fohlen war er genauso heißblütig wie seine Mutter. Er hatte einen tollen Charakter, aber er zeigte auch viel Blut, besonders als er unter dem Sattel kam. Die ersten Versuche unter dem Sattel waren ein Abenteuer. Koen Leemans hatte anfangs Schwierigkeiten mit Leone Jei, aber sie haben eine Partnerschaft aufgebaut. Und jetzt weiß er [Leone Jei] wirklich, wie er die Energie, die er hat, einsetzen kann. Die Art und Weise, wie er seinen Schweif trägt, ist genau dieselbe, die er als junges Pferd hatte – das ist typisch für ihn. Aufgrund der Freundschaft zwischen meinem Großvater und Ad van Hal hat Ad Dara gekauft. Damals hatten wir noch Pardous und Chantal als Zuchtstuten – es gab nicht viele Stuten, die zur Zucht eingesetzt wurden. Ich weiß, dass ich hier eine ganz besondere Stute habe.“

 

„Diese Linie hat für mich und meine Familie einen hohen emotionalen Wert. Mein Großvater versuchte zu verfolgen, wohin seine Pferde gingen. Es ist etwas ganz Besonderes, die Entwicklung von Leone Jei mit Martin Fuchs zu sehen. Der Erfolg, den Leone Jei hat, ist etwas, wovon er immer geträumt hat. Er sagte immer, dass es nur ein einziges Pferd braucht, um alle Träume wahr werden zu lassen. Unser Großvater saß immer hinter seinem Computer und suchte alle Informationen über seine Pferde und sah sich alle Informationen über Hengste an. Er besuchte viele verschiedene Hengstpräsentationen, Hengstwettbewerbe usw. Wir hätten nie zu träumen gewagt, dass Leone Jei das Pferd werden würde, das er heute ist. Den ganzen Erfolg verdanken wir der Peter Pan-Tochter Pardous. Mein Großvater verstarb kurz nachdem Leone Jei an Martin Fuchs verkauft wurde.

 

Ad van Hal

Gijs van Mersbergen reiste häufig mit Ad van Hal. Eigentlich war geplant, die Mutter von Leone Jei, Dara, im Sport starten zu lassen, aber das erwies sich als zu teuer. Also verkaufte van Mersbergen Dara an Ad van Hal, nachdem sie Idara von Baltic VDL – die Vollschwester von Leone Jei – zur Welt gebracht hatte. Ad van Hal erinnert sich: „Wenn ich mit dem Fahrrad von der Arbeit kam, fuhr ich immer an dem Feld vorbei, auf dem Dara stand. Ich dachte, eines Tages würde sie mir gehören. Einmal fuhren wir zusammen zur KWPN-Hengstkörung in Den Bosch und ich fragte van Mersbergen, ob ich sie kaufen könne. Er nannte einen Preis, und der war so hoch, dass ich sagte: Bitte halten Sie an, das muss ich mir merken. Ich habe mehrere Male versucht, sie zu kaufen, und schließlich habe ich es geschafft. Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu van Mersbergen. Ich bin immer noch sehr traurig, dass er verstorben ist. Ich bin mit ihm zu vielen Veranstaltungen gefahren. Leone Jei habe ich mehrmals als junges Pferd unter dem Sattel von Koen Leemans gesehen. Er war wirklich leidenschaftlich im Pferdesport.“

 

„Ich habe sieben Fohlen von Dara gezüchtet. Das erste Fohlen, das ich von Harley VDL gezüchtet habe, sollte eigentlich nur ein Fohlen sein, aber sie brachte Zwillinge zur Welt – zum Glück überlebten alle drei. Im Jahr darauf hatte Dara ein weiteres Stutfohlen von Harley VDL, das ich nach Belgien verkaufte, aber es starb, als es erst ein Jahr alt war. Sie hat einen vierjährigen Hengst von Colman und einen dreijährigen Hengst von El Barone 111 Z. Neben einer zweijährigen Stute von Verdi TN, die ich behalten möchte, hatte sie dieses Jahr einen Vollbruder von Leone Jei. Dara habe ich an Mares of Macha verkauft, sie wollten sie für ICSI verwenden. Ich habe eine Tochter von Dara, und sie boten mir eine Menge Geld für Dara, und ich konnte nicht widerstehen. Dara ist eine Stute, die recht lang ist und gut im Rahmen steht. Sie hat einen guten Charakter, aber sie ist auch sehr energiegeladen. Diese Kombination in ihrem Charakter hat mir gefallen. Sie war immer die erste in der Pferdeherde, sie hat viel Blut. Van Mersbergen hat bereits mehrere gute Springpferde aus dieser Linie gezüchtet. Das war auch einer der Gründe, warum ich sie gekauft habe. Sie hatte eine interessante Mutterlinie. Es war eigentlich eine sehr kurze Leistungslinie, es ist nicht viel über die Linie bekannt. Aber ich war bei der Stutenkörung mit van Mersbergen in Esbeek, als Pardous jung war. Sie mussten freispringen, und um den Freispringplatz war ein etwa zwei Meter hoher Zaun gebaut. Ich sagte zu van Mersbergen, pass auf, sie springt raus, und er dachte, ich sei verrückt. Und siehe da, sie sprang über die Leine und dann über den zwei Meter hohen Zaun, der die Pferde einsperren sollte. Sie hat ihn nicht einmal berührt.“

 

Ad van Hal denkt auch darüber nach, wie schwierig es ist, einen Stutenstamm zu beurteilen, der noch nicht viele Generationen im Sport hinter sich hat: „In der Zucht geht es heute nur noch um Pferde, die im Sport gewesen sind. Dieser Stamm hatte nicht viel Sport in der Mutterlinie, aber die, die es in den Sport geschafft haben, waren sehr gut. Heute wird ICSI immer beliebter, aber man weiß nicht, ob fünf Vollgeschwister im Sport gut abschneiden.“

 

Jeder Stutenstamm beginnt an einem bestimmten Punkt. Die Geschichte von Leone Jei begann mit der Stute Pardous. Der leidenschaftliche Züchter Gijs van Mersbergen hat mit großer Sorgfalt und Stolz die richtigen Kreuzungen für seine Stute gefunden.

 

Der Sieg in Spruce Meadows aus der Sicht der Züchterin

Maartje van der Velden sagt: „Ich habe den Sieg von Martin Fuchs und Leone Jei am Tag danach mit meiner Großmutter angesehen. Wir versuchen, jeden Wettbewerb live zu verfolgen, aber dieses Mal war es wegen der Zeitverschiebung etwas zu spät. Ich habe es mir zweimal angesehen, weil ich den Livestream verfolgt habe. Es war so aufregend, besonders als sie am ersten Hindernis eine Berührung hatten! Es war unfassbar, wie Martin beim Sprung über den letzten Sprung den Arm nach oben streckte. Ich war überwältigt von einem stolzen Gefühl. Es ist etwas ganz Besonderes, dass ein Pferd wie Leone Jei in den Ställen meines Großvaters geboren wurde. Ich tausche mich immer noch mit Leone Jeis ehemaligem Reiter Koen Leemans aus. Wir sind alle ein Teil dieser Geschichte."

INTERVIEW MIT JOANA SCHILDKNECHT

JOANA SCHILDKNECHT (Photo: YRA / Fabio Petroni)

 

Was sind Ihre Ziele für den Rest des Jahres und wie sehen Ihre Pläne, Träume und Ambitionen für 2024 aus?

 

Für den Rest der Saison 2023 habe ich vor, in der U25-Prüfung beim CHI Genf anzutreten sowie an einigen 1,50m-Springen teilzunehmen, um mich für die Schweizer Meisterschaft im kommenden Jahr zu qualifizieren. Mein erstes Ziel für 2024 ist die Teilnahme an der U25-Prüfung in Basel. Im weiteren Verlauf des nächsten Jahres möchte ich gerne für die Schweizer Mannschaft in 3*-Prüfungen antreten. Hoffentlich gelingen mir bei einigen dieser Wettkämpfe ein paar tolle Ergebnisse.

 

Worauf sind Sie in Ihrer Karriere besonders stolz?

 

Die bisher stolzesten Augenblicke meiner Karriere waren, als ich die Schweiz in den vergangenen Jahren beim Nations Cup vertreten durfte. Ich bin auch sehr stolz auf die Medaillen, die ich bei den Schweizer Meisterschaften gewonnen habe. Die Teilnahme an zahlreichen Junioren- und Nachwuchsreiter-Europameisterschaften waren ein Highlight für mich – auch wenn ich keine Medaillen gewonnen habe, bin ich stolz darauf, dass ich mich überhaupt qualifiziert habe und die Schweiz vertreten durfte.

 

Erzählen Sie uns ein bisschen über die aktuellen Pferde in Ihrem Stall und ihre Persönlichkeiten ...

 

Ich habe zurzeit vier erfahrene Pferde, die in den höheren Prüfungen antreten, und fünf jüngere Pferde im Alter von fünf bis sieben Jahren. Ich übernehme es immer selbst, sie von klein an zu trainieren und aufzubauen, bis sie hoffentlich so weit sind, in den höheren Klassen zu starten.

 

Eines meiner Spitzenpferde ist Catrina J, mit der ich an den letzten beiden Europameisterschaften für Nachwuchsreiter teilgenommen habe. Victor Nn und Napoleon C gehören auch zu meinen erfahreneren Pferde – mit ihnen habe ich dieses Jahr meine ersten Platzierungen in 1,50m-Prüfungen geschafft und bin in verschiedenen 2*-Grand-Prix und 3*-Turnieren angetreten.

 

An welchem Punkt haben Sie erkannt, dass Sie Profi-Springreiterin werden wollten?

 

Ich wusste schon als Kind, dass ich Profi-Springreiterin werden wollte. Meine Eltern hatten einen kleinen Stall und ich bin mit Pferden aufgewachsen. Daher stammt meine Liebe zu Pferden. Die Verbindung, die man mit einem Pferd eingehen kann, ist etwas unglaublich Besonderes. Das habe ich schon immer geliebt. Ich wusste, dass ich immer mit Pferden zu tun haben und Turniere reiten wollte.

 

Sie waren Mitglied der Rolex Young Riders Academy. Können Sie uns etwas über die Akademie erzählen und inwiefern sie Ihnen geholfen hat?

 

Teil der Rolex Young Riders Academy zu sein, war etwas ganz Besonderes und eine der besten Erfahrungen, die ich bisher in meiner Karriere machen durfte – ich hatte eine fantastische Zeit! Alles, was wir dort gelernt haben, war faszinierend, und wir haben tolle Kontakte geknüpft. Wir haben von Experten der Pferdewelt gelernt, wie z. B. Tierärzten, und hatten Seminare in Betriebsführung und Wirtschaft. Das hat mich enorm weitergebracht und mir viel Selbstvertrauen gegeben. 

 

Ebenso wie Tennis und Golf hat auch das Springreiten seinen eigenen Grand Slam. Welche der anderen großen Turniere verfolgen Sie, welches ist Ihr Favorit und warum?

 

Ich sehe mir unheimlich gern die Formel-1-Rennen an. Mein Favoriten-Team ist Red Bull, das in dieser Saison ganz vorn liegen.

 

Als Nachwuchsreiterin – welche Bedeutung hat der Rolex Grand Slam of Show Jumping für Sie? Welchen positiven Beitrag leistet der Rolex Grand Slam Ihrer Meinung nach für den Springsport?

 

Ich finde den Rolex Grand Slam of Show Jumping unglaublich toll. Er vereint die hochrangigsten Grand Prix der geschichtsträchtigsten Veranstaltungen. Jeder Reiter strebt danach, am Rolex Grand Slam of Show Jumping teilzunehmen. Das ist etwas ganz Besonderes!

 

Was bedeutet Ihnen als Schweizer Reiterin der CHI Genf und was ist das Besondere daran, dort anzutreten?

 

Der CHI Genf gilt als das wichtigste Hallenturnier der Schweiz und deshalb ist es etwas so Besonderes, dort anzutreten. Die Anlage und Einrichtungen beim CHI Genf sind unglaublich; alles ist so gut organisiert. Die Atmosphäre ist grandios – ich war noch nie bei einer Veranstaltung, die mit dem CHI Genf vergleichbar wäre. Ich bin überwältigt, die Chance zu haben, mit den besten Reitern der Welt dort zu reiten. Ich beobachte sie auch gerne auf den Abreiteplätzen – man kann so viel lernen, wenn man ihnen bei der Vorbereitung zusieht!

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping feiert derzeit sein zehnjähriges Bestehen. Wie stark hat er diesen Sport beeinflusst?

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping hatte bedeutenden Einfluss auf jeden in der Welt des Springreitens – von den Trainern über die Pferde bis hin zu den Reitern. Ich bin zu jung, um mir all der Veränderungen bewusst zu sein, aber in den letzten Jahren habe ich miterlebt, welchen positiven Einfluss die Initiative gehabt hat.

 

Wer hat Sie im Laufe Ihrer Karriere am meisten inspiriert? Haben Sie Idole unter den Reitern?

 

Wer mich wirklich inspiriert, sind Steve Guerdat und Martin Fuchs, meine Schweizer Reiterkollegen. Ich trainiere bei Thomas Fuchs und manchmal darf ich mit Martin trainieren. Das ist immer etwas ganz Besonderes.

 

Wie lautet der beste Ratschlag, den Sie jemals erhalten haben?

 

Der beste Rat, den ich je bekommen habe, war, dass man immer auf sein Pferd hören und ihm nicht zu viel abverlangen soll. Manche Pferde brauchen länger, um sich voll zu entfalten, und deshalb muss man Geduld haben und mit ihnen arbeiten, um das beste Resultat zu bekommen

 

ROLEX GRAND SLAM TALKS: DURCH DIE AUGEN DES PFLEGERS

Anfang diesen Jahres startete der Rolex Grand Slam of Show Jumping eine spannende neue Podcast-Reihe mit dem Titel „Rolex Grand Slam Talks: Durch die Augen des Pflegers“. Die Serie befasst sich eingehend mit der Welt hinter dem Pferd und seinem Reiter und rückt die oftmals übersehenen Helden in den Vordergrund – die passionierten Pfleger, die hinter den Kulissen des Spitzensports unermüdlich arbeiten.

 

Die Podcasts werden vierteljährlich kurz vor dem jeweiligen Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping veröffentlicht und sind kostenlos auf Spotify zu hören. Wie die Caddies beim Golf oder die Mechaniker bei der Formel Eins spielen die Pfleger eine wesentliche Rolle für den Erfolg ihrer Pferde und Reiter. Diese Podcast-Serie soll den Zuhörern vermitteln, wie wichtig diese Menschen für den Sport sind, den wir alle so lieben!

 

Bisher wurden zwei Podcasts veröffentlicht. Die Einführungsfolge drehte sich um Virgine Casterman und Lee McKeever, die für den amerikanischen Reiter McLain Ward arbeiten. Die beiden, die eine entscheidende Rolle bei Wards Siegen sowohl beim Rolex Grand Prix beim CHI Genf 2021 als auch beim The Dutch Masters 2022 gespielt haben, sprachen nicht nur über ihre besondere Beziehung zu der sensationellen Stute HH Azur, sondern auch über ihre bisherigen beruflichen Laufbahnen. In der zweiten Ausgabe des Podcasts ging es um den Pfleger des Rolex-Markenbotschafters Daniel Deußer, Sean Lynch. Sean, der schon seit fast 10 Jahren für Deußer arbeitet, kann auf zahlreiche Erfolge mit dem ehemaligen Weltranglistenersten zurückblicken.

 

Deußer äußerte sich wie folgt zu der entscheidenden Rolle, die Lynch bei seinen Erfolgen gespielt hat: „Sean ist unglaublich – ich vertraue ihm zu 100 Prozent. Er verbringt mehr Zeit mit den Pferden als ich und es ist einfach fantastisch zu sehen, welche Beziehung er zu ihnen hat. Für ihn ist es nicht nur ein Job. Er lebt für den Sport und für die Pferde. Sean kam ursprünglich als freiberuflicher Pfleger zu uns und hatte eigentlich nur ein oder zwei Wochen eingeplant. Aber dann ist er bei uns geblieben. Die Beziehung zwischen Pfleger und Reiter ist ganz entscheidend, wenn man erfolgreich sein will, und ich schätze mich enorm glücklich, dass ich mit ihm zusammenarbeiten darf.

 

Sean Vard wird im Fokus der nächsten Ausgabe von „Rolex Grand Slam Talks: Durch die Augen des Pflegers“ stehen, die im Vorfeld des letzten Rolex Grand Slam of Show Jumping Majors des Jahres, dem CHI Genf, erscheinen wird. Der Ire, der als Pfleger für den Schweizer Reiter Martin Fuchs arbeitet, kommt nach dessen Sieg beim CPKC ‚International‘, presented by Rolex, im Rahmen des CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘ diesen September, als Mitglied des Live-Contender-Teams zum CHI Genf. Dank seiner Siege im Rolex Grand Prix beim CHI Genf 2019 und 2021 und einem haarscharf am Titel vorbeigeschrammten zweiten Platz 2022 ist Fuchs definitiv ein Favorit für den Gewinn des Rolex Grand Prix 2023. Vard wird über die fantastischen Pferde sprechen, um die er sich im Laufe der Jahre gekümmert hat, darunter Clooney 51 und Leone Jei, sowie über seine Karriere und darüber, wie er seine Pferde für die großen Wettkämpfe in Spitzenform bringt.

 

Folgen Sie @rolex_grand_slam auf Instagram für die neuesten Informationen sowie die Termine der Podcast-Veröffentlichungen und hören Sie sich die vorangegangenen Folgen an

INTERVIEW MIT GEORGIA ELLWOOD

Georgia Ellwood (Photo : Madeleine D. Bergsjø)

Können Sie sich kurz vorstellen und uns sagen, für wen Sie arbeiten und was Ihre Aufgabe ist?

 

Ich heiße Georgia Ellwood und arbeite als Turnierpflegerin für Harry Charles. 

 

Können Sie uns ein wenig über die Pferde erzählen, um die Sie sich kümmern und über deren Charaktere? 

 

Wir haben in Harrys Team etwa neun Pferde – alle in unterschiedlichem Alter und mit unterschiedlichen Erfahrungsniveaus. Romeo 88 und Balou du Reventon sind unsere älteren und erfahreneren Pferde. Balou du Reventon ist ein echtes Juwel – er ist zurzeit der Liebling des ganzen Hofs. Er ist ein Hengst, verhält sich aber überhaupt nicht so – er ist unheimlich lieb. Wir nennen ihn den alten Opa des Hofs. 

 

Romeo 88 ist da schon etwas schwieriger als er [Balou du Reventon]. Er ist ziemlich launisch, kann aber gleichzeitig auch sehr anschmiegsam sein. Er will immer Aufmerksamkeit, und sobald er sie hat, überlegt er es sich anders. 

 

Sherlock ist einer meiner Lieblinge unter den jüngeren Pferden. Er ist das liebenswerteste Pferdchen, dem man je begegnen könnte. Er ist vorwitzig und sehr lieb und gibt im Parcours einfach alles. Das ist unheimlich schön anzusehen. Harry würde mir garantiert zustimmen, dass er ein kleiner Streber ist. 

 

Wir haben auch noch ein jüngeres Pferd, einen Achtjährigen namens Bandit, der etwas ganz Besonderes ist. Sein Turniername ist Dunroe Quality und ist unglaublich sprunggewaltig – wie eine Sprungfeder. Er ist sehr cool, stellt uns aber auch vor ein paar Herausforderungen. Am Boden testet er immer gerne meine Grenzen aus, aber wenn Harry ihn reitet, wird er zu einem anderen Pferd. Er ist eins der besten Nachwuchspferde, das ich je gesehen habe. Ich hoffe, dass er sich weiterhin so gut entwickelt und glaube wirklich, dass er im Springreitsport Großes erreichen kann. 

 

Alle Pferde haben unterschiedliche Charaktere. Man muss auf jeden Fall persönlich Zeit mit ihnen verbringen, um sie kennenzulernen.

 

Was gefällt Ihnen besonders daran, Teil des Teams von Harry Charles zu sein?

 

Es ist wirklich aufregend, zum Team von Harry Charles zu gehören. Auf der Heathcroft Farm sind wir Teil der Familie und nicht bloß Pfleger. Peter [Charles] vertraut uns und das bedeutet uns viel. Er ist sehr in die Arbeit auf dem Hof involviert, lässt uns aber gleichzeitig auch gern unsere Unabhängigkeit. Es ist schön, zu diesem Hof dazuzugehören. Die Familie geht großartig mit uns um, was sehr dazu beiträgt, dass wir unsere Jobs lieben. Sie sind einfach unheimlich nette Menschen. 

 

Ich bin jetzt seit vier Jahren bei Harry und habe einen deutlichen Unterschied in seinem Reitstil bemerkt. Er ist ein so gelassener Mensch. Gleichzeitig will er aber auch gut abschneiden, wenn er auf größeren Turnieren ist, und setzt sich manchmal selbst unter Druck. Ich versuche dann, ruhig zu bleiben und ihm zu helfen. Harry ist halt ein Perfektionist und nachdem ich hier arbeite, begreife ich, wie hart er selbst arbeitet. Er ist einer der am härtesten arbeitenden Reiter, die ich je gesehen habe. Er will es so sehr. 

 

Sie wurden kürzlich zum „Pfleger des Jahres“ des britischen Verbands für Springreiten gekürt – was bedeutet Ihnen dieser Titel?

 

Als ich in dem Sport angefangen habe, gab es noch eine Trennung zwischen den Reitern und den Pflegern. Wenn ein Reiter eine Prüfung gewann, lag das Scheinwerferlicht immer auf dem Reiter, dem Pferd und dem Besitzer, aber in jüngerer Zeit, in den letzten ein, zwei Jahren, haben auch die Pfleger immer mehr Anerkennung gefunden. Das ist toll und macht viel aus. Wir arbeiten so hart hinter den Kulissen – die Teams hinter jedem Reiter und seinen Pferden bestehen aus so vielen Menschen, den Trainern, Hufschmieden, Tierärzten und Geschäftsmanagern, und jeder einzelne davon spielt eine wichtige Rolle, denn wir arbeiten in einem Teamsport. 

 

Den Preis als „Pfleger des Jahres“ zu gewinnen, war unglaublich. Diese Anerkennung zu bekommen, war einfach großartig – wir alle leisten so viel harte Arbeit und unsere Arbeitstage sind sehr lang, darum hat mir diese Anerkennung enorm viel bedeutet. 

 

Wie sind Sie Pflegerin geworden und welchen Rat würden Sie jemandem geben, der in die Branche einsteigen möchte?

 

Ich habe mich schon immer für Pferde interessiert. Ich bin viel auf Ponys geritten und eine Zeit lang bei Springreitturnieren angetreten. Als ich älter wurde, habe ich allmählich erkannt, dass ich wohl nicht so gut wie einige der anderen Nachwuchsreiter war, also habe ich beschlossen, stattdessen Pflegerin zu werden und habe mit 15 Jahren meinen ersten Job bekommen – Ställe ausmisten. Von da an ging es für mich rasant weiter bis zu meinem ersten Vollzeitjob als Turnierpflegerin. 

 

Es hat mir gefallen, dass ich noch immer Teil eines Teams war und reiten durfte. Im Umfeld eines Reiters zu sein, der bei Spitzenturnieren antritt, ist definitiv aufregend. Mein Rat an die jüngere Generation wäre, dass es harte und ermüdende Arbeit ist, Pfleger zu sein. Aber wenn alles zusammenfindet und genau richtig läuft – ist es ein unvorstellbares Gefühl. Man muss einfach weiter hart arbeiten, dann stellen sich die gewünschten Ergebnisse ein. 

 

Was ist das Beste an Ihrem Job?

 

Das Gewinnen ist schon ein enorm großer Faktor. Ich habe auch Spaß daran, ein neues Pferd zu bekommen und es kennenzulernen oder mit einem Nachwuchspferd zu arbeiten und seine Entwicklung mitzuerleben. Wenn sie dann älter werden und bei ihrem ersten Grand Prix antreten – das ist ein wunderschönes Gefühl. Ich bin sehr stolz, daran teilzuhaben. 

 

Sind Sie gern bei den Majors – dem The Dutch Masters, dem CHIO Aachen, dem Spruce Meadows ‘Masters’ und dem CHI Genf? Wodurch unterscheiden sich diese Events Ihrer Meinung nach von den anderen Turnieren?

 

Ich bin wirklich gerne bei den Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping, weil sie so gut organisiert sind. Man denkt dort nicht nur an die Reiter, sondern auch an das Wohlbefinden der Pferde. Für uns als Pfleger ist das extrem wichtig. Die Pfleger werden genauso betrachtet und behandelt wie die Reiter, das ist einer der schönsten Aspekte. Die Atmosphäre bei den Majors ist unglaublich. Der CHIO Aachen gehört zu meinen Lieblingsveranstaltungen. Die Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping sind eindeutig mit die besten Veranstaltungen der Welt.

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping feiert derzeit sein zehnjähriges Bestehen. Wie stark hat er diesen Sport beeinflusst?

 

Ich bin noch nicht lange genug dabei, um diesen Wandel von Anfang an miterlebt zu haben, aber ich glaube, dass der Rolex Grand Slam of Show Jumping einen bedeutenden Einfluss auf den Sport hat. Er hat Nachwuchsreitern und Pflegern die Türen geöffnet und uns den Zugang zu den verschiedensten Veranstaltungsorten ermöglicht. Alle Majors sind fantastisch. Sie sind so hervorragend organisiert und finden an großartigen Austragungsorten statt. Sie haben das Niveau dieses Sports angehoben. Die Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping hatten beträchtlichen Einfluss auf die Pfleger; wir haben echte Anerkennung gefunden und haben ein Mitspracherecht bekommen. 

 

Worauf sind Sie in Ihrer Karriere besonders stolz?

 

Es gab so viele Momente in meiner Karriere, auf die ich stolz bin. Viele davon habe ich mit Harry erlebt. Besonders toll war es, als wir die Bronzemedaille in der Teamwertung bei der FEI-Weltmeisterschaft in Herning, Dänemark, gewonnen haben. Er [Harry] hat uns am letzten Tag mit einer unglaublichen fehlerfreien Runde die Medaille gesichert. Auch ein Highlight waren die Olympischen Spielen 2020 in Tokio, als Harry am ersten Tag eine fehlerfreie Runde hingelegt hat. Da war ich unglaublich stolz. 

 

Wie sieht die Gemeinschaft der Pferdepfleger aus? Unterstützen sie einander?

 

Wir Pfleger haben außerhalb der Wettkämpfe nicht sehr viel Zeit für gesellschaftlichen Umgang. Alle Pfleger stehen sich sehr nahe – wir sind eine große Gruppe von Freunden. Wir sehen uns Woche für Woche und so entstehen großartige Freundschaften. Es ist eine tolle Gemeinschaft.

 

Es herrscht auch eine sehr solidarische Atmosphäre – wenn man mal Hilfe braucht oder Probleme hat, ist immer jemand für einen da. Es gibt keinen einzigen schlechten Menschen in der Pflegergemeinschaft. Wir alle haben großes Glück, dass wir einander haben und uns gegenseitig unterstützen, denn ab und zu kann einem das Ganze schon mal ein bisschen zu viel werden. 

DIE HIGHLIGHTS DES CHI GENF

(Photo: © CHI Genève) (Photo: © CHI Genève)

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping kehrt zum letzten Major des Kalenderjahres, dem CHI Genf, in die malerische Stadt Genf zurück. Von Mittwoch, dem 6., bis Sonntag, dem 10. Dezember, bietet die Veranstaltung über 40.000 Zuschauern fünf Tage lang Sport und Entertainment von Weltklasse.

 

Die sportliche Action beginnt am Mittwochmorgen, dem 6. Dezember, mit den nationalen Springprüfungen. Diese erst letztes Jahr eingeführten Prüfungen bieten Amateurreitern die Chance, in einer der prestigeträchtigsten Springreitarenen der Welt anzutreten. Darüber hinaus können sich die Teilnehmer in diesen Prüfungen für den Credit Suisse Coupe de Jockey Club qualifizieren, der am Sonntag, dem 9. Dezember, vor vollem Haus ausgetragen wird.

 

Die internationalen 5*-Prüfungen beginnen am Donnerstag und das Highlight ist die Trophée de Genève. Hier bekommen die Reiter ihre erste Chance, einen der 40 verfügbaren Startplätze für den prestigeträchtigen Rolex Grand Prix zu ergattern. Am Donnerstag findet auch der erste von drei U25-Wettkämpfen statt. Der CHI Genf hat schon immer großen Wert darauf gelegt, jungen Reitern die Gelegenheit zu verschaffen, in der großartigen Atmosphäre dieser Arena anzutreten – einer Atmosphäre, wie sie nur bei wenigen Turnieren dieses Sports herrscht –, und in dieser Prüfung geht die nächste Generation von Spitzenspringreitern an den Start.

 

Am Freitag finden mehrere herausragende Prüfungen wie der Prix des Communes Genevoises über 1,55 Meter statt, die letzte Chance für die Pferd-und-Reiterpaare, sich für die Spitzenprüfung der Veranstaltung, den Rolex Grand Prix zu qualifizieren. Der Indoor Cross-Country, präsentiert von Tribune de Genève, findet ebenfalls am Freitag statt. Dazu kommen einige der besten Vielseitigkeitsreiter der Welt in der elektrisierenden Atmosphäre des Palexpo zusammen. Am Freitagabend steht die 22. Ausgabe des Rolex IJRC Top 10 Finales, das oft mit dem Nitto ATP Finale im Tennis verglichen wird, auf dem Programm. Bei diesem innovativen und weltbekannten Turnier kämpft die aktuelle Top 10 der Weltrangliste über zwei Runden um den Titel.

 

Dieses Jahr feiert der Rolex Grand Slam of Show Jumping sein zehnjähriges Bestehen – und im Rahmen der diesjährigen Feierlichkeiten veranstaltet der CHI Genf am Samstag, dem 9. Dezember, eine ganz besondere Zeremonie für Rolex-Markenbotschafter Steve Guerdat. Der jüngst zum FEI-Europameister im Einzel gekrönte Spitzenreiter hat an allen Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping teilgenommen, seit die Initiative 2013 beim CHIO Aachen ins Leben gerufen wurde. Diese beeindruckende Leistung bedeutet, dass der Schweizer in 34 Majors angetreten ist – und dabei nicht nur seine beständigen Spitzenleistungen in diesem Sport demonstriert hat, sondern auch seine Fähigkeit, wiederholt Pferde bis auf dieses Niveau zu bringen. Die Zeremonie soll all das würdigen, was Guerdat für sich und sein Land erreicht hat. Das Schweizer Publikum in der voll besetzten Hauptarena wird diesen Augenblick unvergesslich für den Reiter machen.

 

Der Sonntag bietet ein wahres Spektakel des Spitzenreitsports, wenn der Rolex Grand Prix, das letzte Rolex-Major des Jahres 2023, ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Wieder einmal wird Gérard Lachat den Parcours für 40 der besten Pferd-und-Reiterpaare der Welt entwerfen. Alle Augen werden auf den Schweizer Reiter Martin Fuchs gerichtet sein, der nicht nur der aktuelle Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping ist, sondern auch als einziger Reiter jemals zwei aufeinanderfolgende Ausgaben des Rolex Grand Prix beim CHI Genf gewonnen hat (2019 & 2021). Wird Fuchs das Jahr mit einem weiteren Rekord abschließen und zum einzigen Gewinner von drei Rolex Grand Prix am selben Austragungsort werden oder wird sich ein anderer Reiter auf die Jagd nach dem Rolex Grand Slam of Show Jumping machen?

 

EIN BLICK AUF DIE REITER

(Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) (Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping kehrt vom 6. bis zum 10. Dezember mit einem actionreichen Programm aus Sport und Unterhaltung zum CHI Genf zurück. Die Veranstaltung wartet mit einer beeindruckenden Liste von Spitzenreitern auf, die fünf Tage lang fesselnde Action bieten werden, unter anderem bei der 22. Ausgabe des Rolex IJRC Top 10 Finales am Freitagabend und der Spitzenprüfung des Events, dem Rolex Grand Prix am Sonntagnachmittag.

 

Im imposanten Genfer Palexpo, der oft als beste Hallenarena des Springreitsports bezeichnet wird, wird es die Weltelite der Pferd- und Reiterpaare mit einigen der schwierigsten Parcours des Jahres aufnehmen. Die diesjährige Veranstaltung präsentiert ein bemerkenswertes Starterfeld, darunter 16 Reiter aus den Top 20 sowie 9 Rolex-Markenbotschafter.

 

Rolex Grand Slam of Show Jumping – Ein Blick auf die Reiter

Martin Fuchs wurde zum Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping, nachdem er mit seinem imposanten Schimmelwallach Leone Jei im September den prestigeträchtigen CPKC ‚International‘ Grand Prix, presented by Rolex, beim CSIO Spruce Meadows `Masters‘ Turnier gewonnen hat. Der Schweizer Reiter wird bestimmt voller Zuversicht zum CHI Genf kommen – Fuchs ist der erste Reiter überhaupt, der zwei aufeinanderfolgende Ausgaben des Rolex Grand Prix beim CHI Genf gewonnen hat (2019 und 2021),vergangenes Jahr wurde er nur haarscharf von dem Amerikaner McLain Ward geschlagen. Mitder Unterstützung seines Heimpublikums wird Fuchs es seiner Konkurrenz auch in diesem Jahr ganz sicher nicht leicht machen.

 

Fuchs’ Schweizer Teamkollege, Steve Guerdat, gehört ebenfalls zu den Favoriten für diesen historischen Preis. Diesen Sommer fügte Guerdat mit seiner enorm talentierten 10-jährigen Stute Dynamix de Belheme bei den FEI Europameisterschaften eine Goldmedaille im Einzel zu seinen vorherigen beiden Goldmedaillen aus der Teamwertung hinzu. Der Schweizer, der oft als absoluter Spitzenreiter bezeichnet wird, hat bereits drei Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping gewonnen, zwei davon im Palexpo. Neben Guerdat und Fuchs treten noch 15 weitere Schweizer an, darunter der talentierte Nachwuchsreiter Edouard Schmitz, der alles daransetzen wird, sich seinen ersten Major-Sieg zu holen.

 

Ein weiterer ehemaliger Gewinner dieser gefeierten Prüfung ist Rolex-Markenbotschafter Kent Farrington. Nach seinen unglaublichen Erfolgen auf Gazelle, darunter die Rolex Grand Prix-Siege beim CHI Genf 2017 und beim CHIO Aachen 2019, hat Farrington sein Kontingent an Pferden in den letzten Jahren neu aufgebaut. Der Amerikaner hat in Landon, mit dem er kürzlich bei den Panamerikanischen Spielen die Goldmedaille in der Teamwertung und die Silbermedaille im Einzel geholt hat, vielleicht seinen nächsten Rolex Grand Slam of Show Jumping Major-Sieger gefunden. Seine Landsmännin und Rolex-Markenbotschafterin Jessica Springsteen tritt ebenfalls an. Springsteen blickt auf ein beeindruckendes Jahr mit zahlreichen bemerkenswerten Ergebnissen zurück, darunter ein 5*-Grand-Prix-Sieg in London im Sommer.

 

Der Weltranglistenzweite Ben Maher hat so gut wie jedes Turnier gewonnen, bei dem er angetreten ist, darunter Gold im Einzel bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio und das Rolex IJRC Top10 Finale. Einen Sieg in einem Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping konnte er jedoch noch nicht verbuchen. Der britische Reiter hat sich nach einer Verletzung zu Beginn der Saison mit einer Reihe beeindruckender Ergebnisse zurückgemeldet, wie dem Sieg des Rolex Grand Prix, presented by Audi, beim Brussels Stephex Masters und bei der Qualifikationsprüfung des FEI World Cup™ in Verona.

 

Neben Maher gehen zwei weitere bemerkenswerte britische Athleten an den Start, die Rolex-Markenbotschafter Scott Brash und Harry Charles. Brash ist aktuell noch immer der einzige Reiter, der jemals den Rolex Grand Slam of Show Jumping – die ultimative Herausforderung und den begehrtesten aller Preise – gewonnen hat. Charles hingegen kommt in der Hoffnung auf seinen allerersten Sieg in einem Major nach Genf. Der Weltranglistenerste der U25 wird nach einem sehr erfolgreichen Herbst und seinem Sieg beim German Masters im November voller Zuversicht antreten.

 

Der amtierende FEI-Weltmeister Henrik von Eckermann hält sich jetzt schon seit 15 Monaten an der Spitze der Weltrangliste. Der schwedische Reiter besitzt ein außerordentliches Kontingent an Pferden und wird mit Sicherheit zu den Favoriten zählen, wenn er in die imposante Hauptarena des Palexpo einreitet. Nach seinem Sieg im Rolex IJRC Top 10 Finale vergangenes Jahr wird Eckermann alles daransetzen, seinen beeindruckenden Ergebnissen auch noch den Silberpokal hinzuzufügen.

 

Frankreich ist mit einer Reihe von Reitern vertreten, die gute Chancen auf Spitzenplatzierungen haben, wie Julien Epaillard. Der Franzose blickt auf ein spektakuläres Jahr 2022 mit über 75 internationalen Siegen zurück und knüpfte auch 2023 an diese Form an. So gewann er dieses Jahr Bronze im Einzel bei der FEI-Europameisterschaft sowie Silber in der Teamwertung beim FEI Nations Cup™ Finale in Barcelona. Sein Teamkollege, Simon Delestre, ehemals die Nummer 1 der Weltrangliste, wird ebenfalls schwer zu schlagen sein. Er kam dieses Jahr beim Rolex Grand Prix beim The Dutch Masters seinem ersten Major-Titel zum Greifen nah, bevor er am letzten Hindernis leider einen Abwurf hinnehmen musste.

 

Auch Deutschland ist mit einem beeindruckenden Aufgebot vertreten, darunter der dreimalige Major-Gewinner Daniel Deusser, der Bronzemedaillengewinner im Einzel bei der FEI-Europameisterschaft, Philipp Weishaupt sowie der Gewinner des Rolex Grand Prix beim CHIO Aachen, Marcus Ehning.

 

Die Iren haben ebenfalls sehr gute Chancen, den prestigeträchtigen Titel mit nach Hause zu nehmen, wenn die 5 Reiter es mit dem Parcours von Gérard Lachat aufnehmen, darunter Bertram Allen, der zum Siegerteam beim BMO Nations Cup beim CSIO Spruce Meadows ‘Masters‘ gehörte und sich auf derselben Veranstaltung den dritten Platz beim CPKC ‚International‘ Grand Prix, presented by Rolex, sicherte.

 

INTERVIEW MIT TITELANWÄRTER MARTIN FUCHS

(Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) (Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

Herzlichen Glückwunsch! Sie sind Anwärter auf den Rolex Grand Slam. Wie fühlen Sie sich kurz vor dem CHI Genf?

Ich fühle mich fantastisch. Wir hatten ein unglaubliches Jahr. Mit Leone Jei den CPKC ‚International‘ Grand Prix, presented by Rolex, beim CSIO Spruce Meadows ‘Masters‘ Turnier gewonnen zu haben, war definitiv ein Highlight. Ich bin schon unglaublich aufgeregt, als Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping zum Major in meinem Heimatland zu kommen – vor heimischen Publikum zu reiten und die ganze Unterstützung zu bekommen, ist einfach unbeschreiblich.

 

Wenn Sie an Ihren Sieg beim CPKC ‚International‘ Grand Prix, presented by Rolex, auf dem CSIO Spruce Meadows `Masters‘ zurückdenken – wie besonders war dieser Triumph für Sie?

Das war etwas ganz Besonderes! Mein Vater hat den zweiten Platz bei diesem Grand Prix belegt und immer von diesem Veranstaltungsort gesprochen. Er sagte, das wäre der Grand Prix, den man unbedingt gewinnen müsse, und als mir das mit Leone Jei gelungen ist, war das unbeschreiblich.

 

Sie hatten beim CHI Genf so große Erfolge – Ihre Siege 2019 und 2021 und Ihr zweiter Platz letztes Jahr. Welche Bedeutung hat dieser Veranstaltungsort für Sie und was hat es Ihnen Ihrer Meinung nach ermöglicht, dort solche Erfolge zu feiern?

Beim CHI Genf anzutreten, ist etwas ganz Besonderes! Ich finde, dieses Turnier ist eines der besten der Welt – die Bedingungen sowohl für die Pferde als auch für die Reiter sind unglaublich. Als Schweizer Reiter liebe ich es, dort anzutreten. Die Fans sind fantastisch und stehen voll und ganz hinter jedem heimischen Reiter. Mein Team spielt eine enorm große Rolle für mich. Es unterstützt mich und ist entscheidend für meinen Erfolg.

 

Wie haben Sie sich und Ihre Pferde auf den CHI Genf vorbereitet?

Ich bin ein paar Turniere mit ihnen geritten, aber in den letzten beiden Wochen vor dem CHI Genf haben sie Pause, damit ich mich ganz auf ihr Training daheim konzentrieren und sicherstellen kann, dass sie vor der Veranstaltung in Bestform sind.

 

Der CHI Genf ist Ihr Heimat-Major. Haben Sie das Gefühl, dort einen Heimvorteil zu genießen oder erhöht das eher den Druck?

Das Publikum beim CHI Genf unterstützt mich dermaßen – das ist einfach unvergleichlich. Es ist so schön, meine Familie und Freunde dort bei mir zu haben, die mir zusehen und mich unterstützen. Das motiviert mich wirklich sehr dazu, mein Bestes zu geben und sie stolz zu machen.

 

Sie hatten in den letzten Jahren so viel Erfolg mit Leone Jei. Erzählen Sie uns von ihm und was ihn so erfolgreich macht?

Er ist ein unglaubliches Pferd mit ungeheuer viel Talent. Er hat einige der größten Grand Prix der Welt und zahlreiche Championats-Medaillen gewonnen. Leone Jei ist ein großartiger Partner – er kann überall antreten, er springt in der Halle genauso gut wie draußen und kann sich auf jede Arena und jeden Wettkampf einstellen. Er hat einen so liebenswerten Charakter. Er brennt geradezu immer darauf, anzutreten und zu springen. Das liebe ich so an ihm.

 

Wie wichtig ist Ihr weiteres Team, z. B. Pfleger, Tierärzte usw. für Ihren Erfolg?

Mein weiteres Team spielt eine wesentliche Rolle bei meinem Erfolg – es geschieht so vieles hinter den Kulissen. Meine Eltern hatten einen grundlegenden Anteil daran, ein ganz besonderes Team um mich herum aufzubauen. So kann ich mich ganz auf mein Training und darauf konzentrieren, in der Arena mein Bestes zu geben. Ich brauche an nichts anderes zu denken als an mein Training und an die Prüfungen, weil sich mein Team um alles andere kümmert. Ich habe großartige Pfleger, die sich um unsere Pferde kümmern, und ohne meine Pfleger wäre ich nicht so erfolgreich. Ich habe das große Glück, eine so tolle Gruppe von Menschen um mich zu haben, die mich unterstützen, und Eltern, die mir bei allem helfen.

 

Wie Wimbledon im Tennis und das Masters im Golf ist der CHI Genf ein Major. Was ist das Besondere an den Majors im Sport und warum sind sie so wichtig?

Die Majors sind die wichtigsten Turniere im Kalender. Es sind die Turniere, die jeder Reiter gewinnen will und von denen er schon als Kind geträumt hat. Sie sind die Krone unseres Sports und all die großen Reiter haben an diesen Majors teilgenommen. Wenn man aufwächst und zusieht, wie seine Idole bei den Majors antreten und gewinnen – das motiviert einen so sehr und treibt einen an, in Wettkämpfen sein Bestes zu geben, damit man eines Tages zusammen mit ihnen an diesen Veranstaltungsorten antreten kann und vielleicht sogar das Glück haben wird, eins der Majors zu gewinnen.

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping bietet zwei Nachwuchsreitern die Chance, in jedem Major anzutreten. Wie wichtig ist das für die Inspiration der nächsten Generation von Spitzenreitern?

Es ist enorm wichtig, dass der nächsten Generation diese Gelegenheit geboten wird, denn durch die Teilnahme an einem Major gewinnen diese Reiter unbezahlbare Erfahrungen. Wenn man zusammen mit den besten Reitern der Welt antritt, kann man sie beobachten und von ihnen lernen – was unglaublich wertvoll ist. Als ich jünger war, hatte ich das große Glück, bei den Schweizer 5*-Turnieren antreten zu dürfen. So bekam ich die Chance, als Nachwuchsreiter auf Spitzenniveau zu reiten, auch wenn ich selbst noch kein Spitzenniveau erreicht hatte. Ich habe bei diesen großartigen Gelegenheiten so viel gelernt. Wenn man nach einer Veranstaltung nach Hause kommt, bringt man so vieles mit, woran man arbeiten möchte, und auch viele neue Ziele – es ist wirklich sehr inspirierend.

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping feiert sein zehnjähriges Bestehen. Wie stark hat er diesen Sport beeinflusst?

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping hatte gewaltigen Einfluss auf den Sport und hat ihn auf eine ganz neue Ebene gebracht. Es ist eine einzigartige Serie, die vier der besten Turniere der Welt miteinander verbindet und Reitern ein enorm erstrebenswertes Ziel bietet. Er hat das Niveau des Sports wirklich verändert. Welchem Beruf hätten Sie, wenn Sie kein Springreiter wären?

 

Ich würde definitiv trotzdem mit Pferden arbeiten – ich genieße es wirklich sehr, sie um mich zu haben. Ich liebe den Trainingsaspekt ebenso wie die geschäftliche Seite. Also hätte ich vermutlich mit dem Verkauf von Pferden und dem Management von Reitern zu tun.

 

Was motiviert Sie und macht Sie so erfolgshungrig?

Ich trete wirklich gerne in Wettkämpfen und den besten Turnieren an. Und ich erlebe gerne die Entwicklung eines Nachwuchspferdes mit. Es ist ein enorm bereicherndes Erlebnis mitanzusehen, wie aus einem Pferd ein Spitzenpferd wird. Das ist ein sehr befriedigender Teil unseres Berufs. In unserem Sport kommt nie Langeweile auf. Jedes Pferd ist so einzigartig und deshalb ist kein Tag wie der andere. Man wird zu einem besseren Reiter und Pferdekenner, indem man versucht, das Beste aus jedem Pferd herauszuholen und ihnen das bestmögliche Leben zu bieten.

 

Wenn Sie mehr über Martin Fuchs’ Team von seinem Travelling Groom, Sean Vard, erfahren möchten, hören Sie sich unseren neuesten Podcast an: Rolex Grand Slam Talks: ‘Through the Groom's Eyes with Sean Vardauf Spotify.

 

Interview mit Marie Barbey-Chappuis

(Photo: MBC. ©CHI de Genève / Joseph Carlucci) (Photo: MBC. ©CHI de Genève / Joseph Carlucci)

Die Verwaltungsrätin des Departements für Sicherheit und Sport der Stadt Genf beantwortete unsere Fragen einige Wochen vor der Ausgabe des CHIG 2023

 

Als Verwaltungsrätin für Sport, kennen Sie die Veranstaltung gut. Welchen Stellenwert hat der CHI Genf im Terminkalender der großen Sportveranstaltungen in Genf?

Diese Veranstaltung ist ein sehr wichtiger Wettbewerb für Genf geworden, sie ist heute unverzichtbar. Der CHI Genf trägt zur Strahlkraft unserer Stadt bei und etabliert sie als einen bedeutenden Ort für den Pferdesport auf globaler Ebene. Solche Sportveranstaltungen fördern und begrüßen wir, da sie es dem Publikum ermöglichen, echte emotionale Momente zu erleben und Genf ins Rampenlicht zu rücken. Die Stadt Genf unterstützt diese Veranstaltung seit mehreren Jahren mit großer Freude. Der Wettbewerb generiert auch wirtschaftliche und touristische Auswirkungen..

 

Was sind konkret die positiven Auswirkungen des CHI Genf in der Stadt in Bezug auf Wirtschaft, Beschäftigungsmöglichkeiten und Unternehmensinvestitionen?

Es ist schwer, das genau zu beziffern. Ich denke, dass man das ganzheitlich analysieren muss. Die Belegungsrate der Hotels in Genf war im ersten Halbjahr außergewöhnlich hoch und die aktuelle Dynamik bleibt positiv. Der CHIG trägt zwangsläufig dazu bei. Die Medienpräsenz des Wettbewerbs hilft dabei, das Image von Genf international zu stärken und langfristige wirtschaftliche Auswirkungen zu haben. Der CHI Genf ist ein hochkarätiger Wettbewerb mit erstklassigen Reitern. Das steht im Einklang mit den Markenzeichen von 'Genf': eine Stadt, die weltweit für Präzision und Exzellenz steht, insbesondere durch ihre Uhrenindustrie.

 

Wie profitieren die Reitsportgemeinschaft in Genf und die Jugend von der Veranstaltung?

Dieser Aspekt ist wichtig. Die Verbindung zwischen Spitzensport und Amateurleistung ist grundlegend und ich stelle sie ins Zentrum der von mir in der Stadt Genf durchgeführten Sportpolitik. Der Zugang der Öffentlichkeit zu Pferden und Reitern trägt dazu bei, diese beiden Pole zu verbinden. Für Mitarbeiter und Reitbegeisterte ist es auch eine Gelegenheit, eine andere Seite ihres Sports zu entdecken. Alle Spitzensportreiter haben einmal klein angefangen. Der CHI Genf trägt auch dazu bei, Berufungen zu wecken und den Nachwuchs zu fördern.

 

Wie verläuft die Zusammenarbeit zwischen dem Organisationskomitee des CHI Genf und der Stadt Genf?

Die Stadt Genf steht in engem Kontakt mit dem Organisationskomitee, um sicherzustellen, dass alles reibungslos verläuft. Dieser Wettbewerb wird als bester Pferdewettbewerb der Welt anerkannt und hat diesen Preis bereits 10-mal gewonnen, was die Hochklassigkeit dieses Events beweist. Auf städtischer Ebene erneuern wir jedes Jahr die finanzielle Unterstützung durch einen Vertrag. Wir möchten, dass die Zuschauer eine unvergessliche Erfahrung machen und dass ausländische Besucher die Gelegenheit nutzen, Genf zu besichtigen.

 

Wirkt sich der Rolex Grand Slam of Show Jumping, der Teil des CHI Genf ist, Ihrer Meinung nach positiv auf die weltweite Bekanntheit der Stadt aus?

Ich denke, dass dies tatsächlich zum Ruf der Stadt Genf beiträgt, die als ein Zentrum der Uhren bekannt ist. Der CHI Genf setzt diese Tradition fort. Allgemeiner gesagt ist diese Verbindung zwischen Wirtschaftsakteuren, Sportlern und der Zivilgesellschaft entscheidend für die Attraktivität der Stadt

 

Rolex engagiert sich sehr stark für den CHI Genf und den Rolex Grand Slam of Show Jumping. Welchen Einfluss hat Rolex Ihrer Meinung nach auf Genf und den Weltsport?

Rolex ist ein sehr wichtiges Unternehmen für die Stadt und den Kanton. Darüber hinaus ist Rolex ein sehr engagierter Akteur in der Stadt und stark in das sportliche und kulturelle Leben eingebunden. Genf verdankt Rolex sehr viel. Wir dürfen nie vergessen, dass wir in Genf dank großer Unternehmen wie Rolex, die auf unserem Boden präsent sind,Einnahmen sowie Arbeitsplätze generieren. Diese Verbindung zwischen Rolex und Genf trägt zur wirtschaftlichen Dynamik, zum Wohlstand und zur Lebensqualität unserer Stadt bei. Genf verdankt Rolex sehr viel.

FUCHS FLIEGT FÖRMLICH ZUM SIEG IM CPKC ‚INTERNATIONAL‘, PRESENTED BY ROLEX

(Photo: Rolex Grand Slam / Tom Lovelock) (Photo: Rolex Grand Slam / Tom Lovelock)

 

Der oft als eins der härtesten und prestigeträchtigsten Springreitturniere der Welt bezeichnete CPKC ‚International‘ Grand Prix, presented by Rolex, beim CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turnier war wieder einmal eine beeindruckende Zurschaustellung der Reitkunst der besten Springreiter der Welt. Insgesamt nahmen es 34 Pferd- und Reiterpaare aus 12 Nationen, darunter fünf aus den Top 10, mit dem wie üblich enorm anspruchsvollen Parcours von Leopoldo Palacios auf.

 

Das CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turnier ist das dritte Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping im Kalender und das zweite, bei dem das zehnjährige Bestehen des Rolex Grand Slam of Show Jumping gefeiert wird.

 

Die erste Runde bestand aus 17 Hindernissen und 12 Kombinationen und war eine echte Bewährungsprobe in Sachen Ausdauer, Talent und Mut, sowohl für die Pferde als auch für die Reiter. Als Dritter im Ring gelang Angelie von Essen der erste fehlerfreie Durchlauf der Prüfung auf ihrem Selle-Français-Wallach Alcapone des Carmille. Nach der Hälfte der Starter waren nur vier Reiter fehlerfrei durchgekommen, darunter Heimfavoritin Tiffany Foster, die mit einer perfekten Runde für Begeisterungsstürme im ‚International Ring‘ sorgte.

 

Eine Enttäuschung musste der frisch gekrönte FEI-Europameister und Sieger dieser Prüfung aus dem Jahr 2021, Steve Guerdat, hinnehmen, dem wie 9 weiteren Reitern ein Fehler am 12. Hindernis unterlief. Das Entsetzen war groß, als auch einigen anderen Favoriten in dieser Prüfung der Sprung in die zweite Runde nicht gelang, darunter die Nummer vier der Weltrangliste, Ben Maher, der Sieger des Rolex Grand Slam of Show Jumping, Scott Brash, sowie der niederländische Reiter Harrie Smolders.

 

Die 12 besten Reiter aus der Eröffnungsrunde zogen in die nächste Runde ein, und diejenigen, die den Parcours mit maximal vier Fehlerpunkten schnell absolvierten, blieben weiterhin im Rennen um einen der begehrtesten Preise dieses Sports. Unter diesen Reitern waren die Kanadierin Erynn Ballard und der Ägypter Nayel Nassar. Insgesamt schafften fünf Reiter den technischen Parcours fehlerfrei, darunter Rolex-Markenbotschafter Martin Fuchs, der nach einem gewaltigen Sprung von Leone Jei über das Hindernis mit der kanadischen Flagge einen Teil der Strecke mit nur einem Steigbügel zurücklegte und die Zuschauer beeindruckte.

 

Nach einer kurzen Pause warte das Publikum in der ausverkauften, sonnendurchfluteten Arena mit angehaltenem Atem auf die Rückkehr dieser unglaublichen Pferd- und Reiterpaare. In umgekehrter Startreihenfolge aus der ersten Runde traten sie nun gegeneinander an und ein Punktegleichstand in dieser Runde bedeutete den Einzug ins Stechen. Nur ein Reiter mit vier Fehlerpunkten aus der ersten Runde setzte diejenigen mit einem fehlerfreien ersten Durchlauf mächtig unter Druck, nämlich der Mexikaner Andres Azcarraga, der unverwechselbare Klasse bewies und innerhalb des Zeitlimits von 77 Sekunden durch den Parcours fegte. Zur Freude und unter dem Jubel der Fans gelangen Tiffany Foster als Erster zwei fehlerfreie Runden, womit sie die Richtzeit für die drei noch übrigen Reiter festlegte. Rolex-Markenbotschafter Martin Fuchs, der schon zwei Major-Siege beim Rolex Grand Slam of Show Jumping verbuchen kann, stellte sicher, dass es ein Stechen geben würde, wohingegen der letzte Starter, Fuchs’ Markenbotschafterkollege Bertram Allen, einen niederschmetternden Fehler am CPKC-Triple hinnehmen musste, womit nur zwei Reiter für das Stechen übrig blieben.

 

Große Spannung lag in der Luft, denn nun hofften die kanadischen Fans auf einen ersten Heimsieg seit Captain Canadas [Ian Millar] Sieg 2014. Foster gelang eine respektable Runde mit nur einem Abwurf in einer Zeit von 44,45 Sekunden. Als der eindrucksvolle Grauschimmel, Leone Jei, durch den Uhrenturm einritt, hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Der Schweizer Reiter flog förmlich durch den ‚International Ring‘, als der sprungstarke Grauschimmel sein großes Talent bewies, überquerte die Ziellinie mit null Fehlern in einer Zeit von 43,58 Sekunden und holte sich damit den Sieg in dieser prestigeträchtigen Prüfung.

 

Zu seinem Sieg äußerte sich Fuchs: „Es ist unglaublich, bei dieser historischen Veranstaltung zu gewinnen – ich habe diese Prüfung schon immer gewinnen wollen.
 Mein Vater ist hier mehrmals angetreten und hat nie gewonnen. Er hat mir gesagt, dass ich für uns beide gewinnen müsste, und ich freue mich so, dass ich das geschafft habe!“

 

Weiterhin erklärte der neue Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping: „Leone Jei ist unglaublich – er ist ein so fantastisches Pferd und besitzt so viel Talent! Er ist in der ersten Runde unfassbar gut gesprungen – so gut, dass er mich über der kanadischen Flagge aus dem Sattel gehoben hat und ich meinen linken Zügel und Steigbügel verloren habe. Ich hatte alle Hände voll damit zu tun, wieder in den Steigbügel zu kommen, musste aber drei oder vier Hindernisse nehmen, bis es mir endlich gelang. Nach der ersten Runde haben wir überlegt, ob wir sein Gebiss wechseln sollen, weil er so eifrig war, aber mein Vater meinte, das sollten wir sein lassen und ich sollte lieber besser reiten!“

 

INTERVIEW MIT TOMMY WHEELDON JR.

(Photo: Spruce Meadows Media) (Photo: Spruce Meadows Media)

 

Erzählen Sie uns doch bitte etwas über Ihre Position und was sie beinhaltet.

 

Mein Name ist Tommy Wheeldon Jr. und ich bin Cheftrainer und Geschäftsführer des Cavalry FC. Ich bin schon seit Gründung der Mannschaft dabei – wir wurden 2018 ins Leben gerufen. Meine erste Begegnung mit Linda [Southern-Heathcott] war beim CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘ im September 2017, und ich stellte ihr die Idee von Profifußball in der ‚International Arena‘ während einer Parcourbegehung vor.

 

Wie viel wussten Sie vor Ihrem Beitritt zum Cavalry FC vom Springreitsport?

 

Interessant, ich war schon vor der Gründung des Teams mehrmals als Zuschauer in Spruce Meadows gewesen, um meiner Stieftochter, Tatum, zuzusehen, die hier angetreten ist. Sie ist eine leidenschaftliche Reitsportlerin, genauso wie meine Frau. Als ich meine Frau kennenlernte, trat meine Stieftochter regelmäßig bei Turnieren an, und so bin ich ursprünglich durch die beiden mit diesem Sport in Kontakt gekommen. Lustigerweise waren wir mal bei einer Veranstaltung der Calgary Flames Family Foundation und meine Stieftochter wurde eingeladen, auf dem heutigen ATCO Field mitzureiten. Ich weiß noch, was für eine große Sache das für sie war. Also ja, ich hatte schon ein bisschen Kontakt zu Pferden und es war Zufall, dass ein Freund mich 2017 einlud, ihn zum ‚The Masters‘ zu begleiten.

 

Haben Sie Ähnlichkeiten zwischen den beiden Sportarten feststellen können?

 

Es gibt ganz eindeutig Ähnlichkeiten zwischen den beiden Sportarten. Es sind zwei Sportarten, bei denen es sehr auf Details ankommt. Bei beiden geht es um Beziehungen. Nehmen wir Pferd und Reiter – sie müssen einander vertrauen, und im Fußball ist es ganz ähnlich, denn Ihre Spieler müssen der Taktik, der Strategie und dem Training vertrauen.

 

Der Reitsport erfordert einen verblüffend hohen Grad an Detailgenauigkeit – ein Fehler in einer 60-Sekunden-Runde kann einen den Sieg kosten. Beim Fußball ist es genauso. In einem 90-Minuten-Spiel kann ein Fehler das ganze Ergebnis beeinflussen. Bei beiden Sportarten gibt es kaum Spielraum für Fehler.

 

In beiden ist äußerste Professionalität nötig. Wenn man sich das Springreiten ansieht, ist es wirklich beeindruckend, wie viel Training und Pflege in die Pferde investiert wird. Das kann man auch auf den Fußball übertragen, darauf, wie sich um die Spieler gekümmert wird – von ihrer Ernährung bis hin zu der Art, wie sie trainieren. Es gibt viele Überschneidungen.

 

Im Reitsport gibt es die Majors, wie auch im Tennis und Golf. Was würden Sie als die vier Majors im Fußball bezeichnen?

 

Wembley Stadium muss weit oben auf der Liste stehen als eins der vier Majors im Fußball. Dann würde ich sagen, New Camp Stadium, obwohl ich noch nie dort war. Es wird zurzeit renoviert, wird also auf jeden Fall ein sehr besonderes Stadion werden. Auch das Estadio Azteca in Mexiko. Ich habe mir dort 1986 die Weltmeisterschaft angesehen und weiß noch, dass das Stadion gerammelt voll war. Als Letztes würde ich das San Siro Stadion in Mailand nennen. Dort habe ich mich während der Weltmeisterschaft 1990 in den Fußball verliebt. Ich hatte die Chance, im Stadion zu sein, und es war so wunderschön dort.

 

Sie kennen sowohl den Fußball als auch den Reitsport. Was können die beiden Sportarten Ihrer Meinung nach voneinander lernen?

 

Der Reitsport hat etwas so Königliches an sich, wie die Leute sich kleiden und benehmen – es hat schon seinen Grund, warum Rolex in den Sport involviert ist. Das ist beim Tennis auch so, beispielsweise bei den Wimbledon Championships.

 

Ich glaubte, was der Fußball beigesteuert hat, ist dieselbe Eleganz beim Betreten von Spruce Meadows, aber mit einem etwas anderen Fan-Erlebnis. Man hat also dieselbe Umgebung, aber unterschiedliche Erlebnisse, und das ist ziemlich einmalig, vor allem bei einer Location wie Spruce Meadows. Einerseits hat man die ‚International Arena‘, in der die Reiter um den Sieg des Rolex Grand Slam of Show Jumping kämpfen und alles ziemlich still ist. Andererseits ist da das ATCO Field, wo das Publikum viel lauter ist, vom Anpfiff bis zum Schlusspfiff. Das ist wirklich einzigartig.

Was die Leistung angeht, tragen unsere Spieler jetzt diese GPS-Westen. Das verschafft uns Trainern einen Datenpunkt, sodass wir verfolgen können, wie hart die Spieler trainieren und wie schnell sie rennen. Ich unterhalte mich oft mit Ian Allison darüber und frage ihn, ob man auch die Pferde überwachen könnte, um zu sehen, ob sie zu viel oder zu wenig trainieren. Es ist immer ein sehr schmaler Grat. Der Einsatz von Technologie könnte ein interessantes Crossover sein. Mir ist bewusst, dass es Zeitschranken gibt, aber es wäre doch interessant, auch die Gesundheit der Pferde zu überwachen.

 

Ihr Sitz ist in Spruce Meadows, wo ständige Verbesserung und Innovation großgeschrieben werden. Inwiefern motiviert Sie und Ihr Team das, sich ebenfalls zu verbessern?

 

Ich finde, Mrs. Southern-Heathcott hat es am Treffendsten ausgedrückt: Es ist ein Ort der Vortrefflichkeit, an dem weit mehr getan wird, als nur seine Pflicht zu erfüllen. Ich glaube, das beschreibt Spruce Meadows am besten. Wenn man durch die Tore nach Spruce Meadows kommt, spürt man diese Vortrefflichkeit. Ich habe schon immer geglaubt, wenn man in Spitzenform ist, kann man das Spiel verändern. Ich glaube, die Familie Southern und das Leitungsteam von Spruce Meadows versuchen Woche für Woche und Jahr für Jahr, diese Vortrefflichkeit noch zu steigern. Es ist einfach unglaublich, Teil davon sein zu dürfen.

Im Fußball haben wir versucht, die Motivation aufrechtzuerhalten, immer danach zu streben, die Besten zu sein. Im Moment sind wir Spitzenreiter in unserer Liga. Ich glaube, wir haben die meisten regulären Saisonpunkten von allen Mannschaften gewonnen, und das ist die Atmosphäre, die wir geschaffen haben. Wir halten den höchsten Siegesrekord bei Heimspielen über fünf Jahre. Die Umgebung und Atmosphäre, in der das Team spielt, ist immer enorm wichtig für die Leistung. Und genau das hat Spruce Meadows geschaffen.

 

Haben Sie sich hier schon mal den CPKC ‚International‘ Grand Prix, presented by Rolex, angesehen und wie fanden Sie die Atmosphäre und das Niveau des Wettkampfs im Vergleich zu Ihren Spielen?

 

Ja! Ich war eingeladen, weil mein Freund Vizepräsident von Telus war, und er stellte mich Ian Allison und Linda Southern-Heathcott vor. Das Erste, das ich zu Linda sagte, war, wie fantastisch der Rasen ist! Fußball ist ein Spiel, das schon immer auf wunderschönem Rasen gespielt wird. Leider muss man in diesem Land sehr oft auf künstlichen Bodenbelägen spielen, aber in Spruce Meadows gibt es echtes Gras. Ganz ähnlich wie in Wimbledon und darauf sind wir sehr stolz.

 

Meine zweite Frage an Linda war, ob sie schon mal daran gedacht hätte, ein gesponsertes Match zu spielen. Mir waren all die Rolex-Uhren aufgefallen, die WestJet-Beschilderung – es waren zahlreiche angesehene Marken vertreten und auf mich wirkte es wie ein Fußballstadion. Linda fragte mich, wie schwer meine Athleten seien, woraufhin ich sagte, jeweils zwischen 50–90 kg. Und sie sagte: „Tja, unsere Pferde wiegen 1.200 Pfund, also glaube ich, dass wir problemlos 22 Spieler hier spielen lassen können.“

 

Zu der Zeit war das nur eine beiläufige Bemerkung, aber mein Freund hatte in der Woche darauf ein Meeting mit ihr und erwähnte, dass eine Profi-Fußballliga nach Kanada kommen würde. Linda wollte den Zweck wissen. Ihre Familie war schon immer sehr zweckorientiert und hier war es der Zweck, den Kanadiern zu helfen. Das traf bei ihr genau ins Schwarze, denn genau aus demselben Grund hatten Mr. und Mrs. Southern den Reitsport aufgebaut. Sie hatten beschlossen, den Kanadiern den Weg zu ebnen, als es noch keinen einzigen kanadischen Springreiter gab. Heutzutage tritt Kanada bei den Olympischen Spielen an, weil es Orte wie Spruce Meadows zu besuchen gibt, an denen alle nach Bestleistungen streben. Als es also wieder um diese Botschaft ging, den Kanadiern zu helfen, war die Familie sofort Feuer und Flamme dafür.

 

Als ich mir die Atmosphäre ansah, fiel mir als Erstes auf, wie glamourös alles ist. Es ist ganz klar ein erstklassiger Veranstaltungsort. Die Intensität war es, die mich so überrascht hat, weil ich erwartet hatte, dass die Zuschauer ganz höflich und nur leise klatschen würden. Die gespannte Erwartung hat mich wirklich überrascht – man hält für die Dauer der Runde den Atem an, und wenn es ein fehlerfreier Durchlauf war, seufzen alle erleichtert auf. Ich fand das ganz unglaublich, denn so etwas hatte ich noch nie erlebt, in keiner der Sportarten, die ich mir angesehen oder auch selbst gespielt habe.

 

Im Sommer richtet Spruce Meadows sowohl Fußball- als auch Reitsportveranstaltungen aus. Gibt es Menschen, die sich beides ansehen – sind Ihnen Überschneidungen bei den Fans aufgefallen?

 

Ich glaube, es gibt Überschneidungen bei den Fans. Man kommt zum selben Veranstaltungsort und erlebt etwas völlig anderes. Es gibt Menschen, die beim internationalen Weihnachtsmarkt in Spruce Meadows waren, aber noch nie beim ‚The Masters‘. Ebenso gibt es Fans, die sich ein Cavalry FC-Spiel angesehen haben, aber noch bei keiner Reitsportveranstaltung waren. Ich glaube, die Menschen betrachten Spruce Meadows inzwischen als ein Ausflugsziel. Ich glaube, jetzt kommen Menschen für den Tag hierher und bekommen etwas von dem Spitzenreitsport mit, bevor sie sich ein Fußballspiel ansehen. Es beginnt also, miteinander zu verschmelzen.

 

Spruce Meadows blickt auf eine lange Geschichte in Sachen Pferde zurück – der Cavalry FC ist jetzt fünf Jahre alt. Inwiefern haben Sie erlebt, dass der Sport hier gewachsen ist, und welches weitere Wachstum erhoffen Sie sich in den nächsten fünf Jahren?

 

Ich glaube, wir sind dem ursprünglichen Zweck treu geblieben: den Kanadiern einen Weg zu ebnen, im Sport ein Spitzenniveau zu erreichen. In den fünf Jahren, in denen unser Club jetzt besteht, haben wir vier Spieler gehabt, die es in die kanadische Nationalmannschaft geschafft haben. Diese Chance hätten sie nie bekommen, wenn es den Club nicht gäbe. Ich glaube, unser nächstes Ziel wird es sein, ein einzigartiges Fußballerlebnis von Weltklasse zu erschaffen. Im Laufe der nächsten 10 Jahre und vor allem auch, weil die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada stattfinden wird, glaube ich, dass sich das Spiel sowohl im Hinblick auf die Teilnahme weiterentwickeln wird, aber auch im Hinblick auf das Interesse der Zuschauer, ein Spektakel zu erleben.

 

Wie im Reitsport, wo Pferd und Reiter antreten, sehen die Fans oft nur die Spieler auf dem Feld. Aber es geschieht so viel hinter den Kulissen, wodurch die Spieler erst das sind, was sie sind. Können Sie uns etwas über Ihr Team erzählen?

 


Das ist interessant, weil ich erst kürzlich in unserer Liga als Manager des Monats nominiert wurde. Meiner Meinung nach ist das ein Preis für all die Mitarbeiter und Spieler, die sich für unser Ziel aufopfern. Das beinhaltet, morgens pünktlich zum Mannschaftsfrühstück zu erscheinen, um das Kameradschaftsgefühl zu steigern, den Schwerpunkt auf die Weiterentwicklung unserer Technik zu legen, aber auch die Physiotherapeuten, die für die Gesundheit unserer Athleten sorgen, und die Sportwissenschaftler, die unsere Taktiken ausarbeiten. Es passiert so viel hinter den Kulissen, das uns letztendlich zum Erfolg führt. Unsere Unterstützer spielen auch eine Rolle. In dieser Saison hatten wir einen schweren Start mit fünf Unentschieden hintereinander, aber sie sind uns immer noch treu. Ich glaube, es ist ein Rekord, dass wir fünf Spiele lang nicht gewonnen haben. Aber wir haben auch nicht verloren. Es war ziemlich skurril.

Wenn die Mannschaft gut spielt, erhalten die Spieler die Auszeichnungen und das zu Recht. Aber wenn die Mannschaft nicht gut spielt, wird der Trainer hinterfragt. Das ist, glaube ich, das einzige Umfeld, in dem die Arbeit, die man während der ganzen Woche leistet, am Ausgang eines 90-minütigen Spiels gemessen wird. Die ganze Arbeit, die hinter verschlossenen Türen erfolgt, geschieht in Vorbereitung dessen, was die Fans am Wochenende sehen.

 

 

INTERVIEW MIT LEOPOLDO PALACIOS

(Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) (Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

 

Können Sie uns Ihre offizielle Rolle erläutern und was sie beinhaltet?

 

Ich bin der Parcoursdesigner hier in Spruce Meadows und arbeite schon seit mehr als 25 Jahren hier. Um ein guter Parcoursdesigner zu sein, benötigt man viel Erfahrung in dem Sport und muss in der Lage sein, durch die Parcours, die man erstellt, für einen atemberaubenden Wettkampf zu sorgen. Ich habe ein fantastisches Team, das mir hilft und sicherstellt, dass wir den bestmöglichen Parcours auf die Beine stellen.

 

Wenn man gewährleisten will, dass sich der Sport fortlaufend weiterentwickelt, ist es entscheidend, dass auf die Pferde Rücksicht genommen wird. Es ist also ein schmaler Grat zwischen dem, was für die Pferde und Reiter machbar ist, und dem, was den Sport voranbringt.

 

Was ist das Besondere am CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turnier?

 

Für mich ist Spruce Meadows mein Zuhause und ich betrachte die Familie Southern als meine Familie. Ich arbeite jetzt seit über 25 Jahren hier und meiner Meinung nach gibt es keinen zweiten Ort wie diesen. Das Team ist wirklich etwas Besonderes und der Grad an Detail und Planung, der in die Veranstaltung einfließt, ist unglaublich beeindruckend.

 

Als Parcoursdesigner kann der Druck ziemlich hoch sein, einen großartigen Parcours zu bauen, der den Ansprüchen von Spruce Meadows gerecht wird, aber das Team hier hat sowohl fachliches als auch persönliches Vertrauen in meine Arbeit.

 

Der CPKC ‚International‘ Grand Prix, presented by Rolex, beim CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turnier wird oft als einer der schwierigsten Parcours der Welt bezeichnet. Was macht ihn so einzigartig?

 

Als Parcoursdesigner muss man eine Reihe von Faktoren berücksichtigen, wie Höhe und Weite der Hindernisse, die Zeitvorgabe, das Layout des Parcours, das Design der Hindernisse und das Gefälle des Rings. Es ist wichtig, dass wir uns auf alle Aspekte konzentrieren und für Ausgewogenheit sorgen – das macht einen guten Grand Prix aus. Genau dieses Gleichgewicht haben wir, wie ich finde, hier in Spruce Meadows erreicht.

 

Man kann uns [Parcoursdesigner] mit Choreografen vergleichen – wir wollen gewährleisten, dass die Prüfung ein echtes Spektakel für die Zuschauer wird. Wir versuchen, die richtige Balance für alle Beteiligten zu finden, von den Pferden über die Reiter bis hin zu den Fans.

 

In der Vergangenheit habe ich schon Parcours für die Olympischen Spiele 2000 in Sydney und die Olympischen Spiele 2008 in Beijing designt. Meiner Meinung nach ist der Parcours für den CPKC ‚International‘ Grand Prix, presented by Rolex, hier in Spruce Meadows größer und schwieriger als die olympischen Parcours.

 

Können Sie uns einen kleinen Einblick in den Parcours geben?

 

Es ist ein sehr anspruchsvoller Parcours. Die erste Runde besteht aus 13 Hindernissen mit einem Dreifach- und einem Doppelsprung, und die zweite Runde besteht aus 12 Hindernissen, auch wieder mit einem Dreifach- und einem Doppelsprung – also jede Menge Sprünge. Außerdem sind die Hindernisse sehr weit und hoch! Hier in Spruce Meadows haben wir eine ganze Sammlung von Hindernissen aus sämtlichen Olympischen Spielen und den wichtigsten Meisterschaften seit 1974, deshalb sieht der Parcours immer fantastisch aus.

 

Im CPKC ‚International‘ Grand Prix, presented by Rolex, hier beim Spruce Meadows ‚Masters‘-Turnier verwende ich Hindernisse, die nicht in den vorherigen Prüfungen vorkamen, zum Beispiel der doppelte Liverpool, der trockene Graben und der Wassergraben.

 

Der Grand Prix ist ein anderer Typ von Parcours als der Nations Cup, der etwas klassischer aussieht. Meiner Meinung nach ist der CPKC ‚International‘ anspruchsvoller für die Pferde und die Reiter, und der Zweck dieser Prüfung ist es, die beeindruckenden Fähigkeiten der Pferd- und Reiterpaare herauszustellen und den Fans ein großartiges Sporterlebnis zu bieten.

 

Wie wichtig ist es, dass die besten Reiter hier in Spruce Meadows antreten?

 

In der diesjährigen Ausgabe des CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turniers sind sechs der 10 besten Reiter der Welt dabei. Die Veranstaltung lockt die Weltelite an und das gestattet es mir als Parcoursdesigner, besonders kreativ zu sein, um das Niveau von Pferd und Reiter auf die Probe zu stellen. Der Parcours muss eine Herausforderung sein, vor allem die zweite Runde. In der zweiten Runde treten die 12 besten Reiter aus der ersten Runde gegeneinander an. Sie sind wirklich die Crème de la Crème des Sports und bei einem solchen Talentniveau kann ich sie mit meinem Parcours richtig auf die Probe stellen.

 

Die Gerade mit dem doppelten Liverpool wird sehr knifflig sein – es handelt sich um eine besondere Kombination für den CPKC ‚International‘ Grand Prix, presented by Rolex, hier in Spruce. Ich benutze diese Kombination zwar jedes Jahr gern, variiere sie aber jedes Mal leicht. Es ist meine Aufgabe, mir jedes Jahr neue und innovative Ideen für den Parcours auszudenken – und das ist nicht leicht!

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Wie positiv sehen Sie ihn?

 

Ich habe im Laufe der letzten 10 Jahre ganz eindeutig eine Veränderung gesehen. Rolex hat dem Sport exponentiell geholfen – all die besten Reiter der Welt wollen in diesen Majors antreten. Es ist wirklich bemerkenswert, dass die besten Reiter der Welt um diese Majors wetteifern.

 

In Spruce Meadows hatten wir das Privileg, Scott Brash 2015 als ersten und einzigen Reiter zu erleben, der den Rolex Grand Slam of Show Jumping gewonnen hat. Das war ein so denkwürdiger und unfassbarer Tag – und etwas, das ich nie vergessen werde.

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping hat den Sport ganz eindeutig um eine neue Ebene bereichert. Meiner Meinung nach gibt es in diesem Sport nichts Wichtigeres als den Rolex Grand Slam of Show Jumping.

 

Gibt es ein Highlight in Ihrer Karriere?

 

Ich habe in meiner Karriere schon so einige ganz besondere Augenblicke erlebt, aber der eine, der heraussticht, ist Scott Brashs Sieg des Rolex Grand Slam of Show Jumping 2015 hier in Spruce Meadows. Das war einfach unglaublich – alle Zuschauer und Reiter haben mit ihm mitgefiebert und ihm den Sieg gewünscht. Eine Atmosphäre wie an diesem Tag hatte ich bis dahin noch nie erlebt!

 

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der eine Karriere als Parcoursdesigner in diesem Sport anstrebt?

 

Mein Rat wäre, dass man Pferde lieben muss und das, was man tut, wirklich mit Leidenschaft tut. Man sollte sich immer bemühen dazulernen, was die Reitkunst angeht, denn das hilft einem, in dem Sport voranzukommen. Ich beobachte die Emotionen der Pferde, analysiere Statistiken und verfolge, was während des Turniers passiert. Man sollte nicht in diese Branche einsteigen in der Hoffnung, reich und erfolgreich zu werden, sondern aus Liebe zu diesem Sport. Es war meine Leidenschaft für den Sport, die mich da hingebracht hat, wo ich heute bin.

 

VOGEL UNANTASTBAR IM CANA CUP

(Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) (Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

 

Am zweiten Tag des CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turnier 2023 nahmen es 42 der weltbesten Pferd- und Reiterpaare mit dem atemberaubenden Parcours von Leopoldo Palacios auf in der Hoffnung, sich einen Platz in der Spitzenprüfung der Veranstaltung zu sichern, dem CPKC ‚International‘ Grand Prix, presented by Rolex. 

 

Die legendäre International Arena, in der dieser Sport schon zahlreiche historische Momente wie Scott Brashs unglaublichen Sieg des Rolex Grand Slam of Show Jumping im Jahr 2015 feiern durfte, erstrahlte im wunderschönen Licht der Spätsommersonne. Als Erstes betrat den Ring der Ire Conor Swail, der diese Prüfung im vergangenen Jahr gewonnen hatte und auch diesmal mit einer perfekten, fehlerfreien Runde die Richtzeit für die restlichen Reiter festlegte. Nur fünf Pferde später stellte der frisch gekrönte FEI Europameister und Rolex-Markenbotschafter Steve Guerdat sicher, dass es ein Stechen geben würde, indem er den technischen Parcours auf dem imposanten Wallach Albführen’s Maddox mit links meisterte. 

 

Das Weltklasse-Starterfeld beeindruckte das fachkundige kanadische Publikum mit insgesamt 15 Reitern, die den aus 12 Hindernissen bestehenden 1,55-m-Parcours fehlerfrei absolvierten. Auf der Liste der Elitereiter standen unter anderem der Sieger des ATCO Cups, der zuvor an diesem Tag stattgefunden hatte, Martin Fuchs, sowie der Brite Matthew Sampson, der hier schon wiederholt gewonnen hatte. Das Publikum freute sich besonders, als die kanadischen Reiter Mario Deslauriers und Erynn Ballard die erste Runde ohne Fehler zurücklegten.

 

Drei Paare entschieden sich dafür, nicht am Stechen teilzunehmen, sodass 12 Paare in die zweite Runde einzogen. Bei gleicher Startreihenfolge wie in der ersten Runde gelang es dem zweiten Starter, dem Schweizer Steve Guerdat, sich mit einer Zeit von 44,27 Sekunden als Erster den zweiten fehlerfreien Durchlauf zu sichern und die Messlatte für die folgenden Reiter ziemlich hoch zu legen. Doch der vierte Starter, Richard Vogel mit seinem weit ausgreifenden Hengst, United Touch S, unterbot Guerdats Führung mit einer Zeit von 43,07 Sekunden. Jetzt war der Druck auf die restlichen Teilnehmer groß, denn sie mussten die Zeit des jungen deutschen Reiters unterbieten. Der Amerikanerin Natalie Dean gelang es um ein Haar, Vogel den Titel abzuringen, sie ritt aber schließlich mit einer Zeit von 43,63 Sekunden ins Ziel ein und landete damit auf dem zweiten Platz. 

 

Auf die Frage zu seinem Sieg sagte Vogel: „Ich fühle mich fantastisch! Mein Pferd ist einfach unglaublich gut gesprungen – ich glaube, er mag die Arena hier sehr. Er ist in der ersten Runde überragend gesprungen und hat mir im Stechen ein sehr gutes Gefühl vermittelt. Die Größe der Arena hier gefällt ihm sehr gut, er hat so viel Sprungkraft und einen so raumgreifenden Schritt, dass ich Schritte weglassen kann, ohne ihn hetzen zu müssen. Wir haben unser Bestes gegeben und es hat zum Glück für den Sieg gereicht.“

 

Die Frage nach seinem Plan für den CPKC ‚International‘ Grand Prix, presented by Rolex, kommentierte Vogel wie folgt: „Ich hatte vor, ihn in der Prüfung morgen antreten zu lassen, um ihn an den Platz zu gewöhnen, weil er zum ersten Mal in Spruce Meadows ist. Die Arena hier ist so einzigartig – man bekommt nicht sehr oft Gelegenheit, in so einer Arena zu reiten! Aber er war so souverän und ist so gut gesprungen, dass ich jetzt entscheiden muss, ob ich ihm bis Sonntag Ruhe gönne oder ob ich an meinem ursprünglichen Plan festhalte.“

 

INTERVIEW MIT LINDA SOUTHERN-HEATHCOTT

(Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) (Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

 

Wie lief die Planung für die diesjährige Veranstaltung?

 

Die Planung für das CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turnier lief ausgesprochen gut. Wir hatten uns mehrere sehr wichtige Projekte vorgenommen, die jetzt alle abgeschlossen sind. Der Veranstaltungsort sieht wunderschön aus und wir sind bereit, die Welt bei uns zu empfangen.

 

Gibt es in diesem Jahr etwas Neues beim CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turnier? Werden Sie das zehnjährige Bestehen des Rolex Grand Slam of Show Jumping mit etwas Besonderem feiern?

 

Wir haben eine neue Bestuhlung für unsere Gäste und neue Sitzplätze an der Ostseite. Derzeit bauen wir ein Restaurant, das allerdings nicht vor 2025 fertiggestellt sein wird. Wir haben die westliche Haupttribüne mit neuen Tischen und Sitzplätzen versehen, den Boden überarbeitet und dem Aufwärmring für die internationalen Pferde einen neuen Boden verpasst. Außerdem haben wir einen neuen Tunnel und wir haben ein Drainagesystem in den Boden im Aufwärmring eingebaut. Es ist vieles geschehen und es hat sich viel verändert!

Das Hauptgeschäft von Spruce Meadows sind die Pferde und unsere Springreitveranstaltungen, aber unsere Veranstaltungsorte sind auf Vielseitigkeit ausgelegt. Wir richten Business-Events sowie Geschäftsratstreffen, Führungen und einen großen Weihnachtsmarkt aus. Unser internationaler Weihnachtsmarkt ist der viertbeliebteste weltweit. Es gibt hier Hallenturniere sowie im Sommer eine große Hundeausstellung mit 3.000 Hunden. Zu Weihnachten haben wir eine wunderschöne Drive-Through-Lichtshow, bei der man über die Anlage fahren und die herrliche Weihnachtsbeleuchtung genießen kann.

Beim CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turnier werden wir am Sonntag die Pferde und den Rolex Grand Slam of Show Jumping ehren und gleichzeitig das CPKC ‚International‘, presented by Rolex, einläuten.

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping feiert sein zehnjähriges Bestehen. Welche positiven Auswirkungen hatte die Initiative auf die Veranstaltung in Spruce Meadows?

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping hat uns enorm beeinflusst, einerseits durch die Zusammenarbeit mit einem so wunderbaren Partner wie Rolex, aber auch durch die Zusammenarbeit mit anderen Veranstaltungsorten. Er hat uns angespornt, uns fortwährend zu verbessern und neue Chancen zu schaffen. Als Organisatoren der vier Majors ziehen wir alle am selben Strang, was die Sicherheitsprotokolle sowie den Umgang mit den Pferden und ihr Wohlergehen angeht. Wir haben alle ein ESG-Programm und erstellen ESG-Berichte. Insgesamt, finde ich, waren wir schon vorher führend in diesem Bereich, aber durch die Partnerschaft sind wir jetzt noch stärker, weil wir alle zusammenarbeiten.

 

Was war Ihr persönliches Highlight in den ersten 10 Jahren des Rolex Grand Slam of Show Jumping?

 

Mein persönliches Highlight, das mir wirklich lieb und teuer ist, war, als Scott Brashs den Rolex Grand Slam of Show Jumping gewonnen hat, weil es in Spruce Meadows geschah. Am meisten ist mir im Gedächtnis geblieben, als er die letzte Gerade hinabkam, den doppelten Wassergraben neben dem Ausgangstor, und alle Reiter draußen gestanden, zugesehen und ihn angefeuert haben. Das war ein wirklich ganz besonderer Augenblick, denn es ist nicht immer so, dass die Reiter sich gegenseitig anfeuern, da es ja nach wie vor ein Wettkampf ist. In dem Fall allerdings haben sie ihm alle von Herzen den Sieg gewünscht.

 

Was raten Sie jemandem, der in die Sportveranstaltungsbranche einsteigen möchte?

 

Mein bester Rat lautet, dass Geduld das A und O ist. Nichts lässt sich in ein oder zwei Jahren aufbauen, man muss am Ball bleiben. Geduld ist das A und O, wenn man auf Spitzenleistungen hinarbeitet, denn das lässt sich eben nicht in ein paar Jahren erreichen. Man muss die Geduld haben, sich fortlaufend verbessern zu wollen, dann gelangt man irgendwann zum Erfolg. Ich würde also sagen, das Zauberwort lautet Geduld.

 

Was sind für Sie ebenso wie für das CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turnier die wichtigsten Komponenten, die eine erfolgreiche Sportveranstaltung oder ein Sport-Major ausmachen?

 

Teamwork. Man muss ein starkes Team hinter sich und um sich herum haben. Man muss seine Vision erfolgreich kommunizieren können, aber es ist die Teamarbeit, die einem zum Erfolg verhilft.

Hier in Spruce Meadows haben wir 95 Vollzeitmitarbeiter. Während der COVID-19-Pandemie haben wir unsere gesamte Bürobelegschaft verloren, aber wir sind inzwischen wieder voll besetzt und die Leute leisten fantastische Arbeit.

 

Wenn wir uns die Tennislegenden Nadal, Federer und Djokovic ansehen, die die Tenniswelt und ihre Majors dominiert haben, wie wichtig ist es für das CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turnier, dass die Weltbesten bei der Veranstaltung antreten?

 

Natürlich ist es am allerwichtigsten, dass die besten Pferde und Reiter hier antreten. Die Herausforderung, der sich Spruce Meadows immer gegenübersieht, ist der Kalender. Dieses Jahr hat sich zum Beispiel der Flugtermin der Pferde aus Europa mit der FEI Europameisterschaft überschnitten. Das bedeutet leider, dass einige dieser Pferde nicht antreten können. Trotzdem sind dieses Jahr die Top 10 der Weltrangliste dabei. Ich glaube, wenn wir es schaffen, weiterhin das Beste zu bieten, werden auch weiterhin die Besten zu uns kommen.

 

Das CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turnier wird oft als die führende Veranstaltungsstätte für Pferdesport in Nordamerika angesehen. Wie stellen Sie sicher, dass Sie sich fortwährend weiterentwickeln und anpassen, um diesen Status aufrechtzuerhalten?

 

Wir sehen uns unsere vier Interessengruppen an und versuchen, jedes Jahr das Erlebnis für mindestens eine davon zu verbessern. Unsere Interessengruppen sind die Sponsoren, die Medien, die Athleten und die Fans. Was die Verbesserungen anbelangt, so kann das zum Beispiel die Neugestaltung der Stadionlogen für die Sponsoren sein, die Umgestaltung des Bodens für die Athleten oder den Fans einzigartige Erlebnisse zu bieten. Wenn wir weiterhin Spitzenreiter anlocken, werden die Medien auch weiterhin über sie schreiben und berichten, was ebenfalls sehr wichtig ist.

 

Lassen Sie und die Organisatoren des CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turniers sich von anderen großen Sportveranstaltungen inspirieren, z. B. im Tennis oder Golf?

 

Wir lassen uns definitiv von anderen großen Wettkämpfen inspirieren. Es ist etwas anders hier in Nordamerika als vergleichsweise in Europa oder England, weil wir darauf aus sind, auf die Titelseite zu kommen. Es ist also wichtig, dass wir immer wissen, wer gerade auf der Titelseite ist, Football oder die US Open? Darum wetteifern wir und deshalb müssen wir immer wieder großartige Geschichten erschaffen, über die die Medien berichten können.

Außerdem reisen wir um die Welt, nicht nur zu Springreitturnieren, sondern auch zu Tennis-, Golf- und Formel 1-Veranstaltungen, um zu beobachten, was dort fortlaufend unternommen wird, um das Erlebnis für die Fans zu steigern. Das ist uns sehr wichtig, und wir nehmen uns jedes Jahr eine Gruppe vor und versuchen, das Erlebnis für sie zu bereichern.

 

INTERVIEW MIT KERRY FINCH, TRAVELLING GROOM VON JOHN WHITAKER

(Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) (Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

 

Können Sie sich kurz vorstellen und uns sagen, für wen Sie arbeiten und was Ihre Aufgabe ist?

 

Mein Name ist Kerry Finch und ich unterstütze seit fünf Jahren John Whitaker auf Reisen als Pferdepflegerin.

 

Erzählen Sie uns, wen Sie zum CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘ mitgebracht haben?

 

Nach der Teilnahme an den Brussels Stephex Masters in Belgien sind wir nach Calgary geflogen. Bevor wir nach Kanada weiterreisten, verbrachten wir nach Stephex noch fünf Tage bei Helena Stormanns in Eschweiler. Die Fahrt zum Flughafen dauerte nur eine Stunde, was toll war. Ich kam um drei Uhr morgens an, um vor dem Abflug nach den Pferden zu sehen. Danach reiste ich von Brüssel nach Paris, um unseren Flug nach Calgary zu erreichen. Wir kamen zweieinhalb Stunden vor der Landung der Pferde an und konnten uns so vergewissern, dass alles in Ordnung war.

 

Was können Sie tun, um einem Pferd zu helfen, wenn es nicht gerne reist? Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Pferde bequem reisen, damit sie weiterhin Höchstleistungen bringen können?

 

Es ist schwierig, denn Equine America Unick du Francport hat eigentlich kein Problem mit dem Reisen, ist aber schnell gestresst. Deshalb müssen wir sicherstellen, dass alles glatt läuft. Zum Glück war er mit Sharid unterwegs, der ihm vertraut ist und das Reisen gut verträgt. Er hat sich auf dem Flug also schnell beruhigt. Ich bin noch nie mit ihm geflogen, deshalb kann ich nur schwer beurteilen, wie er mit dem Reisen zurecht gekommen ist.

 

Green Grass, der Hengst, den wir von Paul Barker geliehen haben, ist tatsächlich noch nie geflogen. Er ist ein kleiner Rabauke und wir mussten darauf Rücksicht nehmen, also haben wir ihm für den Flug ein Halfter verpasst. Es ist wichtig zu wissen, was den Pferden gefällt und worauf man achten muss, wenn sie unruhig sind. Green Grass hat die Reise sehr gut überstanden, er war gestern beim Longieren frisch und ausgeruht. Er frisst einfach gerne. Man muss ihm nur Futter geben, dann ist er zufrieden und bleibt ruhig!

 

Wie wichtig ist das gesamte Team, z. B. Tierärzte und Hufschmiede, für den gemeinsamen Erfolg?

 

Es ist extrem wichtig – es gibt definitiv einen starken Teamaspekt, denn wenn nicht alle an einem Strang ziehen und ihre Arbeit machen, wären wir nicht erfolgreich. Eine ständige Abstimmung zwischen allen Teammitgliedern ist wichtig, damit alle auf dem Laufenden bleiben. Jeder spielt eine entscheidende Rolle, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Pferde zu gewährleisten. Das gilt nicht nur für diejenigen, die mit zu den Turnieren reisen, sondern auch für das Personal zu Hause.

 

Können Sie uns ein wenig über die Pferde erzählen, die Sie mitgebracht haben, und über ihre Charaktere?

 

Wir haben drei Pferde zum CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘ mitgebracht: Equine America Unick du Francport, Sharid und Green Grass.

 

Unick du Francport hat eine ganz besondere Art und ist sehr ruhig. Man darf in seiner Nähe nicht schroff werden, sondern muss ruhig bleiben, da er in dieser Hinsicht ein sehr empfindliches Pferd ist. Gleichzeitig weiß er aber, was er will – und tut auch, was er will. Wenn man ihn an der Hand grasen lässt und er sieht ein paar Grashalme, die lecker aussehen, dann zieht er dich dorthin und bewegt sich nicht vom Fleck, bis er seinen Willen bekommt. Ansonsten ist er aber ein sehr pflegeleichtes Pferd.

 

Dann ist da noch Sharid, der mit ihm [Equine America Unick du Francport] reist – sie sind jetzt schon seit fast dreieinhalb Jahren immer zusammen unterwegs. Sie kennen sich sehr gut und haben die Angewohnheit, nacheinander zu rufen, aber sie lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, wenn einer von ihnen den Stall verlässt. Sharid ist ebenfalls ein sehr liebenswertes Pferd. Er schläft gerne. Wenn er sich nach dem Frühstück nicht wieder zurückzieht und auf dem Boden schläft, dann weiß man, dass etwas nicht stimmt! Ihm gebührt definitiv die Goldmedaille, wenn es ums Schlafen geht. Er kann ein bisschen empfindlich sein, wenn John aufsteigt, also habe ich Leckerlis dabei, um ihn zu beruhigen. Er hat sich so an diese Routine gewöhnt, dass er nur noch da steht und mich ansieht, während er auf ein Leckerli wartet. Pferde lernen sehr schnell.

 

Und dann ist da noch Green Grass, er liebt es zu fressen und sich zu wälzen! Alle Pferde sind sehr lieb. Jedes hat seine eigene Persönlichkeit. Sie sind eigentlich ganz schön verwöhnt!

 

Wie sind die Bedingungen beim CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘ für Sie als Pferdepfleger und für die Pferde?

 

Es gibt kein anderes Turnier auf der Welt, das mit dem CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘ vergleichbar ist. Der CHIO Aachen ist ein eindrucksvolles Turnier und die Teilnahme fantastisch. Aber Spruce Meadows ist ein ganz anderes Kaliber. Es gibt so viel Platz in den Ställen und auf den Koppeln, wo wir die Pferde rauslassen können – alles ist unglaublich sauber und ordentlich. Sie bieten auch einen Shuttleservice für die Pferdepfleger an, was das Ganze einfacher macht. Die Organisatoren haben Flächen zur Verfügung gestellt, in denen wir die Pferde an der Hand führen können, und wir sind nicht auf bestimmte Bereiche beschränkt. Die Einrichtungen hier in Spruce Meadows sind schlichtweg Weltklasse.

Es gibt kein anderes Turnier auf der Welt, das das Angebot hier übertrifft. Ich war schon einmal hier, als es schneite, und das Personal begann sofort damit, den Schnee von Hand zu räumen. Ich war auch 2005 hier, als es zwei Wochen lang ununterbrochen regnete – so etwas habe ich noch nie erlebt. Das Wasser musste aus den Hauptarenen abgepumpt werden. Der Boden hielt so gut, dass wir sogar noch springen konnten. Wenn man ein Problem hat, wird es gelöst – es ist wirklich eines meiner Lieblingsturniere!

 

Sind Sie gerne bei den Majors – The Dutch Masters, dem CHIO Aachen, Spruce Meadows ‚Masters‘ und dem CHI Genf? Wodurch unterscheiden sie sich Ihrer Meinung nach von den anderen Turnieren?

 

Ich mache diesen Job nun schon seit fast 30 Jahren und war noch nie bei den Dutch Masters, aber der CHI Genf ist ein wunderschönes Hallenturnier und der CHIO Aachen ist einfach klasse! Alle Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping bieten etwas ganz Besonderes. Sie richten Bereiche ein, in denen die Pferdepfleger Kaffee und ähnliche Dinge bekommen können, und wenn es ein Problem gibt, tun sie alles, um zu helfen.

 

Was gefällt Ihnen besonders daran, Teil des Teams von John Whitaker zu sein?

 

Ursprünglich war ich als freie Mitarbeiterin im Team von John Whitaker angestellt. Ich sollte eigentlich nur einen Monat für ihn arbeiten, bin aber nie gegangen. Bevor ich zu John kam, arbeitete ich 13 Jahre für Michael [Whitaker]. Auch mit Billy Twomey habe ich sechs Jahre lang zusammengearbeitet. Die Arbeit für John ist wirklich angenehm, alles ist sehr traditionell und simpel. Wenn man eine Zäumung findet, die bei einem Pferd funktioniert, dann bleibt man dabei. Mein Pferd hat seit dreieinhalb Jahren dasselbe Zaumzeug. So ist das eben. Die Dinge sind einfach und wenn es ein Problem gibt, kümmern wir uns darum. Hier läuft noch alles nach der alten Schule. Wir wollen nicht, dass die Pferde alle sechs Wochen behandelt werden, aber wenn sie eine Behandlung brauchen, dann bekommen sie sie.

John ist jetzt 68 Jahre alt und seine Arbeit hört nicht auf, wenn er nach Hause kommt. Morgens steht er auf, sattelt und reitet seine eigenen Pferde. Dann kümmert er sich um die Kühe und das Heu auf dem Hof oder um alles, was auf dem Hof repariert oder instand gesetzt werden muss.

Er ist sehr bescheiden, nichts steigt ihm zu Kopf. Wenn ihn jemand um ein Autogramm bittet, bleibt er immer stehen und unterhält sich fünf Minuten mit ihm. Es ist ihm nie zu viel.

 

Welche Eigenschaften haben John Ihrer Meinung nach über einen langen Zeitraum so erfolgreich machen?

 

John gibt nicht auf, er macht einfach immer weiter. Es geht ihm nicht darum, irgendjemanden oder irgendetwas zu übertreffen. So ist er einfach. Er ist jemand, der Sachen angeht und immer weitermacht. Ich glaube, der Tag, an dem er aufhört, wird der Tag sein, an dem er nicht mehr von dieser Welt ist. Er definiert sich nicht über sein Alter!

 

Vor fünf Jahren kaufte John Equine America Unick Du Francport und der war nicht einfach. Wenn ihn etwas störte, blieb er stehen und drehte sich im Kreis. John hatte damals kein Grand Prix-Pferd, Argento war am Ende seiner Karriere, also nahmen wir nicht an den großen Turnieren teil. Es folgten zwei Jahre harter Arbeit, in denen wir an allen Turnierserien und Bezirksveranstaltungen teilnahmen, damit Equine America Unick Du Francport sich an diese gewöhnen konnte. John war entschlossen und machte weiter, bis der Groschen fiel. Wenn man sie jetzt betrachtet, sind sie unaufhaltsam. In den letzten Jahren ist eine echte Partnerschaft entstanden.

 

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der in die Branche einsteigen möchte?

 

Viele Leute kommen wegen des Geldes in die Branche, aber es ist wichtig, dass man mit Leidenschaft bei der Sache ist und nicht nur seine Stunden abarbeitet. Mann muss für die Pferde da sein, so schwierig das klingt. Es ist eine Lebenseinstellung, nicht einfach ein Job. Man muss mit Herz und Seele dabei sein, um es richtig zu machen. Das ist nicht einfach!

Man darf sich nicht für etwas Besseres halten. Das Mantra sollte lauten: Wenn man es nicht weiß, sollte man um Hilfe bitten. Viele der jüngeren Pferdepfleger, die heute kommen, wollen keine Ratschläge von den älteren Kolleginnen und Kollegen – dabei sollten sie wie ein Schwamm alles aufsaugen und von allen um sie herum lernen. Genau so habe ich gelernt. Als ich zum ersten Mal nach Spruce Meadows flog, war ich noch nie mit Pferden geflogen – ich war erst 20 Jahre alt und lernte von all den anderen Pferdepflegern um mich herum.

 

Wie sieht die Gemeinschaft der Pferdepfleger aus? Unterstützen sie einander?

 

Ja, es geht recht solidarisch zu. In diesem Jahr sind wir 16 Pferdepfleger aus Europa beim Spruce Meadows. Wir verabreden gemeinsam, wann wir mit dem Shuttle fahren, wenn wir nachts nach den Pferden sehen. Manche sind mit nur einem Pferd hier und immer gerne bereit, denen zu helfen, die sich um mehrere Pferde kümmern müssen! Es sind die einfachen Dinge, die zählen. Zum Beispiel habe ich jemanden um Hilfe bei der Parade im Rahmen des Nationenpreises gebeten. Alle sind sehr hilfsbereit. Das ist in der Gemeinschaft der Pferdepfleger sehr wichtig.

HIGHLIGHTS DES CSIO SPRUCE MEADOWS 'MASTERS'

Calgary, Alta  Sep, 6, 2022 Preparing for the Masters.  Spruce Meadows Masters. Mike Sturk photo. Calgary, Alta Sep, 6, 2022 Preparing for the Masters. Spruce Meadows Masters. Mike Sturk photo.

 

Beim CSIO Spruce Meadows ‘Masters’ werden von 6. bis 10. September 2023 wieder die weltbesten Pferd- und Reiterpaare in Calgary, Kanada, begrüßt. Dort finden fünf Tage lang diverse spannende Springprüfungen statt. Spruce Meadows in den Ausläufern der Rocky Mountains gilt als eine der führenden Veranstaltungsstätten für Pferdesport in Nordamerika. Die Zuschauer erwarten nicht nur eine spektakuläre Landschaft, sondern auch spannende Wettkämpfe, attraktive Einkaufsmöglichkeiten und mitreißende Unterhaltungsangebote. Das CSIO Spruce Meadows ‘Masters’ ist das zweite Major-Turnier zur Feier des zehnjährigen Jubiläums des Rolex Grand Slam of Show Jumping. Das erste war der CHIO Aachen im Sommer, exakt zehn Jahre nach dem ersten Major. In diesem Rahmen bildet die Hauptveranstaltung des CSIO Spruce Meadows ‘Masters’, das CPKC ‘International’, presented by Rolex – das dritte Rolex Grand Slam of Show Jumping Major des Jahres 2023 – einen passenden Abschluss dieses herausragenden fünftägigen Events.

Neben den erstklassigen Springprüfungen bietet das Spruce Meadows ‘Masters’ dem Publikum Aktivitäten für jeden Geschmack. Der allseits beliebte MARKT findet wieder statt und gibt Gelegenheit, alles von Kunst bis zu Pferdeprodukten zu erwerben. An den Ständen der 150 Anbieter gibt es viel Spannendes und Faszinierendes zu sehen.

Die ganze Woche über findet die Weltmeisterschaft der Hufschmiede in der Behind Equi-Plex-Arena statt. Die täglichen Wettbewerbe sind eine exzellente Chance, die außergewöhnlichen Fertigkeiten sowie die Präzision und Genauigkeit zu beobachten, die beim Schmieden und Beschlagen von Pferden nötig sind. Daneben gibt es jeden Tag Vorführungen und Live-Unterhaltung rund ums Pferd, zum Beispiel ein Live-Tutorial mit Jonathan Field zum Thema Reitkunst, Grand Prix-Dressur-Vorführungen der Kanadierin Pia Fortmuller sowie Voltigier-Vorführungen des Diamond Willow Vaulting Club. Die Zuschauer werden begeistert sein und viel Neues lernen!

Im Laufe der Woche wird außerdem Gelegenheit bestehen, Mitglieder der Lord Strathcona’s Horse (Royal Canadians) Mounted Troop zu besuchen, nämlich den Musical Ride des Household Cavalry Mounted Regiments und die King’s Troop Royal Horse Artillery, die auf der Ost- bzw. Westwiese angesiedelt sind.

Am Mittwoch beginnen mit dem Cardel Homes Cup und dem TELUS Cup die 5-Sterne-Springprüfungen im spektakulären International Ring. Die zweite Prüfung ist die erste Chance für die Reiter, sich für das am Sonntag stattfindende CPKC ‘International’, presented by Rolex, zu qualifizieren.

Am Freitag findet eine beim Publikum besonders beliebte Veranstaltung statt: der WESTJET Evening of the Horse. Dazu gehören spektakuläre Auftritte der Lord Strathcona’s Horse (Royal Canadians) Mounted Troop und der Musical Ride des Household Cavalry Mounted Regiments sowie die erstklassigen internationalen Springprüfungen Tourmaline Oil Cup und ATCO Electric Six Bar. Als Höhepunkt wird zum Abschluss der Himmel über Calgary durch Live-Musik und Feuerwerk in Klänge und Farben getaucht.

Am Samstag, dem 9. September, zählen beim BMO Nations’ Cup vor allem Leidenschaft und Teamarbeit. Bei diesem Teamwettkampf vertreten die weltbesten Springreiter ihre Länder. Dabei treten acht Nationen in maximal zwei Runden gegeneinander an.

Sonntag, der 10. September, steht ganz im Zeichen des CPKC ‘International’, presented by Rolex. Dieses Turnier gilt als eine der schwersten Prüfungen im Springreiten, denn sie erfordert von Pferd und Reiter ein Höchstmaß an Präzision, Harmonie und Mut. Parcoursdesigner Leopoldo Palacios hat sich mit Sicherheit großartige Herausforderungen ausgedacht, die die Veranstaltung für das Publikum mitreißend und spannend machen werden. Mit gleich mehreren ehemaligen Major-Siegern des Rolex Grand Slam of Show Jumping im Starterfeld, wie dem Vorjahressieger und Rolex-Markenbotschafter Daniel Deusser, darf mit einer starken Konkurrenz gerechnet werden.

INTERVIEW MIT DANIEL DEUSSER

Daniel Deusser (Credit Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) Daniel Deusser (Credit Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

 

Herzlichen Glückwunsch zu einem weiteren tollen Ergebnis beim CHIO Aachen – wie zufrieden waren Sie mit der Leistung von Killer Queen VDM?

Ich war unglaublich zufrieden mit der Leistung von Killer Queen VDM. Der Rolex Grand Prix des CHIO Aachen ist eines der größten Prüfungen der Welt. Über viele Jahre hinweg hat mir Killer Queen schon gezeigt, dass sie bei allen Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping sehr gut sein kann, insbesondere in Aachen. Vor zwei Jahren war sie Siegerin in Aachen (2021), letztes Jahr wurde sie dort Vierte (2022) und dieses Jahr wieder Zweite – mehr hätte ich mir nicht wünschen können! Natürlich hätte ich in diesem Jahr etwas schneller reiten können, um zu gewinnen, aber ich glaube, wir haben im Stechen trotzdem viel Druck auf die anderen Reiter ausgeübt, und Killer Queen hat an diesem Tag ihr absolut Bestes gegeben.

 

Wie fühlt es sich für Sie an, als Vorjahressieger wieder beim CSIO Spruce Meadows 'Masters' Turnier anzutreten?

Ich freue mich darauf. Vor 2022 war ich schon ein paar Jahre nicht mehr beim CSIO Spruce Meadows 'Masters' am Start, weil ich dachte, ich hätte nicht das richtige Pferd dafür. Selbstverständlich wollte ich im vergangenen Jahr gut abschneiden, aber ich bin nicht mit der Erwartung nach Spruce Meadows gefahren, den CPKC 'International', presented by Rolex, zu gewinnen. Aber Killer Queen war auf dem Platz wirklich gut drauf, sie mag den großen Grasplatz und sprang gut genug, um den Sieg zu holen. In diesem Jahr reise ich also hoffnungsvoll und mit einer Portion Zuversicht nach Spruce Meadows, zumal sie dieses Jahr in Aachen schon sehr gut gesprungen ist. Aber natürlich kann ich mich nicht darauf verlassen oder erwarten, dass es gut läuft, nur weil das die letzten paar Jahre so war, aber zumindest mag Killer Queen den Platz in Calgary, und sie war schon einmal dort. Ich glaube, sie ist im Moment in guter Form, und ich freue mich sehr darauf, wieder in Spruce Meadows mit dabei zu sein.

 

Könnten Sie uns vielleicht ein wenig darüber erzählen, wie die Reise von den Pferden zu internationalen Turnieren wie Spruce Meadows abläuft? Wie stellen Sie sicher, dass die Pferde in bestmöglichem Zustand ankommen und bereit für den Wettkampf sind?

Die meisten Pferde fliegen zu solchen Veranstaltungen und werden dabei in "Containern" transportiert. Dabei handelt es sich im Prinzip um doppelte Boxenställe, also eine ähnliche Umgebung, wie sie die Pferde gewohnt sind, wenn sie hier in Europa per LKW von Turnier zu Turnier reisen. Auch wenn die Reise im Vergleich zu den näher gelegenen Turnieren etwas länger ist, hatten wir im Flugzeug noch nie ein Problem mit den Pferden. Es ist ruhiger und die Pferde können sich in der größeren Stallbox besser entspannen, entweder im Stehen oder im Liegen, und so ist die Reise für sie keine große Sache. Der Transport in der Luft ist für die Pferde zudem ein bisschen sanfter als der Transport per LKW.

Außerdem lasse ich meinen Pferdepfleger Sean Lynch* jedes Mal mit den Pferden mitreisen. Er kennt die Pferde in- und auswendig – er verbringt mehr Zeit mit ihnen als ich, und daher mache ich mir eigentlich wegen der Reise nach Spruce Meadows überhaupt keine Sorgen. Ich weiß, dass Sean alles unter Kontrolle hat und die Fluggesellschaft kümmert sich wirklich gut um die Pferde.

 

Der Parcours dort wird oft als einer der schwierigsten in diesem Sport angesehen. Wie bereiten Sie sich und Ihr Pferd auf die Aufgabe vor?

Ganz ehrlich, man kann niemals zu 100 Prozent vorbereitet sein. Spruce Meadows ist anders, weil die Sprünge etwas altmodisch sind, in dem Sinne, dass wir in Europa eher schmale Sprünge springen, die maximal drei Meter breit sind, während in Spruce Meadows viele der Hindernisse fünf oder sechs Meter breit sind. Das bedeutet, dass das Pferd beim Anreiten eines Sprungs durch die Kombination aus der Höhe der Hindernisse und der Breite der Fangständer einen völlig anderen Eindruck erhält.

Viele der Turniere in Europa finden auf kleineren Sandplätzen statt, während Spruce Meadows ein großer Grasplatz ist, was für die Pferde eine gänzlich andere Situation darstellt. In den letzten Jahren hat Spruce Meadows zwar ein oder zwei neue Sprünge gekauft, aber die Hindernisse sind schon etwas alt, denn manche der Hindernisse, die auch heute noch gesprungen werden, stehen schon seit 20 Jahren dort. Das sind sehr imposante Sprünge. Der Parcoursdesigner von Spruce Meadows, Leopoldo Palacios, kennt den Platz wie seine Westentasche. Er weiß genau, was die Pferde ablenken kann und was schwierig zu springen ist. Er hat auch ein paar Natursprünge eingebaut, die man auch nicht mehr bei vielen Turnieren sieht, wie zum Beispiel einen doppelten Wassergraben. Das macht das Gesamtpaket von Spruce Meadows zu etwas ganz Besonderem, denn so etwas gibt es nirgendwo sonst auf der Welt.

 

Wie wichtig ist Ihr weiteres Team, z. B. Pfleger, Tierärzte usw. für Ihren Erfolg?

Im Hinblick auf Erfolg ist meiner Meinung nach das gesamte Team genauso wichtig wie der Reiter oder das Pferd. Natürlich muss man ein sehr guter Reiter sein und eine ausgezeichnete Beziehung zu einem Qualitätspferd haben. Aber genauso wichtig ist es, ein starkes Team hinter sich zu haben – ein Team, das sich zu Hause um die Pferde kümmert, einen Pferdepfleger, der die Pferde ganz genau kennt, so dass er schon bei den kleinsten Anzeichen von ungewöhnlichem Verhalten weiß, wo das Problem liegen könnte. Alles zusammen betrachtet, finde ich es sehr schwierig zu sagen, wer denn nun am wichtigsten ist. Aber ein starkes Team zu haben, zu dem Pferdepfleger, Tierärzte, Physiotherapeuten gehören, aber auch jemand, der die Pferde reitet und sie trainiert, wenn ich auf Turnieren unterwegs bin. Das ist immens wichtig. Um erfolgreich zu sein, braucht man also das komplette Paket, und ich habe da Glück, weil mein Team wirklich super ist.

 

Was sind Ihrer Meinung nach die Eigenschaften, die ein Pferd und ein Reiter mitbringen müssen, um ein Major zu gewinnen?

Zunächst einmal muss ein Pferd in der Lage sein, über die hohen Sprünge zu springen. Wir haben viele Turniere während des Jahres, bei den meisten finden die Prüfungen bis 1,60 m an einem Sonntag gegen Ende der Veranstaltung statt. Die vier Majors sind allerdings die hochkarätigsten Prüfungen der Welt, so dass die Hindernisse oft ein Loch höher und somit eine Höhe von 1,65 m haben, und die Sprünge sind auch etwas tiefer als bei allen anderen Turnieren. Um ein Major zu gewinnen, muss man selbst und auch das Pferd ein gewisses Level an Erfahrung haben. Ich fände es sehr ungewöhnlich, wenn ein Reiter mit einem neuen oder sehr jungen Pferd eines der Majors gewinnen würde. Außer der Erfahrung braucht man noch ein Pferd mit viel Kraft, denn die Majors bestehen immer aus zwei oder drei Umläufen und im Stechen muss man dann noch einmal mehr Gas geben können. Die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter muss sehr gut eingespielt sein, was im Laufe der Zeit mit der Erfahrung kommt.

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping feiert sein 10-jähriges Bestehen. Welchen Einfluss hat diese Initiative in den letzten 10 Jahren auf den Sport gehabt?

Meiner Meinung nach hat der Rolex Grand Slam of Show Jumping den Sport völlig verändert. Dies ist eine Turnierserie, auf die sich alle freuen, und eine Serie, die Reiter bei ihrer Jahresplanung in den Fokus stellen, damit sie an den vier Majors teilnehmen können. Durch den extra Bonus, den man gewinnen kann, wird er zur prestigeträchtigsten Serie des Jahres. Die Tatsache, dass in den letzten 10 Jahren nur ein einziger Reiter den Rolex Grand Slam of Show Jumping gewonnen hat, durch Siege bei drei Majors in Folge, beweist, wie schwer diese Aufgabe ist. Das gibt den anderen Reitern viel Motivation, ebenfalls zu versuchen, sich den Sieg zu holen.

 

Der Reitsportkalender ist sehr voll! Wie entscheiden Sie, an welchen Veranstaltungen Sie teilnehmen und mit welchen Pferden Sie dort starten?

Das kommt mit der Erfahrung und hängt von den Zielen ab, die man verfolgt. Dieses Jahr zum Beispiel findet eine Woche vor Spruce Meadows die Europameisterschaft statt. Ich habe mich entschieden, nach Spruce Meadows zu reisen, weil es ein großes Ziel von mir ist, noch einmal in Calgary zu gewinnen und auch zu versuchen, den Rolex Grand Slam of Show Jumping für mich zu entscheiden. Ein paar Mal war ich schon kurz davor, ihn zu gewinnen, denn ich habe schon zwei Majors in Folge gewonnen, aber bisher fehlten einfach noch ein paar kleine Puzzleteile. Zum Beispiel als ich im Stechen bei der Startfolge zu früh dran oder zu langsam war, aber ich bin hochmotiviert, mir den Sieg beim Rolex Grand Slam of Show Jumping zu holen, vor allem mit Pferden wie Killer Queen VDM oder Scuderia 1918 Tobago Z. Schon am Anfang des Jahres war klar, dass ich dieses Jahr meine Energie auf Spruce Meadows richten möchte.

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping bietet in einem jeden Major immer zwei jungen Reitern die Chance, anzutreten. Wie wichtig ist das für die Inspiration der nächsten Generation von Spitzenreitern?

Sehr wichtig. Die Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping stellen die Höhepunkte unseres Sports dar, und selbst wenn man nicht gleich ein Major gewinnt, kann man eine Menge Erfahrung sammeln und auch viel von den anderen Teilnehmern lernen. Ich konnte als junger Reiter nicht an diesen Wettbewerben teilnehmen. Daher kann ich nur von meiner Erfahrung sprechen, und die ist: je älter wir werden, desto mehr lernen wir über Pferde. Je älter wir werden, desto mehr lernen wir über den Sport und darüber, wie man ein Pferd aufbauen und zu einem besseren Athleten machen kann. Ich finde es in dieser Hinsicht daher wichtig, so oft wie möglich an diesen Turnieren teilzunehmen – ich habe jedenfalls eine Menge davon gelernt.

 

Springreiten ist eine der wenigen Sportarten weltweit, bei denen Männer und Frauen gegeneinander antreten. Wie besonders ist das?

Ich finde, der Sport wird dadurch noch interessanter, denn als Springreiter hat man durch das Geschlecht weder einen Vorteil noch einen Nachteil. Jeder Springreiter kann eine Bindung zu seinem Pferd aufbauen und es trainieren. Ein echter Vorteil lässt sich nur durch Erfahrung erlangen, aber es kommt nicht darauf an, ob der Reiter eine Frau oder ein Mann ist – es ist ein gleichberechtigtes Spiel, und die Tatsache, dass wir alle gemeinsam daran teilnehmen können, ist etwas ganz Besonderes. Es ist ein wirklich schöner Sport.

 

Wie Wimbledon im Tennis und das Masters im Golf ist Spruce Meadows ein Major. Was ist das Besondere an den Majors im Sport und warum sind sie so wichtig? Können Sie die Ähnlichkeiten zwischen den Majors im Tennis und Golf und den Majors im Springreiten beschreiben?

Ich war noch nie bei einem der Golf Majors, aber in den letzten zwei Jahren war ich bei den French Open. Die Atmosphäre bei den French Open lässt sich nur schwer beschreiben, wenn man noch nie dort war, aber es bringt einen dazu, über die Unterschiede zwischen Springreiten und Tennis nachzudenken und wie man die beiden Sportarten vergleichen kann. Natürlich gibt es Unterschiede, denn bei einem Tennisspiel geht es immer um zwei oder vier Spieler und das Publikum unterstützt entweder den einen oder den anderen. Beim Springreiten hingegen treten viele Teilnehmer an, bei einem Major normalerweise etwa 40. Jedem davon steht nur eine kurze Zeit auf dem Platz zur Verfügung, vielleicht zweieinhalb oder drei Minuten. Im Gegensatz dazu hat ein Tennisspieler vielleicht zwei oder drei Stunden Zeit, um ein Match noch herumzureißen. Beim Springreiten ist es aber so, dass wenn man es in den ersten 20 Sekunden vermasselt, ist es gelaufen und man kann nicht mehr gewinnen.

 

Aber egal ob es sich um Tennis, Golf oder Springreiten handelt, ich glaube, das Besondere an den Grand Slams und Majors ist die Geschichte, die dahinter steht. Ich bin stolz darauf, einer Generation anzugehören, die Teil der Grand Slams ist. Die Geschichte und die Personen, zu denen man aufschaut, die vielleicht vor 20 Jahren die Grand Slams gewonnen haben, spornen dazu an, es auch zu versuchen und sich den Sieg zu holen, und jetzt kann man tatsächlich selbst antreten und vielleicht auch gewinnen. Schon als Junge war ich ein großer Fan des Springreitens, vor allem in Aachen und Spruce Meadows. Ich habe mir das immer im Fernsehen angeschaut und die Sieger bewundert. Die Tatsache, dass man jetzt ihren Platz einnehmen und selbst eines der Majors gewinnen kann, ist eine richtig große Sache, und das macht es sehr, sehr bedeutsam.

*Weitere Informationen über Sean Lynch finden Sie in unserem letzten Podcast, Rolex Grand Slam Talks – Through the Groom Eyes.

EIN BLICK AUF DIE REITER

Steve Guerdat (Credit Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) Steve Guerdat (Credit Photo : Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping kehrt von 6. bis 10. September 2023 zum CSIO Spruce Meadows ‘Masters’ zurück, wobei das CPKC ‘International’, presented by Rolex, am Sonntag einen passenden Abschluss der fünf spannenden Tage mit herausragenden Springprüfungen bildet. Bei diesem Turnier in den Ausläufern der Rocky Mountains in Calgary, Alberta, nehmen einige der weltbesten Pferd- und Reiterpaare an einem Ort teil, der oft als die führende Veranstaltungsstätte für Pferdesport in Nordamerika angesehen wird.

Für das CSIO Spruce Meadows ‘Masters’ wird in diesem Jahr ein erstklassiges Starterfeld erwartet, wobei alle Reiter vor allem das CPKC ‘International’, presented by Rolex, im Blick haben – das dritte Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping des Jahres 2023.

Einer der Favoriten ist Titelverteidiger Daniel Deusser, der beim CHIO Aachen, einem weiteren Major des Rolex Grand Slam, vor ein paar Wochen mit Killer Queen VDM den ersten Platz nur um 0,61 Sekunden verpasste. Deusser hat dieses Jahr bereits in Nordamerika gewonnen. Im Rahmen des Winter Equestrian Festival im Wellington International, Florida, hatte er bei verschiedenen CSI 5*-Turnieren einen erfolgreichen Lauf.

Deusser ist einer von sechs Rolex-Markenbotschaftern, die beim CSIO Spruce Meadows 'Masters' antreten, wobei der aktuelle Weltranglisten-Vierte Martin Fuchs die Richtung vorgibt. Der Schweizer zeigt seit vielen Jahren seine Klasse. Zu seinen Erfolgen gehören der zweimalige Gewinn des Rolex Grand Prix beim CHI Genf 2019 und 2021, der Gewinn des FEI World Cup™ Finales im Jahr 2022 sowie vor kurzem zwei Null-Fehler-Runden, die dem Schweizer Team den Sieg beim Mercedes-Benz Nationenpreis des CHIO Aachen sicherten.

Fuchs‘ Teamkollege und Rolex-Markenbotschafter Steve Guerdat reist ebenfalls nach Kanada. Dort möchte er seine Leistung von 2021 wiederholen, als er das prestigeträchtige CPKC ‘International’, presented by Rolex, gewinnen konnte. In den zehn Jahren, die es den Rolex Grand Slam of Show Jumping jetzt bereits gibt, hat Guerdat jeweils an allen vier Majors teilgenommen.  Kent Farrington wurde 2021 beim CPKC ‘International’, presented by Rolex, Zweiter hinter Guerdat und möchte sich in diesem Jahr um einen Platz verbessern. Farrington und seine Pferde treten regelmäßig in Calgary an und kennen daher die Arena. Und der US-Amerikaner weiß, wie er dort gewinnen kann, denn er hat diesen Sommer bereits drei CSI 5*-Turniere in Spruce Meadows für sich entschieden.

Der britische Reiter Scott Brash hat sicher gute Erinnerungen an diesen Ort, denn hier hat er Geschichte geschrieben: Er gewann 2015 als erster und bisher einziger Reiter den Rolex Grand Slam of Show Jumping, nachdem er mit dem CPKC ‘International’, presented by Rolex, das dritte Major in Folge als bester Reiter abgeschlossen hatte. Dieses Turnier gewann er 2016 gleich noch einmal. Neben Brash tritt auch sein Olympia-Teamkollege von 2012 (London) und 2020 (Tokio), Ben Maher, an. Maher, der in Tokio die Goldmedaille im Einzel gewonnen hatte, erlitt zu Beginn des Jahres eine Schulterverletzung, von der er sich aber überraschend schnell erholen konnte. Bei seinem ersten großen Turnier nach seiner Rückkehr, dem Rolex Grand Prix bei der Royal Windsor Horse Show, wurde er Zweiter. Die Saison 2023 verlief für ihn bisher hervorragend. Sein jüngster Erfolg ist sein Beitrag zum Gewinn des FEI Nations’ Cup™ Teamwettbewerbs in Hickstead im Juli. Ein weiteres Teammitglied, das wie Brash und Maher nach Calgary reist, ist John Whitaker, einer der erfolgreichsten britischen Reiter. Er hat während seiner langen und beeindruckenden Karriere bereits an 39 Welt- und Europameisterschaften teilgenommen und war in sechs Olympiamannschaften.

Das heimische Publikum wird sich freuen, eine Reihe kanadischer Reiter begrüßen zu dürfen. Die Hoffnungen, beim CPKC ‘International’, presented by Rolex, den Sieg zu holen, ruhen vor allem auf der besten kanadischen Reiterin, Tiffany Foster. Sie hat in diesem Sommer in Spruce Meadows bereits zwei CSI 5*-Turniere gewonnen und weiß, was nötig ist, um hier einen Sieg davonzutragen. Weitere kanadische Teilnehmer sind Amy Millar, deren Vater Ian 2014 als letzter Kanadier das Spruce Meadows Major auf Dixson gewonnen hat, sowie Erynn Ballard und Mario Deslauriers.

Europa wird unter anderem vom Weltranglisten-Dritten Harrie Smolders vertreten, der sich dieses Jahr bereits in vielen Wettbewerben einen Podiumsplatz gesichert hat. Der Gewinn des CSI 5*-Springens Nab Bliksembeveiliging bei seinem Heimat-Major, dem The Dutch Masters, im März war ein guter Start. Beim FEI World CupTM Finale 2022 und 2023 wurde Smolders jeweils Zweiter und zeigte damit, dass er zu den größten Talenten zählt. Ebenfalls im Blick haben sollte man Pieter Devos, Gewinner des Spruce Meadows ‘Masters’ von 2013. Devos wurde 2020 zum Reiter des Jahres in Belgien ernannt und war Teil des Teams, das bei den Olympischen Spielen in Tokio die Bronzemedaille gewonnen hat. Er weiß also, wie es ist, unter Druck zu stehen.

Die irische Flagge halten Darragh Kenny und Connor Swail sowie Rolex-Markenbotschafter Bertram Allen hoch. Swail, der zu den Top 10 der Welt gehört, war erst im Juli beim Jumping International de Dinard erfolgreich, wo er sowohl den Prix du Conseil Departemental d’Ille & Vilaine als auch den Prix L’Eperon – Charles de Cazanove gewonnen hat. Auch Allen hat bisher eine erfolgreiche Saison. Nach dem Gewinn von zwei CSI 5*-Turnieren bei der Dublin Horse Show Anfang des Monats wird er mit viel Selbstvertrauen nach Calgary reisen.

Parcoursdesigner Leopoldo Palacios wird die Pferd- und Reiterpaare, die dieses Jahr beim CPKC ‘International’, presented by Rolex, gegeneinander antreten, mit Sicherheit vor einige Herausforderungen stellen. Das Starterfeld wird einige der besten Paare umfassen und der Wettkampf um den Titel des nächsten Rolex Grand Slam of Show Jumping-Anwärters wird auf alle Fälle spektakulär.

Der Hengst, der seinem Namen alle Ehre macht: Stargold

(Photo : Private archive) (Photo : Private archive)

Der Oldenburger Hengst Stargold (Stakkato Gold - Charme x Lord Weingard, gezogen von der Gestüt Sprehe GmbH) lieferte in den beiden wichtigsten Prüfungen beim CHIO Aachen vier von fünf Nullrunden. Im ersten Umlauf des Mercedes-Benz Nationenpreises kassierten er und Marcus Ehning acht Fehlerpunkte, im zweiten Umlauf blieben sie fehlerfrei. Im prestigeträchtigen Rolex Grand Prix schafften sie beeindruckende drei Nullrunden und holten sich als letzter Reiter im Stechen mit der schnellsten Zeit den Sieg in dem historischen Major. Was ist die Geschichte hinter Stargold?

 

Holsteiner Wurzeln

Der Stammbaum von Stargold führt uns nach Schleswig-Holstein, genauer gesagt nach Haselau und Hetlingen. In Haselau standen die meisten der Hengste, die die ersten Generationen der Mutterlinie von Stargold bildeten. Der Stamm wurde von dem Züchter Hans Hatje aus Hetlingen aufgebaut und bringt seit über 40 Jahren Spitzenpferde hervor. Im Jahr 1980 wurde Canaris 17 (Calando I - Ditlena x Ladykiller, Züchter: Hans Hatje) geboren. Dieser Wallach hatte mehr als 140 Platzierungen über 1,40 Meter und sprang über 1,55 Meter, alles unter der Reiterin Holle Nann.

 

Nach dem Tod von Hans Hatje vor etwa 15 Jahren übernahm die Familie Lienau die Hengststation des Holsteiner Verbandes in Haselau, da Hatje keine Kinder hatte, die seine Zuchtarbeit fortführen konnten. Otto Lienau ist mit all den Züchtern in seiner Umgebung aufgewachsen, die ihre Stuten zu den Hengsten auf dem Gestüt brachten. Rückblickend erinnert sich Lienau: „Ich erinnere mich sehr gut an die Stute Ditlena von Ladykiller xx (geboren 1967). Sie war eine sehr imposante und schöne Stute. Sie wurde von der Holsteiner Vereinigung ausgewählt, um die Holsteiner Stuten auf der DLG-Schau in München zu vertreten. Ihre Großmutter, Edelia von Loretto, war ebenfalls eine wichtige Stute für diese Linie. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Hans Hatje gezwungen, seine Stuten an die deutsche Wehrmacht abzugeben. Er durfte sich ein Stutfohlen von einem anderen Hof hier in unserer Gegend aussuchen. Wenn man sich seine Linie anschaut, sieht man, dass von der Stute Norwegen von Farnese, geboren 1976, bis mindestens Erle von Omar, geboren 1908, alle „made in Haselau“ waren. Auch Contender spielte in unserem Gestüt eine wichtige Rolle. Er ist in der dritten Generation von Stargold. Es ist ein gutes Gefühl, die Genetik, die ich so gut kenne, in einem der besten Springpferde von heute zu sehen.“

 

Charmonie

Andre Emke erklärt die Geschichte der Stute Charmonie von Contender, der Großmutter von Stargold: „Meine Eltern fanden die Contender-Stute zufällig bei einem Pferdehändler in Südoldenburg. Die Contender-Stute war zu diesem Zeitpunkt in einem schlechten Ernährungszustand und hatte ein Fohlen bei Fuß. Als meine Eltern die Stute mit dem Fohlen sahen, hatten sie Mitleid mit den beiden und nahmen sie mit nach Hause. Nachdem die Stute bei uns zu Hause gepflegt und aufgepäppelt worden war, verbesserte sich ihr Ernährungszustand. Meine Eltern beschlossen dann, die Stute von dem Hengst Lord Weingard besamen zu lassen. Die Entscheidung, die Stute mit diesem Hengst zu besamen, basierte auf der Tatsache, dass wir das Landadel-Blut sehr hoch einschätzen. Außerdem war die Schwester der Mutter (Lady Weingard) ein hochtalentiertes Springpferd unter Markus Beerbaum, was uns sehr überzeugte. Dieses Fohlen war ein Stutfohlen, Charme, und ist die Mutter von Stargold. Aus dieser Linie haben wir derzeit eine direkte Tochter von Charmonie, eine Stute von Stakkato (Stakko`s Girl), mit einem Stutfohlen von Conthargos bei Fuß. Stakko`s Girl ist eine Halbschwester zur Mutter von Stargold. Sie hat bereits ihren ersten erfolgreichen S-Nachkommen (Quid Primaire-H) sowie mehrere Auktionsfohlen hervorgebracht. Wir haben auch zwei Töchter von Stakkato (Enkelinnen von Charmonie) in unserem Betrieb. Eine zweijährige Stute von Quidam de Revel und eine siebenjährige Stute von Quasimodo van de Molendreef (Quantica), die derzeit ein Prämienfohlen von Diamant de Semilly trägt. Charmonie ist auch die Mutter des hannoverschen gekörten Hengstes Statis Conti (Stakkato), der mit Bronislav Chudyba über 1,45 Meter antritt. Ihr Sohn, Contenders XC (Concetto I), sprang mit drei verschiedenen Reitern über 1,50 Meter."

 

Gestüt Sprehe

Stargold wurde dreijährig gekört und wurde Siegerhengst bei den Springhengsten auf der Hengstkörung in München-Riem. Seinen 30-Tage-Test absolvierte der Sprehe-Hengst dann mit der Springpferdenote 8,7. Jan Sprehe erinnert sich: „Wir hatten großes Glück mit der Mutter Charme. Wir haben sie von Klatte auf der EOS-Fohlenauktion gekauft, weil sie eine gute Abstammung hatte und eine sehr gute Stute wurde. Auch mit Stargold hatten wir Glück. Er war Sieger der Springhengste bei der Hengstkörung in München-Riem. Wir haben mit ihm unter dem Sattel angefangen. Ich bin ihn eine Zeit lang geritten. Vanessa Meyer hat bei mir als Pflegerin angefangen, aber sie hat seine ganze Ausbildung im Sport gemacht. Ich hatte immer ein gutes Gefühl bei ihm. Ich habe ihn von Vanessa übernommen, als er sechsjährig war, und habe ihn dann bis hin zum Bundeschampionat und zu Youngsterprüfungen geritten. Er war immer ein Spitzenpferd, er ist immer fehlerfrei gesprungen und war immer erfolgreich. Auch Tobias Meyer hat ihn sehr erfolgreich geritten – die beiden haben mehrere Springpferdeprüfungen und das Bundeschampionat der Siebenjährigen gewonnen. Dann wurde Marcus Ehning auf ihn aufmerksam und rief mich an. So kamen wir in Kontakt. Marcus ist natürlich ein Weltklasse-Reiter. Ich habe ihm Stargold zum Testen gebracht und der Rest ist Geschichte. Sein Vater, Stakkato Gold, war lange Zeit die Nummer eins im Zuchtregister, letztlich verdanken wir Stakkato Gold sehr viel. Er hat sein unglaubliches Springvermögen an seine Nachkommen weitergegeben. Neun von zehn seiner Nachkommen können wirklich springen. Er hat jetzt mehrere Nachkommen auf höchstem Niveau! Wir haben uns bei Stargold immer auf den Sport konzentriert, weil Sport und Zucht sehr anspruchsvoll sind, aber wir haben noch Gefriersperma von ihm.“

 

Sprehe weiter: „Stargolds Vollschwester So Charme hat ebenfalls viel Qualität und ist mit Tobias Meyer in den Youngster-Klassen gut unterwegs. Die Kombination von Stakkato Gold und Charme hat sich als gut erwiesen und bereits zwei hervorragende Pferde hervorgebracht. Es war ein gewisses Gefühl, das wir bei dieser Kreuzung hatten und man braucht auch viel Glück bei der Zucht und Ausbildung dieser Pferde.“

 

Vanessa Meyer, die maßgeblich an der Ausbildung von Stargold beteiligt war, erzählt: „Ich bekam Stargold zu Beginn seines vierten Jahres. Er hatte von Anfang an eine großartige Einstellung zum Sport, war immer übermäßig enthusiastisch. Stargold gewann fast jedes Springen, an dem wir teilgenommen haben, und ich wusste nach zwei oder drei Wettbewerben, dass man ihm nach dem letzten Sprung zur Belohnung immer auf den Hals klopfen würde. Von da an bockte er immer nach dem letzten Sprung – und das tut er heute noch. Ich war sicher kein Profi und habe oft Fehler gemacht, aber er hat mich immer gerettet. Wir ritten unser erstes internationales Turnier in Italien und brachten innerhalb von drei Wochen drei Siege in 1,40-Meter-Springen nach Hause. Stargold ist für mich immer ein ganz besonderes Pferd gewesen. Tobi hat ihn zu Beginn seines siebten Lebensjahres übernommen und es gab kaum ein Turnier, bei dem Stargold nicht eine Siegerschleife mit nach Hause brachte. Tobias Meyer reitet immer noch seine Vollschwester, die jetzt sieben Jahre alt ist.“

 

Die letzten Worte sind für Jan Sprehe: „Über Stargolds Qualitäten braucht man nicht zu reden, er ist unter Marcus eines der besten Pferde der Welt. Wir sind sehr stolz auf ihn und freuen uns über jeden Erfolg! Wir sind auch sehr glücklich, dass es so gut geklappt hat!“

ROLEX-SOMMERSAISON

Windsor 2023 (Photo Credits : Peter Nixon Windsor 2023)

Neben dem prestigeträchtigen Rolex Grand Slam of Show Jumping ist Rolex auch Titelpartner einer Reihe beliebter Grand Prix-Veranstaltungen während der Sommersaison. Im Verlauf von vier Monaten – von Mai bis August – treten die weltbesten Pferd- und Reiterpaare bei einigen der bekanntesten Turniere in Europa und Nordamerika in hochkarätigen Wettbewerben gegeneinander an.

 

Bei der Royal Windsor Horse Show fand der erste Rolex Grand Prix der Sommersaison statt. Das in zauberhaftes Nachmittagslicht getauchte Windsor Castle bildete die passende Kulisse für dieses renommierte Turnier. Insgesamt neun Paare schafften es ins Stechen und boten den zahlreichen Zuschauern erstklassige Unterhaltung. Besonders begeistert waren die Massen jedoch von dem Kampf zwischen dem Rolex-Markenbotschafter Martin Fuchs und dem Olympiasieger im Einzel von 2020, Ben Maher. Die spektakuläre Wende vor dem vorletzten Hindernis sicherte dem Schweizer Reiter den Sieg auf Conner Jei mit einem Vorsprung von 0,40 Sekunden. Ben Maher und Explosion W mussten sich mit dem zweiten Platz zufriedengeben. Ebenfalls auf das Siegerpodest kam der Ire Bertram Allen auf Pacino Amiro.

 

Von 25. bis 28. Mai fand in der Ewigen Stadt zum 90. Mal der CSIO Roma Piazza di Siena in den herrlichen Gärten der Villa Borghese statt. Auf dem von dem italienischen Designer Uliano Vezzani gestalteten Parcours erreichten 11 von 50 Pferd- und Reiterpaaren das Stechen. Der 5* Rolex Gran Premio Roma wurde schon von einigen der besten Athleten des Springreitsports gewonnen. Dieses Jahr ging der Preis an André Thieme, der bei den FEI-Europameisterschaften im Einzel Gold und im Teamwettbewerb die Silbermedaille gewonnen hat. Der Schwede Jens Fredricson wurde mit Markan Cosmopolit Zweiter, vor dem Brasilianer Stephen de Freitas Barcha auf Primavera Imperio Egipcio.

 

Beim Jumping International de La Baule an der atemberaubenden Atlantikküste Westfrankreichs finden bereits seit mehr als 60 Jahren Springreitturniere auf Spitzenniveau statt. Die Veranstaltung gilt vielen als die malerischste des gesamten Reitsportkalenders. Morgens sind häufig Weltklasse-Pferde und ihre Reiter an den wunderschönen Stränden zu sehen. Die herrliche Landschaft war der ideale Austragungsort für den harten Wettkampf am letzten Tag. Dem Belgier Nicola Philippaerts gelangen auf seiner ehrgeizigen Stute Katanga v/h Dingeshof zwei fehlerfreie und schnelle Runden, was ihnen den ersten gemeinsamen Sieg bei einem 5-Sterne-Turnier eintrug. Jens Fredricson absolvierte das Stechen als Letzter und war nur 0,32 Sekunden langsamer. Damit kam er erneut auf den zweiten Platz, während die Nummer 1 der Weltrangliste, Henrik von Eckermann, Dritter wurde.

 

Auf der anderen Seite des Atlantiks fand die von Rolex präsentierte Spruce Meadows Summer Series statt. Die vier Turniere im Juni und Juli boten den Pferd- und Reiterpaaren, die am CSIO Spruce Meadows ‘Masters’ – einem Teil des Rolex Grand Slam of Show Jumping – teilnehmen wollten, Gelegenheit, an diesem eindrucksvollen Veranstaltungsort anzutreten. In den fünf Wochen gab es drei von Rolex präsentierte Grand Prix-Turniere: den ‘Continental’ Grand Prix presented by Rolex, den der Kanadier Mario Deslauriers gewann, den RBC Grand Prix of Canada presented by Rolex, aus dem der Brasilianer Santiago Lambre als Sieger hervorging, und den Pan American Cup presented by Rolex, den David Blake aus Irland für sich entschied.

 

Der Rolex Grand Prix Ville de Dinard fand am Sonntag, den 30. Juli, beim Jumping International de Dinard statt. Dabei traten 40 der besten Pferd- und Reiterpaare, darunter Vorjahressieger Martin Fuchs, in der berühmten Arena gegeneinander an. Nach der ersten Runde gelangten 15 Paare ins Stechen. Dieses versprach, spannungsgeladen zu werden. Daher war es äußerst passend, dass Max Kühner auf dem beständige Leistungen zeigenden 12-jährigen Elektric Blue P dieses prestigeträchtige Turnier gewann. Fuchs konnte seinen Sieg von 2022 nicht wiederholen, erreichte aber auf dem beeindruckenden Schimmel Leone Jei den dritten Platz. Zweiter wurde der Ire Shane Sweetnam auf James Kann Cruz.

 

Das Brussels Stephex Masters von 23. bis 27. August bildet das Ende der Sommersaison. Die Veranstaltung findet in der Nähe des Atomiums, einer der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Belgiens, statt. Hier wird Reitsport auf höchstem Niveau geboten. Im Jahr 2022 gelang Peder Fredricson am letzten Tag beim Rolex Grand Prix ein fulminanter Sieg. Das Turnier wird sicher auch 2023 wieder ein passender Abschluss für die Rolex-Sommersaison sein.

Interview mit Mel Obst

Mel Obst, groom to Marcus Ehning (Photo: Jenny Abrahamsson / World of Show Jumping ) Mel Obst, groom to Marcus Ehning (Photo: Jenny Abrahamsson / World of Show Jumping )

Können Sie sich kurz vorstellen und uns sagen, für wen Sie arbeiten und was Ihre Aufgabe ist?

 

Ich heiße Melina, aber die meisten Leute nennen mich Mel. Ich arbeite seit sieben Jahren als Pferdepflegerin für Marcus Ehning – sowohl bei Turnieren als auch zu Hause – und kümmere mich einfach um alles!

 

Wie ist es, für ihn zu arbeiten?

 

Toll! Er ist sehr unkompliziert und vertraut mir. Alle im Stall sind wie eine Familie. Die Schwester von Marcus leitet mittlerweile den Stall. Davor war sie auch Pferdepflegerin. Mit Marcus zu arbeiten, ist großartig. Er ist hilfsbereit, kommt nie zu spät … Oft kommt er sogar zu früh! Wenn man Hilfe braucht, nimmt er sich immer Zeit. Beim Aufwärmen ist er streng, womit er ja auch recht hat, aber insgesamt ist er zu allen freundlich, auch zu den Pferdepflegern.

 

Können Sie Ihre Rolle als Pferdepflegerin bei der Koordination des Teams aus Tierärzten, Physiotherapeuten usw. erläutern?

 

Wir haben einen Zeitplan für die nächsten sechs Monate, der die Turniere beinhaltet, an denen wir teilnehmen möchten. Vier bis sechs Wochen vorher entscheiden wir im Team, welche Pferde wir wohin schicken, und besprechen die Organisation von Physiotherapie, tierärztlichen Untersuchungen und allem anderen. Marcus lassen wir in der Regel außen vor, damit er sich auf das Reiten konzentrieren kann. Mit Unterstützung des heimischen Managementteams organisieren wir die ganzen Gesundheitsbescheinigungen, Stallungen, das Packen des Transporters usw. Marcus braucht nur zu wissen, welche Pferde wir wohin mitnehmen!

 

Wie war es, Teil von Marcus‘ Team zu sein, als er beim CHIO Aachen gewann?

 

Ich kann es immer noch nicht so ganz glauben, damit hatte niemand gerechnet. Stargold hat in Aachen einfach eine großartige Leistung gezeigt! Er hatte in diesem Jahr schon so viele gute Ergebnisse, aber beim Rolex Grand Prix in Aachen trat er zum ersten Mal an. Dieses Jahr passte einfach alles und es war toll. In der Zeit, die ich bei Marcus als Pferdepflegerin arbeite, hat er nun schon zum zweiten Mal in Aachen den Rolex Grand Prix gewonnen. Der Tag war fantastisch!

 

Was ist das Besondere an Stargold und warum ist er so erfolgreich?

 

Er ist ganz einfach im Umgang. Er ist ein Hengst, verhält sich aber nicht so. Es ist überhaupt nicht schwer, mit ihm zu arbeiten, und er ist sehr leicht zu verstehen. Er liebt es, zu fressen und draußen zu sein, aber er lässt sich nicht gern führen. Er bevorzugt verrückte Sachen! Wenn ich mit ihm auf einem Turnier bin, sattle ich ihn morgens oft und reite mit ihm aus. Manchmal nehme ich auch noch andere Pferde mit.

 

Als Pferdepflegerin sind Sie mit Ihren Pferden häufig unterwegs. Wie sorgen Sie dafür, dass es ihnen unterwegs gut geht?

 

Wenn man jeden Tag mit den Pferden arbeitet, kennt man sie ziemlich gut. Ich sehe, wenn sie nicht gut trinken oder wenn sie unglücklich sind. Dann versuche ich, etwas zu ändern. Ich weiß, wann ich ihnen Futterbrei oder Wasser geben muss und wann ich beobachten sollte, ob sie genug fressen und zufrieden sind.

 

Jedes Pferd ist anders. Bei manchen klappt das Fressen und Trinken super, andere rühren nichts an. Manche möchten, dass der Futtereimer auf dem Boden steht, für andere muss man ihn aufhängen. Manche lieben Heu, andere mögen das gar nicht … Sie sind alle verschieden. Aber weil ich sie so gut kenne, weiß ich, was sie mögen und was nicht.

 

Man kann das Reisen mit Pferden auch üben oder bei einem neuen Pferd die vorherigen Pfleger fragen, was sie auf Reisen gemacht haben, um das Ganze zu erleichtern.

 

Manche Pferde sind ganz aufgeregt, wenn sie den Transporter verlassen, andere möchten einfach nur schlafen. Jedes hat seinen eigenen Charakter, weswegen die Arbeit so viel Spaß macht!

 

Sind Sie gern bei den Majors – dem The Dutch Masters, dem CHIO Aachen, dem CSIO Spruce Meadows ‘Masters’ und dem CHI Genf? Wodurch unterscheiden sie sich Ihrer Meinung nach von den anderen Turnieren?

 

Die vier Majors sind ganz unterschiedlich. Ich war schon bei allen und hatte das Glück, bei zwei davon zu gewinnen – dem CHI Genf und dem CHIO Aachen. Die Stadien sind verschieden, aber die Atmosphäre ist immer toll. Die Rolex Grand Slam of Show Jumping Majors sind anders als andere Turniere. Die Kombination dieser vier Majors ist einfach einzigartig. Bei den Majors hat man immer tolle Wettbewerbe und die besten Reiter treten gegeneinander an.

 

Für Marcus ist die Atmosphäre in Aachen etwas ganz Besonderes. Er liebt es. Da er Deutscher ist und Aachen sein Heimatturnier, nimmt er dort besonders gern teil. Es gibt nie Diskussionen, ob wir nach Aachen fahren oder nicht!

 

Anderen Reitern geht es genauso. Für Martin Fuchs ist es Genf, weil er dort vor heimischem Publikum antritt. Für niederländische Reiter wie Harry Smolders ist es das The Dutch Masters und für Reiter wie Eric Lamaze Spruce Meadows.

 

Reitern bietet der Rolex Grand Slam of Show Jumping nicht nur die Chance, viel Geld zu verdienen, sondern auch einen Titel zu gewinnen, der ihnen für immer bleibt. Der Sieg von Scott Brash beim Rolex Grand Slam of Show Jumping wird beispielsweise für uns alle auf ewig unvergesslich bleiben – seine drei ersten Plätze bei drei verschiedenen Majors, die alle einzigartig sind, waren einfach beeindruckend.

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Jubiläum. Wie hat die Initiative Ihrer Meinung nach den Sport im letzten Jahrzehnt verändert?

 

Der Rolex Grand Slam hat dafür gesorgt, dass mehr Geld in den Sport fließt, was die Reiter motiviert. Auch Menschen, die sich nicht so sehr für Pferde interessieren, betrachten den Gewinn des Rolex Grand Slam als etwas Großartiges. Ich habe Freunde, die nichts über Pferde wissen, aber den Rolex Grand Slam kennen.

 

Was war Ihr stolzester Moment als Pferdepflegerin?

 

Da gab es einige! Ich war so stolz auf Misanto Pret A Tout, als er nach einer Verletzung 2019 den FEI Jumping World CupTM in Madrid gewann. Auch die Deutsche Meisterschaft in diesem Jahr war toll. Marcus hatte zuletzt vor 21 Jahren den Titel geholt und als er dieses Jahr erneut gewann, dachte ich: „Wow, ich habe es mit ihm geschafft!“

 

Außerdem hatte ich das Glück, einige der Rolex Grand Slam of Show Jumping Majors mit Marcus zu gewinnen. Gemeinsam haben wir Aachen und Genf gewonnen, worauf ich echt stolz bin.

 

Auch für andere Dinge wie Nominierungen für FEI-Meisterschaften arbeiten wir wirklich hart und es macht mich stolz, wenn wir ausgewählt werden. Ich bin auch immer wahnsinnig stolz, wenn Pferde in den Ruhestand gehen. Natürlich macht mich das gleichzeitig glücklich und traurig, aber ich bin stolz auf das, was sie geschafft haben, und neugierig auf die nächste Generation.

 

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten und am wenigsten?

 

Ich liebe es, zu reisen. Es gibt wahrscheinlich nicht viele Pferdepfleger, die das von sich sagen! Ob mit dem Transporter oder mit dem Flugzeug – ganz egal! Ich reise um die ganze Welt und mag es, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Es fühlt sich für mich nicht wie Arbeit an, sondern als hätte ich mein Hobby zum Beruf gemacht, den ich auch nach 20 Jahren noch gern mache. Ich kann mir nicht vorstellen aufzuhören. Auf Reisen treffe ich Freunde, unbekannte Menschen, sehe neue Turniere und all das.

 

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der eine Karriere als Pferdepfleger anstrebt?

 

Der Beruf des Pferdepflegers ist nicht einfach, das ist harte Arbeit. Aber wenn man Pferde und das Reisen zu Turnieren wirklich liebt, wird es einem gefallen. Man muss seine eigenen Ansprüche gelegentlich zurückstellen, denn das ist kein 8-Stunden-Job, sondern manchmal eher ein 24-Stunden-Job! Aber aus der Arbeit als Pferdepfleger kann man auch ganz viel Positives ziehen und man erlebt einige fantastische Dinge.

 

Jeder Job hat Vor- und Nachteile. Manche Menschen können um 17:00 Uhr Feierabend machen, aber für Pferdepfleger gilt das nicht! Man denkt ständig an die Pferde. Man hat die Chance, viele Menschen, Pferde und ihre Besitzer zu treffen, und das ist faszinierend.

 

Wie sieht die Gemeinschaft der Pferdepfleger aus? Unterstützen sie einander?

 

Ich habe einige wunderbare Freunde und bei Turnieren versuchen wir, zusammen zu grillen oder gemeinsam etwas zu trinken. Ich habe Freunde in allen Teilen der Welt. Manchmal unternehmen wir auch etwas, das nichts mit Pferden zu tun hat, und besuchen zum Beispiel ein Festival oder Konzert. Das stärkt unsere Freundschaft.

 

Dann gibt es natürlich auch Situationen, in denen man Hilfe braucht, und es ist toll zu wissen, dass man auf dem Turniergelände Freunde hat, die man um Hilfe bitten kann. Ich hing zum Beispiel einmal am Flughafen fest, weil etwas mit meinem Visum nicht stimmte. Ich kam zwei Tage zu spät zum Turnier, aber meine Freunde kümmerten sich um die Pferde, ohne dass ich sie überhaupt darum bitten musste. Wenn etwas schiefgeht, helfen mir meine Freunde, weil sie wissen, dass ich das auch für sie tun würde!

VIDEOSPIEL

VIDEOSPIEL

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping hat ein neues, spannendes Videospiel entwickeln lassen. Das Spiel im Retro-Stil wurde passenderweise beim CHIO Aachen vorgestellt – dem ersten Rolex Grand Slam of Show Jumping Major, bei dem der 10. Jahrestag der Initiative gefeiert wurde.

 

Das Spiel stieß bei Fans des Springreitens und Weltklasse-Reitern wie Gerrit Nieberg, dem letztjährigen Gewinner des CHIO Aachen Rolex Grand Prix, gleichermaßen auf Begeisterung. Es erwies sich als beliebte Attraktion am Rolex Grand Slam of Show Jumping Experience-Stand, wo die Zuschauer auch Erinnerungsstücke wie die Rolex Grand Slam-Trophäe aus der Nähe betrachten konnten. Außerdem gibt es dort exklusive Merchandising-Artikel für das jeweilige Major. Darüber hinaus gibt es an diesem Stand ein spektakuläres neues VR-Erlebnis. Damit können Sie einen virtuellen Rundgang über den Hof des FEI-Weltranglistenersten der U25, Harry Charles, unternehmen und bei einem Blick hinter die Kulissen die Einrichtungen und Pferde kennenlernen.

 

Das Videospiel wird auch beim CSIO Spruce Meadows ‘Masters’ im September wieder angeboten. Dabei können mehrere Spieler an den legendären Veranstaltungsorten der Rolex Grand Slam of Show Jumping Majors gegeneinander antreten. Sie haben die Wahl zwischen vielen verschiedenen Pferden und müssen nicht nur darauf achten, alle Hindernisse fehlerfrei zu überspringen, sondern auch sämtliche Äpfel einzusammeln, um mit der schnellsten Zeit und den meisten Punkten ins Ziel zu kommen.

 

Derzeit ist das Spiel nur bei den Majors verfügbar. Fans werden sich jedoch freuen zu hören, dass das Spiel im Herbst weltweit online verfügbar sein wird.Jede Etappe des Spiels wird entsprechend dem Zeitplan des Rolex Grand Slam spielbar sein.Weitere Informationen zu den Veröffentlichungsterminen finden Sie auf den Social-Media-Kanälen des Rolex Grand Slam of Show Jumping.

Marcus Ehning

(Photo: Tiffany van Halle) (Photo: Tiffany van Halle)

MARCUS EHNING GEWINNT DEN ROLEX GRAND PRIX BEIM CHIO AACHEN

 

Am Sonntagmorgen war die Spannung auf dem Turniergelände der Aachener Soers fast schon greifbar. Mehr als 40.000 Zuschauer bereiteten sich voller Vorfreude auf die wichtigste Prüfung des Weltfests des Pferdesports vor, den Rolex Grand Prix. Zur gespannten Erwartung trug unter anderem der Amerikaner McLain Ward bei, der nach seinen Siegen beim CHI Genf im vergangenen Dezember und dem The Dutch Masters im März Hoffnungen machen konnte, den Rolex Grand Slam of Show Jumping zu gewinnen. Dies ist bisher erst einem Reiter gelungen. 

 

Vierzig der weltbesten Pferd- und Reiterpaare, die sich in den letzten Tagen für den Rolex Grand Prix qualifiziert hatten, sollten es mit dem von Frank Rothenberger gestalteten Parcours aufnehmen – in der Hoffnung, in den exklusiven und illustren Kreis derjenigen aufgenommen zu werden, die den Rolex Grand Prix beim CHIO Aachen schon gewonnen haben. Die Veranstaltung wird oft als das Wimbledon des Reitsports bezeichnet. 

 

Der Wettbewerb besteht aus zwei Umläufen sowie einem Stechen, falls mehrere Reiter dieselbe Anzahl an Strafpunkten haben. Hier zu bestehen, erfordert ein hohes Maß an Belastbarkeit, Sprungkraft und Talent sowie absolute Harmonie und Vertrauen zwischen Pferd und Reiter. 

 

Da nur 18 Reiter in den zweiten Umlauf kommen würden, war der Druck groß, die erste Runde fehlerfrei oder aber mit maximal vier Fehlerpunkten schnell zu absolvieren. Der erste Reiter, Olivier Perreau aus Frankreich, legte mit einem perfekten, fehlerfreien Durchgang die Latte für die restlichen Teilnehmenden hoch. Nach ihm gelang es elf weiteren Reitern, den ersten Umlauf fehlerfrei zu bestehen, darunter die Rolex-Markenbotschafter Rodrigo Pessoa, Steve Guerdat und Daniel Deusser sowie der Gewinner des letztjährigen Rolex Grand Prix, Gerrit Nieberg. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, als der aktuelle Anwärter auf den Gewinn des Rolex Grand Slam of Show Jumping, McLain Ward, auf seiner treuen Partnerin HH Azur in die Arena ritt. Das Publikum wurde jedoch enttäuscht, da der Amerikaner bereits früh nach zwei Abwürfen aufgab und somit die Hoffnung auf einen neuen Rolex Grand Slam-Gewinner zunichtemachte. 

 

Im zweiten Umlauf starteten die Reiter gemäß den Ergebnissen des ersten in umgekehrter Reihenfolge. Eugenio Garza Perez aus Mexiko gelang es auf seinem edlen Schimmel Contago als Erstem, auch hier fehlerfrei durchzukommen. Der achtmalige Major-Gewinner Rodrigo Pessoa zeigte kurz darauf seine Klasse und sorgte dafür, dass es zu einem Stechen kommen würde. Drei weitere Pferd- und Reiterpaare, alle unter deutscher Flagge, gelangten ebenfalls ins Stechen um einen der prestigeträchtigsten Titel im Springreiten. Für Nicola Philippaerts aus Belgien, der nur einen einzigen Zeitfehler hatte, reichte es leider nicht.

 

Insgesamt traten fünf Paare zum Stechen an, darunter vier ehemalige Gewinner des Rolex Grand Prix von Aachen. Unter ohrenbetäubendem Applaus des heimischen Publikums stellte Philipp Weishaupt, der als Dritter ins Stechen ging, sicher, dass es einen deutschen Gewinner geben würde. Er war bis dahin der schnellste der drei Reiter, die mit vier Fehlerpunkten ins Ziel gekommen waren. Daniel Deusser, der Gewinner von 2021, wusste als vorletzter Reiter, was nötig ist, um zu gewinnen, und bewältigte als Erster das technisch anspruchsvolle Stechen fehlerfrei. Nur sein Landsmann und Teamkollege Marcus Ehning konnte ihm den Sieg jetzt noch streitig machen. Der Sieger von 2018 tat genau das und kam nach einer gewohnt flüssigen und effizienten Runde 0,61 Sekunden schneller ins Ziel. Der 49-Jährige ist damit vor dem CSIO Spruce Meadows ‘Masters’ im September der neue Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping.

 

Über seinen Sieg sagte der glückliche Ehning: „Es ist einfach großartig. Mein Pferd ist ein Superstar und ich glaube wirklich an ihn. Ich war der letzte Starter im Stechen und er war unglaublich. Ich konnte die Pferde vor mir nicht genau sehen, aber ich weiß, dass er sehr schnell ist. Ich wollte nicht zu viele Risiken eingehen und am Ende hat es wunderbar funktioniert!“

 

Weiter sagte der deutsche Team-Olympiasieger von 2000: „Das Publikum hat mich toll unterstützt; ich konnte die Energie förmlich spüren und wollte etwas zurückgeben. Ich war mir sicher, dass es mein Pferd schaffen würde, wenn ich nur gut reite. Im zweiten Umlauf war etwas Glück dabei, aber ohne Glück kann man nicht gewinnen. Heute war einfach unser Tag.“ 

 

Zu seiner Position als neuer Anwärter auf den Rolex Grand Slam meinte er: „Zunächst einmal werde ich diesen Moment genießen. In ein paar Tagen werde ich mir dann Gedanken über Spruce Meadows machen. Stargold ist fantastisch. Nicht viele haben an ihn geglaubt, aber letztes Jahr bei der FEI-Weltmeisterschaft hat er gezeigt, was in ihm steckt. Er ist ein sehr intelligentes Pferd. Ich bin so stolz auf ihn und seinen Besitzern sehr dankbar.“

 

Laura Kraut

Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof

INTERVIEW MIT LAURA KRAUT

 

Was macht den CHIO Aachen zu so einem besonderen Turnier? 

 

Der CHIO Aachen ist quasi das Wimbledon des Springreitens. Für jeden, der diesen Sport betreibt, ist ein Sieg bei dieser Veranstaltung die Erfüllung eines Traums. Das Publikum und das schöne Turniergelände – all das macht den CHIO Aachen zu etwas ganz Besonderem. 

 

Können Sie uns etwas über die Pferde sagen, mit denen Sie diese Woche starten, und deren Charakter? 

 

Ich habe diese Woche Baloutinue mitgebracht, er ist bereits im Mercedes-Benz Nationenpreis gesprungen. Ein weiteres Pferd, Dorado 212, setze ich zum ersten Mal auf diesem hohen Niveau ein. Er hat am Mittwoch am Turkish Airlines-Preis von Europa und am Freitag am RWE-Preis von Nordrhein-Westfalen teilgenommen. Außerdem habe ich noch die siebenjährige Una Mariposa und ein Pferd namens Haley dabei, das am Mittwoch in seinerersten Speed-Prüfung den zweiten Platz gemacht hat. 

 

Welche Eigenschaften brauchen Ihrer Meinung nach Pferd und Reiter, um ein Major zu gewinnen? 

 

Um ein Major wie Aachen zu gewinnen, braucht man auf alle Fälle ein absolut fantastisches Pferd. Es muss vorsichtig, mutig, , reitbar und schnell für das Stechen sein. Nur das beste Pferd gewinnt dieses Turnier. Ich würde sagen, 95 Prozent der Teilnehmer sind in der Lage, den Rolex Grand Prix zu gewinnen. Die Reiter sind bereit, Höchstleistungen zu bringen, und wenn die Pferde ebenfalls bereit sind, wird es ein großartiger Wettkampf werden. 

 

Sie und Ihr Partner, Nick Skelton, haben eine lange Beziehung zum Rolex Grand Prix hier beim CHIO Aachen. Könnten Sie diese bitte beschreiben? 

 

Ich bin sehr konzentriert und würde diese Prüfungsehr gern eines Tages gewinnen. Ich habe mich sehr von meinem Partner Nick Skelton inspirieren lassen, der hier schon vier Mal gewonnen hat, unter anderem beim allerersten Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping im Jahr 2013. Vor zwei Jahren bin ich hier mit Baloutinue gesprungen. Er absolvierte die ersten beiden Runden des Rolex Grand Prix ohne Fehler, hatte dann aber im Stechen einen Abwurf. Ich würde es gern noch einmal probieren, um zu sehen, ob ich gewinnen kann. 

 

Was unterscheidet die Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping von anderen Turnieren?

 

Ich finde, es sind einfach einzigartige, fantastische Reitturniere. Diese Wettkämpfe sind einige der wenigen, bei denen es noch wirklich um den Sport geht und nicht so sehr um das Drumherum oder darum, wie viel Geld damit verdient werden kann. Im Mittelpunkt steht wirklich das Springreiten. Es wird sichergestellt, dass die besten Reiter der Welt daran teilnehmen. Meiner Meinung nach trifft sich hier die Elite unseres Sports. 

 

Springreiten ist eine der wenigen Sportarten weltweit, bei denen Männer und Frauen auf demselben Niveau gegeneinander antreten. Wie besonders ist das für Sie? 

 

Diese Frage wird mir andauernd gestellt. Ich selbst denke darüber gar nicht nach, da ich mit dem Reiten und Wettbewerben gegen Jungen und später gegen Männer aufgewachsen bin. Aber ich weiß, dass es für den Rest der Welt etwas ganz Besonderes ist, und ich denke, wir Sportlerinnen und Sportler haben Glück, denn Männer haben ihre ganz eigenen Qualitäten und Stärken und Frauen ebenfalls. Das gleicht sich alles irgendwie aus. 

 

Welchen Beitrag hat der Rolex Grand Slam of Show Jumping Ihrer Meinung nach für den Sport geleistet? Wie hat er ihn verändert? 

 

Ich denke, diese Initiative hat uns allen etwas gegeben, wonach wir streben können und was wir erreichen möchten. Vor Jahren gab es den Pulsar Triple Crown, einen sehr wichtigen und spannenden Wettbewerb. Der Rolex Grand Slam ist dessen Neuauflage im 21. Jahrhundert, aber noch besser! Ich denke, angesichts des hohen Preisgeldes, das man beim Rolex Grand Slam gewinnen kann ist das für alle Reiter sehr attraktiv. 

 

Können Sie uns sagen, wie wichtig das Team hinter den Kulissen für Ihren Erfolg ist? 

 

Ohne dieses Team hätten wir keinen Erfolg. Von den Pflegern, die sich um die Pferde kümmern, als wären sie ihre Kinder, über die Hufschmiede, die Tierärzte, die Physiotherapeuten und die Leute, die uns bei der ganzen Logistik helfen – an dem, was wir tun, hängt so viel dran. Das Team macht es den Reitern einfach, aufs Pferd zu steigen und hoffentlich das zu tun, was wir am besten können: Leistung abliefern. Ohne das Team hinter den Kulissen wären wir nicht da, wo wir sind.

 

 

Frank Rothenberger

Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof

INTERVIEW MIT FRANCK ROTHENBERGER

 

Was macht den CHIO Aachen für Sie zu so einem besonderen Turnier?

 

Der CHIO Aachen ist das größte und wichtigste Turnier des Jahres. Ich wurde vor 20 Jahren eingeladen, den Parcours zu gestalten, und ich freue mich wie immer auf eine der prestigeträchtigste Prüfungen hier, den Rolex Grand Prix. Letztes Jahr war er einfach großartig und das Stechen war unglaublich schnell. Ich kann es kaum erwarten.

 

Wie besonders ist es für Sie, der Designer des Parcours bei Ihrem Heimatturnier, dem CHIO Aachen, zu sein?

 

Es ist etwas ganz Besonderes. Wir bereiten sämtliche Springen Monate im Voraus vor, da die Gestaltung der Parcours in dieser großen Arena viel Zeit und Planung erfordert. In den letzten Tagen haben wir eine Reihe anspruchsvoller und spannender Prüfungen mit schnellen Stechen gesehen. Der CHIO Aachen bietet hervorragende Bedingungen: Von den Ställen über die Anlage bis zu den Parcours und der gesamten Organisation ist einfach alles perfekt. Aus diesem Grund kommen die Spitzenreiter immer hierher.

 

Können Sie uns ein wenig über den Parcours für den Rolex Grand Prix am Sonntag erzählen?

 

Aber klar. Der Rolex Grand Prix besteht aus zwei Umläufen und einem Stechen. Es gibt auf alle Fälle einen Wassergraben und in der Regel mehrere Zwei- und Dreifache-Kombinationen. Die Gestaltung des Parcours ist manchmal schwierig, weil die Arena so groß ist. Wir müssen darauf achten, einige technische Kombinationen und Linienführungen zu bieten und nicht nur bestimmte Distanzen. Ich denke, die besten Parcours sind eine Mischung aus verschiedenen modernen Elementen.

 

Wie sind Sie zum Parcoursdesign gekommen?

 

Ganz einfach. Vor 40 Jahren, als junger Reiter, hatte ich zu Hause keine Hindernisse zum Üben. Also habe ich mir selbst welche gebaut. Kurze Zeit später kamen andere Reiter, um bei mir zu trainieren, weil ich verschiedene Arten von Hindernissen hatte, zum Beispiel Wassergräben, Bänke und Hecken. Ich begann, Parcours für sie zu gestalten, und sie kamen regelmäßig, um bei mir zu trainieren. Als ich 22 Jahre alt war, hörte ich mit dem Reiten auf und gründete ein Unternehmen, das Hindernisse herstellt. So kam ich schließlich zum Parcoursdesign.

 

Welcher war der erste Parcours, den Sie entworfen haben, und wo war Ihr erstes Turnier?

 

Mit 21 Jahren habe ich meinen ersten Parcours für ein Turnier gestaltet. Das ist jetzt 44 Jahre her. Mittlerweile lasse ich es etwas ruhiger angehen. Ich möchte nicht mehr jedes Wochenende bei Turnieren im Einsatz sein, daher gestalte ich bei etwa 12 bis 14 Turnieren pro Jahr den Parcours und suche mir dafür qualitativ hochwertige Veranstaltungen wie den CHIO Aachen aus.

Haben Sie noch andere Leidenschaften abseits der Parcoursgestaltung?

 

Natürlich! Zum einen meine Familie und dann noch das Segeln. Ich bin Skipper und war erst letzte Woche mit einem gemieteten Katamaran in Italien unterwegs. Im September und November geht es wieder los. Außerdem fahre ich schon mein ganzes Leben lang begeistert Ski.

 

Wenn Sie eine Prognose wagen: Wer, glauben Sie, gewinnt den Rolex Grand Prix am Sonntag?

 

Das ist sehr schwierig. Das Niveau ist derzeit so hoch und die Unterschiede zwischen den Spitzenreitern sind marginal. Da ist es einfach nicht möglich, einen Gewinner vorherzusagen.

 

Das erste Major des Rolex Grand Slam fand vor zehn Jahren hier beim CHIO Aachen statt. Was hat sich Ihrer Meinung nach in den letzten zehn Jahren verändert? Welche Auswirkungen hatte diese Initiative?

 

Der Sport wird immer bekannter. Viele Menschen reden jetzt über den Rolex Grand Slam, der vier der besten Springreitturniere der Welt umfasst: Calgary, ‘s-Hertogenbosch, Genf und Aachen. Ich glaube, es wird diese Woche in Aachen äußerst interessant, denn McLain Ward kommt, der zwei Rolex Grand Prix-Turniere nacheinander – Genf und The Dutch Masters – gewonnen hat. Er hofft sicher, am Sonntag den Rolex Grand Prix und damit die prestigeträchtigste Trophäe im Springreiten, den Rolex Grand Slam, zu gewinnen.

 

Gibt es einen Moment in den letzten zehn Jahren beim Rolex Grand Slam, der Ihnen besonders gut in Erinnerung ist?

 

Ich sehe mir alle Rolex Grand Prix-Turniere an, einschließlich der anderen drei Rolex Grand Slam-Wettkämpfe. Das letzte Major war in ‘s-Hertogenbosch und es war sehr spannend. Es gab viele fehlerfreie Runden, wodurch das Stechen einfach fantastisch war. Für mich ist es eine große Ehre, einer der Parcoursdesigner für den Rolex Grand Prix bei einem der weltweit besten Springreiten zu sein.

 

Rolex Grand Slam Rolex Grand Slam

CHIO AACHEN 2023

EIN BLICK AUF DIE REITER

 

Auch in diesem Jahr können wir uns erneut auf den CHIO Aachen freuen, der vom 23. Juni bis zum 2. Juli stattfindet, und mit ihm das zweite Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping 2023. Nachdem 2013 dort das allererste Major ausgerichtet wurde, feiert der CHIO Aachen dieses Jahr das 10-jährige Jubiläum des Rolex Grand Slam of Show Jumping, der höchstdotierten Serie im Springsport. Den Höhepunkt des 10-tägigen Turniers bildet der Rolex Grand Prix, bei dem einige der weltbesten Pferd-Reiter-Paare aus 16 verschiedenen Nationen, darunter sieben Rolex-Testimonials, in dem meisterhaft gestalteten Parcours von Frank Rothenberger gegeneinander antreten.

 

Rolex Grand Slam of Show Jumping – Ein Blick auf die Reiter

 

Die Augen werden vor allem auf einen Reiter gerichtet sein: den Amerikaner McLain Ward, der versuchen wird, als zweiter Reiter in der Geschichte den Rolex Grand Slam of Show Jumping für sich zu entscheiden. Als Nummer 3 der Weltrangliste hat er auf der 17-jährigen Stute HH Azur bereits die Majors beim CHI Genf und bei den The Dutch Masters gewonnen und liebäugelt nun damit, seinen Namen in die Geschichtsbücher zu schreiben. Ward war bereits in der Vergangenheit auf dem Turnier in Aachen erfolgreich: Im vergangenen Jahr holte er sich den Sieg sowohl im Turkish Airlines-Preis von Europa als auch im RWE-Preis von Nordrhein-Westfalen und wurde Fünfter im Rolex Grand Prix. Als starker Konkurrent, der weiß, wie man im einzigartigen Hauptstadion gewinnt, wird er einer sein, den man im Blick behalten muss. Ward wird gemeinsam mit vier Landsleuten die lange Reise über den Atlantik zu dem berühmten Austragungsort antreten, darunter auch seine Kollegin aus dem Olympia-Team von Tokio 2020, Laura Kraut.

 

Im Teilnehmerfeld wird er sich jedoch gegen die Besten der Welt durchsetzen müssen, wie zum Beispiel den Vorjahressieger Gerrit Nieberg. Der Deutsche, der vor kurzem den CSI5* Grand Prix in Hamburg gewonnen hat, wird versuchen, seine Form beizubehalten, um als erster Reiter diese prestigeträchtige Prüfung zum zweiten Mal in Folge zu gewinnen. Insgesamt 18 deutsche Reiter werden beim diesjährigen Weltfest des Pferdesports im Springen antreten, darunter mit Daniel Deußer und Marcus Ehning auch zwei ehemalige Sieger dieser namhaften Prüfung.

 

Mit Blick auf das diesjährige Turnier sagte Nieberg: „Ich kann es kaum erwarten, wieder beim CHIO Aachen dabei zu sein und zu versuchen, meinen Titel zu verteidigen. Den Rolex Grand Prix vor meinem Heimpublikum zu gewinnen, war für mich ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist, und ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde."

 

Der Schweizer Martin Fuchs, zweifacher Major-Sieger beim CHI Genf, kommt nach seinem beeindruckenden Sieg beim Rolex Grand Prix bei der CHI Royal Windsor Horse Show mit Conner Jei zum CHIO Aachen, wo er zum ersten Mal den Rolex Grand Prix für sich entscheiden möchte. Sein Landsmann Steve Guerdat ist ebenfalls einer der starken Teilnehmer, der diesen begehrten Titel noch nie gewonnen hat. Guerdat, der für seine reiterlichen Fähigkeiten bekannt ist, wird vier Pferde mit nach Aachen bringen, darunter Dynamix de Belheme und Venard de Cerisy, das Pferd, mit dem er 2021 den CP ‘International’, presented by Rolex gewann.

 

Auch der Belgier Nicola Philippaerts ist in glänzender Form wieder beim CHIO Aachen mit dabei, nachdem er Anfang des Monats den Rolex Grand Prix beim CSIO Jumping International de la Baule mit der brillanten Stute Katanga V/h Dingeshof gewonnen hat, mit der er auch beim CHIO Aachen antreten wird. Philippaerts wird von seinem Zwillingsbruder Olivier begleitet, der nach seinem Sieg beim CSI5* in Stockholm vergangene Woche mit H&M Miro ebenfalls voller Zuversicht an den Start gehen wird. Die beiden werden von ihren belgischen Teamkollegen Gregory Wathelet, Wilm Vermeir und Vereecke Koen begleitet.

 

Der Brite Scott Brash hofft auf dem Weg zum Sieg des Rolex Grand Slam of Show Jumping, seinen zweiten Platz beim Rolex Grand Prix aus dem letzten Jahr zu verbessern und seinen Titel aus dem Jahr 2015 zurückzuerobern. Sein Teamkollege, der Einzel-Olympiasieger Ben Maher, wird nach seiner Verletzung im Februar bei seinem ersten Major in diesem Jahr an den Start gehen. Er wird seinen FEI World Championship™ Partner Faltic HB mitbringen, sowie zwei weniger erfahrene Pferde, Dallas Vegas Batilly und Enjeu de Grisien. Harry Charles, der jüngste unter den Rolex-Testimonials, bringt den erfahrenen Hengst Balou du Reventon mit und ist ein weiterer Kandidat, der am letzten Tag des Weltfests des Pferdesports mit einem guten Ergebnis nach Hause fahren könnte.

 

Zu den weiteren beachtenswerten Teilnehmern gehören die Springreiterlegende Rodrigo Pessoa, der mit einer neuen Reihe von Pferden an die Spitze des Sports zurückgekehrt ist, der irische Weltranglistenzwölfte Shane Sweetnam und der stets ehrgeizige Franzose Simon Delestre, die derzeitige Nummer 7 der Weltrangliste.

Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof

INTERVIEW MIT:

MCLAIN WARD

 

Herzlichen Glückwunsch! Sie sind der Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping. Wie fühlen Sie sich kurz vor dem CHIO Aachen? 

 

Ich fühle mich gut, aber ich bin immer verhalten optimistisch. Wir haben uns bemüht, dafür zu sorgen, dass die Pferde bestmöglich in Form sind. Wir lassen HH Azur wegen ihres Alters nur auf wenigen ausgewählten Turnieren starten, hauptsächlich bei den großen Wettkämpfen. Man muss an sein Programm glauben und darauf vertrauen, dass man alles richtig macht, vor allem, wenn man nicht regelmäßig antritt. Aber sie ist in einer guten Verfassung. Wir konzentrieren uns sehr auf den CHIO Aachen – wir betrachten Aachen als Meisterschaft. Für uns ist es die größte und prestigeträchtigste Veranstaltung der Welt. Ich versuche, am Boden zu bleiben und mich nicht von anderen Möglichkeiten verlocken zu lassen – ich glaube, davon kann man sich leicht ablenken lassen.

 

Was war es für ein Gefühl, beim The Dutch Masters zu gewinnen?

 

Ein unglaubliches Gefühl. Das war eine Prüfung, in die ich nicht so optimistisch gestartet bin, weil schon so viele Reiter fehlerfrei durchgekommen waren. The Dutch Masters findet in einer kleinen Halle statt und mein Pferd hat eine so große Sprungweite, dass ich dachte, es könnte schwierig werden, schnell genug zu sein. Ich hatte geplant, alles nur Mögliche zu versuchen, um zu gewinnen, aber ich hatte nicht wirklich mit einem Sieg gerechnet. Als es dann doch dazu kam, war das unglaublich aufregend und befriedigend. Damit war ich neben Scott Brash der einzige, der je zwei Majors hintereinander gewonnen hat. Das ist eine enorme Leistung, auf die ich sehr stolz bin. 

 

Wie haben Sie sich vorbereitet und mit welchem Pferd wollen Sie beim Rolex Grand Prix antreten?

 

Ich habe das Glück, eine ganze Reihe von großartigen Pferden zu haben und auch ein paar sehr vielversprechende Nachwuchspferde. Ich bringe Callas, Contagious und HH Azur mit nach Aachen. Die drei haben im Frühjahr und Frühsommer bisher sehr gute Leistungen erbracht. HH Azur ist nur bei einem kleinen nationalen Turnier gestartet. Wir wollten nur sehen, ob sie fit ist, und sie wieder mit der Wettkampfatmosphäre vertraut machen. Was ihre Vorbereitung angeht, haben wir dasselbe getan wie für alle Majors – sie fit gehalten und auf das Turnier hingearbeitet.

 

Der CHIO Aachen ist eins der größten Turniere im Reitsport. Wie fühlt es sich an, dort zu starten? 

 

Für mich ist es das allergrößte Turnier. Ich finde, es ist das Mekka unseres Sports und die Veranstaltung, bei der ein Sieg den größten Stellenwert für die Reiter hat. Bisher ist mir der Rolex Grand Prix verwehrt geblieben, aber ich war schon einige Male ganz nah dran. Es ist der eine Grand Prix auf der ganzen Welt, den ich unbedingt gewinnen will, und die Tatsache, dass er Teil des Rolex Grand Slam of Show Jumping ist, macht es noch viel spannender. Aachen ist einfach unvergleichbar; die Atmosphäre, die Zuschauer, die Arenen, die Geschichte, das Niveau des Sports – da kann nichts anderes mithalten. Ich glaube, dort läuft jeder zur Bestform auf – es ist ein ganz besonderer Ort.

 

Die letzten beiden Majors waren Hallenturniere. Ändern Sie Ihre Taktik für das Hauptstadion beim CHIO Aachen?

 

Bei Außenturnieren muss man ein größeres Augenmerk auf die Fitness legen, weil der Parcours länger ist und man länger galoppieren muss. Auf dem Papier passt eine große Arena gut zu HH Azur, weil sie so raumgreifend galoppiert, aber sie hat sich auch bei Hallenturnieren außergewöhnlich gut geschlagen. Es zeigt wirklich, wie großartig sie ist, dass sie unter so unterschiedlichen Bedingungen so erfolgreich ist.

 

Sie hat auch in Aachen schon großartige Leistungen erbracht. Ich glaube, sie war schon zwei- oder dreimal im Stechen um den Rolex Grand Prix und hat außerdem schon mindestens zwei- oder dreimal jeweils zwei fehlerfreie Umläufe im Nationenpreis absolviert. Ich muss sicherstellen, dass ich konzentriert bleibe und einen kühlen Kopf bewahre, damit wir unser bestmögliches Ergebnis abliefern können.

 

Welche Eigenschaften müssen Pferd und Reiter Ihrer Meinung nach besitzen, um ein Major gewinnen zu können?

 

Man braucht ein Pferd mit dem nötigen Talent und den nötigen körperlichen Voraussetzungen, um diese Parcours springen zu können, aber es muss auch intelligent genug sein zu verstehen, was von ihm verlangt wird. Es erfordert jahrelanges Training und jahrelangen Feinschliff dieser Fähigkeiten, damit alles zum richtigen Zeitpunkt zusammenfindet. Es gibt nur vier Majors pro Jahr und darum in der Regel auch nur drei oder vier Gewinner. Also gibt es nicht sehr viele Pferd-und-Reiter-Kombinationen, denen diese Leistung bislang gelungen ist. 

 

Was würde der Sieg des Rolex Grand Slam of Show Jumping beim CHIO Aachen Ihnen und Ihrem Team bedeuten?

 

Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass man das in Worte fassen kann. Mich verbindet eine lange Geschichte mit Aachen, gute wie auch schlechte Erinnerungen. Seit ich klein war, habe ich davon geträumt, diesen Wettbewerb zu gewinnen. Ich habe es immer mit dem einen Mädchen verglichen, mit dem man einfach noch nie ein Date bekommen konnte. Es wird das letzte Mal für HH Azur in Aachen sein. Dort den Rolex Grand Prix zu gewinnen und damit gleichzeitig auch den Rolex Grand Slam of Show Jumping – das wäre wirklich ganz unbeschreiblich für mich. 

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping feiert sein zehnjähriges Bestehen. Wie stark hat er diesen Sport beeinflusst? 

 

Ich glaube, der größte Einfluss besteht darin, dass er das Niveau des Sports über das aller anderen Wettbewerbe auf der ganzen Welt angehoben hat. Das ist so wichtig und genau das haben wir in diesem Sport gebraucht. Es ist nötig, dass sich die Majors des Rolex Grand Slam von den anderen 5-Sterne-Turnieren abheben, weil es die Reiter anspornt, über sich hinauszuwachsen und eine ganz neue Ebene zu erreichen. Ich glaube, die Reiter haben erkannt, dass das die besten Veranstaltungen der Welt sind, und arbeiten jetzt darauf hin – so wie die US Open oder die Masters in Augusta oder die French Open, sind das die begehrtesten Wettkämpfe unseres Sports.

  

Der Reitsportkalender ist sehr voll! Wie entscheiden Sie, an welchen Veranstaltungen Sie teilnehmen und mit welchen Pferden Sie dort starten? 

 

Es ist wirklich ein straffes Programm. Wie in den meisten Sportarten findet jede Woche ein Wettkampf statt, an dem man teilnehmen könnte, wenn man wollte. Ich habe zu meinem großen Glück ein tolles Team sowie fantastische Unterstützer und Besitzer. Deshalb habe ich ein starkes Kontingent an Pferden aller Alters- und Leistungsstufen. Mein Team sorgt dafür, dass alles wie ein Uhrwerk funktioniert, und stellt sicher, dass die Pferde gesund und fit sind. Ehrlich gesagt, starte ich nicht übermäßig oft. Wenn man sich die FEI-Weltrangliste ansieht, zeigt sich, dass ich normalerweise weniger Wettkämpfe bestreite als die meisten meiner Kollegen. Ich verbringe ganz gern Zeit zu Hause, um mich auf ein Turnier vorzubereiten. 

 

Wir setzen uns einen Zeitplan von sechs bis zwölf Monaten, wenn wir zum Beispiel auf die Olympischen Spiele oder einen wichtigen Grand Prix hinarbeiten. Und von diesem Datum aus arbeiten wir rückwärts. Der langfristigere Plan ist etwas lockerer und der kurzfristigere etwas straffer. Ich trete gern in Europa an, um mich mit den Besten des Sports zu messen. Das Niveau in den USA ist in den letzten Jahren auch um einiges gestiegen und wir haben hier jetzt auch viele tolle Veranstaltungen.

 

Beim Tennis hat Novak Djokovic das Spiel beherrscht und inzwischen 23 Grand Slams gewonnen. Glauben Sie, dass es eine solche Überlegenheit je im Springreiten geben wird?

 

In gewisser Hinsicht schon. Es gibt eine Gruppe von Reitern, die sich schon über einen langen Zeitraum immer weit oben in der FEI-Weltrangliste halten. Der wichtigste Faktor, der unseren Sport von anderen unterschiedet, ist das Pferd. Während ein menschlicher Athlet über einen gewissen Zeitraum in Bestform sein kann, kann sich das Pferd verletzen oder sich mal nicht wohlfühlen. Genau das ist diese Variable, das Mensch-Pferd-Team, die unseren Sport so anders macht.

 

Ich glaube nicht, dass sich ein Reiter jemals ein Jahrzehnt lang an der Spitze der FEI-Weltrangliste halten kann. Aber Henrik [von Eckermann] ist jetzt zum Beispiel schon seit fast 12 Monaten die Nummer 1 der Weltrangliste, eine Zeit, in der er mit dem wohl besten Pferd [King Edward] unterwegs ist. Und er ist ein genialer Reiter. Wenn dieses Pferd in den Ruhestand geht, wird sich Henrik wahrscheinlich weiter in den oberen Rängen halten, aber den Sport vermutlich nicht mehr auf die Weise dominieren, wie er es im Augenblick tut.

 

Wenn man sich die Geschichte des Sports ansieht, ob nun Baloubet du Rouet, Milton, Shutterfly oder Hello Sanctos, waren all diese Pferde und ihre Reiter ein kleines bisschen besser als die anderen und haben deswegen den Sport so beherrscht. Ich finde es schwer vorstellbar, dass ein einzelner Reiter mehr als ein paar Jahre an der Spitze bleibt – zwei oder drei Jahre bestenfalls. Ich glaube jedoch, wenn man sich die letzten zehn oder auch 15 Jahre ansieht, stößt man auf dieselben Namen, die sich beständig weit oben auf der Rangliste gehalten haben.

CHIO Aachen CHIO Aachen

DIE HIGHLIGHTS DES CHIO AACHEN

 

Vom 23. Juni bis zum 2. Juli heißt der CHIO Aachen wieder einmal die besten Pferd-Reiter-Paare der Welt auf dem traditionsreichen Turniergelände der Aachener Soers willkommen. Der oft als „Wimbledon des Reitsports“ titulierte CHIO Aachen ist eine ausgesprochen geschichts- und prestigeträchtige Veranstaltung von Weltruhm. Im Verlauf des Events bietet das Weltfest des Pferdesports fünf Reitsportdisziplinen und begrüßt über 350.000 Zuschauer, die allesamt schon darauf brennen, die einzigartige und elektrisierende Atmosphäre des CHIO Aachen zu erleben. Außerdem bildet der CHIO Aachen den Auftakt zu den Feierlichkeiten des 10-jährigen Jubiläums des Rolex Grand Slam of Show Jumping, der ultimativen Herausforderung des Reitsports.

 

Eröffnet wird Veranstaltung mit royalem Glanz, da anlässig der diesjährigen Partnerschaft der Veranstaltung mit Großbritannien Her Royal Highness The Princess Royal, Prinzessin Anne der legendären Eröffnungsfeier am Dienstag, dem 27. Juni, beiwohnen wird. HRH Prinzessin Anne verbindet schöne Erinnerungen mit dem Turniergelände in der Aachener Soers, auf dort im Jahr 2006 ihre Tochter Zara Tindall die Goldmedaille in der Einzelwertung bei den FEI World Equestrian GamesTM gewonnen hat. Das Thema des Abends lautet „All You Need is Love“, angelehnt an den legendären Beatles-Song. Mit dabei sind unter anderem die Household Cavalry mit ihrem legendären Musical Ride sowie die Grand National Shetlandponys“.

 

Das 5-Sterne-Springreiten beginnt am Mittwoch, dem 28. Juni, mit dem Turkish Airlines-Preis von Europa. Das Turnier, das bei Flutlicht im Hauptstadion stattfindet, bietet den Reitern die erste Gelegenheit, sich für die Hauptprüfung der Veranstaltung, den Rolex Grand Prix, zu qualifizieren. Am Donnerstagabend findet der Mercedes-Benz Nationenpreis statt, ein Mannschaftsspringen mit zwei Umläufen. Im Hinblick auf die später in diesem Sommer stattfindende FEI-Europameisterschaft werden die Reiter alles daransetzen, die Equipechefs zu beeindrucken. Der Höhepunkt der Veranstaltung, der Rolex Grand Prix, findet am Sonntagnachmittag vor 40.000 fachkundigen und leidenschaftlichen Fans statt. Ganz wie das Masters Tournament im Golf, ist dies der Wettbewerb, den alle Reiter unbedingt gewinnen wollen. Dieses Jahr könnte erneut Geschichte geschrieben werden, denn der US-Amerikaner McLain Ward könnte nach seinen vorherigen Siegen beim CHI Genf 2022 und dem The Dutch Masters im Frühjahr diesen Jahres der zweite Reiter werden, der jemals den Rolex Grand Slam of Show Jumping gewonnen hat. 

 

Das Dressurreiten wird im Deutsche Bank Stadion für Aufmerksamkeit sorgen. Das Highlight für die Zuschauer wird der Deutsche Bank Preis sein, bei dem in einer Grand Prix Kür Harmonie und Präzision zwischen Pferd und Reiter präsentiert werden. Dressurfans werden erfreut sein zu erfahren, dass die FEI-Weltmeisterin im Einzel, Charlotte Fry, im Rahmen des Konzerts „Pferd & Sinfonie“ am 23. und 24. Juni auftreten wird. Für die musikalische Untermalung sorgt das Sinfonieorchester Aachen unter anderem mit einer Reihe britischer Klassiker.

 

Am letzten Freitag und Samstag der Veranstaltung heißt der SAP-Cup die weltbesten Vielseitigkeitsreiter willkommen. Die drei Disziplinen, die oft als das Reitsportäquivalent des Triathlons bezeichnet werden, stellen den Mut, die Athletik und die Genauigkeit der Pferde auf die Probe. Vielseitigkeitslegende und vielfacher Medaillengewinner SAP Hal Bob OLD, das Pferd von Ingrid Klimke, wird sich am Samstag, dem 1. Juli, vor seinem Heimpublikum in den Ruhestand verabschieden.

 

Abseits der sportlichen Action erwartet Karteninhaber das großzügige CHIO Aachen-Village sowie eine Vielzahl von Imbiss- und Getränkeständen.

Nick  SKELTON riding Big Star - Winner of the Rolex Grand Prix (Photo: Rolex Grand Slam / Nick Skelton)

Interview mit:

Nick Skelton

 

Was hat Ihnen der Sieg des allerersten Rolex Grand Slam of Show Jumping Major beim CHIO Aachen 2013 bedeutet?

Den ersten Major des Rolex Grand Slam beim CHIO Aachen 2013 zu gewinnen, war einfach unglaublich. Ich hatte zuvor zwar schon das Glück, diesen Grand Prix dreimal gewonnen zu haben, aber der erste Major-Sieger des Rolex Grand Slam of Show Jumping zu sein, war wirklich etwas ganz Besonderes. Ich war in einer sehr guten Position für das nächste Major, das CSIO Spruce Meadows ‘Masters’, aber leider hat sich Big Star damals verletzt, so dass wir nicht antreten konnten.

Können Sie sich an Ihre Emotionen erinnern und wie Sie sich in diesem Moment gefühlt haben?

Der Sieg in Aachen war wirklich fantastisch, es ist das beste Turnier der Welt. Von der Bedeutung her würde ich es auf eine Stufe mit dem The Masters im Golf und Wimbledon im Tennis stellen. Mit Big Star zu gewinnen war unglaublich, er ist einfach phänomenal gesprungen. Für mich war es auch ein wirklich unvergesslicher Moment, weil seine Besitzer und meine Familie dabei waren, wodurch alles für mich noch eine ganz andere Bedeutung bekomen hat als bei einem normalen Turnier oder einem anderen Grand Prix.

Können Sie uns etwas über Big Star erzählen und was ihn so besonders macht?

Big Star war ein unglaublich tolles Pferd – er hatte einfach alles. Ich würde ihm für alles 11 von 10 Sternen geben. Er war so springgewaltig, vorsichtig und unglaublich intelligent. Er hat sich immer sehr auf das Springen gefreut, er hat es einfach geliebt.

Ich habe Big Star 5-jährig gekauft. Laura [Kraut] hat ihn entdeckt, als sie 2008 bei einem Turnier in Holland war, wo das amerikanische Team im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 in Peking ein Trainingslager abgehalten hat. Sie war einen Tag früher auf dem Turnier, hat ihn springen gesehen und ihr war sofort klar, dass ich ihn haben musste. 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping feiert später im Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Wie stark hat er diesen Sport beeinflusst?

Der Rolex Grand Slam hat einen enormen Einfluss auf den Springsport – er ist unglaublich prestigeträchtig. Um den Rolex Grand Slam zu gewinnen, müssen die Reiter drei der vier Majors für sich entscheiden. Allein den Sieg eines einzelnen Majors zu holen ist schon äußerst schwer, und die Kombination dieser Turniere stellt daher wirklich die größte Challenge des Sports dar und ist etwas, das jeder einmal gewinnen möchte. Insgesamt, inklusive der Zeit bevor es den Rolex Grand Slam of Show Jumping gab, habe ich beim CHIO Aachen und beim CSIO Spruce Meadows 'Masters' jeweils viermal gewonnen, bei den The Dutch Masters zweimal und beim CHI Genf einmal – es wäre also schön gewesen, wenn es diese Initiative schon früher gegeben hätte.

Gibt es aus den letzten 10 Jahren einen persönlichen Lieblingsmoment von Ihnen?

Mein Lieblingsmoment aus den letzten 10 Jahren ist, als Scott Brash den Rolex Grand Slam of Show Jumping gewonnen hat. Alle standen hinter ihm und wollten, dass er beim CSIO Spruce Meadows ‘Masters’ sein drittes Major gewinnt – ein Kunststück, das bis zu diesem Zeitpunkt noch keinem gelungen war. Das war ein wirklich großartiger Moment für unseren Sport. Ich hoffe, dass es wieder jemand schafft. Vielleicht schafft es McLain Ward dieses Jahr in Aachen, seine Stute ist bisher super gesprungen und ich bin sicher, dass er sein Bestes geben wird.

Im Laufe Ihrer Karriere haben Sie eine Reihe von Höhen und Tiefen durchlebt. Wie haben Sie dafür gesorgt, immer weiter nach vorne zu schauen?

Ich habe immer versucht, junge Pferde zu kaufen und sie weiterzubringen. Es ist sehr wichtig, immer wieder jüngere Pferde nach oben zu bringen – so kann man fortwährend an der Spitze bleiben, denn wenn man sein bestes Pferd in Rente schickt, ist hoffentlich schon das nächste bereit einzuspringen. Bis auf Dollar Girl habe ich alle meine Pferde als Youngster gekauft, auch Arko III und Big Star. Es ist großartig, ein Pferd so weit zu bringen, dass es an einem Grand Prix oder Major Prix teilnimmt oder sogar gewinnt.

Was machen Sie jetzt, nachdem Sie sich aus dem Sport zurückgezogen haben? Vermissen Sie den Nervenkitzel der Turniere?

Ich vermisse die Turniere nicht mehr. Ich habe so viele Jahre auf der ganzen Welt geritten und 2016 meine Karriere an einem guten Punkt beendet. Zurzeit haben wir zahlreiche Schüler, die bei uns trainieren, aber auch junge Pferde, die wir ausbilden und an Besitzer oder Reiter verkaufen möchten.

Im Winter verbringen wir viel Zeit in Florida, um am Winter Equestrian Festival in Wellington teilzunehmen, was drei Monate harte Arbeit bedeutet. Danach kommen wir normalerweise nach Europa zurück, um die Europa-Tour zu verfolgen. Dieses Jahr sind wir beim CHIO Aachen dabei und wollen dort natürlich gewinnen.

Wie lautet der beste Ratschlag, den Sie jemals erhalten haben?

Ich kann nicht sagen, was der beste Ratschlag ist, den ich erhalten habe, aber was ich meinen Schülern immer rate, ist, geduldig zu bleiben, konsequent zu trainieren und nicht aufzugeben. In diesem Sport muss man wirklich Geduld haben, besonders wenn man junge Pferde ausbildet.

(Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) (Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

Interview mit:

Denise Moriarty

 

Können Sie sich kurz vorstellen und uns sagen, für wen Sie arbeiten und was Ihre Aufgabe ist?

Ich heiße Denise Moriarty und ich bin seit elf Jahren als leitende Pferdepflegerin für Kent Farrington tätig. Wir haben ein tolles Verhältnis zueinander und sind miteinander sehr vertraut. Kent ist sehr gut darin, uns alle in jeden Schritt der Entwicklung eines Pferdes einzubeziehen – er möchte, dass wir verstehen, warum er etwas tut. Wenn er zum Beispiel eine neue Zäumung oder ein neues Gebiss ausprobiert, teilt er uns sein Empfinden als Reiter mit, damit wir es besser verstehen können. Wir tauschen uns umfassend aus und das Vertrauen ist groß.

Sie treten regelmäßig die lange Reise von Amerika nach Europa an. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Pferde bequem reisen, damit sie weiterhin Höchstleistungen bringen können?

Wir stellen sicher, dass sie extrem fit sind, damit sie gut mit dem Reisen klarkommen und sich danach schnell erholen. Vor dem CHI Genf fliegen wir zum Beispiel am Montag vor dem Turnier nach Europa. Die Pferde können dann am Dienstag zum Vet-Check und am Donnerstag zu ihrer ersten Prüfung antreten. Wir müssen während des Transports vor allem sicherstellen, dass sie ruhig bleiben und ausreichend fressen und trinken. Wir bemühen uns immer, die Reise für sie angenehm zu gestalten.

Ich fliege mit den Pferden und ehrlich gesagt ist es viel angenehmer als ein normaler Linienflug. Man muss nicht anstehen oder darauf warten, dass die Flugbegleiter mit Essen und Getränken vorbeikommen – man kann sich einfach selbst bedienen. Mit der Erlaubnis des Piloten können wir zudem herumlaufen und nach unseren Pferden sehen, was wirklich schön ist. Jedes Flugzeug, mit dem wir fliegen, ist anders. Qatar Airways zum Beispiel hat einen riesigen Bereich im Oberdeck für uns. Aber einige der Inlandsflüge sind viel kleiner und wir müssen mit den Klappsitzen vorliebnehmen – aber diese Flüge dauern nur ein paar Stunden, das ist also in Ordnung.

Was können Sie tun, um einem Pferd zu helfen, wenn es nicht gerne reist?

Wenn ein Pferd nicht gerne reist oder das Reisen für das Pferd neu ist, versuche ich, es mit einem reiseerfahreneren Pferd zusammenzustellen. So lernt es, aus der Kraft des erfahreneren Pferdes zu schöpfen. Das ängstliche Pferd beruhigt sich, wenn es sieht, dass das andere Pferd ruhig bleibt. Denn es versteht dann, dass es keinen Grund zur Sorge gibt.

Ich achte auch darauf, dass alles richtig vorbereitet ist: dass die Rampe sicher und die Trennwand geöffnet ist. Sie sollen genau wissen, wo sie hinmüssen. Es ist wichtig, dass ihre ersten Reiseerfahrungen positiv sind. Manchmal setzen wir Ohrstöpsel ein, um sie etwas mehr abzuschotten und die Reise für sie angenehmer zu machen. Wenn sie die ersten paar Male gute Erfahrungen gemacht haben, werden sie auch in Zukunft kein Problem mit dem Reisen haben – diese Erfahrung habe ich gemacht.

Können Sie uns ein wenig über die Pferde erzählen, um die Sie sich derzeit kümmern? Welche Eigenschaften haben sie?

Wir haben eine Menge starker Charaktere bei uns im Stall! Aber wir mögen das und lassen ihnen die Möglichkeit, sie selbst zu sein – sie sind alle sehr unterschiedlich.

Creedance ist einfach glücklich über alles und freut sich auf jeden neuen Tag, auch wenn die meisten seiner Tage gleich ablaufen. Er liebt es, sein Halfter anzubekommen, auszureiten oder zu springen. Bei Landon ist es ganz ähnlich. Er freut sich auf seine Arbeit, aber er kann auch ein bisschen frech sein und auf Turnieren wie ein echter Hengst auftreten, obwohl er keiner ist! Im Großen und Ganzen sind es großartige Pferde. Natürlich haben sie ihre kleinen Macken, genau wie wir Menschen, aber sie sind wirklich lieb.

Sind Sie gerne bei den Majors – The Dutch Masters, dem CHIO Aachen, Spruce Meadows ‘Masters’ und dem CHI Genf? Wodurch unterscheiden sie sich Ihrer Meinung nach von den anderen Turnieren?

Ich glaube, es ist einfach das Prestige und der Respekt vor den Majors. Dort treten die besten Pferde und Reiter an und die Bedingungen für alle, auch für die Pfleger, sind einfach toll. Diese Turniere gehören wirklich zu den allerbesten. Sie finden an Orten statt, an denen jeder Besucher und Teilnehmer etwas von Pferden versteht und einen Bezug zu ihnen hat. Die Beteiligung der Zuschauer und der ganze Rummel und die Energie, die sie erzeugen, schaffen eine einzigartige Atmosphäre. Das hat man bei anderen Veranstaltungen einfach nicht. 

Ich hatte schon immer ein Faible für den CHI Genf – er ist einer der Höhepunkte unseres Jahres. Die Stimmung beim CHIO Aachen ist einfach unglaublich und die Größe der Hindernisse in Spruce Meadows macht dieses Turnier zu einem einzigartigen Wettbewerb. Und auch die Menschen beim The Dutch Masters verstehen so viel von Pferden und das Personal dort ist fantastisch. Jedes der vier Turniere hat also etwas Einzigartiges und Besonderes an sich.

Wie war es, Teil von Kents Team zu sein, als er beim CHIO Aachen und beim CHI Genf gewann?

Das waren beides ganz besondere Momente. Gazelle war beeindruckend: Sie hat immer weiter gekämpft und wollte unbedingt gewinnen. Wie ich bereits erwähnt habe, sind diese Turniere die besten der Welt. Zu sehen, wie der eigene Reiter und das Pferd, um das man sich jeden Tag kümmert, gewinnen – das kann man einfach nicht mit Worten beschreiben.

Haben Sie etwas anders gemacht?

Bei Gazelle versuchen wir ehrlich gesagt, alles immer gleich zu machen. Sie gibt Kent schon beim Aufsitzen zu verstehen, ob sie in Siegerlaune ist – das kann er spüren. Solange alles klappt, wird es normalerweise ein guter Tag.

Was war Ihr stolzester Moment als Pferdepflegerin?

Das lässt sich nur schwer auf einen Moment begrenzen. Wir haben Gazelle, seit sie sieben Jahre alt ist. Wir haben sie also aufgebaut und zu dem Pferd gemacht, das sie heute ist, haben sie wachsen sehen und ihre Höhen und Tiefen erlebt. Wenn ich an ihren Sieg beim CHIO Aachen zurückdenke und mich daran erinnere, wie sie drei der größten und anspruchsvollsten Umläufe in diesem Sport gesprungen ist, und wie sie immer noch kämpfte, um das letzte Hindernis zu überwinden und ins Ziel zu galoppieren, weil sie genauso sehr gewinnen wollte wie Kent es wollte – das war schon erstaunlich. Es war ein unglaubliches Gefühl – was diese Pferde für uns tun, ist einfach unfassbar. Dieser Sieg hat uns viel bedeutet.

Und auch der Gewinn der Silbermedaille im Team für Kent und Voyeur bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio war natürlich ein ganz besonderer Moment.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten und am wenigsten?

Am besten gefällt mir, einfach Zeit mit den Pferden zu verbringen. Als Pferdepfleger haben wir das große Glück, den ganzen Tag im Freien arbeiten zu können, wir sind immer auf den Beinen. Das hält uns aktiv und gesund, was toll ist. Wir dürfen an einige der schönsten Orte der Welt reisen und man hat immer mal wieder einen Moment Zeit, einfach mal tief durchzuatmen und seinen Job zu schätzen zu wissen. Für mich ist das Reisen der schwierigste Teil – die Tage sind oft sehr lang und es kann ziemlich anstrengend sein, aber das ist einfach Teil der Arbeit.

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der eine Karriere als Pferdepfleger anstrebt?

Man kann durchs Zusehen bereits viel lernen – außerdem muss man eine Leidenschaft für Pferde haben und seine Arbeit lieben. Wem es keinen Spaß macht, der sollte es lieber sein lassen. Selbst jetzt sehe ich noch anderen Pferdepflegern zu und beobachte, wie sie verschiedene Dinge tun oder wie sie mit einem schwierigen Pferd umgehen – in diesem Beruf lernt man nie aus.

Ich arbeite sehr gerne in dieser Branche und habe auf der ganzen Welt Freunde fürs Leben gefunden. Man muss einfach offen sein für soziale Kontakte und alle Möglichkeiten nutzen, die sich einem bieten.

Wie sieht die Gemeinschaft der Pferdepfleger aus? Unterstützen sie einander?

Wir alle machen diesen Job aus dem gleichen Grund: Wir lieben Pferde. Wir alle teilen die gleiche Leidenschaft und arbeiten hart. Viele meiner Freunde, die Pferdepfleger sind, arbeiten schon sehr lange für ihre Reiter. Es ist also wie eine kleine Familie, die zusammen unterwegs ist. Es gibt immer jemanden, den man anrufen kann, um sich Rat zu holen. Neulich erst musste ich Sean anrufen, weil ich den Strom im Transporter nicht ans Laufen bekam! Irgendjemand ist immer bereit zu helfen – es ist eine tolle Community.

 

(Photo: Pexels / Harry Cunningham) (Photo: Pexels / Harry Cunningham)

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping gibt mit großer Freude den Start einer neuen Podcast-Reihe bekannt, die eine der wichtigsten Gruppen – und die oftmals unbesungenen Helden des Sports – feiert: die Pfleger. Wie die Caddies beim Golf oder die Mechaniker bei der Formel Eins spielen die Pfleger eine wesentliche Rolle für den Erfolg ihrer Pferde und Reiter. Ab. Juni erscheint der Podcast vierteljährlich auf Spotify und Apple Podcasts, rechtzeitig vor dem jeweiligen Major der ultimativen Serie im Pferdesport.

Die einzelnen Folgen werden je nach Teilnehmern und deren individuellen Geschichten immer leicht variieren, legen aber den Hauptfokus auf die Pfleger und das gesamte Team hinter den Kulissen und beleuchten, welche entscheidende Rolle diese Menschen für den Erfolg eines Springreiters an der Weltspitze spielen. Außerdem bietet der Podcast einen Einblick in ihre Laufbahnen und ihre Beziehung zu den Pferden, die am Rolex Grand Slam of Show Jumping teilnehmen.

Der erste Beitrag dieser spannenden neuen Reihe beschäftigt sich mit den Pflegern des Weltranglisten-Dritten und aktuellen Anwärters auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping, McLain Ward: Virginie Casterman und Lee McKeever. Das erfahrene Duo arbeitet schon seit vielen Jahren in der Branche und hat sowohl die Höhen als auch die Tiefen dieses Sports miterlebt. Casterman gehört seit Ende 2016 zum Team, eine vergleichsweise kurze Zeit angesichts der mehr als 30 Jahre, die McKeever schon für den us-amerikanischen Reiter arbeitet.

Als Team reisen sie zusammen mit Ward, der sie als „die Besten im ganzen Spiel“ bezeichnet, und seinen Pferden um die Welt. Sie wissen, wie man sich um die Spitzenpferde dieses Sports kümmern muss und was nötig ist, um beispielsweise die herausragende HH Azur – auch „Annie“ genannt, inzwischen 17 Jahre alt – fit, gesund und so gut in Form zu halten, dass sie auf dem höchsten Niveau dieses Sports Siege davontragen kann.

Die Geschichte hinter 'Queen' HH Azur

(Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) (Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

Mclain Ward hat zwei Rolex Grand Prix mit seiner 'Queen', HH Azur, gewonnen, einen in Genf und einen in 's-Hertogenbosch. Was für eine unglaubliche Leistung! Es ist wichtig, dass wir die Züchterin von HH Azur, Nathalie Beaufort, nicht vergessen, wenn wir die Frage stellen: „Wie war HH Azur als junges Pferd?“

 

Embryotransfer

Nathalie Beaufort träumte schon vor 18 Jahren von der Aufzucht eines Fohlens. Doch es lief nicht ganz reibungslos ab: „Mein Mann Pedro nahm an einem Wettbewerb mit der Mutter von Azur, Sion vd Zuuthoeve, teil. Ich fragte Pedro, ob er den Besitzer von Sion vd Zuuthoeve fragen könnte, ob ich einen Embryo von der Stute spülen könnte. Sion vd Zuuthoeve sollte eigentlich ein Dressurpferd werden, aber Pedro war mit ihr im Springsport sehr erfolgreich. Wir waren einverstanden und so brachten wir die Stute zum Tierarzt, um sie besamen zu lassen. Ich hatte mich bereits nach geeigneten Hengsten umgesehen und Pedro hielt Argentinus für eine gute Wahl. Wir haben es dreimal versucht, aber es hat einfach nicht geklappt. Der Tierarzt sagte, ein Sohn von Argentinus, Thunder van de Zuuthoeve, sei verfügbar. Er war ein junger Hengst und niemand kannte ihn, aber als ich ihn im Stall sah, verliebte ich mich sofort in ihn – er war fantastisch anzuschauen. Er kostete die Hälfte der Decktaxe von Argentinus und wir hatten frisches Sperma. Sie [Sion vd Zuuthoeve] wurde im ersten Versuch tragend und der Embryotransfer verlief sehr gut. Im folgenden Jahr wurde HH Azur geboren, ihr Geburtsname ist Azur Garden's Horses. Sie war ein wunderschönes Stutfohlen mit langen Beinen, und es war ein ganz besonderes Gefühl für mich, als sie geboren wurde. Sie blieb als Jährling und Zweijährige bei uns – ich mag es nicht, wenn meine jungen Pferde in einer großen Gruppe von jungen Pferden aufgezogen werden, da ich Angst vor Unfällen habe. Ich habe andere Fohlen aufgezogen, und manchmal, wenn sie von ihren Müttern abgesetzt wurden, lasse ich sie von einem älteren Pferd aufziehen. Ich habe kein anderes Fohlen wie HH Azur gezüchtet. Wenn man ein Fohlen wie HH Azur züchtet, ist es schwierig, die anderen Fohlen mit dem richtigen Auge zu beurteilen, da sie einfach so besonders war."

 

Ihre Karriere als Springpferd

Das nächste wichtige Kapitel für HH Azur begann, als sie drei Jahre alt wurde. Sie wurde angeritten und Schritt für Schritt auf eine Karriere im Sport vorbereitet. Nathalie erinnert sich: „Als sie drei Jahre alt war, haben wir die Arbeit unter dem Sattel angefangen. Es war unglaublich, jedes Mal, wenn man eine Übung machte, die sie noch nicht kannte, gab sie einem das Gefühl, dass sie diese Übung schon kannte. Es war so einfach für sie zu verstehen, was wir von ihr wollten. Nach ein paar Monaten sagte ich Pedro, dass wir mit dem Training aufhören und sie zurück auf die Weide lassen würden. Wenn sie vier Jahre alt war, würden wir wieder ein bisschen damit anfangen. Wir haben sie als Vierjährige vielleicht dreimal zu einem Wettbewerb mitgenommen, nur um zu lernen. Dann ging sie zurück auf die Weide, bis sie fünf Jahre alt war. Als Fünfjährige haben wir das Gleiche noch einmal gemacht, und als Sechsjährige nahm sie an einigen internationalen Jungpferdeprüfungen teil – nicht, um zu gewinnen oder sich zu platzieren, sondern wieder, um Erfahrungen zu sammeln. Das Wichtigste für uns war, dass sie verstand, was wir von ihr verlangten, und dass es ihr Spaß machte. Dann haben wir uns zu dreitägigen Turnieren hochgearbeitet. Schon als Sechsjährige durfte sie nach der Saison wieder auf die Weide – es ist sehr wichtig, dass die Pferde auf der Weide atmen und zu sich kommen können. HH Azur hat das alles gut verkraftet. Als wir siebenjährig wieder anfingen, erkannten die Leute sie und wunderten sich, warum sie so gut war. Wir wollten sie nicht fünf- oder sechsjährig der Welt zeigen, sondern bereits siebenjährig, um ihre Qualität unter Beweis zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt erhielten wir bereits Angebote von Leuten, die sie kaufen wollten. Pedro lehnte alles ab, weil er dachte, dass sie eine Olympiastute sein würde – er glaubte fest an sie, seit sie drei Jahre alt war, aber er merkte, dass er nicht gut genug für sie war, um sie zu reiten. Er war ein guter Reiter für das Zwei-Sterne-Niveau, und wir hatten auch keinen Sponsor oder viel Geld, um auf Top-Niveau zu reiten. Nur gut zu reiten, reicht nicht aus, auch das Drumherum muss gut sein.

Nathalie Beaufort and her own bred horse Thor de Beaufort (Photo: Nathalie Beaufort) Nathalie Beaufort and her own bred horse Thor de Beaufort (Photo: Nathalie Beaufort)

François Mathy

Der Erfolg von HH Azur blieb nicht unbemerkt. Das Interesse an ihr begann zu wachsen. Nathalie blickt zurück: „Am Ende ihres siebten Jahres kam François Mathy Sr. zu uns und war sehr angetan von ihr. Er fand, dass wir viel Geld für sie verlangten, aber eines Tages kam er mit McLain Ward vorbei, der von der Qualität von HH Azur sehr überrascht war. Pénélope Leprévost war auch da, um HH Azur auszuprobieren, das weiß niemand so genau, aber François Mathy Sr. arbeitete damals auch mit Pénélope. Zunächst wurde HH Azur von dem Spanier Diego Perez Bilbao, dem Reiter von François Mathy senior, in internationalen Prüfungen geritten. Ein paar Monate später ging HH Azur mit McLain Ward nach Amerika. Dort begann das nächste Kapitel von HH Azur.“¨

 

Emotionen

Für einen Züchter ist es mit vielen Emotionen verbunden, das Pferd, das er gezüchtet und aufgezogen hat, auf höchstem Niveau starten zu sehen. Wie fühlt es sich für Nathalie Beaufort an, HH Azur auf höchstem Niveau starten zu sehen? „Ich erlebe den Erfolg von HH Azur mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Zum einen bin ich sehr stolz auf sie und bewundere sie sehr, wenn ich sie mit McLain springen sehe. Aber gleichzeitig habe ich einen Kloß im Bauch, weil sie nicht mehr in meiner Nähe ist. Diese beiden Gefühle vermischen sich oft und treiben mir Tränen in die Augen. Azur verließ uns in der Morgendämmerung ihres achten Geburtstags. Wir haben uns über sieben Jahre lang um sie gekümmert, der Verkauf war emotional sehr schwer. Es schafft eine große emotionale Bindung, wenn Pferde so lange bei ihrem Züchter bleiben. Ich wusste, dass sie eine große Karriere vor sich hatte und dass die finanziellen Mittel, um dieses Niveau zu erreichen, nicht unbedeutend sind. Als sie mit McLain Ward als Reiter zur HH Farm aufbrach, war ich beruhigt. Es würde ihr in dieser neuen Struktur gut gehen, heute kann ich diese großartige Stute nur noch bewundern. Sie bleibt eine der schönsten Geschichten in meinem Leben mit meinen Pferden.“

(Photo: Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock) (Photo: Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock)

In der Geschichte des Pferdesports gibt es den einen oder anderen, dessen Name und Leistung für immer in die Geschichtsbücher eingehen werden. So sicherte sich etwa der britische Springreiter Scott Brash mit seinem Sieg im Rolex Grand Slam of Show Jumping im Jahr 2015 einen Eintrag in die Rekordbücher. Springsportfans in aller Welt warten nun gespannt darauf, ob sich McLain Ward zehn Jahre nach der Gründung der Turnierserie beim CHIO Aachen ebenfalls in diese illustre Liste einreihen wird. Der US-Amerikaner hatte bereits beim CHI Genf und The Dutch Masters gesiegt und wäre damit erst der zweite Gewinner dieser prestigeträchtigen Serie.

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping gilt als die ultimative Herausforderung im Springreiten und verknüpft vier der renommiertesten und traditionsreichsten Turniere der Welt: den CHIO Aachen, das CSIO Spruce Meadows Masters, den CHI Genf und The Dutch Masters. Nur wer drei der Majors infolge gewinnt, darf die begehrte Trophäe sein Eigen nennen. Ähnlich wie im Tennis oder Golf gelten die Majors des Rolex Grand Slam als die angesehensten und berühmtesten Turniere im Sport. Die Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen werden beim CHIO Aachen, dem Wimbledon des Reitsports, Ende Juni bis Anfang Juli eröffnet und ihren krönenden Abschluss beim The Dutch Masters 2024 finden.

Seit der Rolex Grand Slam of Show Jumping vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde, hat er den Springsport bedeutend geprägt. Er bringt vier Turniere zusammen, die allesamt in ihrem Streben nach Qualität und Perfektion vereint sind, und hat so einen neuen Standard für Springreitevents gesetzt. Die Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping blicken zusammen auf eine 300-jährige Geschichte zurück und sind tief in traditionellen Werten verwurzelt.

Mit seinem Prestige zieht der Rolex Grand Slam of Show Jumping immer wieder die weltbesten Pferd- und Reiterpaare an und sorgt so für einen Wettbewerb auf absolutem Spitzenniveau. Auch die gezielte Talentförderung gehört zum Rolex Grand Slam: Zu jedem der vier Majors werden jeweils zwei vielversprechende Nachwuchstalente eingeladen, um Erfahrungen auf höchstem Niveau zu sammeln.

Die vergangenen zehn Jahre des Rolex Grand Slam of Show Jumping haben einige der bemerkenswertesten Momente in der Geschichte des Sports hervorgebracht. Besonders im Gedächtnis bleiben dürfte wohl der Moment, als der britische Reiter Scott Brash nacheinander die Majors beim CHI Genf 2014, beim CHIO Aachen und schließlich beim CSIO Spruce Meadows ‘Masters’ 2015 gewann und so die Messlatte auf ein noch nie dagewesenes Niveau anhob. Noch bemerkenswerter ist, dass er dieses Meisterstück auf demselben Pferd, Hello Sanctos, vollbrachte und so als erster und bisher einziger Reiter den Sieg beim Rolex Grand Slam of Show Jumping davon getragen hat.

Der einzige Gewinner des Rolex Grand Slam of Show Jumping, Scott Brash, dazu: „Der Gewinn des Rolex Grand Slam of Show Jumping war ein unglaublicher Moment in meiner Karriere. Meine Gefühle und Emotionen, als ich die Trophäe in den Händen hielt, lassen sich mit Worten kaum beschreiben. Und das Ganze noch mit demselben Pferd zu vollbringen, macht es zusätzlich zu etwas Besonderem – Hello Sanctos ist ein wirklich einzigartiges Pferd.“

Marcel Hunze vom Lenkungsausschuss des Rolex Grand Slam of Show Jumping erklärte: „Der Rolex Grand Slam of Show Jumping ist eine unglaubliche Turnierserie, die vier hochkarätige Wettbewerbe zusammengebracht hat und die besten Pferde und Reiter der Welt anzieht. In den vergangenen zehn Jahren hat der Rolex Grand Slam of Show Jumping den Sport wirklich aufgewertet, nicht nur in Bezug auf die Qualität der Wettbewerbe, sondern auch im Hinblick auf die Unterhaltung der Fans und das Wohlergehen von Pferden und Pflegern.“

Der Olympiasieger und Weltmeister im Einzel, Rodrigo Pessoa, fügte hinzu: „Der Rolex Grand Slam of Show Jumping ist für den Sport bisher unglaublich wichtig gewesen. Die vier Majors sind etwas ganz Besonderes im Reitsportkalender und jeder Reiter und Besitzer träumt davon, sie zu gewinnen. Angesichts der Erfolge in den vergangenen zehn Jahren der Turnierserie bin ich sehr gespannt, was das nächste Jahrzehnt für uns bereithält.“

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HINWEIS AN DIE REDAKTION

ÜBER DEN ROLEX GRAND SLAM OF SHOW JUMPING

Der Rolex Grand Slam gilt als die ultimative Herausforderung im Springreiten, insbesondere angesichts der bemerkenswerten sportlichen Leistung, die für den Gewinn der Turnierserie erforderlich ist. Die besten Reiterinnen und Reiter der Welt kämpfen um den legendären Status, der mit dem Gewinn des Rolex Grand Slam of Show Jumping einhergeht.

Das System des Rolex Grand Slam ist simpel: Wer drei Turniere hintereinander gewinnt, darf die Rolex Grand Slam-Trophäe entgegen nehmen und erhält 1 Million Euro zusätzlich zum Preisgeld der einzelnen Grand Prix. Knüpft der Reiter dann an seine Erfolgsgeschichte an, indem er auch ein viertes Major gewinnt, erhält er zusätzlich einen weiteren Bonus von 1 Million Euro.

ROLEX UND DER PFERDESPORT

Mit mehr als einem Jahrhundert an Expertise und Erfahrung steht Rolex für Tradition und Uhrmacherkunst ebenso wie für Innovation und eine Leidenschaft für Perfektion. Diese Werte spiegeln sich auch in der Verbindung der Marke mit dem Reitsport wider. Seit mehr als 60 Jahren engagiert sich Rolex dauerhaft in diesem Elitesport und unterhält Partnerschaften mit den besten Reiterinnen und Reitern sowie den bedeutendsten Wettbewerben und Institutionen.

Im Rahmen dieser Tradition unterstützt Rolex die Entwicklung des Pferdesports und trägt dazu bei, die Exzellenz und Eleganz der prestigeträchtigen Sportart zu bewahren. Ob bei der Unterstützung von Spitzensportlern, dem historischen CHIO Aachen oder dem legendären Rolex Grand Slam of Show Jumping – Rolex baut sein Engagement ständig weiter aus, das bereits 1957 mit der Verbindung zur Springreiterin Pat Smythe ihren Anfang nahm. Die Britin hat den Pferdesport maßgeblich mitgeprägt und wurde die erste Rolex Markenbotschafterin in dieser Disziplin.

Photo: Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock Photo: Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock

McLain Ward und HH Azur gewinnen bei Dutch Masters zweiten Rolex Grand Prix in Folge

 

Die hochklassigste Prüfung des The Dutch Masters war der Rolex Grand Prix am Sonntag, eine Etappe des Rolex Grand Slam of Show Jumping. Das fachkundige Publikum in den Brabanthallen war bereits voller Vorfreude auf die Ritte unvergleichlicher Präzision, Unerschrockenheit und Athletik vonseiten der besten Springreiter und -reiterinnen der Welt. 35 Pferd- und Reiterpaare, darunter acht aus den aktuellen Top 10 der Weltrangliste, setzten alles daran, sich einen der prestigeträchtigsten Preise dieses Sports zu sichern: den Rolex Grand Prix.

Als Erster meisterte die Nummer eins der Weltrangliste, Henrik von Eckermann, den aus 17 Hindernisse bestehenden Parcours von Louis Konickx fehlerfrei. Er saß im Sattel von King Edward, mit dem er bereits bei der FEI-Weltmeisterschaft Gold geholt hatte. Der nächste Starter war der Franzose Julien Epaillard, der eine fehlerfreie Runde absolvierte und damit ein Stechen nötig machte. Rolex-Markenbotschafter Martin Fuchs, der aktuelle Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping, McLain Ward, sowie der Rolex Grand Prix-Gewinner des CHIO Aachen 2022, Gerrit Nieberg, bewiesen ebenfalls, dass sie zur Elite gehören, und sicherten sich einen Platz in der entscheidenden Runde. Wahre Begeisterungsstürme durch das niederländische Publikum gab es, als dem Gewinner des VDL Groep Preises von Freitagabend, Willem Greve, ein fehlerfreier Umlauf gelang.

16 Reiter, darunter die ersten vier der Weltrangliste, zogen ins Stechen ein, sodass den Fans ein wahrer Showdown aus Tempo und Geschicklichkeit bevorstand. Der Schwede Henrik von Eckermann eröffnete das Stechen mit einem atemberaubend schnellen Durchgang in nur 38,52 Sekunden. Doch seine Zeit wurde kurz darauf von Julien Epaillard um 0,46 Sekunden unterboten. Der aktuelle Anwärter, McLain Ward, zog das Tempo noch einmal an, um an seinen Chancen auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping festzuhalten. Mit einer um 0,09 Sekunden schnelleren Zeit schien der Franzose Simon Delestre bereits auf dem besten Weg, Ward den Sieg noch abzuringen, doch zu seiner großen Enttäuschung fiel schließlich doch noch der letzte Rolex-Oxer. So ging Ward als Gewinner hervor und konnte seinen Titel als Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping verteidigen.

Nach seinem außergewöhnlichen Sieg kommentierte McLain Ward: „Ich glaube, ich habe es noch gar nicht richtig begriffen. Es war so nervenzerreißend, den noch übrigen 12 Reitern im Stechen zusehen zu müssen. Das Niveau hier ist so hoch. Ich glaube, ich werde erst später heute Abend realisieren, was wir erreicht haben. Der Rolex Grand Slam of Show Jumping hat wirklich die Messlatte in diesem Sport höhergelegt, und ein Major zu gewinnen ist einer der großartigsten Augenblicke in der Karriere eines Reiters. Ich bin so stolz auf mein Team und mein Pferd – und auch ein kleines bisschen auf mich selbst.“

Auf die Frage nach seinem Pferd antwortete der Anwärter auf den Rolex Grand Slam: „Sie ist klüger als alle anderen und eine wahre Königin. Ich glaube, sie versteht, worum es geht, und legt sich wirklich ins Zeug. Sie liebt ihren Job, und die Partnerschaft, die wir uns erarbeitet haben, ist etwas ganz Besonderes. Wir bereiten sie jetzt auf den CHIO Aachen vor, wo wir beide versuchen werden, den Rolex Grand Slam of Show Jumping zu gewinnen.“

Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof

Interview mit:

Charlotte Attwell

 

Erzählen Sie uns ein wenig über Ihre Reise zum The Dutch Masters ...

Wir waren in den letzten Wochen in den Niederlanden und haben in Kronenberg an Turnieren teilgenommen und dann auch hier trainiert. Ich hatte also eigentlich eine sehr entspannte Fahrt zum The Dutch Masters, denn wir waren nur eine Stunde entfernt. Das war viel angenehmer, als sich von Großbritannien aus auf den Weg zu machen.

Sie sind zum ersten Mal beim The Dutch Masters mit dabei. Wie gefällt es Ihnen und wie sind die Bedingungen für die Pferde?

Die Bedingungen für die Pferde sind erstklassig – wir sind zum ersten Mal hier und ich bin wirklich beeindruckt. Das Wohlergehen der Pferde hat bei diesem Turnier Priorität und das sieht man auch in den Ställen und Arenen.

Sie sind viel mit dem Auto unterwegs. Wie unterhalten Sie sich auf langen Reisen?

Während langer Autofahrten singe ich gerne. Ich bin nicht sehr gut darin, aber es hält mich wach. Auch eine große Auswahl an Snacks ist hilfreich!

Können Sie uns ein wenig über die Pferde erzählen, die Sie mitgebracht haben, und über ihre Charaktere?

Wir haben Equine America Cacharel, unsere beste Stute, mitgebracht. Sie hat an den FEI-Weltmeisterschaften in Herning teilgenommen und absolvierte zahlreiche FEI Nations Cup™-Turniere. Wir lieben sie und sie hat einen tollen Charakter. Sie ist total verwöhnt und liebt ihre Leckerlis.

Das zweite Pferd, das wir mitgebracht haben, ist Equine America Bingo de Chateau. Er ist  sehr selbstbewusst und wird auch viel verwöhnt, aber vielleicht ist das meine eigene Schuld! Er ist wirklich einmalig in seiner Art und kann beim Training ziemlich ungezogen sein, ist aber unglaublich talentiert.

Außerdem haben wir in diesem Jahr ein neues Pferd namens Ebanking mitgenommen, einen neunjährigen Hengst. Das The Dutch Masters wird sein erstes 5*-Turnier sein. Wir sind also gespannt, wie gut er abschneidet und wie er auf die Atmosphäre reagiert. Derzeit scheint er in Topform zu sein.

Was können Sie tun, um einem Pferd zu helfen, wenn es nicht gerne reist?

Wir haben Glück, denn alle unsere Pferde haben sich so an das Reisen gewöhnt, dass sie sich wirklich gut benehmen. Sie trinken alle, haben ihre Heunetze und sind sehr ruhig.

Sind Sie gerne bei den Majors – The Dutch Masters, dem CHIO Aachen, Spruce Meadows und dem CHI Genf? Wodurch unterscheiden sie sich Ihrer Meinung nach von den anderen Turnieren?

Ich war beim CHI Genf und beim The Dutch Masters dabei und diese Majors haben ein ganz anderes Niveau als andere Veranstaltungen. Man ist einfach überwältigt, wenn man in der Arena ankommt und all die guten Bedingungen sieht. Jetzt muss ich noch zum CHIO Aachen und zum CSIO Spruce Meadows 'Masters'.

Was war Ihr stolzester Moment als Pferdepflegerin?

Mein stolzester Moment ist definitiv der Gewinn von Mannschaftsbronze bei den FEI-Weltmeisterschaften – besser geht es nicht. Ich war die ganze Woche über so nervös. Ich weiß noch, wie ich hinten gewartet habe, als wir erfahren haben, dass die Mannschaft eine Bronzemedaille gewonnen hat, das war ein unglaublicher Moment. Es ist wirklich schwierig, meine Gefühle in diesem Augenblick in Worte zu fassen. Es war eine großartige Teamleistung, auf die wir alle sehr stolz sind.

Wie oft reiten Sie?

Ich bin früher geritten, reite jetzt aber nicht mehr so oft, weil ich keine Zeit habe. Ich bin aber auch mit meiner Arbei vom Boden aus zufrieden und kümmere mich gerne um die Pferde und verwöhne sie.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten und am wenigsten?

Am wenigsten mag ich das Ein- und Ausladen des Transporters, weil es so zeitaufwendig ist. Am besten gefällt mir, eine Bindung zu den Pferden aufzubauen. Ich verbringe viel Zeit mit Cash und Bingo, da sie meistens mit mir unterwegs sind. Die Bindung, die man zu ihnen aufbaut, ist unglaublich, man kennt die Pferde wirklich in- und auswendig. Es ist wirklich schön, denn die Pferde wollen Zeit mit dir verbringen und dich sehen – das ist ein tolles Gefühl. Ich betrachte das nicht als Job, sondern als eine Lebensart, die ich liebe.

Wie sieht die Gemeinschaft der Pferdepfleger aus? Unterstützen sie einander?

Man bildet definitiv eine Gemeinschaft unter den Pferdepflegern, da man ständig auf Reisen ist und gemeinsam Turniere besucht. Wir tauschen uns immer aus, an welchen Turnieren wir  teilnehmen oder wohin es danach weitergeht. Es ist wirklich schön, dass man sich bemüht, einander im Auge zu behalten. Unser Team hat erst letztes Jahr mit den 5*-Turnieren begonnen, aber alle sind sehr nett und gastfreundlich. Es herrscht eine wirklich schöne Atmosphäre, da meistens alle zusammen essen gehen und gegenseitig Tipps austauschen.

Welche Eigenschaften muss man besitzen, um ein erstklassiger Pferdepfleger zu sein?

Man muss sich auf jeden Fall engagieren, denn sonst kommt man nicht weiter. Man muss auch gewinnen wollen! Jeder kann Pferdepfleger werden, denn man lernt alles  in der Praxis, aber es ist wichtig, dass man engagiert und lernwillig ist. Niemand ist am Anfang perfekt; man arbeitet sich definitiv nach oben. Es ist wirklich von Vorteil, Zeit mit anderen Pferdepflegern zu verbringen, denn man lernt so viel von ihnen und jeder hat seine eigenen Methoden. Es gibt keine richtige oder falsche Methode, man muss einfach herausfinden, was für einen selbst funktioniert.

Wie lautet der beste Ratschlag, den Sie jemals erhalten haben?

Der beste Rat, den ich erhalten habe, lautet, nicht in Panik zu geraten. Es ist wichtig, sich für seine Aufgaben Zeit zu nehmen und dafür zu sorgen, dass man alles richtig macht.

Welche drei Dinge würden Sie mitnehmen, wenn Sie auf einer einsamen Insel gestrandet wären?

Ich würde mein Handy, meinen Hund Otis und Chips mitnehmen, denn das ist ein toller Snack!

Photo: Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock Photo: Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock

Interview mit:

Leopold Van Asten

 

Was macht das The Dutch Masters so besonders?

The Dutch Masters ist ein außergewöhnliches Turnier. Ich wohne in der Nähe, mein Stall ist nur fünfunddreißig Minuten entfernt. Meine Freunde, Familie und Sponsoren kommen also alle zum Turnier, um mich zu unterstützen, und das macht es zu etwas ganz Besonderem.

Wie hat es sich angefühlt, 2017 den Rolex Grand Prix hier beim The Dutch Masters zu gewinnen?

Der Gewinn des Rolex Grand Prix hier beim The Dutch Masters im Jahr 2017 ist eine meiner schönsten Erinnerungen. Leider galt er nicht als Teil des Rolex Grand Slam of Show Jumping, da The Dutch Masters der Turnierserie erst im Jahr darauf beigetreten ist. Wie immer bei den Rolex Grands Prix war die Konkurrenz groß und es war ein unbeschreibliches Gefühl, vor dem heimischen Publikum den Sieg davon zu tragen.

Erzählen Sie uns ein wenig über das Pferd, mit dem Sie hier gewonnen haben ...

Ich habe damals VDL Groep Zidane N.O.P. geritten der inzwischen nicht mehr an Turnieren teilnimmt. Er steht auf einer Weide in der Nähe meines Hauses und ist immer noch gut in Form. Ich hatte eine fantastische Karriere mit ihm und wir haben mehrere Grand Prix gewonnen, aber hier beim The Dutch Masters war es schon etwas ganz Besonderes.

Wie sehen Ihre Ziele und Ambitionen für 2023 aus?

Im Moment konzentriere ich mich auf die FEI-Europameisterschaften. Ich stecke auch viel Energie in die Entwicklung und Ausbildung meiner jüngeren Pferde; ich habe zwei zehnjährige Pferde hier beim The Dutch Masters. Sie sind beide äußerst talentiert, deshalb freue ich mich sehr auf die kommende Saison.

Worauf sind Sie in Ihrer Karriere besonders stolz?

Der stolzeste Moment meiner Karriere war wohl der Gewinn des Rolex Grand Prix hier beim The Dutch Masters im Jahr 2017. Es war auch etwas ganz Besonderes, die niederländischen Meisterschaften in Valkenswaard zu gewinnen, da ich es als Heimatturnier betrachte  – ich habe die niederländischen Meisterschaften dreimal gewonnen, worauf ich sehr stolz bin.

Wie wichtig ist das Team, das hinter Ihnen steht?

Als Reiter ist man ohne ein Team, das einen unterstützt, einfach nicht wettbewerbsfähig. Die Pferdepfleger sind die wichtigsten Personen hinter den Kulissen, da sie unglaublich viel Arbeit hineinstecken und dafür sorgen, dass die Pferde zufrieden und in bester Verfassung sind. Wir haben auch ein fantastisches Team, das zu Hause bei den Pferden bleibt, die nicht mitfahren, das ist für die Ausbildung und Entwicklung der jüngeren Pferde unerlässlich.

Wer hat Sie im Laufe Ihrer Karriere am meisten inspiriert?

In meiner Jugend habe ich Reiter wie John Whitaker und Jos Lansink bewundert. Beide haben einen inspirierenden Werdegang hinter sich und man kann viel von ihnen lernen.

Welche Bedeutung hat der Rolex Grand Slam of Show Jumping für Sie als Reiter

Es ist eine unglaubliche Chance, dass der Rolex Grand Slam of Show Jumping in unserem Sport ins Leben gerufen wurde. Er hat den Reitsport deutlich aufgewertet und revolutioniert. Die vier Majors, die Teil des Rolex Grand Slam of Show Jumping bilden, sind die besten Turniere der Welt, und es ist ein unglaubliches Gefühl, an ihnen teilzunehmen.

Mit wem treten Sie am Sonntag beim Rolex Grand Prix an?

Ich habe vor, VDL Groep Nino Du Ruton zu reiten, der bei diesen 5*-Turnieren noch etwas unerfahren ist. Er ist bereits bei 1,55 m angetreten, aber ich glaube, er hat das Potenzial, am Sonntag eine gute Leistung zu bringen, auch wenn es eine Herausforderung wird. Er hatte letzte Woche ein gutes Turnier, deshalb werde ich mit ihm vor dem Rolex Grand Prix nur in der 1,40 m-Klasse springen. Hoffentlich wird es gut laufen. 

(Photo: The Dutch Masters / Digishots) (Photo: The Dutch Masters / Digishots)

Willem Greve und Grandorado TN N.O.P. gewinnen den Preis der VDL Groep

 

Im hellen Scheinwerferlicht der Brabanthallen traten insgesamt 39 Reiter aus 13 Nationen am Freitag, dem zweiten Tag des The Dutch Masters 2023, zur Hauptprüfung – dem VDL Groep Preis – gegeneinander an. Das beeindruckende Starterfeld wartete mit nicht weniger als 8 Reitern aus den aktuellen Top 10 auf, darunter der Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping, McLain Ward, die Nummer eins der Weltrangliste, Henrik von Eckermann, sowie der aktuelle Titelverteidiger des Rolex Grand Prix, Daniel Deußer. Hinzu kamen sieben Rolex-Markenbotschafter sowie 12 Reiter aus dem Gastgeberland, die es ebenfalls mit dem meisterhaft ausgeklügelten Parcours von Louis Konickx aufnahmen.

Als Erster betrat der Brite Scott Brash, der bisher einzige Gewinner des Rolex Grand Slam of Show Jumping, auf seinem neunjährigen Hengst Hello Valentine die Arena und lieferte eine fehlerfreie Runde ab. Als Zweiter tat es ihm Simon Delestre auf seinem temperamentvollen Cayman Jolly Jumper nach und machte damit ein Stechen erforderlich. Zur Freude des niederländischen Publikums gelang gleich drei Reitern aus dem Gastgeberland der Einzug in die zweite Runde, darunter der 60-jährige Loewie Joppen, der mit Havel van de Wolfsakker Z eine beeindruckende Leistung zeigte.

12 Pferd- und Reiterpaare sicherten sich einen Platz im Stechen, das aus einem verkürzten Parcours mit 8 Hindernissen bestand. Brash legte als erster Starter das Tempo vor und absolvierte in 42,10 Sekunden einen fehlerfreien Durchlauf. Seine Führung schien gefährdet, als ein entschlossener Delestre ihn mit einer Zeit von 37,54 Sekunden unterbot, dabei allerdings vier Fehlerpunkte hinnehmen musste. Janne Friederike Meyer-Zimmermann, die einzige Frau im Stechen, übernahm als Dritte im Parcours kurzzeitig die Spitzenposition, doch nach Delestres rasanter Runde war den nachfolgenden Reitern klar, dass die Zeit durchaus zu unterbieten war.

Die Führung wechselte mehrere Male, bevor der Niederländer Willem Greve das Publikum in helle Begeisterung versetzte, indem er auf Grandorado TN N.O.P. die Zeit ein weiteres Mal unterbot und einen fehlerfreien Durchlauf in 36,62 Sekunden absolvierte. Nun lag es an Rolex-Markenbotschafter Harry Charles als letztem Starter, Greve noch vom Thron zu stoßen, doch trotz einer beeindruckenden Darbietung aus Tempo und Wendigkeit reichten seine 37,93 Sekunden letztendlich nur für Platz zwei.

Nach der Prüfung kommentierte Greve: „Ich bin unheimlich glücklich über meinen Sieg vor meinem Heimatpublikum. Die erste Runde war schwer, aber machbar für die Pferde – es ist schließlich die zweitwichtigste Prüfung der Veranstaltung und muss somit eine echte Herausforderung darstellen. Und ich fand, es war ein großartiger Wettkampf. Ich habe dieses Pferd schon seit seinem dritten Lebensjahr und habe es im Laufe der Jahre bis auf dieses Niveau aufgebaut. Das macht diesen Sieg noch zusätzlich zu etwas Besonderem. Er ist einfach ein ganz tolles Pferd und ich habe den Winter über hart mit ihm gearbeitet, um ihn noch fitter und noch besser reitbar zu machen. Jetzt ist er in Topform und ich freue mich schon auf Sonntag.“

Auf die Frage nach seiner Taktik für das Stechen antwortete der Niederländer: „Ich war erst gegen Ende der Prüfung an der Reihe und so konnte ich vor meinem Start einigen der anderen Paare zusehen. Ich dachte mir, wenn es mir gelänge, das zweite Hindernis gut zu taxieren, könnte ich das nächste in sieben Galoppsprüngen erreichen und seine große Sprungweite dann bis zum letzten Hindernis zu unserem Vorteil nutzen. Und das hat prima funktioniert!“

(Photo: Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock) (Photo: Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock)

Interview mit:

Louis Konickx

 

Was macht das The Dutch Masters für Sie so besonders?

Das The Dutch Masters ist ein ganz besonderes Turnier, denn es zieht die besten Springreiterinnen und -reiter der Welt an, die hier in 's-Hertogenbosch gegeneinander antreten, das ist ein wirklich unglaubliches Erlebnis. Als wir 1994 das erste World Cup™-Finale ausgerichtet haben, war das ein ganz außergewöhnlicher Tag, der in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Die Fans hier zeigen so viel Begeisterung und Leidenschaft und sind sehr fachkundig – das macht dieses Turnier so einzigartig. Als Parcoursdesigner kann die Zeit vor einer Veranstaltung schwierig sein, denn man fragt sich unweigerlich, ob die Designs auch angemessen sind, aber man muss einfach Vertrauen in sich selbst haben.

Können Sie uns ein wenig über den Parcours für den Rolex Grand Prix am Sonntag erzählen?

Ich habe den diesjährigen Parcours für den Rolex Grand Prix zusammen mit meinem Assistenten Quintin Maertens entworfen, der großes Talent hat. Wir sind sehr zufrieden mit der Größe der diesjährigen Arena, denn sie ermöglicht es uns, viele Herausforderungen und unterschiedliche Distanzen einzubauen. Wir haben einige schwierige Linienführungen, die von den Reiterpaaren absolute Präzision in Bezug auf Rhythmus, Geschwindigkeit und Kraft verlangen.

Wie viele fehlerfreie Runden erwarten Sie?

Die Anzahl fehlerfreier Runden kann für den Parcoursdesigner ein Dilemma sein. In den Niederlanden und in vielen anderen Ländern mögen es die Fans, wenn es im ersten Umlauf viele Nullrunden gibt, denn damit wird das Stechen interessanter, besonders wenn jemand aus dem eigenen Land weiterkommt. Ich denke, ich wäre zufrieden, wenn am Sonntag etwa zwölf Reiterpaare ins Stechen kommen würden. 

Wer wird Ihrer Meinung nach den Rolex Grand Prix am Sonntag gewinnen?

Der erste Umlauf des Rolex Grand Prix kann gewissen Reiterinnen und Reitern zugute kommen, wie etwa Harrie Smolders, der eine unglaublich konstante Leistung bringt. In einem Stechen ist der Druck natürlich sofort deutlich höher und es herrscht eine ganz andere Atmosphäre, sodass bestimmte Reiter wie der Franzose Julien Epaillard, die unter einem solchen Druck sehr schnell und gut sind, sich hier an die Spitze setzen und gewinnen könnten. Ich hoffe natürlich, dass ein niederländischer oder belgischer Reiter den Sieg davon tragen wird, oder vielleicht sogar eine Legende des Sports wie Marcus Ehning.

Wie sind Sie zum Parcoursdesign gekommen?

In der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, gab es einen Parcoursdesigner, der bei den Reitern nicht besonders beliebt war – er gab sich zwar Mühe, war aber leider nicht besonders talentiert. Für eine erfolgreiche Parcoursgestaltung muss man den Raum verstehen und wissen, wie man ihn in den einzelnen Bereichen optimal nutzen kann. Ich erinnere mich, dass ich noch während meines Studiums, also im Alter von 25 Jahren, mit einem Vorschlag auf ihn zukam, was man in einer konkreten Arena anders machen könnte. Daraufhin empfahl er mir, mein Interesse am Parcoursdesign weiterzuverfolgen.

Ich habe neben meiner Ausbildung zum Parcoursdesigner weiter geritten, wodurch das Ganze zwar länger dauerte, ich aber auch Gelegenheit hatte, ein gewisses Verständnis aus der Sicht des Reiters zu entwickeln. Als ich dann Fortschritte gemacht habe, begannen die Leute, mir zu vertrauen, sodass ich bei besseren und renommierteren Turnieren mitarbeiten durfte. Ich erinnere mich, dass Arno Gego vom CHIO Aachen mich in Bezug auf ein Turnier in meiner Nähe kontaktiert und gefragt hat, ob ich Interesse hätte, als Assistent für ihn zu arbeiten. Das war ein großartiges Sprungbrett, denn so konnte ich als Assistent des wichtigsten Parcoursdesigners für einige der angesehensten Turniere der Welt arbeiten, was eine unschätzbare Lernerfahrung gewesen ist.

Welcher war der erste Parcours, den Sie als leitender Parcoursdesigner entworfen haben, und wann war das?

Der erste große internationale Parcours, den ich als Chefdesigner entworfen habe, war beim CHIO Rotterdam. Der Turnierleiter Emile Hendrix und Frank Kemperman gaben mir die Möglichkeit, den Parcours zu gestalten, und betonten, dass sie mir vertrauen und hinter meinen Vorschlägen stehen würden. Das war ein wichtiger Moment in meiner Karriere, und es ist unglaublich, wenn man bedenkt, dass das für Rolex war. Frank Rothenberger war ebenfalls an der Gestaltung des Parcours für dieses Turnier beteiligt.

Was sind Ihre Leidenschaften abseits der Parcoursgestaltung?

Ich reite immer noch und es ist mir immer noch wichtig, dieser Leidenschaft nachzugehen. Und ich habe wieder mit dem Gitarrenspiel begonnen - ich bin jetzt sogar einer neuen Gruppe beigetreten. Wir haben gestern Abend noch geprobt, ich bin zwar der Älteste, aber es ist ein sehr schönes Hobby.

Und schließlich bin ich früher mit meinem Bruder viel gesegelt, das ist also auch ein bevorzugtes Hobby von mir. Einmal war ich in Lausanne in der Schweiz und habe auf den Genfer See geschaut. In diesem Moment rief ich meinen Bruder an und erzählte ihm von meinem Wunsch, ein Segelboot zu kaufen. Zurzeit habe ich also ein recht großes Segelboot, mit dem ich und meine Töchter viel Spaß haben!

Welcher Parcoursdesigner hat Sie im Laufe Ihrer Karriere am meisten inspiriert?

Als Parcoursdesigner am meisten inspiriert hat mich Arno Gego. Er hat so viel zu unserem Beruf beigetragen und ihn maßgeblich beeinflusst. Er hat hart daran gearbeitet, eine Grundlage zu schaffen, auf der alle Parcoursdesigner aufbauen können, und er hat so viele Menschen dazu inspiriert, ihre Messlatte höher zu setzen.

Können Sie uns ein wenig über Ihre Beziehung zu Gerard Lachat erzählen?

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, fällt mir auf, dass mein Leben mit Rolex-Turnieren verknüpft ist, und das ist großartig. Ich habe Gerard in San Patrignano bei einem 5-Sterne-Turnier kennengelernt, zu dem ich eingeladen worden bin, bei der Gestaltung des Parcours mitzuwirken. Wir haben gemeinsam einige der besten Parcours der Welt entworfen, wie den Rolex Grand Prix beim CHI Genf und hier in 's-Hertogenbosch sowie den Parcours beim CHIO Rotterdam, die FEI-Weltmeisterschaft in Herning und viele andere. Wir haben eine Freundschaft aufgebaut, die über das Berufliche hinausgeht, und wir reiten auch heute immer noch zusammen.

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping wurde 2013 ins Leben gerufen und feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Welchen positiven Einfluss hat die Turnierserie auf den Sport?

Der Rolex Grand Slam hat viel für den Springsport getan, da er mit den verschiedenen Majors für Abwechslung sorgt – jedes hat seine ganz eigene einzigartige und fesselnde Atmosphäre. Als Parcoursdesigner ist es toll zu sehen, dass jedes Major seine eigene Handschrift trägt, die das Turnier so besonders macht. Da es jedes Jahr nur vier Majors gibt, gewinnen sie an Bedeutung und Prestige. Daher zieht der Rolex Grand Slam of Show Jumping die besten Reiterinnen und Reiter aus der ganzen Welt an. Er hat großen Einfluss auf den Sport und es ist der Traum vieler Reiter, bei den Majors anzutreten. Außerdem hat es die Reiter dazu gebracht, ihre Pferde strategisch einzusetzen und dafür zu sorgen, dass sie für jedes der Majors frisch sind – das kommt den Pferden zugute, da die Reiter sie nicht überfordern. Schließlich wollen sie sicherstellen, dass sie für diese Turniere in Bestform sind. 

 

(Photo: Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock) (Photo: Rolex Grand Slam / Thomas Lovelock)

Interview mit:

Marcel Hunze

 

Sie müssen froh sein, dass die diesjährige Ausgabe des The Dutch Masters wieder mit voller Zuschauerkapazität stattfindet.

Es ist großartig, nach mehreren schwierigen Jahren aufgrund der Pandemie eine umfassende Ausgabe ein The Dutch Masters erleben zu dürfen, bei dem die Zuschauer sowie das Gastronomie- Unterhaltungsangebot wieder voll dabei sind. Auch die Aftershow-Partys werden in diesem Jahr sehr unterhaltsam sein!

Wie lief die Planung für die diesjährige Veranstaltung?

Die Planung ist sehr gut gelaufen! Das Interesse der Fans, wieder mit dabei sein zu können, war sehr hoch. Daher läuft der Kartenverkauf sehr gut und wir erwarten viele Besucher und Aussteller beim Turnier – im Moment läuft also alles reibungslos.

Gibt es in diesem Jahr etwas Neues beim The Dutch Masters?

Im Jahr 2020 wurden viele Änderungen vorgenommen, aber leider musste die Veranstaltung nur eine Stunde vor Beginn des Springens aufgrund der Coronapandemie abgesagt werden. Für die diesjährige Ausgabe haben wir diese Änderungen nun umgesetzt, so dass die Teilnehmer und Besucher einige Unterschiede bemerken werden. Das Team hat neue Restaurants eingerichtet, die Einrichtungen für die Zuschauer verbessert und die Aufwärmhalle für die Reiterinnen und Reiter vergrößert. Wir hoffen, dass die von uns vorgenommenen Änderungen bei allen gut ankommen werden.

Welche Eigenschaften sind Ihnen bei Ihren Teammitgliedern wichtig? Was macht ein erfolgreiches Team aus?

Jedes Jahr arbeitet ein großes Team an dem Turnier – rund 1.500 Mitarbeiter sind während der Veranstaltung im Einsatz. Wir bemühen uns stets, eine vertrauenvolle Beziehunng zwischen Management, Mitarbeitern und Freiwilligen aufzubauen, damit wir effektiv zusammenarbeiten können. Unser Ziel ist es, eine langfristige Beziehung mit dem Team aufzubauen und dafür zu sorgen, dass sich jeder der hohen Standards bewusst ist, die wir bei The Dutch Masters anstreben. Dies ermöglicht einen effektiven Ablauf der Veranstaltung.

Was raten Sie jemandem, der in die Sportveranstaltungsbranche einsteigen möchte?

Mein wichtigster Rat lautet, möglichst viele unterschiedliche Erfahrungen in der Sportbranche zu sammeln und sich nicht nur auf den Bereich zu konzentrieren, für den man sich interessiert. Auf diese Weise kann man eine Vielzahl von Fähigkeiten und Kenntnissen erwerben, die einem später in der gewählten Sportart zugute kommen, und man lernt, wie die Branche im Allgemeinen funktioniert. Und schließlich ist es wichtig, ein Auge für Details zu haben, da dies zum Erfolg einer Veranstaltung beiträgt.

Was macht für Sie eine erfolgreiche Sportgroßveranstaltung aus?

Bei einer erfolgreichen Sportgroßveranstaltung muss ein Gleichgewicht zwischen Fans, Sponsoren und Medien hergestellt werden. Ich glaube, dass es für Sponsoren wichtig ist, dass die Gegebenheiten vor Ort fantastisch sind. Aber wenn es nur wenige Fans gibt, ist die Atmosphäre nicht dieselbe, was zu einer erfolglosen Veranstaltung führen kann. Ähnlich verhält es sich, wenn eine Veranstaltung keine Sponsoren hat, die sie unterstützen und in sie investieren, dann wird sie ebenfalls erfolglos sein. Meiner Meinung nach ist ein erfolgreiches Sportereignis eine Mischung aus Sponsoren, Athleten, Medien und anwesenden Fans, da sie am Ende des Tages alle aufeinander angewiesen sind.

In diesem Jahr jährt sich der erste Rolex Grand Slam of Show Jumping zum 10. Mal. Wie erfolgreich ist diese Serie  und wie hat sie den Sport positiv verändert?

Wir sind unglaublich stolz darauf, dass das The Dutch Masters im Jahr 2018 Teil des Rolex Grand Slam of Show Jumping geworden ist. Der Rolex Grand Slam ist eine fantastische Serie und unglaublich wichtig für den Springsport. Der Sport hat dadurch an Prestige gewonnen und auch das Niveau der Reiterinnen und Reiter, die an einer Teilnahme interessiert sind, ist gestiegen. In diesem Jahr treten acht der zehn führenden Springreiterinnen und -reiter bei dem Turnier an. Die Teilnahme stellt auch sicher, dass wir bei der Veranstaltung auf höchste Qualität setzen und dass wir als Organisatoren dieses Ziel niemals aus den Augen verlieren. Es ist ein großartiges Konzept für Reiter, Fans und Sponsoren – und definitiv ein voller Erfolg.

Lassen Sie und die Organisatoren des The Dutch Masters sich von anderen großen Sportveranstaltungen inspirieren, z. B. im Tennis oder Golf?

Es ist sicherlich von Vorteil, die Organisatoren anderer großer Sportwettbewerbe zu beobachten. Neben dem The Dutch Masters helfen wir auch bei der Organisation eines ATP-Tennisturniers in den Niederlanden. Es handelt sich um ein kombiniertes WTA- und ATP-Turnier, das im Vorfeld von Wimbledon auf Rasen ausgetragen wird. Wir wenden bei der Organisation von Tennis- und Springreitveranstaltungen verschiedene austauschbare Fähigkeiten und Methoden an, da beide voneinander profitieren können. Das hat uns die erfolgreiche Durchführung dieser Veranstaltungen ermöglicht.

(Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder) (Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder)

THE DUTCH MASTERS 2023

EIN BLICK AUF DIE REITER

 

Das The Dutch Masters findet vom 9. bis zum 12. März statt und mit ihm das erste Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping des Jahres 2023. Höhepunkt der viertägigen Veranstaltung, bei der einige der besten Pferd- und Reiterpaare vertreten sein werden, ist der Rolex Grand Prix am Sonntag. Das prestigeträchtige Event lockt diesmal acht Reiter aus der derzeitigen Top 10 der Weltrangliste sowie sieben Rolex-Markenbotschafter an, die allesamt ihr Augenmerk auf die besagte Spitzenprüfung gelegt haben dürften.

Rolex Grand Slam of Show Jumping – Ein Blick auf die Reiter

Der aktuelle Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping, McLain Ward, reist mit seinen beiden Spitzenpferden – HH Azur und Contagious – aus den USA an. Der Amerikaner, der mit seiner herausragenden Leistung im Stechen um den Rolex Grand Prix beim CHI Genf das Publikum begeisterte, scheint nach wie vor in Bestform zu sein und gewann erst kürzlich einen CSI 5*-Grand Prix beim diesjährigen Winter Equestrian Festival in den USA. Ward wird voller Zuversicht zum The Dutch Masters anreisen und hoffen, Europa zu beeindrucken.

Die diesjährige Veranstaltung verspricht eine der bisher schwierigsten zu werden, da zahlreiche ehemalige Major-Gewinner des Rolex Grand Slam of Show Jumping dabei sein werden. Allen voran Rolex-Markenbotschafter Daniel Deusser, Titelverteidiger des Rolex Grand Prix, der wieder im Scheinwerferlicht der Brabanthallen stattfinden wird. Der Deutsche ist ein starker Reiter und weiß nach seinen beiden Major-Siegen des vergangenen Jahres, wie er mit dem großen Druck bei diesen Turnieren umgehen muss. Somit wird er erneut alles daran setzen, der zweite Springreiter zu werden, der je den Rolex Grand Slam of Show Jumping gewonnen hat. Neben Deusser tritt auch sein Landsmann und Gewinner des Rolex Grand Prix beim CHIO Aachen, Gerrit Nieberg, an, der versuchen wird, zu seinem ersten Sieg bei dieser legendären Veranstaltung zu schaffen.

Die Nummer 1 der Weltrangliste, Henrik von Eckermann, ist ein weiterer beeindruckender Name auf der diesjährigen Teilnehmerliste. Der Schwede beendete die Saison 2022 mit einem sensationellen Sieg beim Rolex IJRC Top 10 Finale beim CHI Genf mit seinem unglaublichen Wallach King Edward. Von Eckermann ist ein absoluter Spitzenreiter und hält sich jetzt bereits seit sieben Monaten ununterbrochen auf Platz 1 der Weltrangliste. Als ehemaliger Gewinner des Rolex Grand Prix beim The Dutch Masters, den er 2019 auf seiner sensationellen Tovek’s Mary Lou gewann, werden alle Augen auf den Weltranglistenersten gerichtet sein, wenn er in die Hauptarena einreitet. Sein Landsmann Peder Fredricson, mit dem von Eckermann Mannschaftsgold bei der FEI-Weltmeisterschaft letzten Sommer gewann, wird ebenfalls in ’s-Hertogenbosch an den Start gehen.

Zwei der erfolgreichsten Springreiter der Schweiz, der Weltranglistenzweite, Martin Fuchs, und Steve Guerdat, werden ebenfalls antreten. Beide Reiter, auf deren Konto bereits sechs Rolex Grand Slam Major-Siege gehen, konnten diese begehrte Trophäe bisher noch nicht in seine Sammlung einreihen. Doch sie wissen, wie viel Präzision, Mut und Athletik von Pferd und Reiter für den Erfolg nötig sind, und werden am Sonntag zu den Favoriten in dieser Prüfung zählen.

Frankreich wird durch drei Reiter vertreten sein: Julien Epaillard, Simon Delestre und Kevin Staut. Epaillard, die Nummer 3 der Weltrangliste, gewann vergangenes Jahr über 75 internationale Prüfungen und wird nur schwer zu übertrumpfen sein, wenn er es am Sonntag bis ins Stechen schaffen sollte. Delestre und Staut sind starke, sehr talentierte Reiter mit einem Kontingent ebenso starker und talentierter Pferde und werden zweifellos um den Spitzenplatz in dieser angesehenen Prüfung wetteifern.

Das Heimpublikum wird erfreut sein, 14 niederländische Reiter in den Brabanthallen begrüßen zu dürfen. An der Spitze des niederländischen Kaders ist der Zweitplatzierte des letztjährigen Rolex Grand Prix, Harrie Smolders. Smolders, der dem niederländischen Team beim FEI Nations Cup™-Finale in Barcelona 2022 zum Sieg verhalf, wird alles daran setzen, seine Leistung des vergangenen Jahres zu überbieten und die Trophäe für sein Land zu holen. Weitere vielversprechende niederländische Reiter sind der Weltranglistenachte Maikel van der Vleuten sowie Willem Greve, der letztes Jahr Dritter in dieser Hauptprüfung wurde.

Der bisher einzige Gewinner des Rolex Grand Slam of Show Jumping, der Brite Scott Brash, ist als Konkurrent bei einem Rolex Grand Slam Major ebenfalls nicht zu unterschätzen. Brash reist mit zwei Mitgliedern seines Bronzemedaillen-Teams der FEI-Weltmeisterschaft an, den U25-Reitern Harry Charles und Joseph Stockdale. Charles, dem vergangenes Jahr der Sprung in die Top 15 der Weltrangliste gelang, zählt zu den größten Talenten des Sports und wird alles daran setzen, sich seinen ersten Sieg in einem Rolex Grand Prix zu holen.

Zu den weiteren Topkandidaten beim ersten Major des Jahres gehören der Österreicher Max Kühner, der diesen begehrten Titel 2021 gewann, der Silbermedaillengewinner in der Einzelwertung der FEI-Weltmeisterschaft, Jérôme Guery aus Belgien, sowie die Nummer 7 der Weltrangliste, der Brasilianer Marlon Modolo Zanotelli.

(Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) (Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

INTERVIEW MIT:

MCLAIN WARD

 

Herzlichen Glückwunsch! Sie sind Anwärter auf den Rolex Grand Slam. Wie fühlen Sie sich kurz vor dem The Dutch Masters? Mit welchem Pferd werden Sie beim Rolex Grand Prix antreten?

Ich freue mich wirklich sehr, dass ich beim The Dutch Masters teilnehmen und gegen die anderen antreten kann. Die vier Rolex Grand Slam Majors gehören zu den prestigeträchtigsten Events im Springsportkalender. Diese Majors haben den Sport wirklich aufgewertet, denn sie bieten eine Möglichkeit, Springsport von höchstem Niveau zu präsentieren.

Ich habe vor, mit zwei Pferdn anzutreten, HH Azur und Contagious, die beide auch beim CHI Genf am Start waren. Sie haben beim Winter Circuit bisher sehr gut abgeschnitten. Für HH Azur habe ich den Trainingsplan angepasst, um sicherzustellen, dass sie beim The Dutch Masters in Topform ist. Hoffentlich haben wir uns richtig vorbereitet, damit wir eine gute Leistung bringen können.

Was haben Sie seit dem Sieg des Rolex Grand Prix beim CHI Genf gemacht, und wie haben Sie sich und Ihre Pferde auf das The Dutch Masters vorbereitet?

Es ist wichtig, sich zwischen den Saisons Zeit für sich selbst zu nehmen, sich zu erholen und dann auch wieder vorzubereiten. Derzeit nehme ich am Winter Circuit in Wellington, Florida, teil. Dort werden zahlreiche verschiedene Prüfungen geboten, in denen alle meine Pferde antreten können. Für die Vorbereitung von HH Azur und Contagious auf das The Dutch Masters ist es wichtig, dass sie im Vorfeld des Turniers auch bei anderen Turnieren starten. HH Azur ist jetzt 17 Jahre alt, wir nehmen sie also nicht mehr so oft zu Turnieren mit. Sie soll nur noch bei den wichtigsten Turnieren antreten. Contagious startet hingegen häufiger bei Turnieren. Diese Woche möchte ich mit ihm zum Beispiel bei den 5*-Prüfungen hier in Florida teilnehmen. Das wird sein letztes Turnier sein, bevor wir nach Europa reisen.

Sie hatten in den letzten Wochen große Erfolge beim Winter Equestrian Festival. Wie wirkt sich das auf Ihr Selbstvertrauen vor dem The Dutch Masters aus?

Dank meiner tollen Besitzer, die meine Ziele mit großem Enthusiasmus unterstützen, habe ich eine Menge hervorragender Pferde zur Verfügung. Ich bin meinen Pflegern und meinem Team im Stall unglaublich dankbar, denn sie sorgen dafür, dass die Pferde immer frisch und gesund sind. Im Vorfeld dieser Majors stelle ich aber manchmal fest, dass ich innerlich ein paar Zweifel hege, ob wir uns richtig vorbereitet und die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Man kann sich diesbezüglich bis zum eigentlichen Tag des Turniers nie sicher sein. Aber es ist wichtig, dass wir Vertrauen in unsere Methoden und unser Training haben.

Sie werden die lange Reise von Amerika zu den The Dutch Masters antreten. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Pferde bequem reisen, damit sie weiterhin Höchstleistungen bringen können?

Mein Team und ich haben im Laufe der Jahre, in denen wir an vielen Turnieren im Ausland teilgenommen haben, viel Erfahrung auf diesem Gebiet gesammelt. Dadurch haben wir gelernt, wie man die Logistik des Reisens am besten organisiert. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich ein hervorragendes Team von Menschen um mich habe, die meine Pferde und mich unterstützen. Meine Pferdepfleger und Stallarbeiter gehen hervorragend mit den Pferden um. Man merkt, dass sie eine Leidenschaft für sie und die Branche haben.

Da wir in den Vereinigten Staaten ansässig sind, haben wir uns daran gewöhnt, zu Turnieren ins Ausland zu reisen, denn die Sportelite ist nun mal auf dem europäischen Festland zu Hause. Ich wollte schon immer gegen die Top-Springreiter antreten. Deshalb ist es wichtig, dass ich an Majors wie dem CHIO Aachen, dem CHI Genf und dem The Dutch Masters teilnehme. Die Pferde, die wir für diese Ereignisse auswählen, haben sich an das Reisen gewöhnt und kommen sehr gut mit den Veränderungen zurecht. Das Reisen mit Pferden erfordert immer viel Planung und Vorbereitung, aber mein Team ist mittlerweile Profi auf diesem Gebiet.

Wie sehen Ihre Ziele, Träume und Ambitionen für 2023 aus?

Mein Hauptziel für diese Saison ist es, dazu beizutragen, dass sich die USA für die Olympischen Spiele 2024 in Paris qualifiziert. Sobald wir die Qualifikation geschafft haben, wollen wir uns darauf konzentrieren, der beste Kader zu werden, der in Paris bereit für die internationale Bühne ist. Das ist das eigentliche Ziel, denn es ist immer eine große Ehre, sein Land vertreten zu dürfen.

Mein persönliches Ziel ist es, beim Rolex Grand Slam of Show Jumping weiterhin bei den Majors mit von der Partie zu sein. Ich lege jedes Jahr großen Wert auf diese Events, da es sich um herausragende Grands Prix handelt, die jeder für sich schon legendär sind. Ein beträchtlicher Teil des Jahres ist daher der Vorbereitung auf diese Events gewidmet, mit dem Ziel, dort eine großartige Leistung zu bringen. Am Tag selbst braucht man dann auch eine gewisse Portion Glück, dass die eigene Performance ausreicht und man gewinnt. Es ist extrem schwierig, mehrere Majors und damit den Rolex Grand Slam of Show Jumping zu gewinnen, was auch erklärt, warum das bisher nur eine Person, nämlich Scott Brash, geschafft hat. 

Sie hatten so viel Erfolg mit HH Azur. Erzählen Sie uns von ihr und was sie so erfolgreich macht?

HH Azur hat unglaubliche körperliche Fähigkeiten, aber was sie wirklich besonders macht, ist ihr Charakter. Im Herzen ist sie eine Kämpferin. Wenn ich von ihr spreche, verwende ich den Begriff „Königin", denn sie verkörpert diesen Begriff in jeder Hinsicht. Vor zwei Jahren dachte ich, dass ihre Karriere zu Ende sei. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt mehrere Verletzungen, die sie aber schließlich gut überwunden hat. Zu Beginn der Saison 2022 war sie so gut drauf wie nie zuvor und wir haben beschlossen, sie doch weiter bei Turnieren starten zu lassen und sie dann später in der Saison noch einmal anzuschauen. Am Ende wurde es das bisher beste Jahr ihrer Karriere. Man merkt ihr direkt an, dass sie wirklich mit Leidenschaft dabei ist und den Sport einfach liebt. So lange das so bleibt und sie glücklich damit ist, werden wir weiter mit ihr auf Turniere fahren. Sie kommt sowohl in der Halle als auch im Freien sehr gut zurecht und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Sie ist ein sehr intelligentes Pferd und versteht sehr viel von dem, was wir mit ihr machen. Ich liebe es, Zeit mit ihr zu verbringen, sei es beim Ausreiten, beim Training oder bei Turnieren – sie ist ein wirklich tolles Pferd.

Was motiviert Sie und macht Sie so erfolgshungrig?

Momentan bin ich sehr motiviert und habe das Gefühl, an einem guten Platz in meinem Leben zu stehen. Ich habe ein wirklich wunderbares Support-Netzwerk, sei es durch meine Familie oder die verschiedenen Besitzer. Ich genieße den beruflichen und persönlichen Umgang mit meinen Besitzern, denn wir haben dieselben Interessen, ähnliche Ziele und teilen offensichtlich auch dieselbe Leidenschaft. Es macht mir nach wie vor Spaß, neue Strategien auszutüfteln, um mich und die Pferde weiterzubringen und erfolgreich zu sein. Und ich glaube immer noch, in guter körperlicher Verfassung zu sein. Die Konkurrenz des Nachwuchses hält mich auf Trab und spornt mich an, immer in Topform zu bleiben.

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping feiert später im Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Wie stark hat diese Serie diesen Sport beeinflusst?

Das Engagement von Rolex und die Einführung des Rolex Grand Slam of Show Jumping hat unseren Sport, insbesondere die vier Majors, auf ein höheres Niveau gebracht. Wenn man sein Land einmal auf internationaler Ebene, z. B. bei den Olympischen Spielen, vertreten hat, ist das nächste bedeutende Ziel der Sieg bei diesen legendären Majors, denn dort kommen die besten Reiter der Welt zusammen.

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping stellt jedoch eine noch etwas größere Aufgabe dar, weil man drei Majors in Folge gewinnen muss. Im Gegensatz zu anderen Sportarten haben wir außerdem noch die Variable Pferd zu berücksichtigen. Die eigene mentale und körperliche Vorbereitung ist das Eine, aber dafür zu sorgen, dass das Pferd in Topform ist, ist noch einmal eine ganz andere Herausforderung. Den Rolex Grand Slam of Show Jumping zu gewinnen ist definitiv machbar, denn er wurde ja schon einmal gewonnen. Bleibt zu hoffen, dass dieses unglaubliche Kunststück noch einmal einem Reiter gelingen wird. Was mein Pferd HH Azur angeht, war sie bei den letzten drei Grand Slam Majors zwar fehlerfrei, aber leider hatten wir nur in einem Stechen Erfolg.

Die Aufgabe, den Rolex Grand Slam zu gewinnen, bringt das Beste in unserem Sport zum Vorschein, denn jeder trainiert darauf hin und tritt mit dem Ziel vor Augen an, sich den Sieg zu holen. In der letzten Saison haben wir beim CHI Genf das beste Stechen in der Geschichte unseres Sports erlebt, was die Messlatte für das Erreichbare noch einmal höher gelegt hat.

Wie entspannen Sie sich, wenn Sie nicht gerade reiten? Was machen Sie gern?

Ich habe das Glück, dass ich, abgesehen davon, dass ich versuche, den Kopf frei zu bekommen, nicht den Drang verspüre, Abstand vom Sport nehmen zu müssen. Ich liebe jeden einzelnen Aspekt davon. Ich habe das große Glück, dass ich auf zwei wunderschönen Farmen lebe, eine in Florida und eine in New York. Auch meine Familie hat Spaß an diesem Sport und ist aktiv dabei, so dass er für mich zur Lebensart geworden ist. Natürlich ist es wichtig, einen Ausgleich zu haben und Zeit abseits der Pferde zu verbringen, um den Kopf frei zu bekommen. Aber ich muss mich immer selbst daran erinnern, das auch zu tun.

Welchem Beruf hätten Sie, wenn Sie kein Springreiter wären?

Wahrscheinlich hätte ich am Ende hochklassige Immobilien und Siedlungen gebaut. Ich habe tatsächlich bereits mehrere Häuser gebaut und es macht mir wirklich Spaß. Ich schätze die Herausforderung beim Bauen und Renovieren von Gebäuden, denn durch die Gestaltung von Landschaften und Designs kann ich meine Kreativität ausleben. Außerdem hat es mit dem Springreiten viel gemeinsam, denn bei beidem muss man kreativ sein und vorausschauend denken.

Verfolgen Sie neben dem Springreiten noch andere Sportarten?

Ich verfolge die meisten Sportarten. Meine älteste Tochter ist eine regelrechte Sportfanatikerin und gemeinsam verfolgen wir mehrere Sportarten. Wir haben beide Spaß am Ehrgeiz, der sich entwickelt, wenn man verschiedene Disziplinen anschaut. Ich finde, es ist wichtig, sich auch über andere Sportarten zu informieren, damit man von der Wirtschaft und Politik lernen und deren Erkenntnisse auf unseren Sport übertragen kann.

Welche drei Dinge würden Sie mitnehmen, wenn Sie auf einer einsamen Insel gestrandet wären?

Ich würde meine drei Damen mitnehmen: meine Frau Lauren und meine Töchter Lily und Maddox.

(Photo: The Dutch Masters / Remco Veurink) (Photo: The Dutch Masters / Remco Veurink)

DIE HIGHLIGHTS DES THE DUTCH MASTERS

 

Das mit Spannung erwartete The Dutch Masters kehrt dieses Jahr vom 9. bis 12. März mit einem spektakulären Programm aus Sport und Unterhaltung zurück. Bei diesem ersten Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping des Jahres 2023 werden die weltbesten Pferd-Reiter-Paare wieder versuchen, einen der prestigeträchtigsten Preise des Springsports zu erkämpfen: den Rolex Grand Prix. Auch dieses Mal wartet das The Dutch Masters wieder mit einer zweiten Arena auf, in der traditionell der Großteil der nationalen Prüfungen dieses Turniers stattfinden.

Am Donnerstag, dem 9. März geht es in der Hauptarena mit dem FEI Dressage World Cup™ Grand Prix presented by RS2 Dressage los, bei dem sich die Zuschauer auf spektakuläre Eleganz, Präzision und Harmonie freuen können. Die Paare, die hier gemeinsam über den Sand „tanzen“, werden beim Publikum mit Sicherheit für Begeisterung sorgen. Die Britin Charlotte Fry und der traumhaft schöne schwarze Hengst Glamourdale zählen dabei klar zu den Favoriten, die in das Viereck einreiten. Die zweifachen Goldmedaillengewinner in der Einzelwertung der FEI World Championships 2022 haben seit ihrem Sieg in Herning immer mehr an Stärke gewonnen und beeindrucken Richter und Publikum gleichermaßen. Rolex-Markenbotschafterin Isabel Werth aus Deutschland und Dinja van Liere aus den Niederlanden werden ebenfalls versuchen, sich den ersten Platz zu sichern. Im weiteren Verlauf des Tages kommen Fans der Dressur in den Genuss einer Masterclass von einigen der weltbesten in dieser Disziplin des Reitsports, wie Charlotte Fry, Britt Dekker, Samantha Steenwijk und Anky van Grunsven. In der zweiten Arena stehen derweil mit zwei nationale Springprüfungen auf dem Programm.

Der Freitag in den Brabanthallen hat mit sieben Prüfungen, die in der Hauptarena und der zweiten Arena ausgetragen werden, ein actionreiches Programm zu bieten. Zunächst steht in der zweiten Arena die KNHS Para Dressuur Trophy an, bei der Para-Dressurreiter in einer Kür zu Musik antreten. Die Hauptprüfung findet später am Tag in der Hauptarena statt, wenn die weltbesten Springreiter den VDL Group Prize im Visier haben. Abseits der Dressur- und Springprüfungen steht für Besucher auch wieder eine große Auswahl an außergewöhnlichen Geschäften, Bars und Restaurants bereit.

Am Samstag am frühen Nachmittag geht der FEI Dressage World Cup™ mit der Kür zu Musik in die zweite Runde. Diese Prüfung ist eine der letzten Gelegenheiten für die Reiter, sich Punkte für die Qualifikation zum Finale des FEI Dressage World Cup™ zu sichern, das Anfang April in Ocala in Florida ansteht. Am Samstagabend findet wie immer das beliebte Van Schijndel Indoor Derby statt, und auch die größte Springprüfung des Tages, der Audi Preis. In der zweiten Arena stehen derweil den ganzen Tag über nationale Spring- und Dressurprüfungen auf dem Programm.

Am Sonntag dann werden alle die Augen auf die eine Prüfung gerichtet haben: den renommierten Rolex Grand Prix. Vierzig der besten Springpaare werden hier den von Louis Konickx fachmännisch gestalteten Parcours in Angriff nehmen, in der Hoffnung, aus dieser Prüfung als neuer Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping hervorzugehen. Mit gleich mehreren ehemaligen Major-Siegern im Starterfeld, wie dem Vorjahressieger und Rolex-Markenbotschafter Daniel Deusser und dem derzeitigen Anwärter McLain Ward, darf wohl mit einem harten Konkurrenzkampf gerechnet werden.

(Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder) (Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder)

McLain Ward gewinnt den Rolex Grand Prix

 

Bevor der Rolex Grand Prix – der Höhepunkt der 61. Ausgabe des CHI Genf – eingeläutet wurde, verabschiedeten sich 8.000 Fans von einem großartigen Rekordpferd, Martin Fuchs' legendärem Wallach Clooney 51, der im August 2021 in den Ruhestand gegangen war. Fuchs hatte dieses Major des Rolex Grand Slam 2019 mit dem inzwischen 16-jährigen Schimmel gewonnen und stolzierte zu stürmischem Applaus des Publikums sichtlich gerührt mit Clooney in jede Ecke der Genfer Arena, bevor er zum Abschluss eine kurze Rede zu Ehren seines treuen Gefährten hielt.

 

Danach wurde alles für den diesjährigen Rolex Grand Prix bereit gemacht, in dem 40 Pferd- und Reiterpaare aus 14 Nationen – darunter 16 Reiter aus den aktuellen Top 20 – antraten, die sich bei ihrer Jagd auf den Rolex Grand Slam allesamt einen der begehrtesten Preise dieses Sports sichern wollten. Die Parcoursdesigner Gérard Lachat und Louis Konickx hatten eine technische erste Runde über 14 Hindernisse zusammengestellt, gefolgt von einem Stechen über 9 Sprünge, falls zwei oder mehr Teams eine fehlerfreier Umlauf gelingen sollte.

 

Der Brite Ben Maher (Dallas Vegas Batilly) absolvierte den 1,60-m-Parcours als Erster fehlerfrei, kurz darauf gefolgt von dem Deutschen Daniel Deußer auf Scuderia 1918 Tobago Z. Nach der ersten Hälfte waren sieben weitere Reiter fehlerfrei ins Ziel gekommen, darunter Gilles Thomas (Calleryama), das französische Duo Kevin Staut (Scuderia 1918 Viking d'la Rousserie) und Simon Delestre (Cayman Jolly Jumper), die beiden Deutschen André Thieme (DSP Chakaria) und Christian Ahlmann (Dominator 2000 Z), der Däne Andreas Schou (Darc de Lux) sowie der Ire Shane Sweetnam (James Kann Cruz). In der zweiten Hälfte der Runde gelang nur vier weiteren Reitern der Einzug ins Stechen, da sich der Oxer-Liverpool (6A) als kniffligstes Hindernis mit den meisten Abwürfen erwies. Unter diesen Reitern waren die Publikumslieblinge Martin Fuchs (Leone Jei) und Elian Baumann (Little Lumpi E), der Amerikaner McLain Ward (HH Azur) und ein überglücklicher Daniel Bluman aus Israel (Ladriano Z), sodass schließlich 14 Paare zum Stechen antraten.

 

Der Anwärter auf den Rolex Grand Slam, Daniel Deußer, gab zu Beginn des Stechens das Tempo vor und setzte die nachfolgenden Starter als erster Reiter mit zwei fehlerfreien Runden in einer Zeit von zwei 42,58 Sekunden schwer unter Druck. Doch es sollte kein zweiter Major-Sieg in Folge für Deußer werden, denn der Franzose Simon Delestre unterbot Deußers Zeit um 0,12 Sekunden, nur um kurz darauf selbst von dem belgischen Nachwuchs-Talent Gilles Thomas um 1,58 Sekunden unterboten zu werden (40,88 Sekunden). Nachdem sowohl Christian Ahlmann als auch Rolex-Markenbotschafter Kevin Staut Fehler kassierten, raste der Gewinner der Credit-Suisse-Prüfung von Samstag, Shane Sweetnam, wie ein Besessener durch den Parcours, absolvierte eine fehlerfreie Runde und stieß Thomas in nur 40,48 Sekunden vom Thron, einer Zeit, die nicht zu schlagen zu sein schien. Doch der nächste Starter, Martin Fuchs, bewies, dass Thomas' Zeit durchaus zu unterbieten war. In unter 40 Sekunden (39,77 Sekunden) ritt er ins Ziel und brachte das Publikum damit zum Toben. Als sich der vorletzte Reiter, Daniel Bluman, einen Abwurf leistete, lag das Schicksal von Fuchs in den Händen des Amerikaners McLain Ward und seiner 16-jährigen braunen Stute HH Azur. Das für sein Tempo und seine Präzision bekannte Paar schwebte förmlich durch den Parcours, unterbot Fuchs' Zeit in den ersten beiden Abschnitten und übersprang schließlich das letzte Hindernis mehr als eine Sekunde schneller als der Schweizer. Damit ging das Paar in die Geschichte des Rolex Grand Slam ein und Ward wurde schließlich zum neuen Anwärter. 

Seinen ersten Major-Sieg im Rolex Grand Slam of Show Jumping und dessen Bedeutung inmitten seiner bisherigen Karrieresiege kommentierte McLain Ward wie folgt: „Den Rolex Grand Prix in Genf zu gewinnen, zählt zu den allergrößten Augenblicken. Olympische Goldmedaillen, der Grand Prix in Calgary – das ist ein ganz besonderer Moment.“

Und auf die Frage, was den CHI Genf zu so einem besonderen Austragungsort macht, erklärte McLain Ward: „Die Menschen! Es ist einfach spektakulär, die Atmosphäre, die Umgebung, die Organisatoren und Sponsoren machen alles so besonders, dass die Teilnehmer zu Hochform auflaufen.“

(Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder) (Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder)

Meet the Next Gen mit:

Alexandra Amar

 

Was macht den CHI Genf zu einer so besonderen Veranstaltung?

Es ist ein Heimatturnier und schon allein deshalb etwas Besonderes, weil man vor seinen Landsleuten antritt. Das ist wirklich schön. Ich für meinen Teil wurde schon dreimal ausgewählt, beim CHI Genf anzutreten, was mir sehr viel bedeutet. Michel Sorg, der für die Auswahl [des Schweizer Teams] verantwortlich ist, glaubt immer an mich und gibt mir immer eine Chance. Und natürlich ist der CHI Genf das schönste Hallenturnier der Welt und deshalb ist es immer ein ganz besonderes Gefühl, hier anzutreten.

Sind Ihre Schweizer Kollegen wie Martin Fuchs und Steve Guerdat eine große Inspiration für Sie?

Als kleines Kind habe ich mich immer in die Warteschlange gestellt, um ein Autogramm von Martin und Steve zu bekommen. Zusammen mit Ihnen anzutreten, bedeutet mir also sehr viel. Ich habe davon geträumt und hart dafür gearbeitet, jetzt mit ihnen hier zu sein, ist wie ein wahr gewordener Traum. Dieses Jahr können wir auch über Edouard [Schmitz] reden, der in den Fünf-Sterne-Turnieren antritt. Er hatte bisher ein fantastisches Jahr und ich halte ihn inzwischen für ein Idol, von dem wir uns alle inspirieren lassen können.

Mit welchen Pferden treten Sie diese Woche an?

Ich musste hier diese Woche eine kleine Enttäuschung hinnehmen, denn ich habe ein sehr unerfahrenes Pferd zu dieser Prüfung mitgebracht, um ihm eine Chance zu geben, aber vielleicht war es etwas zu früh. Ich spreche von Lyon van de Plataan. Er ist zehn Jahre alt, ein superschnelles und sehr ehrgeiziges Pferd, vor allem auf diesem Niveau. Aber die Arena hier ist ihm ein bisschen unheimlich.Es gibt so vieles zu sehen, dass es für ein unerfahrenes Pferd vielleicht etwas zu früh war. Aber er ist definitiv ein Pferd für die Zukunft, das wir im Blick behalten werden.

Auf welches Ihrer Nachwuchspferde freuen Sie sich am meisten?

Das ist eine leichte Frage! Ich habe zurzeit eine Siebenjährige, die mein Trainer Constant Van Paesschen reitet. Sie ist ein wunderbares Pferd und ich glaube, nächstes Jahr wird sie ganz bestimmt in den höheren Prüfungen antreten. Ich hole sie diesen Winter wieder zu mir und bin schon ganz aufgeregt. Ich liebe dieses Pferd. Wir haben sie selbst gezüchtet, also bin ich buchstäblich mit ihr zusammen aufgewachsen. Ich glaube, in zwei Jahren werden wir sie bei einigen der größten Springturniere der Welt sehen – sie ist fantastisch.

Wie sehen Ihre Träume und Ziele für 2023 aus?

Ich wurde erneut für das Schweizer Team ausgewählt, also würde ich gern meinen Platz behaupten und an einigen Nations-Cup-Turnieren teilnehmen. Und natürlich würde ich wirklich gerne etwas weiter aufsteigen, denn dafür arbeite ich hart. Vielleicht kann ich mein erstes Fünf-Sterne-Turnier in St. Gallen reiten oder werde zum ersten Mal für ein anderes großes Turnier ausgewählt. Das wäre auf jeden Fall ein Traum für nächstes Jahr.

Worauf sind Sie in Ihrer Karriere besonders stolz?

Da gab es schon so einige sehr glückliche Augenblicke. Ich muss wohl sagen, letztes Jahr, als ich auf Vinci [Du Gue] Schweizer Meisterin wurde – das war etwas ganz Besonderes, für das ich hart gearbeitet hatte, dort fehlerfrei durchzukommen, war sozusagen die Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Ich bin wirklich stolz darauf, wie ich mich bei den Meisterschaften geschlagen habe und wie mein Pferd mit mir und für mich gekämpft hat. Deshalb war das wahrscheinlich der bisher schönste Augenblick in meiner Karriere.

Wer hat Sie im Laufe Ihrer Karriere am meisten inspiriert?

Definitiv mein Vater. Mein Trainer, Constant Van Paesschen, ist auch sehr wichtig für mich. Er hat mich in diesem Sport zum Erfolg geführt und mir durch Höhen und Tiefen hindurch geholfen. Aber mein Vater hat mir wirklich viele wichtige Dinge beigebracht, nicht nur im Sport, sondern auch Lebensweisheiten, die man auf den Sport übertragen kann. Er hat mich gelehrt, eine Kämpferin zu sein und mich nie hängenzulassen, meinen eigenen Weg zu gehen und einfach meine Ziele zu verfolgen. Ich glaube, das ist die wertvollste Lektion, die mir jemand hätte erteilen können.

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der eine Karriere im Springreiten in Erwägung zieht?

Glaube an deine Träume. Ich war auch mal ein kleines Kind, das in der Warteschlange stand und auf ein Autogramm der Reiter gewartet hat und eben diesen Reitern mit Sternchen in den Augen zugesehen hat. Aber man darf nicht glauben, dass es leicht ist. Es ist ein schwerer Weg, es ist wichtig nicht aufzugeben und für seine Träume zu kämpfen.

Wie stark hat der Rolex Grand Slam of Show Jumping Ihrer Meinung nach den Sport beeinflusst?

Rolex ist schon immer ein wunderbarer Sponsor und ein wunderbarer Unterstützer des Sports gewesen – sie haben diese Rolex-Grand-Slam-Tour zu etwas Legendärem gemacht. Scott Brash hat auch dazu beigetragen, als er den Rolex Grand Slam gewann, was ich für unmöglich gehalten hatte, aber er hat das Unmögliche möglich gemacht. Für mich ist es einfach ein zeitloses Konzept. Es besteht aus vier der größten Turniere der Welt, den vier Wettkämpfen, von denen jeder Reiter träumt, dass er einmal daran teilnimmt und gewinnt. Der Rolex Grand Slam of Show Jumping wird immer eine ganz besondere Serie sein und das Herz jedes einzelnen Reiters der Welt wird immer dafür schlagen.

Was sind Ihre Leidenschaften abseits des Springreitens?

Ich studiere Jura, ich würde sagen, dass ich auch zu 100 Prozent in meinem Studium aufgehe. Es ist zu einer Leidenschaft geworden. Ich schätze, das ist wohl nötig, um Jura studieren zu können, denn wenn man es nicht liebt, wird man es auch nicht schaffen. Ich spiele Tennis, was mir dabei hilft, vom Springreiten abzuschalten – ich glaube, wir alle brauchen etwas, wo wir eine kurze Auszeit nehmen und andere Luft zu schnuppern können, wenn das Springreiten mal etwas zu erdrückend wird. All meine Hobbys haben mehr oder weniger mit Sport und dem Studium zu tun.

(Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder) (Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder)

Vetcheck mit:

Dr. Marco Hermann

 

Was ist Ihre Aufgabe beim CHI Genf?

Ich bin beim CHI Genf der verantwortliche-Tierarzt der FEI. Meine Aufgabe ist es, das veterinärmedizinische Reglement der FEI zu prüfen und dafür zu sorgen, dass es korrekt umgesetzt wird. Das beginnt mit der Organisation des Tierärzteteams und der Untersuchung der Pferde bei der Ankunft – wir stellen sicher, dass sie gesund sind, keinerlei Anzeichen des EHV-Virus zeigen und einsatzbereit sind. Weitere wichtige Aufgaben sind die Durchführung von Dopingtests und die Behandlung von Pferden vor Ort, die sich unwohl fühlen oder lahmen.

Haben Sie bereits bei anderen internationalen Pferdesportveranstaltungen gearbeitet?

Ich hatte das Glück, schon bei vielen verschiedenen internationalen Veranstaltungen für die FEI tätig zu sein. Ich war 30 Jahre lang der tierärztliche FEI-Beauftragte beim CSI Zürich und fast 40 Jahre lang in dieser Funktion beim CSIO St. Gallen tätig. Außerdem war ich Leiter des Tierärzteteams beim CHI Basel und bei der FEI-Weltmeisterschaft.

Das ist jetzt mein zweites Jahr als verantwortlicher Tierarzt beim CHI Genf. Früher konnte man durchgehend für eine Veranstaltung arbeiten, aber heutzutage muss das Tierärzteteam alle drei Jahre wechseln, also wird 2023 mein letztes beim CHI Genf sein.

Wie wichtig ist die Ernährung für das Wohlergehen eines Pferdes?

Das Wohlergehen eines Pferdes ist sehr wichtig – meiner Meinung nach ebenso wichtig wie das der Reiter, obwohl es bei den Tieren nicht so umfassend erforscht ist wie bei den Menschen. Der Verdauungstrakt eines Pferdes benötigt sehr viele Ballaststoffe, aber viele Menschen neigen dazu, die Ernährung eines Pferdes ähnlich zu betrachten wie die eines menschlichen Athleten. Die Menschen verabreichen ihren Pferden heutzutage Futter mit vielen hochkonzentrierten Inhaltsstoffen – Pferde können aber so ein Futter nicht verwerten, weil ihr Verdauungstrakt noch derselbe ist wie vor 100 oder sogar vor 1000 Jahren. Meiner Ansicht nach ist die althergebrachte Fütterung die beste und die Nahrungsergänzungsmittel, die inzwischen verkauft werden, sind nicht für den natürlichen Organismus eines Pferdes geeignet.

Warum haben Sie sich für den Beruf des Pferdetierarztes entschieden? Hat Sie jemand dazu inspiriert?

Es war ganz leicht für mich – schon in der Schulzeit wollte ich immer Pferdetierarzt werden. Ich glaube nicht, dass mich irgendjemand inspiriert hat, sondern aus irgendeinem Grund war mir schon immer klar, dass ich das werden wollte. Ich bin noch nicht einmal in einer Pferdefamilie aufgewachsen – meine Familie interessierte sich mehr für Autos.

Auf welche berufliche(n) Leistung(en) sind Sie besonders stolz?

Wenn man älter wird, realisiert man, dass man schon vieles erreicht hat. Ich glaube, worauf ich am stolzesten bin, ist mein guter Ruf in der Schweiz und dass ich ein angesehenes Mitglied der Veterinärgemeinschaft und für mein Fachwissen bekannt bin. Ich habe viele Kolik-Operationen durchgeführt, als ich noch eine Praxis hatte und habe eine Privatklinik aufgebaut, die ich vor fünf Jahren verkauft habe. Sie genießt noch immer einen ausgezeichneten Ruf,darauf bin ich sehr stolz.

Was macht Ihnen an der Arbeit als Pferdetierarzt am meisten Spaß?

Das Schönste an der Arbeit als Pferdetierarzt ist es, dass ich mit Pferden arbeiten kann – sie sind die Liebe meines Lebens. So viel Zeit mit ihnen verbringen zu können, ist ein Privileg, obwohl ich mir manchmal wünschte, nicht mit ihren Besitzern umgehen zu müssen, aber das ist leider nicht möglich! Ich liebe es, Pferde zu behandeln und herauszufinden, wie ich ihnen helfen kann, damit sie nicht mehr lahmen und wieder gesund werden.

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der Pferdetierarzt werden möchte?

Ich glaube, dass die jüngere Generation heutzutage mehr Interesse an dem „Life“-Aspekt der „Work-Life-Balance“ hat, aber wenn man Pferdetierarzt sein will, muss man mit Leib und Seele dahinterstehen. Man muss ganz für diesen Beruf leben, denner wird mehr aus „Work“ als aus „Life“ bestehen. Eine weitere wichtige Eigenschaft, die man meiner Meinung nach besitzen muss, ist Geduld – sie ist eines der wichtigsten Dinge, die man braucht, um mit Pferden zu arbeiten.

Wie sieht ein typischer Tag für Sie aus?

Das ist schwer zu sagen, weil ich jetzt im Ruhestand bin und mein Leben etwas mehr genießen kann. Ich muss nicht mehr den ganzen Tag über zu Kunden fahren, wie ich es viele Jahre lang getan habe – manchmal von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends. Früher habe ich auch die Studenten in der Klinik unterstützt. Heutzutage haben Tierarztpraxen sieben Tage die Woche rund um die Uhr geöffnet, da ist es auch manchmal notwendig, die ganze Nacht lang zu operieren.

Ich habe noch immer einige Kunden wie Steve Guerdat und Martin Fuchs, die zu den besten Springreitern der Welt gehören. Ich arbeite privat vom Auto aus und brauche deswegen keine Klinik und auch keine Angestellten mehr.

Erzählen Sie uns ein wenig über Ihr Team beim CHI Genf …

Beim CHI Genf sind ständig vier Tierärzte vor Ort, einschließlich des Präsidenten der Veterinärkommission, eines assoziierten Mitglieds und der behandelnden Tierärzte. Es hängt davon ab, bei welcher Veranstaltung man arbeitet, aber generell gilt, je mehr Pferde, desto mehr Tierärzte müssen vor Ort sein. Beim CSIO St. Gallen sind zum Beispiel ständig fünf oder sechs Tierärzte vor Ort.

Sie sind jetzt im Ruhestand. Was glauben Sie, welches Vermächtnis Sie dem Reitsport hinterlassen haben?

Jetzt im Ruhestand verbringe ich viel Zeit damit, Seminare abzuhalten, vor allem für Amateure, die nicht bei hochrangigen Turnieren antreten. Oft haben sie neben ihrem Pferd noch einen Vollzeitjob und ich glaube, dass ihnen manchmal gar nicht klar ist, wie komplex Pferde sind, weil sie nicht ihre ganze Zeit mit ihnen verbringen. Ich versuche, sie darüber aufzuklären, was Pferde brauchen, um Bestleistung zu erbringen, wie man sie richtig füttert und wie man ein besserer Reiter wird.

Das Wohl des Pferdes untermauert das, wofür der Rolex Grand Slam of Show Jumping steht. Wie stellen Sie sicher, dass dies aufrechterhalten wird und die veterinärmedizinischen Standards ständig verbessert werden?

Für mich ist Kommunikation das A und O. Wir müssen alle Interessengruppen dieser Branche in die Gespräche einbinden, auch die Reiter, Pfleger, Besitzer und Offiziellen. Wir müssen alle Aspekte des Sports berücksichtigen, aber vor allem müssen wir uns immer vor Augen halten, dass das Pferd stets im Mittelpunkt dieser Gespräche stehen sollte.

Das kann manchmal schwierig sein, weil es um viel Geld geht und die Menschen auch ihre eigenen ehrgeizigen Ziele in diesem Sport verfolgen. Aber es ist so wichtig anzuerkennen, dass Pferde Lebewesen und keine Maschinen sind – man kann sie nicht einfach ein- und ausschalten wie ein Auto.

Was kann und sollte Ihrer Meinung nach noch getan werden, um das Wohl der Pferde zu verbessern?

Ich finde, dass wir vielleicht die Anzahl der Turniere und großen Prüfungen begrenzen sollten, die die Pferde im Verlauf des Jahres absolvieren. In unserem Sport gibt es so viele großartige und gut organisierte Veranstaltungen wie die Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping, dass sich einem sehr viele Gelegenheiten bieten, auf allerhöchstem Niveau anzutreten. Oft ist das Preisgeld so hoch, dass die Reiter versucht sind, an immer mehr Prüfungen teilzunehmen. Deswegen haben die Pferde oft nicht genug Zeit, sich zwischen den Prüfungen richtig auszuruhen und zu erholen. Ich glaube, dass die meisten Spitzenreiter das verstehen, aber wir sollten Ihnen meiner Meinung nach dabei helfen, eine Entscheidung dahingehend zu treffen, welchen Weg sie verfolgen wollen und wie ihr Jahresplan für jedes einzelne ihrer Pferde aussehen soll – letztendlich kann dadurch eine Überlastung der Pferde verhindert werden, was wiederum das Wohlergehen der Pferde verbessert.

(Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) (Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

Henrik Von Eckermann gewinnt das Rolex IJRC Top 10 Finals

 

In einer bis auf den letzten Platz besetzten Genfer Palexpo-Arena sah das Publikum voll gespannter Erwartung zu, wie zehn der besten Springreiter der Welt mit ihren vierbeinigen Partnern um die Ehre kämpften, zum Champion im Finale der Rolex IJRC Top 10 des Jahres 2022 gekrönt zu werden. Das sehr internationale Starterfeld, das sich über die FEI-Springreiter-Weltrangliste vom November für diese angesehene Prüfung qualifiziert hatte, bestand aus Reitern aus Frankreich, Schweden, Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz, den USA und Brasilien, die zweifellos Springreiten vom Feinsten präsentieren würden.

Nur vier Reitern gelang es, die erste Runde des von Gerard Lachat entworfenen Parcours fehlerfrei zu absolvieren, darunter der Gewinner der Trophée de Genève von Donnerstagabend, Marlon Modolo Zanotelli, die aktuelle Nummer eins der Weltrangliste, Henrik von Eckermann, sowie die formstarken Reiter Simon Delestre und McLain Ward. Die schnellste fehlerfreie Runde absolvierte der Franzose mit einer Zeit von 65,90 Sekunden. Zwar waren die Reiter mit Fehlern aus der ersten Runde noch immer im Rennen – vor allem der Schwede Peder Fredricson mit nur einem Zeitstrafpunkt und der Niederländer Harrie Smolders mit einem Abwurf –, doch leider sollte es nicht Ben Mahers Abend werden, nachdem er mit Exit Remo insgesamt 31 Strafpunkte kassierte.

Es folgte die zweite Runde, in der es um alles ging. Als Erster startete der Brite Ben Maher. Diesmal gelang ihm mit seinem dreizehnjährigen braunen Wallach ein fehlerfreier Umlauf – ein kleiner Trost. Lokalmatador Martin Fuchs konnte mit Conner Jei keinen Druck machen, nachdem das Paar 12 Strafpunkte kassiert hatte, während Julien Epaillard und McLain Ward mit je einem Abwurf vom Platz ritten. Der Schwede Peder Fredricson gab nach einem fehlerfreien Durchlauf das Tempo an und schloss die Runde mit einem Punkt ab. Doch sein Teamkollege, der einzigartige Henrik von Eckermann, war noch einen Hauch besser und schaffte somit als erster Reiter zwei fehlerfreie Runden mit seinem Superstar unter den Pferden, dem Wallach King Edward. Die letzten beiden Reiter, Marlon Modolo Zanotelli und Simon Delestre, waren fest entschlossen, diese Leistung zu toppen. Doch dazu sollte es nicht kommen, als die Stute des Brasilianers nach einem kurzen Zögern das vorletzte Hindernis abwarf und der Franzose trotz zweier fehlerfreier Runden nicht genug Tempo machen konnte und mehr als neun Zehntel langsamer als von Eckermann ins Ziel ritt, der zu seiner großen Freude schließlich zum Champion der 21. Ausgabe dieser renommierten Prüfung gekrönt wurde.

Begeistert darüber, dass er seinen Erfolg vom vergangenen Jahr überboten und eins seiner Karriereziele erreicht hatte, kommentierte Henrik von Eckermann seinen Sieg wie folgt: „Ja, definitiv – es war eins meiner Ziele nach der Weltmeisterschaft. Ich habe King Edward eine Ruhepause gegönnt und wollte ihn langsam wieder aufbauen.. Diese Prüfung hier zu gewinnen, ist schon seit vielen Jahren eins meiner Ziele gewesen. Schon beim Rolex IJRC Top 10 Finale in Stockholm, nach dem Sieg von Daniel Deußer, bin ich durch den Parcours gegangen und habe zu Eleonora [Ottaviani] gesagt, dass ich diese Prüfung eines Tages auch gern gewinnen würde. Es ist also ein ganz besonderer Augenblick für mich.“

(Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder) (Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder)

Interview mit:

Gerard Lachat

 

Was macht den CHI Genf Ihrer Meinung nach zu einem so besonderen Turnier?

Die besondere Infrastruktur der Veranstaltung macht den CHI Genf so besonders: Alles befindet sich unter einem Dach, was die Erreichbarkeit für die Reiter erleichtert. Die Springreiter müssen nicht ins Freie und sie haben kurzen Weg zu ihrem Hotel, das sich ganz in der Nähe befindet. Diese problemlose Erreichbarkeit ist ein Grund dafür, warum die Reiter das Turnier in Bezug aufgrund der guten Logistik schätzen. Da es sich um ein Major des Rolex Grand Slam handelt, gibt es einige erstaunliche Parcourspläne und Prüfungen mit ehrgeizigen Reitern, was das Wettbewerbsniveau erhöht. Die Zusammenarbeit mit Rolex sorgt für eine prestigeträchtige Atmosphäre. Es ist deutlich erkennbar, dass hinter der Veranstaltung eine Menge Geld steckt und das motiviert die Reiter noch mehr, daran teilzunehmen.

Was für eine Art von Parcours haben Sie für den Rolex Grand Prix am Sonntag vorbereitet?

Es ist ein ziemlich langer Parcours, ähnlich wie im letzten Jahr, mit 14 Hindernissen, darunter zwei Zweifache-Kombinationen und eine Dreifache-Kombination, was ihn zu einem echten Grand-Prix-Parcours macht. Wir haben den Parcours des CHI Genf anders angelegt als die Rolex Grand Slam-Parcours in Aachen und Calgary, denn dort gibt es zwei Umläufe und ein Stechen. In Genf lassen wir die Reiter keine zwei Runden absolvieren, wodurch sich der Parcours verlängert, etwas schwieriger gestaltet und mit einem Stechen versehen werden kann.

Wie viele fehlerfreie Runden erwarten Sie? 

Es ist immer mehr oder weniger dasselbe, wir visieren acht oder zehn Runden ohne Fehler an. Wenn wir zwölf haben, sind es zu viele – in diesem Fall wäre es für uns alles andere als zufriedenstellend. Normalerweise versuchen wir immer, auf weniger als zwölf zu kommen, aber eigentlich streben wir acht fehlerfreie Runden an. Das ist die ideale Anzahl, aber wenn es sechs oder sogar zehn sind, ist das auch in Ordnung.

Welche Kombination hat Ihrer Meinung nach die besten Chancen, den Rolex Grand Prix am Sonntag zu gewinnen?

Viele der Reiter, die am Rolex Grand Prix beim CHI Genf teilnehmen, zeigen großartige Leistungen. Es ist wichtig, ein Pferd zu haben, das über Geschicklichkeit und Schnelligkeit verfügt und insgesamt in guter Verfassung ist. Ein weiterer Faktor, der sich auf die Leistung eines Reiters auswirkt, ist seine persönliche Fitness am Wettkampftag. Alle Reiter, auch die besten, können schlechte Tage haben. Wir haben das zum Beispiel bei Ben Maher gesehen, der viele Grands Prix gewonnen hat. Ich habe gestern mit ihm gesprochen und er sagte, er hoffe, dass sein Glück das ganze Wochenende lang anhält. Er ist ein guter Springreiter, da er jede Situation und jeden Wettbewerb realistisch betrachtet und seine Konkurrenten genau studiert. Im Moment ist er in Topform und er hat Pferde, die ebenfalls in Topform sind.

Es gibt immer einen Reiter, der Phasen erlebt, in denen er in großartiger Form ist und fantastische Siege erringt. Diese Reiter sind oft diejenigen, die an der Spitze der Rangliste stehen, wie Steve Guerdat, Martin Fuchs und Henrik von Eckermann. Diese Reiter haben in letzter Zeit unglaubliche Erfolge erzielt. Aber dann kann ganz plötzlich ein relativ neuer Reiter wie Julien Epaillard hinzustoßen, der noch nie die Nummer eins in der Welt war, der aber definitiv über die entsprechenden Fähigkeiten verfügt, dieses Ziel eines Tages zu erreichen. Es besteht die Möglichkeit, dass Julien an diesem Wochenende gut abschneidet, wenn z. B. von Eckermann eine schwächere Leistung zeigt.

Wann haben Sie als leitender Parcours-Designer Ihren ersten Parcours entworfen?

Leider erinnere ich mich nicht mehr genau an meinen allerersten Parcours, aber ich bin mir sicher, dass er niedrige Abmessungen hatte. Ich würde sagen, es war ein Springen über 1,00 m oder 1,10 m. Ich erinnere mich jedoch an den ersten großen Wettbewerb, den ich in St. Gallen gestaltet habe – und an den Druck, der dabei auf mir gelastet hat. Leider haben wir an diesem Wochenende schlechtes Wetter gehabt, so dass nur zwei Prüfungen stattfanden konnten. Ein paar Wochen später habe ich beim CHI Genf mehr Erfahrung und Verantwortung gewinnen können und es ist relativ gut gelaufen.

Haben Sie auch andere Leidenschaften als den Reitsport? Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?

Um es ganz offen zu sagen, habe ich nicht viel Zeit für mich selbst, denn ich habe immer noch meinen Zuchtbetrieb, um den ich mich kümmere. Wir haben viele Fohlen und junge Pferde, die viel Aufmerksamkeit und Geduld bei der Ausbildung benötigen. Zu Hause haben wir auch Fohlen, um die ich mich kümmere. Wenn ich also etwas freie Zeit habe, tue ich nicht viel, um mich zu entspannen.

Hat Sie ein bestimmter Parcours schon einmal besonders begeistert? 

Ehrlich gesagt kann ich mich nicht für einen Parcours entscheiden, denn es gab so viele, die mir gefallen haben. Der letztjährige Rolex Grand Prix-Parcours beim CHI Genf war zum Beispiel meiner Meinung nach der beste Grand Prix-Parcours, den ich je entworfen habe. Die Prüfung kam beim Publikum und bei den Reitern gut an und obwohl sie während der Pandemie stattgefunden hat, war ich stolz darauf, wie sie gestaltet war.

Andererseits gibt es viele Parcours, die von anderen entworfen wurden, die mir gefallen und die ich für erfolgreich halte. Auch hier kann ich mich nicht für einen einzelnen entscheiden, obwohl mir der Kurs bei der diesjährigen Weltmeisterschaft in Herning sehr zugesagt hat. Ich habe Louis Konickx als Assistent begleitet, alle von ihm für die Weltmeisterschaften entworfenen Parcours haben mir gefallen.

Zudem habe ich mehrere Parcours im Fernsehen gesehen, den Parcours in Tokio 2020 habe ich zum Beispiel sehr positiv wahrgenommen. Sein Design war erfolgreich – es war ein sehr professioneller Parcours, der mehrere Schwierigkeiten und mehrere technische Linienführungen beinhaltet hat. Ich hatte das Glück, die Pläne zu erhalten und ich kann bestätigen, dass er sehr technisch ausgerichtet war. Das war interessant zu sehen – es war eine großartige Veranstaltung.

Gibt es einen Parcours-Designer, der Sie mehr als andere inspiriert hat?

Es ist schwer zu sagen, ob mich einige mehr als andere inspiriert haben, aber es gibt definitiv Parcours-Designer, die mich zu meinem heutigen Erfolg geführt haben. Ich bin zum Beispiel von Rolf Lüdi inspiriert und beeinflusst worden und im Laufe meiner Karriere hatte ich Gelegenheit, mit mehreren Designern zusammenzuarbeiten, was sehr hilfreich war. Schon früh hat sich mir die Gelegenheit geboten, mit Louis Konickx zusammenzuarbeiten und das war großartig, denn wir hatten die gleiche Herangehensweise und die gleichen Vorstellungen, was die Linienführung bei Turnieren angeht. Unsere Art der Zusammenarbeit war einfach großartig – wir haben uns gegenseitig bei unseren Ideen unterstützt, aber auch konstruktives Feedback zu unseren Linienführungen gegeben. Wir haben konstruktive Kritik aneinander geübt und am Ende des Tages haben wir das gleiche Ziel vor Augen gehabt – den Sport voranzubringen. Bei der Arbeit mit ihm gab es keinerlei Spannungen. Ich hatte außerdem die Gelegenheit, zweimal mit Uliano Vezzani zu arbeiten. Das war eine ganz andere Erfahrung, denn wir haben unterschiedliche Herangehensweisen und einen anderen Arbeitsstil, aber er ist ein unglaublicher Mensch.

(Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder) (Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder)

Interview mit

Alban Poudret

 

Erzählen Sie uns bitte etwas über Ihre Rolle als Sportdirektor beim CHI Genf und Ihr Team

Ich bin seit 30 Jahren Sportdirektor beim CHI Genf. Davor war ich im Kommentatorenteam tätig und habe einige andere kleine Aufgaben beim Turnier übernommen. In meiner Rolle bin ich sowohl für den Sport als auch für die Unterhaltung verantwortlich – dazu gehören Attraktionen, Vorführungen und das gesamte Spektakel rund um das Turnier. Wir haben ein unglaubliches Team – Sophie [Mottu Morel], Michel [Sorg] und ich, wir sind ein tolles Trio und besprechen alle unsere Ideen miteinander. Ich stelle neue Ideen und deren Finanzierungsmöglichkeiten vor und wenn wir zufrieden sind, präsentieren wir sie dem gesamten Ausschuss.

Der Ausschuss besteht aus 25 Personen, davon kommen 10 Personen aus dem Pferdesport, die anderen 15 Mitglieder sind keine Reiter, sondern z. B. Architekten, Finanz- oder Sicherheitsexperten, die für den Erfolg und den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung sorgen.

Die Gruppen treffen sich regelmäßig und wir alle tauschen unsere Gedanken und Meinungen zu den verschiedenen Konzepten aus. Es ist ein sehr demokratischer Prozess, wir stellen sicher, dass die Mehrheit mit den Ideen einverstanden ist, bevor wir sie umsetzen.

Während des Turniers erhalten wir zusätzliche Unterstützung von anderen Personen, wie Philippe Guerdat, dem Vater von Steve. Philippe hat seine sportliche Karriere im Jahr 1996 beendet und unterstützt mich seitdem hinter den Kulissen des CHI Genf. Er spricht mit den Reitern über das Gelände, ihre Wünsche und wie wir Dinge verbessern können. Es gibt so viele Menschen, die zu dem Erfolg beitragen, den dieses Turnier heute feiert.

Wir haben gehört, dass Sie Statistiken lieben – was sind Ihre Lieblingsstatistiken der letzten 30 Jahre?

Ja, ich liebe Statistiken und Fakten – ich verbringe viel Zeit damit, sie zu sammeln, vor allem historische Fakten und Rückblicke auf die verschiedenen Generationen des Sports. Für meine Zeitschrift [Le Cavalier Romand] habe ich die Medaillengewinner aller Meisterschaften seit 1912 sowie die Gewinner aller großen Grands Prix des letzten Jahrhunderts zusammengetragen. Die meisten Medaillen hat Ludger Beerbaum gewonnen, dann kommt John Whitaker, dann Rodrigo Pessoa, dann Steve Guerdat an vierter Stelle und Hans-Günter Winkler an der fünften – es ist sehr interessant, die verschiedenen Generationen zu vergleichen und gegenüberzustellen.

Beim CHI Genf hatten wir ursprünglich keine Liste mit den Siegern in den wichtigsten Prüfungen, also habe ich ein Verzeichnis der verschiedenen Gewinner erstellt. Steve Guerdat hat 12 wichtige Prüfungen beim CHI Genf gewonnen, darunter dreimal den Rolex Grand Prix und zweimal das Rolex IJRC Top 10-Finale. Rodrigo Pessoa hat 10 der wichtigsten Prüfungen gewonnen, Kent Farrington neun.

Dieses Jahr haben wir Francisco „Paco“ Goyoaga Mollet, einen spanischen Reiter in der Altersklasse U25, zur Teilnahme am CHI Genf eingeladen. Er ist beim CHIO Aachen auf mich zugekommen und hat mir erzählt, dass sein Großvater zweimal den Rolex Grand Prix beim CHI Genf gewonnen hat. Außerdem hat er hier die Trophée de Genève und den Nations Cup gewonnen – bis 1983 durften wir die Nation-Cup-Wettbewerbe in der Halle austragen, seitdem müssen sie in Europa im Freien stattfinden.

Wie hat sich in Ihrer Zeit beim CHI Genf die Qualität des Sports entwickelt?

Ich muss sagen, sie hat sich unglaublich verändert. Vor dreißig Jahren konnten vielleicht acht oder zehn Reiter den Rolex Grand Prix am Sonntag gewinnen, aber heute sind 30 der 40 Starter im Rennen. Es ist nicht einmal garantiert, dass sich die besten Reiter überhaupt für den Rolex Grand Prix qualifizieren. Es ist bemerkenswert, wie eng der Wettbewerb heutzutage ist und ich frage mich, ob das auch in Zukunft so bleiben wird. Die Pferde sind heute so gut – das bedeutet, dass man mit einem nahezu perfekten Pferd starten muss, um eine Chance auf den Sieg zu haben. Auch die Technik der Reiter hat sich stark verbessert, die Größe der Teams ist gewachsen und insgesamt ist alles sehr professionell. Deshalb denke ich manchmal darüber nach, wohin uns der Weg als nächstes führen könnte. Aktuell lässt sich festhalten, dass die Situation fair ist, was zum Teil den Parcoursdesignern zu verdanken ist, die sehr klug sind und verstehen, dass sie den Reitern und ihren Pferden Herausforderungen bieten müssen, aber nur sehr behutsam und schrittweise.

Als Organisatoren haben wir auch eine Verantwortung für die Entwicklung des Sports. Wir müssen zum Beispiel sicherstellen, dass wir die Tür offen halten, damit künftige Springtalente an Wettkämpfen teilnehmen und sich weiterentwickeln können. Wir sind stolz darauf, Victor Bettendorf aus Luxemburg eingeladen zu haben, der schon so viele 4* Grands Prix gewonnen hat, aber noch nicht die Chance hatte, bei den 5* Turnieren zu starten. Donnerstag Abend ist er bei der Trophée de Genève auf dem zweiten Platz gelandet!

Wir erhalten viele Angebote von Reitern, für die Teilnahme am CHI Genf zu bezahlen. Wir sind jedoch fest entschlossen, solche Angebote immer abzulehnen, um unsere Werte und unsere Philosophie beizubehalten, denn wir wollen sicherstellen, dass die talentiertesten Reitsportler hier antreten, und nicht nur diejenigen, die sich die Teilnahme finanziell leisten können. Als Organisatoren haben wir eine große Verantwortung, die Weiterentwicklung des Sports sicherzustellen.

Was ist Ihr persönliches Highlight beim CHI Genf?

Wir haben so viele tolle Momente erlebt. Steves [Guerdat] erster Sieg beim Rolex Grand Prix hier im Jahr 2006 war etwas ganz Besonderes. Er gewann mit Jalisca Solier, die sich er erst seit September 2006 in seinem Besitz befand und zuvor noch nie in einem 5* Grand Prix gesprungen war. An dem Tag, an dem er das Pferd erhielt, rief er mich an und sagte, dass er es mit dieser Stute für möglich halte, den Rolex Grand Prix beim CHI Genf zu gewinnen und an den Olympischen Spielen 2008 in Peking (Hongkong) teilzunehmen – und er hat beides erreicht. Seitdem hat Steve noch zweimal den Rolex Grand Prix beim CHI Genf und zweimal das Rolex IJRC Top 10-Finale gewonnen, aber ich glaube, sein erster Sieg war der emotionalste.

Ein weiteres Highlight für mich war der unglaubliche Sieg von Martin Fuchs beim Rolex Grand Prix im letzten Jahr, der damit zwei historische Siege in Folge erzielte. In diesem Jahr freue ich mich wirklich auf die Verabschiedungszeremonie am Sonntag, wenn der unglaubliche Clooney [51] in seinen verdienten Ruhestand gehen wird.

Letztes Jahr haben wir den Hallencross eingeführt, den der Schweizer Robin Godel die Klasse gewonnen hat. Es war für ihn ein wirklich hartes Jahr, da er leider zuvor sein Pferd während des Geländerittes bei den Olympischen Spielen in Tokio verloren hatte. Es war wirklich schön, dass er sein Jahr mit einem Erfolgserlebnis beenden und mit einer positiven Einstellung in das Jahr 2022 gehen konnte.

Nächstes Jahr werden es 10 Jahre, seit der Rolex Grand Slam of Show Jumping ins Leben gerufen wurde; was war Ihr bisher schönstes Erlebnis?

Ich habe zwei Lieblingserinnerungen. Zum einen war es unglaublich, den Sieg von Nick Skelton mit Big Star beim CHIO Aachen zu sehen, wo er den Rolex Grand Prix gewonnen hat. Die beiden waren für mich ein magisches Paar und dass sie den ersten Rolex Grand Prix im Rahmen des Rolex Grand Slam of Show Jumping beim CHIO Aachen gewinnen konnten, war ein ganz besonderes Ereignis. Dann war es phänomenal mitzuerleben, wie Scott Brash mit Hello Sanctos drei Majors in Folge gewonnen hat, zumal wir dachten, wir müssten 20 oder 30 Jahre oder noch länger warten, bis jemand diese unglaubliche Leistung vollbringen würde. Wir wussten dadurch, dass nicht nur Scott, sondern auch unser Konzept gewonnen hat!

(Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder) (Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder)

MARLON MODOLO ZANOTELLI UND VDL EDGAR M GEWINNEN DIE TROPHÉE DE GENÈVE

 

Am Freitag, dem zweiten Tag des CHI Genf 2022, der in der berühmten Arena des Palexpo in Genf staffindet, sind 50 Reiter aus 15 Nationen zur umkämpften Hauptprüfung – der Trophée de Genève – angetreten. Das hochkarätige Teilnehmerfeld umfasste nicht weniger als 17 Reiter aus den aktuellen Top 20 der Weltrangliste, wie etwa den Weltranglistenersten Henrik von Eckermann aus Schweden und seinen schwedischen Landsmann Peder Fredricson, den Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping Daniel Deusser, den Lokalmatadoren Martin Fuchs und den früheren Major-Sieger Max Kühner, die alle auf ein gutes Ergebnis bei diesem 1,60-m-Kombinationsspringen über 13 Hindernisse gehofft haben, um sich für den Rolex Grand Prix am Sonntag zu qualifizieren.

Nach der ersten Hälfte des Parcours, der von Gérard Lachat entworfen wurde, kamen 12 der 25 gestarteten Reiter über nicht unüberwindbar erscheinende Hindernisse ohne Fehler ins Stechen, darunter der amtierende Einzel-Olympiasieger Ben Maher, der in guter Form befindliche Amerikaner McLain Ward und der letztjährige Sieger des Coupe de Genève, Harry Charles mit seinem Pferd Borsato. Nach der Pause bekamen die Zuschauer sechs weitere fehlerfreie Runden und einige außergewöhnliche Leistungen der Reiter zu sehen, darunter den aufstrebende 24-jährige Gilles Thomas, ein wichtiges Mitglied des belgischen Teams, das 2022 das Finale des Nations Cup gewonnen hat. Für den 23-jährigen Briten Joseph Stockdale, Debütant beim CHI Genf, hat es leider nicht gereicht, da er sich nach einer sehr guten Runde einen Zeitfehler leistete.

Im Stechen zeigte sich schon früh, dass der verkürzte Parcours eine größere Herausforderung darstellte als der erste Umlauf: Das britische Duo Maher und Charles, das schwedische Duo von Eckermann und Fredricson sowie das amerikanische Duo Kraut und Ward absolvierten den Kurs allesamt mit Fehlern. Der letztjährige Rolex-Grand-Prix-Sieger Martin Fuchs und Shane Sweetnam widersetzten sich diesem Trend und sprangen beide fehlerfrei, wobei der Ire die Zeit des Schweizer Maestros um beeindruckende 12,06 Sekunden unterbieten konnte, was uneinholbar zu sein schien. Der einzige luxemburgische Vertreter, Victor Bettendorf, übertraf Sweetnam jedoch schon bald und konnte ihn um 0,28 Sekunden auf den zweiten Platz verweisen. Mit nur noch einer Handvoll Reitern schien Bettendorf die Sache in der Hand zu haben, doch ein entschlossener Marlon Modolo Zanotelli aus Brasilien absolvierte das Stechen über eine Sekunde schneller als Bettendorf und holte sich so den Sieg mit seinem Superstar-Hengst VDL Edgar M.

Modolo Zanotelli war von der Leistung seines 13-jährigen Fuchswallachs in beiden Runden begeistert: „Er war unglaublich – er hat eine fantastische Saison hinter sich, und dies ist sein letztes Turnier in diesem Jahr. So früh im Turnier einen Sieg zu erringen, ist definitiv etwas ganz Besonderes.

„Ich hatte das Glück, gegen Ende des Stechens zu starten, so dass ich die anderen Reiter beobachten konnte und wusste, was ich zu tun hatte. Ich kenne mein Pferd mittlerweile unglaublich gut und weiß, wo seine Stärken liegen, so dass ich zu Beginn des Parcours etwas riskieren konnte – zum Glück hat das heute zum Sieg gereicht.“

Mit Blick auf den Rolex Grand Prix am Sonntag und auf die Frage, ob er mit Edgar antreten wird, meint Modolo Zanotelli: „Das ist der Plan, aber morgen springe ich mit Like A Diamond im Finale des Rolex IJRC Top 10, also werden wir sehen, wie sie sich schlägt und dann eine endgültige Entscheidung treffen.“

(Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder) (Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder)

HINTER DER STALLTÜR

LOUISE PERSSON

 

Erzählen Sie uns ein wenig über Ihre Reise zum CHI Genf ...

Ich bin vor fünf Tagen mit Nayel Nassars Coronado und Igor Van De Wittemoere von Miami nach Belgien geflogen. Dort sind wir bis Dienstagabend geblieben, am Mittwoch sind wir in Genf eingetroffen. Die Pferde sind wohlbehalten und bester Laune. Sie haben die Reise beide gut überstanden und ausreichend gefressen und getrunken. Es sind sehr sanftmütige, freundliche und talentierte Tiere. Coronado und Igor sind in einem Doppelcontainer gereist.  Es gibt auch so genannte „Dreier“-Container, in denen drei Pferde transportiert werden können, aber die Pferde haben darin weniger Platz. Um ihnen eine komfortable Reise zu ermöglichen, transportieren wir unsere Pferde immer im Doppelcontainer. 

Diesmal war das Flugzeug auch voller Blumen, die nach Amsterdam transportiert wurden – darunter waren jede Menge Tulpen, so dass es während des gesamten Fluges wunderbar geduftet hat. Auf dem Flug war es ein wenig kühl, da das für die Pferde angenehmer ist – und es ist auch besser für die Blumen. Wir hatten auch einen Bootsmotor mit an Bord; normalerweise werden auf diesen Frachtflügen neben Pferden auch alle möglichen anderen Dinge transportiert – Autos, Waschmaschinen, so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Die Pferdepfleger haben hinter dem Cockpit des Piloten gesessen. Von dort aus konnten wir nach den Pferden sehen, was wir jede zweite Stunde oder manchmal auch jede Stunde getan haben.

Es ist sicherlich sehr wichtig, die Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr und das Wohlbefinden eines Pferdes auf einem Flug zu überwachen?

Ja. Einige der Pferde trinken nicht sehr gut, wenn sie fliegen, also versuchen wir, ihnen etwas Futterbrei zu geben, dem wir manchmal Apfelsaft hinzufügen, um sie mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. Im Flugzeug bekommen die Pferde grundsätzlich Heu, das viele Elektrolyte enthält. Es ist auch wichtig, dass die Pferde auf jede Flugreise vorab entsprechend  vorbereitet werden.

Sind Sie viel mit dem Auto unterwegs. Wie unterhalten Sie sich auf langen Reisen?

Früher war ich das, aber jetzt nicht mehr so oft, da glücklicherweise ein Transportunternehmen für uns fährt. Auf langen Reisen höre ich gerne Musik und ich habe das Glück, dass ich mit Freunden unterwegs bin, so dass wir versuchen, uns gegenseitig bei Laune zu halten. Ich denke viel nach – Reisen bieten eine gute Gelegenheit dazu.

Was können Sie tun, um einem Pferd zu helfen, wenn es nicht gerne reist?

Ich denke, man muss seine Pferde wirklich gut kennen – dann kann man erkennen, wenn sich ein Pferd nicht wohl fühlt oder gestresst ist und kann ihm entsprechend helfen. Es ist wichtig, all die Kleinigkeiten zu wissen, z. B. ob das Pferd warme oder kalte Temperaturen während des Transports bevorzugt – je mehr man über sein Pferd weiß, desto besser.

Wie haben sich Coronado und Igor auf den CHI Genf vorbereitet?

Die Pferde sind zu Hause in den Vereinigten Staaten gesprungen. Vor ein paar Wochen haben sie einige große Turniere in Amerika und Kanada absolviert, deshalb haben sie in Vorbereitung auf dieses Major eine ruhigere Zeit verbracht. Ich glaube, sie spüren die unvergleichliche Kulisse und die tolle Atmosphäre hier beim CHI Genf, man merkt, dass ihr Adrenalinspiegel steigt.

Sind Sie gerne bei den Majors – den Dutch Masters, dem CHIO Aachen, dem Spruce Meadows
`Masters‘ und jetzt dem CHI Genf? Wodurch unterscheiden sie sich Ihrer Meinung nach von den anderen Turnieren?

Sie gehören einfach zu den besten Turnieren der Welt! Alles ist vom Feinsten – die Einrichtungen, der Sport, die Stallungen und so weiter. Die Veranstalter kümmern sich wirklich darum, dass es den Pferden, Reitern und Pflegern an nichts fehlt.

Spüren Sie bei der Teilnahme an einem der Rolex Grand Slam Majors mehr Druck?

In diesem Sport gibt es immer Druck, aber ich habe definitiv das Gefühl, dass der Druck bei einem Major größer ist. Da wären das Rolex IJRC Top 10 Final und der Rolex Grand Prix, beides sehr prestigeträchtige Prüfungen mit einem hohen Preisgeld. Jeder will den Rolex Grand Prix am Sonntag gewinnen, und ich denke, das Feld ist in diesem Jahr so stark, dass einfach jeder gewinnen kann.

Wie oft reiten Sie?

Ich reite nicht mehr viel. Früher bin ich ein bisschen geritten, aber ehrlich gesagt halte ich mich für besser darin, die Pferde zu striegeln und ihnen Leckerlis zu geben!

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten und am wenigsten?

Ich liebe es, Zeit mit den Pferden zu verbringen. Es ist immer ein Moment, der mich mit großem Stolz erfüllt, wenn die Pferde bei einem Turnier gut abschneiden – es ist eine Teamleistung, die zu solchen Ergebnissen führt. Ich liebe auch die Beziehungen, die man zu den Menschen auf den Turnieren knüpft. Am wenigsten gefällt mir das Ausmisten!

Wie sieht die Gemeinschaft der Pferdepfleger aus? Unterstützen sie einander?

Es ist eine tolle Gemeinschaft. Wir Pferdepfleger unterstützen uns auf jeden Fall gegenseitig, was sehr wichtig ist, denn die Arbeit kann manchmal hart sein. Seit der Einführung von Verbänden, die unsere Interessen vertreten, gibt es jetzt mehr Unterstützung denn je – es ist harte Arbeit, und es ist schön, anerkannt zu werden.

Welche Eigenschaften muss man besitzen, um ein erstklassiger Pferdepfleger zu sein?

Man muss fleißig und leidenschaftlich sein, lieben, was man tut, und natürlich siegen wollen!

Wie lautet der beste Ratschlag, den Sie jemals erhalten haben?

Was der Affe sieht, macht der Affe nach. Man muss immer hinschauen und aus dem lernen, was man sieht, indem man die Augen und die Ohren offen hält.

(Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder) (Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder)

WORTE DES VERANSTALTERS

SOPHIE MOTTU MOREL

 

Sie müssen froh sein, dass die diesjährige Ausgabe des CHI Genf wieder mit voller Zuschauerkapazität stattfindet.

Es ist einfach fantastisch! Wir hatten großartige Ticketverkäufe für die diesjährige Veranstaltung. Ich denke, wir werden am Sonntag ein volles Haus haben und am Freitag und Samstag vielleicht sogar auch. Ich habe keine Erklärung dafür, warum der Andrang dieses Jahr so groß ist. Vielleicht wegen Clooneys [Clooney 51] Verabschiedungszeremonie oder weil Martin Fuchs ein historischer Hattrick gelingen und er zum dritten Mal in Folge den Rolex Grand Prix gewinnen könnte. Wir sind positiv überrascht, wie viele Zuschauer dieses Jahr zu der Veranstaltung kommen wollen – das ist das erste Jahr, in dem das passiert. Ich glaube, die Menschen möchten kommen, um gemeinsam mit anderen Menschen an einer besonderen Erinnerung teilzuhaben und die Schweiz anzufeuern. Außerdem war der CHI Genf letztes Jahr die einzige Veranstaltung in Genf im Dezember und vielleicht haben die Menschen dieses Event letztes Jahr für sich entdeckt und beschlossen, dieses Jahr wiederzukommen.

Dieses Jahr gibt es einen zusätzlichen Wettkampftag am Mittwoch und wir haben die Veranstaltung allen zugänglich gemacht, da der Eintritt kostenlos ist. Das gehört zu unserer Philosophie: den CHI Genf jedem zugänglich zu machen und ein neues Publikum für unseren Sport zu gewinnen.

Gibt es in diesem Jahr etwas Neues beim CHI Genf?

Ja, wir haben den Prix Credit Suisse eingeführt, der aus drei nationalen Springprüfungen am ersten Veranstaltungstag besteht. Ursprünglich sollten diese Prüfungen am Donnerstag-, Freitag- und Samstagmorgen stattfinden, aber wir haben festgestellt, dass es für die Reiter schwierig ist, hierher zu kommen, weil der Verkehr in Genf am Vormittag schwierig ist. Zudem ist es für die nationalen Reiter auch einfacher, nur an einem Tag zum Turnier zu kommen. Überdies können wir den Freiwilligen an diesen Morgen eine Verschnaufpause gönnen, weil sie nicht schon so früh im Palexpo sein müssen und für uns als Organisatoren ist es auch schön, wenn diese Tage etwas ruhiger beginnen!

Wie wichtig sind die freiwilligen Helfer für den erfolgreichen Ablauf der Veranstaltung?

Sie sind ganz entscheidend. Wir haben dieses Jahr 700 Freiwillige und sie sind die Stars des Turniers. Sie verleihen der Veranstaltung so viel Leidenschaft – sie wollen dort sein und freuen sich, dort zu sein, und für mich sind sie enorm wichtig. Ohne sie wäre die Veranstaltung nicht dieselbe – sie sind das Herzblut des Turniers.

Welche Eigenschaften sind Ihnen bei Ihren Teammitgliedern wichtig? Was macht ein erfolgreiches Team aus?

Wir arbeiten wie eine Familie zusammen – wir alle wollen einander helfen. Wir tragen viel Verantwortung und müssen uns darauf verlassen, dass jedes Mitglied seinen Job richtig erledigt. Wir müssen unseren Kollegen vertrauen – da sind jede Menge Menschen, die jede Menge unterschiedliche Aufgaben erledigen, aber letztendlich verfolgen wir alle dasselbe Ziel.

Was raten Sie jemandem, der in die Sportveranstaltungsbranche einsteigen möchte?

Man muss den Sport lieben, von dem man ein Teil sein will, aber man muss auch andere große Sportarten wie Tennis, Golf und Skifahren und die entsprechenden Veranstaltungen verfolgen. Wenn man gut sein will, muss man beobachten, was die anderen gut machen, und immer versuchen, sich zu verbessern. Man muss zu Veranstaltungen gehen und mit den Menschen sprechen, die dort arbeiten. So kann man Ideen übernehmen und sie für seine eigene Veranstaltung umsetzen. Außerdem würde ich raten, dass man die Stunden nicht zählen darf, denn man wird sehr viel arbeiten – aber es macht auch Spaß, weil man viele Menschen kennenlernt. Und wenn man eine Leidenschaft für seinen Sport hat, kann man manchmal sogar sein Sportidol treffen. Alles in allem sollte man keine Angst vor seinem Job haben und mit vielen Menschen sprechen und immer die Augen offen halten, damit man immer besser werden kann.

Lassen Sie und die Organisatoren des CHI Genf sich von anderen großen Sportveranstaltungen inspirieren, z. B. im Tennis oder Golf?

Ja, natürlich. Es ist sehr nützlich, zu beobachten, wie man in anderen Sportarten vorgeht. Ich war einmal beim Tennisturnier in Wimbledon, das war unglaublich. Ich denke, dass wir noch öfter zu den großen Veranstaltungen anderer Sportarten gehen sollten, um zu lernen, wie die Dinge dort gehandhabt werden.

Wieso legt der CHI Genf so viel Wert darauf, jüngeren Reitern die Chance zu bieten, an einem Major-Wettkampf teilzunehmen?

Ganz einfach: Weil sie die Stars von morgen sind. Es ist enorm wichtig für sie, sich mit den besten Reitern in den besten Arenen zu messen, und eine fantastische Möglichkeit dazuzulernen. Nachwuchsreiter zu fördern, ist Teil der langen Geschichte des CHI Genf. Schon bevor ich zu der Veranstaltung dazustieß, haben Alban Poudret und viele andere es schon immer zu einer Priorität gemacht. Heutzutage haben wir die U25-Prüfungen, doch bevor die eingeführt wurden, haben wir die jüngere Generation immer gern bei den internationalen Prüfungen gesehen. Ich glaube, diese Prüfungen haben den Reitern geholfen, sich weiterzuentwickeln, wie Edouard Schmitz, der erst 23 ist. Er fing mit den U25-Prüfungen an, als wir sie vor drei Jahren eingeführt haben, und jetzt gehört er zu den besten Reitern der Welt.

Nächstes Jahr jährt sich der erste Rolex Grand Slam of Show Jumping zum 10. Mal. Wie erfolgreich ist diese Serie und wie hat sie den Sport positiv verändert?

Ich finde, diese Serie ist ein unglaublicher Erfolg. Vor zehn Jahren sind wir zu dieser Reise aufgebrochen und jetzt haben wir die Chance, sie Revue passieren zu lassen. Wir sind bei den anderen Majors so vielen fantastischen Menschen begegnet und wir haben so viel voneinander gelernt. Es war großartig, als Scott Brash 2015 den Rolex Grand Slam of Show Jumping gewonnen hat, denn das hat unserem Konzept Glaubwürdigkeit verliehen – er hat bewiesen, dass es möglich ist, auch wenn es schwer ist.

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping hat den Maßstab für andere Veranstaltungen gesetzt – die Qualität der Reiter, die hier antreten, ist phänomenal und auch das Preisgeld ist unglaublich. Der CHI Genf hat dadurch, dass er Teil des Rolex Grand Slam of Show Jumping ist, so viel gelernt und wir sind sehr stolz, Teil dieser Familie zu sein – die anderen Majors inspirieren uns und bringen uns dazu, immer besser werden zu wollen. Ich bin auch Rolex sehr dankbar – das ist ein sehr treuer Partner.

Was war Ihr persönliches Highlight in den ersten 10 Jahren des Rolex Grand Slam of Show Jumping?

Da gab es so viele. Eins meiner persönlichen Highlights war es mitzuerleben, als Scott Brash den Rolex Grand Slam of Show Jumping in Calgary gewonnen hat – das war atemberaubend. Außerdem werde ich nie vergessen, wie Steve Guerdat mit Nino [Des Buissonnets] den ersten Rolex Grand Prix im CHI Genf im Rahmen des Rolex Grand Slam of Show Jumping im Jahr 2013 gewonnen hat.

(Photo: Rolex / Ashley Neuhof) (Photo: Rolex / Ashley Neuhof)

Rider Watch

CHI Genf

 

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping kehrt vom 7.–11. Dezember 2022 wieder zum CHI Genf zurück und präsentiert ein actionreiches Programm mit (unter anderem) dem 21. IJRC Top 10 Finale am Freitagabend und der Königsklasse, dem Rolex Grand Prix, am Sonntagnachmittag.

Im imposanten Genfer Palexpo, der oft als beste Hallenarena des Springreitsports bezeichneten Anlage, wird es die Weltelite der Pferd- und Reiterpaare mit einigen der schwierigsten Parcours des Jahres aufnehmen. Die diesjährige Veranstaltung wartet mit einem spektakulären Starterfeld von Athleten auf, darunter 17 Reiter aus den Top 20 sowie sechs Rolex-Markenbotschafter und 17 Reiter aus dem Gastgeberland.

Rolex Grand Slam of Show Jumping – Ein Blick auf die Reiter

Nach seinem sensationellen Sieg beim CP ‘International’, presented by Rolex, beim CSIO Spruce Meadows ‘Masters’ wird der Deutsche Daniel Deußer alles daransetzen, sich hier in der gleichen Bestform zu zeigen wie bei den vorherigen Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping, von denen er zwei von drei gewonnen hat. Deußer wird versuchen, seine Ambitionen fortzusetzen, der zweite Reiter zu werden, der jemals den Rolex Grand Slam of Show Jumping gewonnen hat, nachdem dieser Triumph 2015 seinem Rolex-Markenbotschafterkollegen Scott Brash gelungen war. Neben Deußer tritt auch sein Landsmann Gerrit Nieberg an, der diesjährige Sieger des Rolex Grand Prix beim CHIO Aachen.

Heimfavorit und Titelverteidiger Martin Fuchs wird derjenige sein, dem aller Augenmerk gilt. Nach seinen Siegen bei den letzten beiden Rolex Grand Prix beim CHI Genf weiß der Weltranglistenzweite, wie viel Präzision, Unerschrockenheit und Athletik von Pferd und Reiter verlangt werden, um in diesem prestigeträchtigen Wettkampf erfolgreich zu sein. Neben Fuchs treten sein Landsmann, der dreimalige Gewinner des Rolex Grand Prix an diesem legendären Austragungsort, Steve Guerdat, sowie seine Teamkollegen aus der FEI-Weltmeisterschaft, Edouard Schmitz und Pius Schwizer, an.

Die Nummer 1 der Weltrangliste, Henrik von Eckermann, steht dieses Jahr ebenfalls auf der beeindruckenden Starterliste. Der schwedische Reiter wird voller Selbstvertrauen zu der Veranstaltung kommen, da er seit vier Monaten die Weltrangliste anführt und erst kürzlich die Qualifikationsprüfung zum FEI Jumping World CupTM in Verona gewonnen hat. Der zweimalige Weltmeister und Goldmedaillengewinner in der Teamwertung der Olympischen Spiele wird versuchen, sich seinen allerersten Sieg beim Rolex Grand Prix in Genf zu sichern. Ebenfalls für Schweden tritt Peder Fredricson an. Der stets ehrgeizige Fredricson, der in Tokio und Herning neben von Eckermann auf dem Podium stand, wird ebenfalls alles daransetzen, zum ersten Mal die prestigeträchtige Trophäe zu gewinnen.

Der Zweitplatzierte des letzten Jahres, Harrie Smolders, wird darauf aus sein, sich dieses Jahr zu verbessern und die Prüfung als erster Niederländer zu gewinnen. Ein starkes Aufgebot von Reitern aus Frankreich ist dieses Jahr ebenfalls beim CHI Genf vertreten, darunter der Weltranglistendritte, Julien Epaillard, der formstarke Simon Delestre und der Rolex-Markenbotschafter Kevin Staut. Staut, der bereits sowohl das Finale der Rolex IJRC Top 10 als auch den Rolex Grand Prix gewonnen hat, wird sein Wissen und seine Erfahrung aus seinen Siegen an diesem Veranstaltungsort nutzen, um seinen beeindruckenden Ergebnissen in diesem Jahr auch noch den letzten Rolex Grand Prix hinzuzufügen.

Großbritannien wird durch sämtliche Mitglieder seines Bronzegewinnerteams von der FEI-Weltmeisterschaft vertreten sein. Ben Maher, der im vergangenen Jahr das Rolex IJRC Top 10 Finale auf Explosion W gewann, mit dem er bereits Gold bei den Olympischen Spielen gewonne hate, zeigte sich auch dieses Jahr mit einer Reihe neuer Pferde in beeindruckender Form und gehört zur Spitzenriege dieses Sports. Scott Brash ist in dieser prestigeträchtigen Prüfung auf keinen Fall außer Acht zu lassen, nachdem er sich 2014 hier den Sieg geholt und 2015 den Rolex Grand Slam of Show Jumping gewonnen hat. Der Weltranglistenerste der U25, Harry Charles, ist ebenfalls mit dabei. Dem britischen Reiter gelang dieses Jahr der Sprung in die Top 15 und damit unter die besten Reiter der Welt. Zusammen mit ihm tritt ein weiterer begnadeter Nachwuchsreiter an, Joseph Stockdale, der sein Debüt beim CHI Genf geben wird.

Der Belgier Gilles Thomas, der beim CP ‘International’, presented by Rolex, beim CSIO Spruce Meadows ‘Masters’ den dritten Platz belegt hat, tritt zusammen mit seinen Landsleuten Gregory Wathelet, dem diesjährigen Gewinner des Rolex Grand Prix bei der CHI Royal Windsor Horse Show, und dem Silbermedaillengewinner der FEI-Weltmeisterschaft, Jérôme Guery, an.

Weitere vielversprechende Teilnehmer sind der Ire Conor Swail, der erst kürzlich beide Qualifikationsprüfungen zur FEI Jumping World CupTM in Washington und Sacramento gewonnen hat, der Österreicher Max Kühner, der letztes Jahr Platz 3 im Rolex Grand Prix beim CHI Genf belegt hat, sowie der US-Amerikaner McLain Ward.

 

(Photo: Spruce Meadows Media / Dave Chidley) (Photo: Spruce Meadows Media / Dave Chidley)

Interview mit:

Daniel Deusser

 

Herzlichen Glückwunsch! Sie sind erneut Anwärter auf den Rolex Grand Slam. Wie fühlen Sie sich kurz vor dem CHI Genf?

Ich bin zuversichtlich, was den CHI Genf angeht. Meine Pferde waren in den letzten Wochen gut in Form. Ich freue mich sehr auf Genf, weil es eine fantastische Veranstaltung ist und ich großartige Erinnerungen an frühere Turniere dort habe. Mir ist klar, dass es schwer sein wird, den Rolex Grand Prix erneut zu gewinnen, aber ich habe dieses Jahr definitiv eine Chance. Deswegen gehe ich es im Vorfeld eher entspannt an.

Was haben Sie seit Ihrem Sieg beim CP ‘International’, presented by Rolex, auf dem CSIO Spruce Meadows im September gemacht und wie bereiten Sie sich und Ihre Pferde auf den CHI Genf vor?

Für seine besten Pferde versucht man immer, den bestmöglichen Plan auszuarbeiten. Wenn ich an den CHI Genf denke, kommen zwei Pferde in Betracht – Killer Queen [VDM] und Tobago [Scuderia 1918 Tobago Z]. Killer Queen hatte nach dem Spruce Meadows ‘Masters’, auf dem sie ganz fantastisch gesprungen ist, ein paar Wochen frei. Ich glaube, jetzt ist sie wieder in Form,  siefühlt sich gut an. In den nächsten zwei Wochen habe ich kein Turnier und kann hoffentlich beide Pferde frisch und ausgeruht mit nach Genf nehmen.

Ich habe noch keinen festen Plan, ich muss noch entscheiden, mit wem ich im Rolex Grand Prix antrete und welches Pferd ich für die Grand-Prix-Qualifikationsprüfung nehmen werde. Das hängt sehr stark von meinem Eindruck in der letzten Trainingswoche ab, bevor wir nach Genf aufbrechen. So kann ich beobachten und einschätzen, wie sich die Pferde fühlen. Möglicherweise ist ein Pferd noch ein bisschen zu frisch und tritt lieber erst mal in einer kleineren Prüfung an, während ein anderes vielleicht gleich bereit für eine große Prüfung ist. Bis jetzt habe ich bei beiden Pferden ein sehr gutes Gefühl, sie sind beide rundum zufrieden und gesund, darum freue ich mich sehr auf Genf.

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping feiert nächstes Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Wie stark hat er diesen Sport beeinflusst?

Die vier Turniere des Rolex Grand Slam sind zu einer wichtigen Motivationsquelle für unseren Sport geworden. Durch sie ist etwas ganz Einzigartiges entstanden, ein Format, das bis heute unerreicht ist. Der Sport erreicht dadurch eine andere Ebene, denn früher gab es nur eine Meisterschaft am Ende der Saison. Doch heute fiebern alle Springreiter dem Rolex Grand Slam entgegen und betrachten die vier Veranstaltungen wie vier Meisterschaften innerhalb des Jahres. Es ist ein fantastisches Format. Jeder weiß, wie schwer es ist, den Rolex Grand Slam zu gewinnen. 2015 hat Scott Brash es geschafft, aber das ist schon sieben Jahre her. Seitdem ist es niemandem mehr gelungen, aber in jeder Saison versuchen sämtliche Springreiter es aufs Neue. Ich finde, das verdeutlicht die unglaubliche Rolle, die der Rolex Grand Slam spielt.

Wie wichtig ist es für einen Springreiter, in diesem Sport am Ball zu bleiben, was das Lernen angeht?

Ich habe viereinhalb Jahre lang für Franke Sloothaak gearbeitet. Er war lange Zeit Spitzenreiter und ich habe viel von ihm gelernt. Bis heute habe ich noch immer regelmäßig Kontakt zu ihm. Ich lerne auch noch immer von ihm, denn er kommt mich ab und zu besuchen. Ich muss sagen, dass Mentorenprogramme vielleicht etwas anders funktionieren, aber ich halte bei Springreitturnieren aktiv Ausschau nach erfolgreichen Reitern im Parcours, auch nach jüngeren. Die Karriere eines Springreiters – ganz egal, wie lange man schon dabei ist – ist ein fortwährender Lernprozess, denn kein Pferd ist wie das andere. Ihre Charaktere verändern sich und als Reiter muss man sich immer wieder aufs Neue anpassen und lernen, mit verschiedenen Pferden zu kommunizieren und umzugehen. Und selbst bei meiner Erfahrung integriere ich jedes Jahr neue Trainingsmethoden sowohl für neue als auch alte Pferde und wir lernen und verbessern uns ständig. In diesem Sport ist es wichtig, immer dazuzulernen und andere Reiter zu beobachten und zu studieren.

Wie sieht ihr Diät- und Ernährungsplan aus? Wie wichtig sind Diät und Ernährung für Ihr Trainingsprogramm insgesamt?

Ehrlich gesagt muss ich nicht auf mein Gewicht achten, weil ich sehr groß und schlank bin. Ich glaube, das Wichtigste im Hinblick auf die Ernährung ist, dass man sich seines Ziels bewusst ist und sich körperlich fit und wohl in seiner Haut fühlt. Natürlich muss jeder seine Ernährung auf sich und seinen eigenen Körpertyp abstimmen. Ich bin, wie gesagt, sehr groß, was im Sattel nicht immer von Vorteil ist. Was mein Gewicht angeht, habe ich das Glück, dass ich essen kann, was immer ich möchte, und trotzdem kein Problem habe, mein Gewicht zu halten.

Ich versuche immer, mir viel Zeit für Stretching-Übungen zu nehmen, damit ich beweglich bleibe. Als Reiter sehr groß zu sein, hat Nachteile, und beweglich zu bleiben, ist für mich eine größere Herausforderung als für kleinere Reiter. Es ist wichtig, ständig an seiner Beweglichkeit zu arbeiten. In unserem Sport sitzt man stundenlang im Sattel, eine Position, in der die Muskeln, vor allem in den Beinen, stärker werden.

Wie entspannen Sie sich, wenn Sie nicht gerade reiten? Was machen Sie gern?

Heutzutage, wenn ich nicht gerade meine Pferde trainiere oder auf einem Turnier bin, versuche ich, möglichst viel Zeit mit meiner Familie und meiner kleinen Tochter zu verbringen. Bevor sie zur Welt kam, habe ich mir abends gern einen Film angesehen oder bin Fahrrad gefahren, aber das hat sich seit ihrer Geburt geändert. Wir fahren einmal die Woche mit ihr zum Hockeytraining, was viel Spaß macht. Also ja, ich versuche, Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

Meine Frau und meine Tochter spielen eine große Rolle in meinem Leben und auch für meinen Erfolg als Springreiter. Ich reise sehr viel für die Wettkämpfe und das bedeutet, dass ich oft lange Zeit am Stück nicht zu Hause bin. Die Menschen in meinem Leben müssen meinen Sport und meinen Lebensstil verstehen und unterstützen. Und das tut meine Familie. Ich habe wirklich großes Glück, denn Caroline kommt selbst aus dem Springreitsport und unterstützt mich sehr.

Welchem Beruf würden Sie nachgehen, wenn Sie kein Profispringreiter wären? Haben Sie Idole unter den Profisportlern?

Ich weiß ehrlich nicht, was ich machen würde, wenn ich kein Springreiter wäre. Ich weiß nur, dass es auf jeden Fall ein Beruf wäre, den ich draußen ausüben könnte und bei dem ich körperlich aktiv wäre. Ich kann mir nicht vorstellen, den ganzen Tag lang in einem Büro zu sitzen. Höchstwahrscheinlich wäre es eine andere Sportart. Als ich jünger war, habe ich viel Sport betrieben, wie Tennis und sogar BMX.

Wie sähe ein perfekter Tag für Sie aus? Vom Aufwachen bis zum Schlafengehen?

Mein perfekter Tag sähe so aus, dass ich am Sonntagmorgen beim CHI Genf aufwache, meine Pferde in Bestform vorfinde und dann den Rolex Grand Prix gewinne!

Was war Ihr bisher schönster Urlaub? Entspannen Sie gern oder sind Sie lieber aktiv?

Ich kann mich da nicht auf einen Urlaub festlegen, weil ich schon wirklich fantastische Sommer- und Winterurlaube hatte. Wenn ich verreise, bleibe ich gern aktiv. Als wir auf Mauritius waren, musste ich einfach irgendetwas an Wassersport betreiben, damit ich mich körperlich bewege. Ich kann nicht tagelang nur am Strand liegen. Darum fahre ich gern in Skiurlaub, weil man den ganzen Tag im Freien und aktiv ist.

 

(Photo: Rolex / Ashley Neuhof) (Photo: Rolex / Ashley Neuhof)

Interview mit:

Rodrigo Pessoa

 

Sie haben ein tolles Jahr 2022 hinter sich – was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht und worauf sind Sie besonders stolz?

Das Jahr 2022 war ein großartiges Jahr. Es war das erste Jahr, in dem sich die Dinge nach der Corona-Pandemie wieder normalisiert haben, und es war toll, wieder auf Turnieren mit Zuschauern zu sein. Leider mussten wir aufgrund der Pandemie einige Turniere ausfallen lassen, aber alles in allem war es ein positives Jahr.

Ich habe auch ein paar neue Pferde auf meinen Hof bekommen, über die ich mich sehr freue. Ich habe einen Neunjährigen, Major Tom, der in diesem Jahr in die höheren Klassen aufgestiegen ist. Ich bin sehr zufrieden damit, wie er das gemeistert hat, und nun wird er bis zum nächsten Jahr eine kleine Pause einlegen. Ich setze große Hoffnungen in ihn für das nächste Jahr.

Wie sehen Ihre Pläne, Träume und Ziele für 2023 aus?

Das nächste Jahr ist für das brasilianische Team unglaublich wichtig, denn wir wollen uns für die Olympischen Spiele qualifizieren. Das wird also mein Hauptziel sein. Wir werden auf das FEI Nations Cup™ Finale im September und die Pan American Games in Chile im Oktober hinarbeiten. 2023 wird also ein arbeitsreiches Jahr, in dem wir sicherstellen müssen, dass wir bei diesen Veranstaltungen gut abschneiden, um unseren Platz in Paris zu sichern.

Erzählen Sie uns ein bisschen über die Pferde in Ihrem Stall auf welche freuen Sie sich am meisten?

Major Tom, ein neunjähriges belgisch gezogenes Pferd, ist mein Hauptpferd. Wir haben ihn seit zwei Jahren, seit er sieben Jahre alt war, und er ist im Besitz der Artemis Equestrian Farm. Er hat viel Talent und Qualität. Wir haben versucht, ihn so gut wie möglich auszubilden, damit er die großen Veranstaltungen bewältigen kann.

Ich habe auch noch ein paar andere sehr gute Pferde, die im Besitz der Artemis Equestrian Farm sind, darunter Chili, Quality FZ und Venice Beach, die alle 5*-Pferde sind, viel Erfahrung haben und auf höchstem Niveau konkurrenzfähig sind. Ich bin wirklich begeistert von den Pferden, die ich derzeit habe und habe viel Hoffnung für 2023.

Dieses Jahr findet das 21. Rolex IJRC Top 10 Finale statt – welche Rolle spielt der IJRC und wie wichtig ist der Club Ihrer Meinung nach für den Springsport?

Das Rolex IJRC Top 10 Finale wird vom IJRC organisiert. Wir haben die Prüfung ins Leben gerufen, nachdem ich von den Tennis Masters in Portugal zurückkam und dachte, dass dies etwas ist, das in unserem Sport hinzugefügt werden muss. Es ist etwas sehr Exklusives, das mit einem hohen Preisgeld dotiert ist, und jetzt kämpfen die Reiter wirklich darum, unter die Top 10 zu kommen. Die Reiter bringen immer ihre besten Pferde mit, um zu versuchen, diese prestigeträchtige Prüfung zu gewinnen. Ich bin wirklich stolz, dabei zu sein, und das IJRC sorgt dafür, dass die Prüfung so gut organisiert ist.

Ich denke, dass der Club sehr wichtig ist. Wir versuchen, den Sport zu verbessern und dafür zu sorgen, dass wir neue, innovative Ideen in den Sport einbringen, um sicherzustellen, dass er sich auf die richtige Weise weiterentwickelt. Der IJRC leistet eine enorme Arbeit, um sicherzustellen, dass der Ausschuss alle Reiter und zusätzliche Interessengruppen wie Besitzer und Züchter vertritt – er ist ein wichtiges Puzzleteil unseres Sports.

Worauf müssen sich Ihrer Meinung nach die Entscheidungsträger und die Rechteinhaber konzentrieren, um den Sport weiterzuentwickeln und voranzubringen?

Ich denke, dass wir uns wirklich darauf konzentrieren müssen, den Sport in der ganzen Welt zu fördern, um mehr Aufmerksamkeit in den Mainstream-Medien zu bekommen. Sportarten wie Tennis oder Fußball beanspruchen einen Großteil der Medienaufmerksamkeit und der Sponsorengelder. Man muss also wirklich darum kämpfen, so oft wie möglich in den Medien präsent zu sein, damit wir die Sponsoren halten, die Entwicklung des Sports sicherstellen und die Preisgelder weiter steigern können.

Sie sind vor kurzem zum FEI-Athleten für Springreiter gewählt worden. Was wird Ihre Aufgabe sein und was wollen Sie in den nächsten vier Jahren erreichen?

Ich bin die Stimme der Reiter, meine Stimme ist das, was aus dem IJRC-Vorstand kommt. Ich versuche, unsere Interessen so gut wie möglich zu verteidigen und Änderungen vorzuschlagen, die meiner Meinung nach positiv für den Sport sind. Meine Aufgabe ist es also, die Ansichten aller Reiter auf der ganzen Welt zu vertreten und mit Reitern zu sprechen, die Probleme haben, insbesondere mit denen, die nicht wirklich bekannt oder noch nicht aufgefallen sind. Diese spreche ich bei der FEI an und helfe ihnen, ihre Probleme zu lösen, damit der Sport weiter wachsen kann.

Sie haben eine unglaubliche Karriere sowohl als Reiter als auch als Top-Level-Manager hinter sich. Was würden Sie gerne noch erreichen?

Im Moment konzentriere ich mich auf Turniere, vor allem mit den tollen Pferden, die ich habe. Mein oberstes Ziel ist es also, in einer hohen Klasse bei Wettkämpfen anzutreten. Durch meine Rolle im IJRC konzentriere ich mich darauf, den Sport weiterzuentwickeln – das kommt mir zugute, aber auch alle anderen profitieren davon.

Welchen positiven Beitrag leistet der Rolex Grand Slam Ihrer Meinung nach für den Springsport?

Ich halte es für sehr wichtig, dass sich eine weltweit so prominente Marke wie Rolex für den Sport einsetzt. Wir haben unglaubliches Glück, eine so großartige Marke hinter unserem Sport zu haben. Rolex investiert viel Geld, nicht nur in die Veranstaltungen, sondern auch in die Medien und die Presse, um den Reitsport bekannter zu machen. Rolex ist so berühmt und prestigeträchtig, dass die Verbindung unseres Sports mit der Marke ein großer Vorteil für uns ist – ich würde sagen, für uns mehr als für sie. Wir sind also sehr froh, ihre Unterstützung zu haben.

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping ist für den Sport bisher unglaublich wichtig gewesen. Die Majors sind etwas, worauf sich Reiter und Besitzer freuen und worauf sie hinarbeiten. Alle Majors, sowohl in der Halle als auch im Freien, sind phänomenal und etwas ganz Besonderes im Reitsportkalender.  Der Rolex Grand Slam ist etwas, das sehr schwer zu erreichen ist – nur Scott Brash hat es 2015 geschafft und ich weiß nicht, ob das noch einmal möglich sein wird. Aber ich hoffe, dass es jemand anderes schaffen wird. Ich denke, wenn es jemand noch einmal schaffen sollte, dann Daniel Deusser in den nächsten zwölf Monaten – er weiß, wie man bei diesen großen Anlässen Leistung bringt. 

Ebenso wie Tennis und Golf hat auch das Springreiten seinen eigenen Grand Slam. Welche der anderen großen Turniere verfolgen Sie und welches ist Ihr Favorit und warum?

Ich bin generell ein Sportfan. Ich mag qualitativ hochwertigen Sport. Ich schaue gerne Formel 1, Fußball, Golf und Tennis. Ich glaube, am liebsten verfolge ich die Formel 1, aber ich hatte auch das Glück, durch meine Partnerschaft mit Rolex ein paar Golf- und Tennis-Majors zu besuchen, die wirklich fantastisch waren.

Was ist der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Ich denke, dass Geduld mit Pferden das Wichtigste ist, was man haben muss. Außerdem glaube ich, dass man auch dann, wenn es nicht so läuft, wie man es sich wünscht, dranbleiben und es weiter versuchen muss. Irgendwann wird es klappen.

 

(Photo: Hippofoto) (Photo: Hippofoto)

Meet the Next Gen mit:

Thibaut Keller

 

Wie sehen Ihre Pläne, Träume und Ziele für 2023 aus?

Mein Ziel und mein Plan für 2023 ist es, bei der Europameisterschaft in Riesenbeck im September auf dem Podium zu landen.

Worauf sind Sie in Ihrer Karriere besonders stolz?

Der bisher stolzeste Augenblick meiner Karriere war, als ich die Goldmedaille bei den Schweizer Junioren-Meisterschaften 2020 in Chalet-à-Gobet gewonnen habe. Ich bin damals mit Cosby gestartet und war sehr stolz auf unsere Leistung, denn wir haben während des gesamten Turniers keine einzige Stange auch nur berührt.

Wie sehr freuen Sie sich auf den CHI Genf und wie zuversichtlich sind Sie?

Ich hoffe, beim CHI Genf den prestigeträchtigen U25-Grand-Prix zu gewinnen. Da allerdings auch die Weltelite vertreten sein wird, wäre ich schon sehr froh, es unter die ersten Drei zu schaffen. Ein Platz auf dem Siegertreppchen in meiner Altersgruppe wäre fantastisch.

Wann hat Ihre Liebe zum Springreiten begonnen und wer hat Sie im Laufe Ihrer Karriere am stärksten inspiriert?

Ich bin zum Reitsport und zum Springreiten gekommen, als ich 10 Jahre alt war. Mein Vorbild war der niederländische Springreiter Jeroen Dubbeldam.

Welche Eigenschaften braucht ein erfolgreicher Springreiter Ihrer Meinung nach?

Ich glaube, um als Springreiter und als Reiter generell erfolgreich zu sein, muss man den Willen haben und motiviert sein, zu trainieren, man muss arbeiten, die Pferde verstehen, ständig auf ihre Bedürfnisse achten und ihnen wichtige Chancen bieten. Außerdem glaube ich, um sich in diesem Sport wirklich hervorzutun, braucht man ein Team, das hinter einem steht und einen unterstützt.

Erzählen Sie uns ein bisschen über die Pferde in Ihrem Stall auf welche freuen Sie sich am meisten?

Mein Stall ist in erster Linie ein Unternehmen. Wir sind ständig damit beschäftigt, Pferde zu trainieren und für den Verkauf vorzubereiten, aber mir persönlich gehören 18 Pferde, die ich trainiere, und mit den meisten von ihnen bin ich schon gestartet. Zurzeit habe ich eine junge Stute namens Filomene Du Sart, mit der ich Großes erreichen werde, sobald ich mit ihr antreten kann. Zum CHI Genf werde ich mein bestes Pferd mitnehmen, einen Hengst namens Arley De Vayrie.

Wie wichtig ist Ihr Team für Sie – Ihr Pfleger, Ihr Hufschmied, Ihr Coach, Ihr Tierarzt, der Eigentümer?

Mein Team, das aus Pflegern, Hufschmieden, einem Trainer und mehreren Tierärzten besteht, ist sehr wichtig für mich – es ist bei allen Turnieren dabei. Als Vorsichtsmaßnahme. Wir wollen sicher sein, dass die Pferde alles bekommen, was sie brauchen, und ausgezeichnet versorgt werden. Bei allen Entscheidungen und als Resultat daraus bei allem, was das Team tut, stehen die Bedürfnisse und die Gesundheit der Pferde an erster Stelle. Letztendlich ermöglicht uns das großartige Leistungen und Erfolge und gute Plätze in den Ranglisten. Unsere Tierärzte wissen, wie sie die Pferde behandeln müssen und kennen die spezifischen Bedürfnisse jedes einzelnen. All unsere Entscheidungen und Handlungen werden im Hinblick darauf getroffen, was das Beste für die Pferde ist.

(Photo: Arturo Fasana) (Photo: Arturo Fasana)

The Owners Lounge mit:

Arturo Fasana

 

Was ist Ihre früheste Erinnerung ans Reiten?

Ich komme aus der italienischen Schweiz, meine ersten Erinnerungen an den Reitsport stammen also aus der Zeit, als ich in der Nähe von Lugano gelebt habe. Ich erinnere mich zum Beispiel an einige große Springreiter, darunter Graziano Mancinelli, Piero D'Inzeo und Raimondo D'Inzeo – nicht weil ich pferdebegeistert gewesen bin, sondern weil sie damals im italienischen Fernsehen so große Champions waren. Das sind die drei Champions, an die ich mich immer noch erinnere, und die ersten, die mir die Welt des Pferdesports eröffnet haben.

Wie sind Sie zu einem Besitzer von Spitzenpferden in diesem Sport geworden?

Zunächst einmal komme ich nicht aus einer Familie, in der ich mit Pferden aufgewachsen bin, so dass ich eher zufällig zum Springpferdebesitzer geworden bin. Als meine Tochter beschlossen hat, das Reiten zu ihrem Hobby zu machen, habe ich ihr in Irland ein sechsjähriges Pferd namens Castlefield Eclipse gekauft, das war mein erstes Spitzenpferd. Ich habe es Eclipse zu verdanken, dass ich mein Interesse und meine Leidenschaft für den Springsport entdeckt habe. Ich habe auch festgestellt, dass ich es genieße, von den allerbesten Reitern umgeben zu sein, und dass ich danach strebe, großartige Ergebnisse zu erzielen. Eclipse nahm 2012 an den Olympischen Spielen in London teil, siegte dann in St. Gallen und holte 2015 mit dem Schweizer Team bei den Europameisterschaften in Aachen die Bronzemedaille. Ich wurde also zunächst eher zufällig Pferdebesitzer, aber durch die Ergebnisse, die mein erstes Pferd Eclipse erzielt hat, habe ich immer größeren Gefallen daran gefunden, Besitzer zu sein.

Worauf sind Sie als Besitzer in Ihrer Karriere besonders stolz?

Das Erste, was mir einfällt, ist der Sieg von Edouard [Schmitz] und Gamin [Van't Naastveldhof] in Dublin – das war etwas ganz Besonderes, aber auch unerwartet. Man könnte das mit einem Tennisspieler vergleichen, der in Wimbledon gewinnt, denn die Tradition und die spannungsgeladene Atmosphäre des Turniers machen diesen Wettbewerb so einzigartig. Natürlich gibt es noch andere Lieblingsmomente, zum Beispiel, als Eclipse in Rom, Rotterdam und Aachen unter die ersten Drei gekommen ist. Das sind zwar ganz andere Erinnerungen, aber sie sind immer noch sehr wichtig für mich.

Auf welche Eigenschaften achten Sie beim Kauf eines 5* (oder potenziellen 5*) Springpferdes?

Ich kaufe Pferde, die noch recht jung sind, in der Regel Sechs- und Siebenjährige. Wenn man solche Pferde kauft, haben sie noch Potenzial, bei den größten Wettbewerben zu springen. Aber das ist nicht alles, das ist nur ein Aspekt dessen, worauf man beim Kauf eines Pferdes achtet. Physiologie, Mentalität und Beweglichkeit sind bei der Auswahl der Pferde ebenfalls sehr wichtig. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, Pferde gründlich auszubilden. Man muss ihnen von klein auf Aufmerksamkeit entgegenbringen und darauf achten, nicht zu schnell vorzugehen, sich Zeit zu nehmen und geduldig mit ihnen zu sein. Es ist sehr wichtig, die Pferde gut auszubilden, damit sie auf einem hohen Niveau, auf dem sie viel Druck und Stress ausgesetzt sind, erfolgreich sein können. Da ich recht spät in dieses  Business eingestiegen bin, musste ich andere Leute beobachten und durch Lernen und Kaufen Erfahrungen sammeln. Ich habe nach Pferden gesucht, die die Mentalität haben, kontinuierlich Leistung zu bringen und an der Spitze zu bleiben. Auf diesem hohen Niveau gibt es nur drei oder vier Prozent der Pferde, die auf höchstem Niveau bleiben und Turniere gewinnen können.

Wie viel Einfluss hat ein Reiter, wenn Sie ein neues Pferd kaufen möchten?

Wenn wir neue Pferde kaufen, möchte ich immer, dass Edouard seine Meinung äußert. Das ist wichtig, denn schließlich ist er derjenige, der die Pferde reiten wird. Ich mag es aber, beim Pferdekauf nicht nur vom Reiter, sondern auch von anderen Leuten beraten zu werden, denn so kann ich eine fundierte Entscheidung treffen.

Erzählen Sie uns ein wenig über Ihre Beziehung zu Edouard Schmitz?

Ich kenne Edouard seit seiner Jugend, alle haben erkannt, dass er ein sehr talentierter Reiter ist.  Als ich entscheiden musste, wem ich meine Pferde zur Verfügung stellen möchte, kam mir Edouard in den Sinn. Nach einem Gespräch mit meiner Tochter sind wir beide zu dem Schluss gekommen, dass er eine gute Wahl wäre, weil wir gedacht haben, dass wir damit einem Reiter die Möglichkeit geben würden, in diesem Sport erfolgreich zu sein. Edouard hatte immer eine Familie, die ihn sehr unterstützt hat, und es ist eine große Freude, ihn als Reiter zu haben. Unsere Beziehung basiert sowohl auf Ernsthaftigkeit als auch auf Humor und enthält eine gewisse Leichtigkeit, die dafür sorgt, dass man sich nicht zu sehr unter Druck setzt, was in dieser Welt ja schon recht schwer ist. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die Stress machen oder Druck ausüben, da ich glaube, dass das zu Problemen führen kann. Daher ist es für mich wichtig, eine gute Beziehung zu demjenigen zu haben, der meine Pferde reitet. Aus diesem Grund überlasse ich Edouard die Entscheidung, wie er trainiert und wie er mit den Pferden umgeht, denn das ist nicht mein Fachgebiet.

Wie viele Pferde besitzen Sie derzeit und welches ist Ihr Lieblingspferd? Edouard hat Gamin Van't Naastveldhof als „das einzig Wahre" bezeichnet.

Ich habe zwei Pferde mit Edouard, den siebenjährigen Karel [Doorman], der das Potenzial hat, ein sehr hohes Niveau zu erreichen, und die 11-jährige Babylone Des Erables, die auch gut ist, aber vielleicht nicht an das Niveau von Karel heranreichen kann. Dann habe ich Gamin, den ich gekauft habe, als er sechs Jahre alt war – er ist mein bestes Pferd. Er ist ein Pferd, das jeder Reiter gerne hätte, denn er hat alle Qualitäten, die man sich wünscht: Kraft, Beweglichkeit, einen fantastischen Galopp und die richtige Mentalität.

Welches Ihrer Jungpferde hat Ihrer Meinung nach das Potenzial, am erfolgreichsten zu sein?

Karel ist ein Pferd, von dem wir hoffen, dass es auf hohem Niveau erfolgreich sein wird. Er ist ein sehr schnelles und vorsichtiges Pferd mit einer tollen Einstellung. Aber da er erst sieben Jahre alt ist, kann er noch nicht an 5*-Turnieren teilnehmen – das ist aber auch das einzige Problem, das wir im Moment mit ihm haben. Eine Lösung wäre, dass wir ihn zu kleineren Prüfungen anmelden, was eine gute Möglichkeit ist, ihn zu trainieren und aufzubauen. In gewisser Weise hat Karel ähnliche Eigenschaften wie sie Gamin in diesem Alter hatte, aber er hat nicht den gleichen Körperbau, denn Gamin war schon immer ein großes Pferd. Trotzdem stehen die Chancen gut, dass es uns gelingt, Karel auf hohem Niveau einzusetzen, aber es ist vielleicht noch zu früh, um das mit Sicherheit zu sagen.

Warum tun Sie, was Sie tun? Welche Ambitionen haben Sie als Besitzer?

Meine einzige Ambition ist Leidenschaft. Ich meine, ich habe überhaupt kein besonderes Interesse an Pferden. In den letzten 15 Jahren habe ich vielleicht nur zwei Pferde verkauft, nicht weil ich es wollte, sondern aus anderen Gründen. Ich bin wirklich stolz darauf, dass wir gemeinsam mit Edouards Familie dazu beigetragen haben, dass er so viel erreicht hat, vor allem im vergangenen Jahr. Das liegt an seinen Fähigkeiten und seinen persönlichen Qualitäten, aber auch an den Pferden, die er hat.

Welchen positiven Beitrag leistet der Rolex Grand Slam Ihrer Meinung nach für den Springsport?

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping ist auf diesem Niveau und für den Sport absolut essentiell. Ein von Rolex gefördertes Turnier ist natürlich sehr prestigeträchtig, so dass alle Reiter davon träumen, irgendwann in ihrer Laufbahn an Turnieren wie dem CHI Genf und den anderen drei Majors teilnehmen zu können. Serien wie der Rolex Grand Slam motivieren und inspirieren junge Menschen, mit dem Reiten zu beginnen und den Sport für sich zu entdecken, was meiner Meinung nach sehr wichtig ist.

(Photo: Rolex Grand Slam) (Photo: Rolex Grand Slam)

Immer Vorn Dabei Mit Dem Rolex Grand Slam „Second Screen“

 

Mit dem Rolex Grand Slam „Second Screen“ - exklusiv entwickelt für den Rolex Grand Slam of Show Jumping - können Fans ihre favorisierten Pferd-und-Reiter-Paare mit einer speziell entwickelten Technologie verfolgen. Eingeführt im Vorfeld der Dutch Masters 2021, dem ersten Reitsport-Major des Jahres, versorgt die Rolex Grand Slam „Second Screen“-Technologie Pferdesportbegeisterte seit mehr als einem Jahr mit den aktuellsten Statistiken. Zuschauer aus über 50 Ländern sind davon begeistert und nutzen die Technologie mittlerweile vor, während und nach den Majors, um die Leistung ihrer favorisierten Sportler besser verstehen und beurteilen zu können.

Die Rolex Grand Slam „Second Screen“-Technologie wurde von einem Expertenteam des Schweizer Unternehmens Alogo entwickelt. Alogo hat sich mit der Entwicklung von wegweisenden Analysetools, wie beispielsweise einem innovativen Produktsortiment zur Quantifizierung der Leistung von Sportlern, in der Welt des Reitsports einen Namen gemacht.

Über die Web-App können Pferdesportfans aus der ganzen Welt eine Vielzahl von Daten in Echtzeit einsehen, darunter die Zeit des aktuellen Rittes, die Anzahl der Fehler oder die Startreihenfolge. Dieser Dienst ist nahtlos in die Rolex Grand Slam Online-Streaming-Plattform integriert. Zusätzlich werden im Rolex Grand Slam „Second Screen“ die Statistiken aller Majors gespeichert, sodass Pferdesportfans jedes Detail dieser legendären Veranstaltungen Revue passieren lassen können.

Darüber hinaus haben Fans über den Rolex Grand Slam „Second Screen“ Zugriff auf zusätzliche Statistiken wie beispielsweise: welche Hindernisse am häufigsten gerissen wurden, die Anzahl der Reiter, die nicht im Zeitlimit geblieben sind, oder Live-Zwischenzeiten während des Stechens. Außerdem finden sie hier Informationen zu den Rolex Grand Slam-Live-Anwärtern. Der Rolex Grand Slam „Second Screen“ ist die perfekte Ergänzung zum Live-Stream für Pferdesportfans, die mehr über die vier Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping wissen wollen: Die Dutch Masters, den CHIO Aachen, die CSIO Spruce Meadows ´Masters` und den CHI Geneva.

Der Rolex Grand Slam „Second Screen“ ist kostenlos. Klicken Sie einfach auf den folgenden Link: https://rolexgrandslam.alogo.io/

Photo: Rolex / Ashley Neuhof Photo: Rolex / Ashley Neuhof

DIE NÄCHSTE GENERATION

INTERVIEW MIT GILLES THOMAS

 

Sie haben ein großartiges Jahr. Was war Ihr Highlight?

Das Jahr läuft so toll für mich – da ist es schwer, nur ein Highlight zu benennen! Mir ist im Juli mein erster 5*-Sieg beim King George V Gold Cup in Hickstead gelungen, das war unglaublich! Und dann bin ich beim CSIO-Spruce-Meadows-‘Masters’ Dritter im CP ‘International’, presented by Rolex geworden. Auch das war ein fantastisches Ergebnis. Und kürzlich als Teil des belgischen Teams das Finale des FEI Jumping Nations Cup™ zu gewinnen, war auch ein unglaubliches Erlebnis für mich. Ich glaube, ich kann nicht nur einen von diesen Augenblicken auswählen!

Welche weiteren Erfolge erhoffen Sie sich noch bis zum Jahresende?

Ich hoffe, beim CHI Genf antreten zu können – das wäre fantastisch. Dann haben wir im belgischen Mechelen zwischen Weihnachten und Silvester noch ein 5*-Turnier, auf dem auch ein FEI Jumping World Cup™ stattfindet. Das ist immer eine enorm wichtige Veranstaltung für belgische Reiter und meine Familie ist an der Organisation beteiligt, deshalb hoffe ich sehr, beim dortigen FEI Jumping World Cup™ gut abzuschneiden.

Wie sehen Ihre Hoffnungen und Ziele für 2023 aus?

Mein ultimativer Traum ist ein Start beim CHIO Aachen, meiner Meinung nach ist dies das beste Turnier der Welt und der Rolex Grand Prix dort ist eines der prestigeträchtigsten Springen im Reitsportkalender. Ich habe auch vor, mit einem belgischen Team aus erfahreneren Reitern bei einer großen Meisterschaft anzutreten. Ich bin schon in Junioren- und Nachwuchsreiterteams angetreten, aber als Teil des belgischen Teams bei einer FEI-Weltmeisterschaft oder den Olympischen Spielen zu starten und eine Medaille zu holen – damit würde für mich ein Traum wahr werden.

Wie bereiten Sie sich nach Ihrer großartigen Leistung beim CP ‘International’, presented by Rolex, beim Spruce-Meadows-‘Masters’-Turnier auf den CHI Genf vor?

Ich weiß noch nicht genau, ob ich dort antreten werde, aber ich hoffe es. Die beiden Veranstaltungen sind sehr unterschiedlich, aber ich würde trotzdem mit Aretino 13 mitnehmen. Der CHI Genf ist zwar ein Hallenturnier, aber die Arena ist dennoch sehr groß. Sofern ich beim CHI Genf antrete, wird es das einzige Hallenturnier für Aretino 13 sein, denn er ist ein sehr großes Pferd und braucht mehr Platz, darum passen Freiluftturniere besser zu ihm. Der CHI Genf ist eine so fantastische Veranstaltung und falls ich dort antrete, habe ich vor, meine drei besten Pferde dort an den Start zu bringen.

Erzählen Sie uns ein bisschen über die aktuellen Pferde in Ihrem Stall und ihre Persönlichkeiten ... 

Ich habe im Augenblick großes Glück, weil ich einen Stall voller ganz hervorragender Pferde habe, das hat mir eine so erfolgreiche Saison ermöglicht. Ich habe insgesamt 12 Pferde, von denen vier einen 5*-Grand-Prix springen können. Dazu kommen ein paar sehr talentierte Sieben- und Achtjährige, auf die ich große Hoffnungen für die Zukunft setze.

Auf welches Ihrer Nachwuchspferde freuen Sie sich am meisten?

Ich habe einen achtjährigen Hengst namens Ermitage Kalone by Catoki. Er war dieses Jahr als Deckhengst sehr aktiv und ist in Belgien, den Niederlanden und Deutschland sehr begehrt. Er ist ein sehr gutes Springpferd und hat selbst eine 1A-Abstammung, was meiner Meinung nach der Grund für seine Beliebtheit ist.

Nächstes Jahr wird er neun, dann können wir anfangen, ihn öfter springen zu lassen – derzeit springt er 1,45 m und in 2*-Grands-Prix und es fällt ihm sehr leicht. Mein Plan sieht es vor, dass er nächstes Jahr mein Zweitpferd für die 5*-Turniere sein wird und ich ihn hoffentlich zu einem 3*-FEI-Nations-Cup™ mitnehmen kann. Wir werden ihn im Laufe des Jahres langsam weiter aufbauen. Ich glaube, dass er 2024 wirklich ein Spitzenpferd sein wird.

Was motiviert Sie?

Ich liebe das Gefühl, zu gewinnen und Spitzenergebnisse zu erzielen. Dieses Jahr durfte ich genau das erleben. Es war ein fantastisches Jahr, in dem ich zu einigen der besten Turniere der Welt reisen durfte, die wirklich erstklassig organisiert waren und auf denen ich gegen meine Vorbilder antreten durfte. Natürlich gibt es jede Menge Turniere im Reitsportkalender und man muss die meisten davon mitnehmen, um seine Ranglistenpunkte zu behalten, aber ich habe das große Glück, dass ich über genug Spitzenpferde verfüge und sie im Laufe der Saison austauschen kann, damit sie immer frisch sind.

Das belgische Team war dieses Jahr ausgesprochen erfolgreich. Wie fühlt es sich an, im selben Team zu reiten wie die großen Reiter Wathelet, Philippaerts, Guery etc.

Anfang des Jahres habe ich den dritten Platz bei einem großen Turnier in Miami belegt und sowohl Jérôme Guery als auch Gregory Wathelet haben mir eine Textnachricht geschickt, in der sie geschrieben haben, dass sie hoffen, dass wir dieses Jahr im selben Team antreten könnten, aber ich hätte nie gedacht, dass es auch wirklich dazu kommt.

Meine Nominierung fürs belgische Team kam früher als erwartet und ich bin für das Nations-Cup™-Team in Falsterbo ausgewählt worden, wo wir dann gewonnen haben. Danach bin ich ebenfalls für das Finale des FEI Jumping Nations Cup™ in Barcelona ausgewählt worden, wo ich im selben Team mit Jérôme, Gregory und Olivier [Philippaerts] angetreten bin und wo wir ebenfalls gewonnen und uns für die Olympischen Spiele qualifiziert haben. Alles ist dieses Jahr so schnell passiert, aber es war einfach unfassbar, zu einem so erfolgreichen Team dazuzugehören. Es war unglaublich, im selben Team mit ihnen anzutreten, weil sie so fantastische Reiter sind und auf so erfolgreiche Karrieren zurückblicken können.

Welche Bedeutung hat der Rolex Grand Slam of Show Jumping für Sie als jungen Reiter? Welchen positiven Beitrag leistet diese prestigeträchtige Serie Ihrer Meinung nach für den Springsport?

Ich finde, dass der Rolex Grand Prix of Show Jumping sehr positiv für den Sport ist. Die vier Majors sind die besten Turniere der Welt. Sie alle sorgen ganz hervorragend dafür, dass alles perfekt für die Pferde ist – natürlich ist auch das Preisgeld unglaublich. Es gibt so viele 5*-Turniere, aber die Rolex-Majors stechen wirklich hervor als etwas, das man anstreben und auf das man sich vorbereiten möchte, weil sie das Nonplusultra sind. Ich finde, für die Reiter sind diese Majors eine große Motivation und wir möchten dort unsere besten Ergebnisse erzielen.

Welches Major des Rolex Grand Slam of Show Jumping gefällt Ihnen am besten und warum?

Trotz meines großartigen Ergebnisses beim CSIO Spruce Meadows ‘Masters‘ muss ich sagen, dass der CHIO Aachen mir am besten gefällt. Ich wohne in Belgien, aber Aachen ist nur etwa eine Autostunde von meinem Hof entfernt. Ich war schon ein paar Mal als Zuschauer dort und halte es für das beste Turnier der Welt. Ich hoffe wirklich, eines Tages dort antreten zu können.

Wer hat Sie im Laufe Ihrer Karriere am meisten inspiriert?

Mein Onkel Marc van Dijck. Er ist auch mein Trainer und hat selbst sowohl an den Spitzenturnieren unseres Sports teilgenommen als auch das belgische Team vertreten. Vor etwa 10 oder 15 Jahren ist er beim CSIO Spruce Meadows ‘Masters‘  und beim CHIO Aachen angetreten und hat in Aachen sogar den dritten Platz belegt. Er hat die besten Ratschläge für mich, aber ich bin auch supermotiviert, seine Ergebnisse zu übertrumpfen!

Wie lautet der beste Ratschlag, den Sie je erhalten haben?

Ich bin sehr wettkampforientiert und ich glaube, der beste Rat, den ich je bekommen habe, war, dass es besser ist, den zweiten Platz statt des ersten anzustreben, weil man so letztendlich öfter gewinnt. Ich glaube, das stimmt tatsächlich, denn man reitet etwas bewusster und das lässt einem die Zeit, Selbstvertrauen und Können aufzubauen.

Wie sieht ein typischer Tag zu Hause für Sie aus?

Wenn ich zu Hause bin, reite ich etwa acht oder neun Pferde. Im Moment verwaltet mein Onkel meine Ställe, was es mir erlaubt, mich ausschließlich auf das Reiten zu konzentrieren, das ist großartig. Ich versuche immer, morgens alle Pferde zu reiten. Wir haben im Rahmen unseres Zuchtprogramms viele junge Pferde und so verbringe ich meine Nachmittage mit den Fohlen und trainiere die jüngeren Pferde im Freispringen. Es ist sehr spannend, die nächste Generation von Pferden in unseren Ställen zu erleben.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit, wenn Sie mal nicht mit dem Springreiten beschäftigt sind?

Ich habe nicht viel Freizeit, weil die meisten Turniere am Wochenende stattfinden, aber wenn ich doch mal etwas Luft habe, treffe ich mich gern mit Freunden und gehe mit ihnen etwas trinken oder ins Restaurant. Ich sehe sie nicht oft – darum weiß ich die Zeit mit ihnen sehr zu schätzen. Ich bin auch sehr sportlich und spiele einmal die Woche Squash mit einem Freund.

Welche drei Dinge würden Sie mitnehmen, wenn Sie auf einer einsamen Insel gestrandet wären?

Auf jeden Fall mein Kopfkissen – das nehme ich überall mit hin, weil ich sonst Nackenschmerzen bekomme. Dann wahrscheinlich noch ein Taschenmesser zum Überleben. Das kann man immer gut brauchen. Und zu guter Letzt ein Speedboot, damit ich wieder nach Hause komme!

Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof

INTERVIEW MIT CONOR SWAIL

 

Was ist Ihre früheste Erinnerung ans Reiten?

Als ich aufgewachsen bin, sind mein Bruder und ich oft zur Jagd gegangen. Ich glaube, meine früheste Erinnerung an den Reitsport ist, als ich etwa fünf Jahre alt war und wir gewettet haben, wer am wenigsten oft vom Pferd fällt.

Was war Ihr stolzester Moment als Reiter in diesem Jahr?

Das ist leicht zu beantworten: Der Sieg des Aga Khan Nations Cup™ mit Count Me In bei der The Dublin Horse Show. Das war ein unglaublicher Moment in meiner Laufbahn. Vor meinem Heimpublikum zu gewinnen, war einfach fantastisch.

Auf welche Eigenschaften achten Sie beim Kauf eines 5* (oder potenziellen 5*) Springpferdes?

Das ist schwer zu sagen – ich glaube, jeder sucht eigentlich dasselbe. Das Pferd muss gute Ergebnisse erzielen und einen Siegeswillen haben. Was die Qualitäten angeht, denke ich, sind Vorsicht und die Fähigkeit, im richtigen Moment das Richtige zu tun, sehr wichtig.

Wie sind Sie zu einem Besitzer von Spitzenpferden in diesem Sport geworden?

Das kam, weil ich keine großen Sponsoren oder Besitzer um mich hatte, also musste ich das alleine hinkriegen. Jetzt habe ich das große Glück, dass ein guter Freund von mir, Conall Murray von der Mannon Farm, angefangen hat, zusammen mit mir Pferde zu kaufen. Gemeinsam besitzen wir Count Me In, Vital Chance De La Roque und Nadal Hero & DB, das sind auch meine drei besten Pferde. Die Unterstützung durch ihn bisher ist wirklich toll und es ist eine große Erleichertung, wenn ich die Kosten für ein Pferd teilen kann.

Worauf sind Sie als Besitzer in Ihrer Karriere besonders stolz?

Ich bin sehr stolz darauf, was ich erreichen konnte, auch ohne dass mir viele Besitzer geholfen haben. Natürlich hätte ich mir etwas mehr finanzielle Unterstützung gewünscht, um mehr Pferde kaufen zu können und mir dadurch größere Erfolgschancen zu ermöglichen. Aber ich bin sehr stolz auf das, was ich mit einem begrenzten Budget erreicht habe. Ich habe die letzten paar Jahre meiner Karriere wirklich sehr genossen.

Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Ihrer Rolle als Weltklasse-Reiter und als Besitzer von Spitzenpferden?

Problemlos. Ich denke, es kommt vor allem darauf an, einen guten Zeitplan für die Pferde zu haben. Als Reiter muss ich viel reisen, aber ich achte immer darauf, dass keines der Pferde zu viel auf einmal macht. Ich versuche sicherzustellen, dass das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Erholung stimmt und dass die Pferde fit sind, denn sonst können sie nicht ihr Bestes geben.

Wie bereiten Sie sich auf den CHI Genf vor?

Ich bringe meine besten Pferde mit, Count Me In und Vital Chance De La Roque. Letztes Wochenende bin ich mit Count Me In bei der Washington International Horse Show gestartet, wo er die Qualifikationsrunde für den FEI Jumping World Cup™ gewonnen hat. Nächste Woche geht er dann nach Toronto und hat anschließend ein paar Wochen frei, bevor wir zum CHI Genf reisen.

Vital Chance De La Roque ist vor ein paar Wochen in Sacramento gesprungen und hat dort auch den FEI Jumping World Cup™ Sacramento presented by GV23 Wines gewonnen. Als Nächstes steht für ihn Las Vegas an, das ist etwa einen Monat vor dem CHI Genf. Beide Pferde springen derzeit in der Halle sehr gut und können sich vor dem CHI Genf ein paar Wochen ausruhen. Ich hoffe daher, dass sie ihre Form bis zum Jahresende beibehalten werden.

Wie viele Pferde haben Sie im Moment im Stall? Gibt es junge Pferde, die man im Auge behalten sollte?

Im Moment habe ich nur fünf oder sechs Pferde und nicht viele Jungpferde. Normalerweise habe ich ein paar in Irland, die ich dort züchte, und wenn ich glaube, dass künftige 5*-Pferde dabei sind, bringe ich sie als Achtjährige nach Nordamerika.

Sie müssen unglaublich stolz auf Count Me In sein. Erzählen Sie uns ein wenig über ihn und wann Sie zum ersten Mal sein Potenzial bemerkt haben? Was hebt ihn von anderen 5*-Pferden ab?

Ich kannte das Pferd schon relativ gut, bevor ich ihn gekauft habe. Er ging Springen mit Beth Underhill und war schon immer ein erfolgreiches Pferd, sehr vorsichtig und er hatte schon viele fehlerfreie Runden absolciert, wenn auch nicht auf dem Niveau, auf dem er jetzt springt.

Als er dann verfügbar wurde, habe ich beschlossen, das Risiko einzugehen, obwohl er schon 14 Jahre alt war. Das Risiko hat sich wirklich gelohnt, ich glaube, dass er nicht nur mich, sondern auch viele andere Leute überrascht hat. Er ist für mich ein wirklich unglaubliches Pferd und wir haben eine tolle Partnerschaft. Er wird immer besser. Er hat meine Karriere verändert, dabei habe ich ihn erst seit etwas über einem Jahr.

Wie sehen Ihre Hoffnungen und Ziele für 2023 aus?

Ich denke, die eigene Platzierung spiegelt die Beständigkeit der eigenen Erfolge wider. Ich bin sehr stolz darauf, dass meine Pferde Woche für Woche bei vielen großen Tournieren gewinnen oder auf die oberen Plätze kommen. Aber ein großes Ziel von mir wäre es, eine Medaille bei einer großen Meisterschaft zu holen.

Ich habe die Gelegenheit, mit Count Me In an den FEI Weltmeisterschaften in diesem Sommer teilzunehmen, verstreichen lassen. Für ein Pferd in seinem Alter war es, denke ich, etwas zu viel verlangt, mehrere Tage hintereinander springen zu müssen. Ich wollte ihn nicht überanstrengen oder eine Verletzung riskieren. Ich glaube aber, wenn wir hingegangen wären, hätten wir gut abgeschnitten oder sogar eine Medaille gewonnen, weil er so gut ist. Aber es war die richtige Entscheidung für das Pferd und für seine weitere Aktivität in diesem Sport, nicht hinzugehen. Es ist so wichtig, die richtige Entscheidung für seine Pferde zu treffen und immer in ihrem Interesse zu handeln.

Welchen positiven Beitrag leistet der Rolex Grand Slam of Show Jumping Ihrer Meinung nach für den Springsport?

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping ist die prestigeträchtigste Turnierserie in diesem Sport. Das Preisgeld ist erstklassig und es sind einfach die besten Turnieren der Welt. Es ist ein Privileg, bei den Majors anzutreten – wenn man ein Pferd hat, das gut genug dafür ist.

Welches der vier Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping gefällt Ihnen am besten und warum?

Der CHIO Aachen ist ein ganz besonderer Ort. Ich verbringe auch viel Zeit in Spruce Meadows und nehme dort den ganzen Sommer über an Prüfungen teil – die Location ist einfach grandios. Der CHI Genf ist auch eines der besten Hallenturniere der Welt. Aber ich glaube, ich muss sagen, dass der CHIO Aachen mein Favorit ist. Man geht nur einmal im Jahr dorthin, was ihn meiner Meinung nach noch besonderer macht, und die Zuschauer sind einfach fantastisch.

Wer hat Sie im Laufe Ihrer Karriere am meisten inspiriert?

Ich schaue zu vielen großen Reitern auf. Ich versuche, ihnen zuzusehen und so viel wie möglich von ihnen zu lernen. Wenn ich mich für einen entscheiden müsste, dann würde ich John Whitaker sagen. Für mich ist er einer der talentiertesten Reiter überhaupt – er hatte viele sehr unterschiedliche Pferde und er hat sie alle fabelhaft geritten. Es ist unglaublich, wie lange er im Sport aktiv war, er war immer eine Inspiration für mich.

Wie lautet der beste Ratschlag, den Sie jemals erhalten haben?

Man sollte immer an seine eigenen Fähigkeiten glauben. Während der beruflichen Laufbahn wird man immer gute und schlechte Ergebnisse einfahren, also muss man an sich selbst und seine Fähigkeit glauben, um weiter voranzukommen.

Was machen Sie abseits des Springreitens gerne?

 

Ich spiele gerne Golf oder sehe mir Sport an, wenn ich die Gelegenheit dazu habe.

Photo: Rolex / Ashley Neuhof Photo: Rolex / Ashley Neuhof

CHI GENF ERWEITERT SEIN PROGRAMM UM EINEN TAG

 

Der mit Spannung erwartete CHI Genf kehrt dieses Jahr vom 7. bis zum 11. Dezember mit einem zusätzlichen Wettkampftag zu dem bereits spektakulären Programm aus Sport und Unterhaltung zurück.

An diesem zusätzlichen Tag, der auf den 7. Dezember gelegt wurde, werden drei Prüfungen eingeführt, die ausschließlich nationalen Prüfungen vorbehalten sind. Die Prüfungen haben eine Sprunghöhe von 1,15 m bis 1,35 m und sind eine einmalige Gelegenheit für Amateurreiter, in einer der prestigeträchtigsten Springreitarenen der Welt anzutreten. Außerdem werden die Teilnehmer die Chance haben, sich für eine brandneue Prüfung zu qualifizieren, die am Samstagabend der diesjährigen Veranstaltung stattfinden wird, den Credit Suisse Coupe du Jockey Club. Diese Prüfung ist ein Teamwettkampf über eine Runde mit – falls erforderlich – einem Stechen, um einen endgültigen Sieger zu ermitteln. Die Teams werden aus zwei Siegern der Amateurprüfungen vom Mittwoch, einem internationalen Reiter sowie einem Vielseitigkeitsreiter bestehen, sodass bei der Prürfung eine große Bandbreite von Athleten aufeinandertreffen wird.

Die internationalen Spitzenprüfungen beginnen am Donnerstag, dem 8. Dezember, mit der Trophée de Genève am Abend, der ersten Gelegenheit, sich für den prestigeträchtigen Rolex Grand Prix am Sonntag zu qualifizieren. Vor dieser angesehenen Prüfung wird die erste der drei Prüfungen für die U25-Reiter stattfinden, bei denen die nächste Generation der Spitzenspringreiter ihr Können demonstrieren kann.

Am Freitag, dem 9. Dezember, kommen die Zuschauer in den Genuss des enorm spannenden Indoor Cross-Country, präsentiert von Tribune de Genève, bei dem einige der weltbesten Vielseitigkeitsreiter zusammenkommen, um sich in ihrer „Nebensaison“ miteinander zu messen. Das Highlight am Freitag wird für viele das 21. IJRC Top 10 Finale sein, in dem die Elite der Springreiter darum kämpft, zum „Besten der Besten“ gekrönt zu werden, eine Prüfung, die oft mit dem Nitto-ATP-Finale im Tennis verglichen wird.

Am Samstag beginnt die Veranstaltung mit dem Land Rover Grand Prix, dem letzten Wettkampf für die U25. Der CHI Genf ist schon immer stolz darauf, die nächste Generation zu unterstützen und präsentiert in dieser Prüfung die aufstrebenden Talente des Springreitsports in der weltgrößten Hallenarena des Reitsports. Im Anschluss an diese frühmorgendliche Prüfung wird es jede Menge Action zur Unterhaltung der Reitsportfans geben, wie den Coupe de Genève, die La Grande Chasse und die Credit Suisse Challenge sowie die erste der Fahrprüfungen, den FEI Driving World Cup™, präsentiert vom International Institut de Lancy. Dabei wird die Startreihenfolge für die sechs Fahrer festgelegt, die am Sonntagmorgen in der Genfer Etappe des FEI Driving World Cup™, präsentiert von Radio Télévision Suisse, antreten werden.

Der letzte Veranstaltungstag wird dank der Spitzenprüfung des Tages, dem Rolex Grand Prix, dem letzten Rolex-Major des Jahres 2022, ein wahres Spektakel werden. Der Schweizer Martin Fuchs wird versuchen, erneut vor seinem Heimpublikum Geschichte zu schreiben und sich den prestigeträchtigen Titel zum dritten Mal in Folge zu holen. Er wird allerdings starke Konkurrenz in Form von 39 der weltbesten Pferd- und Reiterpaare bekommen. Dabeisein wird auch der Deutsche Daniel Deusser, der in diesem Jahr bereits zwei der drei Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping gewonnen hat.

(Photo: Spruce Meadows Media / Dave Chidley) (Photo: Spruce Meadows Media / Dave Chidley)

Daniel Deusser and Killer Queen VDM win the CP 'International', presented by Rolex at Spruce Meadows

The German rider is the new Rolex Grand Slam Live Contender

 

Ein wie immer gewaltiger und anspruchsvoller von Leopoldo Palacios entworfener Parcours erwartete 40 der weltbesten Reiter-Pferd-Kombinationen, die im Rahmen der Rolex Grand Slam-Serie im legendären International Ring von Spruce Meadows die Königsklasse der Masters-Woche, das CP ‚International‘, presented by Rolex bestritten.

Im ersten Umlauf gab es nach den ersten 20 Startern noch keine Nullrunde und eine Reihe von DNFs zeugte von der Schwere der Prüfung, die Reiter und Pferd zu bewältigen hatten, wobei die Dreifachkombination nach dem Wassergraben nur eines der Hindernisse war, an denen viele der Reiter scheiterten. Der 24-jährige Gilles Thomas aus Belgien und sein 14-jähriger Wallach Aretino 13 stellten jedoch schon bald unter Beweis, dass der Parcours des Venezolaners Palacios reitbar war, indem die beiden die 14 Hindernisse in einer Zeit von 84,72 fehlerfrei bewältigten. Trotz vier Fehlern blieben auch der Live Contender des Rolex Grand Slam of Show Jumping Gerrit Nieberg (GER) und sein Erfolgspferd vom Rolex Grand Prix beim CHIO Aachen im Juli, Ben 431, im Rennen. Kurz darauf demonstrierte McLain Ward (USA) mit seiner Superstar-Stute HH Azur Klasse und Harmonie, indem er in 83,73 Sekunden die zweite Nullrunde ablieferte.

Der Schweizer Steve Guerdat und sein 13-jähriger Wallach Venard De Cerisy ließen sich davon inspirieren und erzielten in 85,53 Sekunden die dritte Nullrunde des Tages. Nach dem Überschreiten des 86-Sekunden-Limits trübte ein Zeitfehler des Niederländers Harrie Smolders und seines Siegerpferdes beim CP ‚International‘ presented by Rolex 2019, Darry Lou, den ansonsten fehlerfreien Umlauf. Dem deutschen Springreiter Daniel Deußer und seiner Stute Killer Queen VDM, dem Major-Siegerpaar des CHIO Aachen 2021, gelang die vierte Nullrunde des Tages und die letzte des ersten Umlaufs. Sechs weitere Kombinationen zogen in den zweiten Umlauf ein, darunter die Mexikaner Eugenio Garza Perez und Manuel Gonzalez Dufrane, der Schwede Peder Fredricson, Rolex-Testimonial Martin Fuchs aus der Schweiz, der Ire Paul O'Shea und der Brasilianer Francisco Jose Mesquita Musa.

Die 12 bestplatzierten Pferde und Reiter des ersten Umlaufs mussten sich einem zweiten Umlauf mit noch höheren Hindernissen in einem leicht verkürzten Parcours stellen, wobei das Zeitlimit bei 72 Sekunden lag. Als Fünfter an der Reihe zeigten Martin Fuchs und sein 10-jähriger Schimmelwallach Leone Jei ihre unverwechselbare Klasse, indem sie den Parcours in 69,80 Sekunden fehlerfrei absolvierten. Nach dem Brasilianer Eugenio Garza Perez und seinem 11-jährigen Hengst Contago sowie Gerrit Nieberg und Ben 431 war dies die dritte fehlerfreie Runde eines Paare in Folge, das im ersten Umlauf 4 Fehlerpunkte verbucht hatte. Ihre Hoffnungen waren jedoch nur von kurzer Dauer, denn das Siegerduo des CP ‚International‘ von 2021, Steve Guerdat und Venard De Cerisy, war das erste Paar, dem eine doppelte Nullrunde gelang. Die aktuelle Nummer 39 der Weltrangliste, Gilles Thomas, war der nächste Reiter, der zur Freude des kalifornischen Publikums ebenfalls fehlerfrei bleiben konnte, so dass ein Stechen erforderlich wurde. Rolex-Testimonial Daniel „Double D“ Deusser und seine 12-jährige Stute Killer Queen VDM sicherten sich kurz darauf ebenfalls einen Platz im Stechen. Der Sieger des Tourmaline Oil Cups vom Freitag, McLain Ward, schaffte es nach einem Abwurf nicht in die Entscheidung.

Der Ausgang des Stechens des dritten Umlaufs war offen und das fachkundige Publikum wartete gespannt darauf. Als Erster absolvierte Steve Guerdat den Stechparcours und überquerte die Ziellinie mit vier Fehlerpunkten in 41,70 Sekunden. Gilles Thomas, der als nächster an der Reihe war, kam nach Abwürfen am CP-Oxer sowie am finalen Hindernis mit acht Fehlerpunkten in 42,31 Sekunden ins Ziel. Daniel Deußer ritt in aller Ruhe in den International Ring ein, navigierte akribisch durch das Stechen mit acht Hindernissen und überquerte die Ziellinie fehlerfrei innerhalb des Zeitlimits. Damit gewann er den CP ‚International‘ 2022, presented by Rolex und wurde zum Live Contender des Rolex Grand Slam of Show Jumping.

Zum Sieg beim CP ‚International‘, presented by Rolex äußerte sich Deußer wie folgt: „Das hier ist ein historischer Grand Prix, es ist eine Klasse, die ich verfolge, seit ich sehr, sehr jung bin. Ich habe die Prüfung im Fernsehen gesehen, und ich habe noch VHS-Kassetten zu Hause, auf denen das Springen zu sehen ist. Ich habe es mir immer wieder angesehen und konnte mir nie vorstellen, selbst hier zu sein. Den CP ‚International‘, presented by Rolex hier in Spruce Meadows zu gewinnen, ist ein fantastisches Gefühl.“

Voller Begeisterung für seine Stute Killer Queen VDM merkte Deußer an: „Sie hatte eine fantastische Woche, um ehrlich zu sein. Ich habe den ersten Tag mit einer kleinen Prüfung begonnen und hatte Zweifel, sie in einer großen Prüfung einzusetzen, aber schließlich bin ich mit ihr am Freitag in der großen Prüfung gestartet, weil sie noch nie hier im International Ring war. Ich denke, dass es heute eine gute Entscheidung war, sie ist drei fantastische, fehlerfreie Runden gesprungen, und sie wird heute Abend auf jeden Fall ein großes, großes Abendessen und einige Karotten und Leckerlies bekommen!“

 

 

(Photo: Spruce Meadows Media / Jack Cusano) (Photo: Spruce Meadows Media / Jack Cusano)

Meet the Next Gen:

Dylan Munro

 

Was haben Sie bis zum Jahresende noch vor?

Die erfahreneren Pferde, die ich hier in Spruce Meadows dabei habe, machen eine kleine Pause, und zum Oktoberfest sind wir dann mit einigen der jüngeren Pferde zurück. Danach werden wir uns eine Auszeit gönnen, bevor wir in den ersten vier Monaten des nächsten Jahres das Winterprogramm in Thermal absolvieren.

Was macht Spruce Meadows zu einem so besonderen Ort für Wettkämpfe?

Ich bin in der Gegend aufgewachsen und schon als Kind hierhergekommen. Ich habe immer davon, im International Ring gegen die Besten der Welt anzutreten. Die ganze Geschichte, dieser Ort ist einfach legendär und es ist wirklich ein wahr gewordener Traum, hier antreten zu können.

Worauf sind Sie in Ihrer Karriere besonders stolz?

Der stolzeste Moment meiner bisherigen Karriere ist wohl, es geschafft zu haben, einmal während der Sommerserie im International Ring zu starten. Ich hatte mich während der Sommerserie gerade auf 1,40 m gesteigert. Mich für diesen Wettkampf zu qualifizieren, war also toll.

Wer hat Sie im Laufe Ihrer Karriere bis jetzt am meisten inspiriert?

In letzter Zeit meine beiden Trainer, Kelly Koss-Brix und Ben Asselin. Ich finde es toll, dass sie mich unter ihre Fittiche genommen haben und mir das Springreiten richtig beigebracht haben. Das hat es mir ermöglicht, einige unglaubliche Pferde zu reiten.

Was motiviert Sie und macht Sie so erfolgshungrig?

Mich motiviert, dass es immer mehr gibt, was man erreichen kann. Man will im Sport einfach immer besser werden, das Ziel ist, am Sonntag hier zu springen und an den größten Grands Prix teilzunehmen. All das motiviert mich, weiterzumachen und alles zu geben.

Erzählen Sie uns ein wenig über die Pferde, die Sie diese Woche dabeihaben...

Ich habe Face to Face dabei, oder „Frankie“, wie wir ihn im Stall nennen. Dieses Pferd liebe ich einfach. Er hat während meiner Karriere so viel für mich getan. Wir haben wirklich eine erstaunliche Partnerschaft aufgebaut und ich bin einfach begeistert davon, was er und ich im Sommer erreicht haben. Er ist ein großartiges Pferd für mich und ich kann nur Gutes über ihn sagen.

Das andere Pferd ist eine Stute namens Castelle [Van Het Beeckhof Z], sie gehört der Telsec Farm. Es ist für mich ein großes Glück, dass sie mir die Chance gegeben haben, sie zu reiten. Sie ist eine typische Stute, ein bisschen eigenwillig und will, dass alles immer nach ihren Vorstellungen läuft. Aber sie springt unglaublich und ich bin der Meinung, dass ihre Zukunft noch Großes bereithält.

Haben Sie junge Pferde, die Ihrer Meinung nach das Zeug zum Superstar haben?

Ich persönlich habe keine eigenen jungen Pferde, aber das Pferd, das Ben und Kelly mich zu Hause reiten lassen, heißt Macgyver und ist ein Vollbruder von Bens tollem Pferd Makavoy, das jetzt im Ruhestand ist und das Leben auf der Weide genießt. Er kommt langsam in Fahrt, und ich glaube wirklich, dass er über ein riesiges Potenzial verfügt.

Was ist der beste Rat, den Sie je bekommen haben?

Erst letzte Woche hat Ben zu mir gesagt, dass ich außerhalb der Turniere so hart gearbeitet habe, damit ich am Ende nur noch in den Parcours gehen und loslegen muss. Er hat gesagt, ich müsse auf die Arbeit und die Prozesse vertrauen und auf die unzähligen Stunden, die ich trainiert habe. Das wird sich im Parcours auszahlen. Ich muss einfach hineinreiten und daran glauben, dass ich jede Prüfung gewinnen kann.

Welchen positiven Beitrag leistet der Rolex Grand Slam Ihrer Meinung nach für den Springsport?

Er ist einfach toll und hat das Interesse der Menschen am Springsport neu entfacht. Ich hab die großen Veranstaltungen in Europa noch nicht selbst miterlebt. Hier zu sein und zu sehen, wie groß das Interesse der Öffentlichkeit ist und wie sehr sie sich für den Sport begeistert, ist großartig und wirklich gut für den Sport.

Was machen Sie abseits des Springreitens gerne?

Ich versuche, so viel wie möglich auf dem Bauernhof meiner Familie zu helfen. Ich liebe Eishockey und gehe im Winter so oft wie möglich zu den Spielen der Calgary Flames. Allgemein liebe ich einfach Sport.

(Photo: Spruce Meadows Media / Mike Sturk) (Photo: Spruce Meadows Media / Mike Sturk)

Interview mit:

Linda Southern-Heathcott

 

Sie müssen froh sein, dass die diesjährige Ausgabe des CSIO Spruce Meadows Masters wieder mit voller Zuschauerkapazität stattfindet.

Auf jeden Fall, es ist wunderbar, wieder hier zu sein. Irgendjemand dort oben scheint uns wohlgesonnen zu sein, denn wir haben herrlichen Sonnenschein, wir haben fantastischen Sport, und es ist einfach traumhaft, dass all diese Elemente zusammenkommen.

Gibt es in diesem Jahr etwas Neues beim CSIO Spruce Meadows Masters?

Das Wichtigste, was wir in diesem Jahr eingeführt haben, waren die Reitvorführungen, ganz besonders wollten wir das Dressurreiten in den Vordergrund stellen. Ich bin der Meinung, dass man das Dressurreiten in Kanada wirklich fördern muss. Es ist ein sehr schnell wachsender Sport, er ist ausgesprochen elegant und ich habe den Eindruck, dass die Vorführungen den Zuschauern wirklich gefallen haben. Wir hatten zwei wunderbare Dressurreiter, die aus Kanada stammen und CDI-Sieger sind. Der eine ist gerade erst von den Weltmeisterschaften zurückgekehrt, der andere ein aufstrebender Reitsportler. Es war eher zum Vergnügen gedacht, doch die Pferde waren gut aufeinander abgestimmt und sie haben am Freitagabend eine wunderbare Leistung gezeigt. Außerdem sind sie als Auftakt für den CP ‚International‘, presented by Rolex geplant.

Welche Eigenschaften sind Ihnen bei Ihren Teammitgliedern wichtig? Was macht ein erfolgreiches Team aus?

Die entscheidendste Qualität ist, dass das Team zusammenarbeitet, in guten wie in schlechten Zeiten. Alle Mitglieder müssen sich hinsetzen und wirklich versuchen, Lösungen für die Probleme zu finden, die sich ihnen stellen und sie sollten diese Herausforderungen in Chancen verwandeln. Für mich ist das das Wesentliche.

Was raten Sie jemandem, der in die Sportveranstaltungsbranche einsteigen möchte?

Mein wichtigster Rat ist etwas, das nicht gerade meine Stärke ist: Geduld zu haben. Ich möchte die Menschen auch dazu ermutigen, sich Ziele zu setzen, sie klar vor Augen zu haben und immer auf sie hinzuarbeiten. Ich glaube, einer der wichtigsten Grundsätze für alle vier Grand Slam-Turniere ist, dass wir uns alle darauf eingestellt haben, auf lange Sicht am Ball zu bleiben. Es geht nicht um eine schnelle Lösung oder unmittelbare Ergebnisse, sondern darum, den Sport aufzubauen und sich für ihn zu engagieren, indem wir alle Beteiligten dafür gewinnen, seien es die Athleten, unsere Fans, unsere Sponsoren oder die Medien. Es geht darum, alle diese Elemente zusammenzuhalten und den Sport voranzubringen.

Was macht für Sie eine erfolgreiche Sportgroßveranstaltung aus?

Sie muss spannungsgeladen sein. Jedes der Rolex Grand Slam-Turniere ist einzigartig, jedes besticht durch eine andere Atmosphäre. Ich glaube, dass der Sport aktuell etwas monoton und gleichförmig wirkt. Das Masters im Golf unterscheidet sich von den US Open Championships und in der Formel 1 ist der Grand Prix von Monaco etwas anderes als der Grand Prix der Niederlande. Einzigartig zu sein und der eigenen Kultur und dem eigenen Charakter treu zu bleiben, ist ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs. Ein weiterer Bestandteil sind die Spitzensportler, die man zu bieten hat. Und dann lässt man den Sport und den Wettbewerb ihre Wirkung entfalten, so dass man als Zuschauer die Intensität genießen und sich unterhalten und begeistern lassen kann. Wenn man alle diese Bestandteile zur Verfügung hat, ist einem der Erfolg der Veranstaltung sicher.

(Photo: Spruce Meadows Media/Jack Cusano) (Photo: Spruce Meadows Media/Jack Cusano)

McLain Ward gewinnt die Tourmaline Oil Cup

 

Ganze 49 Reiter-Pferd-Kombinationen, darunter vier der aktuellen Top 10 der Weltrangliste, traten zum Höhepunkt des zweiten Tages des CSIO5* Spruce Meadows „Masters“ an, dem 1,60 m Tourmaline Oil Cup. Der venezolanische Parcours-Designer Leopoldo Palacios schien eine schwierige Aufgabe gestellt zu haben, denn viele der Weltklasse-Reiter waren nicht in der Lage, den Parcours mit 12 Hindernissen fehlerfrei zu bewältigen und ins Stechen zu kommen. Zur Freude des Publikums im International Ring gab es jedoch gegen Ende eine Reihe von Paaren, die sich diesem Trend widersetzten. So kam es zu einem spannenden Stechen mit sechs Pferden, das später auf vier Pferde reduziert wurde, nachdem Daniel Bluman aus Israel mit Ladriano Z sowie der Drittplatzierte im Rolex Grand Prix beim CHIO Aachen, Nicola Philippaerts mit Katanga v/h Dingeshof beschlossen hatten, nicht teilzunehmen.

Zu den vier Paaren, die zum finalen Showdown antraten, gehörten Rolex Testimonee McLain Ward mit HH Azur aus Amerika, Rolex Grand Slam of Show Jumping Champion Scott Brash mit Hello Jefferson, der weitere Rolex Testimonee Daniel Deußer aus Deutschland und sein 11-jähriger Hengst Bingo Ste Hermelle sowie Harrie Smolders und sein Superstar-Hengst Darry Lou, der diese Arena wie kaum ein anderer kennt, da er hier 2019 mit seiner früheren Partnerin Beezie Madden beim CP International, presented by Rolex, triumphiert hat.

Auf die vier Paare wartete ein Stechen über acht Hindernisse, bei dem Scott Brash als erster an der Reihe war und in 45,92 Sekunden eine Null-Fehler-Runde schaffte. Ihm folgte McLain Ward, der ebenfall fehlerfrei durch den Parcours stürmte und Brashs Zeit um über fünf Sekunden unterbot. Damit blieben nur noch Deußer und Smolders übrig, die beide fehlerfrei waren, aber die uneinholbare Führung des Amerikaners nicht toppen konnten, sodass der Deutsche auf Platz zwei und der Niederländer auf Platz drei landete.

Ward freute sich über seinen Sieg und seine 16-jährige Stute und kommentierte: „Pferde verstehen Wichtigkeit und Energie anders als wir. Ich bin überzeugt, diese großartigen Pferde spüren die Atmosphäre und wollen gut abschneiden, sie wollen gefallen und sich der Situation stellen. Meine Stute ging heute zum Tor und hob den Kopf, ihre Augen waren direkt auf die Arena gerichtet, die Ohren gespitzt, dieses Pferd zog mich quasi in Richtung Parcours, also versteht sie in gewisser Weise ganz bestimmt, worum es geht.“

Mit Blick auf das CP International, presented by Rolex, am Sonntag, erklärte Ward: „Jetzt habe ich genug Erfahrung. Ich versuche einfach, mich auf meinen Job zu konzentrieren und an unseren Plan und an das Pferd zu glauben. Dann fehlt nur noch ein bisschen Glück.“

(Photo: Spruce Meadows Media/Mike Sturk) (Photo: Spruce Meadows Media/Mike Sturk)

(Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) (Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

Interview mit:

Leopoldo Palacios

 

Wie sieht ein typischer Tag beim Spruce Meadows Masters‘ für Sie aus?

Ich stehe in der Regel um 6 Uhr auf und komme um 7 Uhr auf der Anlage an. Heute Abend werde ich erst recht spät fertig sein, so gegen Mitternacht, da ich das Ende der ATCO Six Bar abwarten und danach den Parcours für morgen früh aufbauen muss. Morgen bin ich dann wieder früh hier, um dem Parcours den letzten Schliff zu geben, was zu meiner Aufgabe gehört.

Was sind Ihre Leidenschaften abseits der Parcours-Gestaltung?

Meine größte Passion sind Pferde. Ich liebe Pferde. Außerdem mag ich Hochseeangeln, am liebsten nach Marlin und Thunfisch, was auch mein Vater liebte. Aber nur nach ihnen angeln, nicht mit ihnen schwimmen! Meine Familie hatte früher ein spezielles Fischerboot, mit dem mein Vater an Wettbewerben in Venezuela teilnahm. Nachdem er mit der Landwirtschaft abgeschlossen hatte, ging er Angeln und ich begleitete ihn, so begann meine Liebe dazu. Mein Heimatland Venezuela ist ein absolutes Paradies zum Angeln, die Karibik ebenso. Dieses Leben verläuft weitgehend parallel zu meiner Karriere als Parcours-Designer.

Welchen Rat würden Sie jungen Menschen geben, die professionelle Parcours-Designer werden möchten?

Zuerst würde ich betonen, dass man Pferde lieben muss. Ich würde der Person auch sagen, dass man Leidenschaft haben muss und nicht des Geldes wegen motiviert sein darf, denn es ist kein Job, mit dem man reich wird. Man kann zwar gut davon leben, aber bei diesem Job geht es vor allem um die Liebe zu den Pferden und die Leidenschaft für den Sport. Was die Technik angeht, würde ich einem jungen Parcours-Designer empfehlen, Geometrie und Zeichnen zu lernen, um ein Gefühl für Größenverhältnisse zu entwickeln. Es ist auch wichtig, Pferde zu verstehen und vor allem ihre Mimik lesen zu können, um zu erkennen, ob sie glücklich oder traurig sind. Wer also Parcours-Designer werden will, sollte ein gutes Gleichgewicht zwischen technischem Können und Gefühl haben. Denn schließlich muss man die bestmöglichen Parcours bauen. Die Reiter sollen dabei gegeneinander antreten und nicht gegen den Designer oder den Parcours.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an Ihre Karriere als Parcours-Designer?

Das ist eine sehr schwierige Frage, aber ich war besonders glücklich, als Scott Brash hier den Rolex Grand Slam of Show Jumping gewonnen hat. An diesem Tag war das Stadion voll, und im International Ring herrschte absolute Stille – man hörte nur Hello Sanctos. Ich finde es einfach toll, was Rolex für den Sport tut. Ein weiterer sehr emotionaler Moment war für mich bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000. Noch nie in der Geschichte der Olympischen Spiele gab es im Einzelspringen nur drei Pferde, die um die drei Medaillen gesprungen sind. Das ist immer mein Traum und mein Wunsch gewesen. Und dort ist er wahr geworden. In diesem Moment bin ich total durchgedreht und durch die Gegend gesprungen. Und das ist nicht mit doppelten Nullrunden, sondern mit Fehlern in beiden Runden geschehen.

Wo und wann haben Sie als leitender Parcours-Designer Ihren ersten Parcours entworfen?

Meinen ersten Parcours habe ich 1976 als leitender Designer in Venezuela entworfen. 1977 habe ich dann meinen ersten internationalen Parcours in der Nord- und Südamerikanischen Liga gebaut.

Wer hat Sie im Laufe Ihrer Karriere am meisten inspiriert?

Meine Hauptinspirationen waren zwei meiner Mentoren: Arno Gego und Pamela Carruthers. Mit beiden habe ich viele, viele Jahre zusammengearbeitet. Drei Jahre lang war ich der Assistent von Arno Gego, von dem ich unheimlich viel gelernt habe und der danach wie ein Vater für mich gewesen ist.

Erzählen Sie uns zum Abschluss noch etwas über den Parcours, den Sie für das CP International, presented by Rolex, am Sonntag entworfen haben, und wer Ihrer Meinung nach gewinnen wird ...

Ich mag es nicht, Parcours zu bauen, die nicht ausgewogen sind, also werde ich am Sonntag darauf achten, dass ich, wenn ich eine lange Linie einbaue, auch eine kurze Linie und eine normale Linie einbaue. Auf diese Weise wird der Parcours allen Pferden und Reitern gerecht.

Ich denke, dass wir in diesem Jahr eine tolle Liste von Pferden haben und die Qualität sehr hoch ist – die Besten der Besten. Wenn ich mir die Startliste für das CP International, presented by Rolex, ansehe und mir überlege, wie die Pferde im Laufe der Woche gesprungen sind, kann ich normalerweise zwischen 15 und 20 Pferde nennen, die eine Chance auf den Sieg haben könnten. Aber dieses Jahr gibt es bis zu 30 Kombinationen, auf die das zutrifft. Ich glaube, die Reiter haben die Bedeutung des Rolex Grand Slam begriffen und schonen ihre Pferde für diese unglaubliche Chance

Reiter Interview:

Matthew Sampson

 

Hier in Spruce Meadows konnten Sie einige erstaunliche Erfolge feiern – was macht diesen Ort so besonders für Wettkämpfe?

Letztes Jahr war ich zum ersten Mal hier, dieses Jahr habe ich an der Sommerserie teilgenommen, was fantastisch gewesen ist. Ich hatte das Glück, zwei 5*-Grands Prix mit zwei verschiedenen Pferden zu gewinnen. Die Pferde wachsen hier einfach über sich hinaus, die Anlagen sind die besten der Welt, deshalb bin ich sehr dankbar, hier reiten zu dürfen.

Mit welchen Pferden werden Sie diese Woche beim Spruce Meadows ‘Masters‘ antreten?

Für die 5*-Tour habe ich zwei Pferde: Ebolensky, der hier letzte Woche den 5*-Grand Prix gewonnen hat, und Fabrice DN, der den Grand Prix [CP International, presented by Rolex] bestreiten wird, das ist mein Plan. Die beiden sind tolle, aber auch sehr unterschiedliche Pferde. Eines davon gehört Luis Alejandro Plascencia aus Mexico, das andere gehört mir und der Evison-Familie aus England. Beide Pferde sind hervorragend und ich freue mich auf eine tolle Woche.

Sie und Fabrice DN haben im Juni den RBC Grand Prix of Canada CSI 5* gewonnen und Sie haben Ihrem Team viel Anerkennung gezollt. Sagen Sie uns, wie wichtig Ihr Team für Ihren Erfolg ist ...

Ohne sie – Kate, Brad, meine Freundin Kara und all die Leute zu Hause – wäre das alles nicht möglich. Darüber hinaus darf ich auch meine Besitzer und meine Eltern nicht vergessen, die mir dass alles erst ermöglichen. Es wird oft nicht genug darüber gesprochen, aber hinter mir steht ein großes Team, das dafür sorgt, dass es den Pferden so gut wie möglich geht.

Haben Sie junge Pferde, von denen Sie glauben, dass sie das Potenzial zum 5*-Grand-Prix-Sieger haben?

Ich habe ein Pferd namens King Lepatino, das hier gesprungen ist und dem amerikanischen Stall Cumberland Acres gehört. Er ist sieben Jahre alt und hat hier im International Ring sein internationales Debüt gefeiert – und dabei eine schöne fehlerfreie Runde hingelegt.

Wer hat Sie im Laufe Ihrer Karriere am meisten inspiriert?

Am allermeisten meine Eltern, die mich immer mit viel Vertrauen antreiben. Als Reiter John und Michael Whitaker –  diese Jungs habe ich während meiner gesamten Kindheit bewundert. Und mein guter Freund Scott Brash, der sich hier fantastisch geschlagen hat. Wir haben viel zusammen gemacht, als wir jünger waren, er steht mir immer mit Ratschlägen zur Seite. Es gibt aber auch noch viele andere, z. B. Duncan Ingles, für den ich in jüngeren Jahren gearbeitet habe, auch er hat mir sehr geholfen.

Was machen Sie abseits des Springreitens gerne?

Alles, was mit Wettkampf zu tun hat. Aber meistens haben wir nicht viele Gelegenheiten für andere Aktivitäten, also ist es das Wichtigste, meine Familie zu sehen, wenn ich nicht bei einem Turnier bin.

Worauf sind Sie in Ihrer Karriere besonders stolz?

Meinen ersten 5*-Grand Prix hier in Spruce Meadows zu gewinnen, war ein Lebensziel, das jeder Reiter anstrebt, das ist wirklich etwas ganz Besonderes.

Welchen positiven Beitrag leistet der Rolex Grand Slam Ihrer Meinung nach für den Springsport?

Er ist einfach unglaublich und für mich das spannendste, das unser Sport zu bieten hat. Es gibt so viele Grands Prix, aber die vier Majors des Rolex Grand Slam sind absolut die besten, die Qualität der Anlagen ist jeweils einfach fantastisch. Das ist super für den Sport und ich danke Rolex dafür.

(Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) (Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

Conor Swail gewinnt die CANA Cup

 

Am ersten Tag des CSIO5* Spruce Meadows Masters 2022 traten 37 Kombinationen aus 17 Ländern bei kühlem, aber sonnigem Wetter im legendären International Ring beim CANA Cup für 1,60 m in Calgary gegeneinander an – alle mit dem festen Ziel vor Augen, sich für das CP International, presented by Rolex, am Sonntag zu qualifizieren. Zu den Spitzenreitern gehörten der derzeitige Weltranglistenerste Henrik von Eckermann aus Schweden, der britische Rolex Grand Slam of Show Jumping-Champion Scott Brash, der Amerikaner McLain Ward und der ehemalige Major-Sieger Max Kühner aus Österreich.

Der von Leopoldo Palacios aus Venezuela entworfene Parcours mit 12 Hindernissen wurde in der ersten Runde von sechs Paaren fehlerfrei absolviert. Von diesen sechs Reitern verzichteten jedoch der Franzose Kevin Staut und Daniel Bluman aus Israel auf die weitere Teilnahme, sodass nur vier Reiter im Stechen antraten. Zu diesen Reitern gehörten der Belgier Olivier Philippaerts, der Franzose Marc Dilasser, der Ire Conor Swail und die aktuelle Nummer 18 der Weltrangliste aus Deutschland und Rolex-Testimonee Daniel Deußer.

Olivier Philippaerts und sein 11-jähriger Hengst Le Blue Diamond V't Ruytershof waren die ersten im Ring und kamen mit vier Fehlern ins Ziel. Ebenso erging es dem Zweiten Daniel Deußer mit seinem 11-jähriger Hengst Bingo Ste Hermelle. Conor Swail – derzeit Weltranglistenvierter – und sein 15-jähriger Wallach Count Me In bewältigten den verkürzten Parcours in 43,46 Sekunden fehlerfrei. Der Franzose Marc Dilasser, der als Letzter an den Start ging, machte zu Beginn einen starken Eindruck, doch er und sein 10-jähriger Wallach Chamann Has brachten den vorletzten Sprung zu Fall und belegten am Ende den dritten Platz.

Swail freute sich über seinen Sieg und lobte die Unterstützung durch sein Team: „Ich steige jeden Tag in den Sattel und reite ein oder zwei Stunden, aber die Menschen um mich herum sind diejenigen, die die ganze harte Arbeit machen, die sicherstellen, dass er [Count Me In] gesund ist und sicher von A nach B reist. Wir sind natürlich sehr gut in dem, was wir tun, aber es ist das Team, das hinter einem steht, das alles zum Laufen bringt und den Erfolg ermöglicht.“

Und die Qualifikation zum Rolex-Major am Sonntag kommentierte Swail: „Ich bin sehr aufgeregt, denn mein Hengst ist gut in Form. Er ist hier bereits im Sommer gesprungen und war Zweiter im Großen Preis. Er liefert mir immer gute Leistungen ab, mit etwas Glück reiten wir am Sonntag ganz vorne mit.“

(Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) (Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

Reiter Interview:

Amy Millar

 

Mit welchen Pferden werden Sie diese Woche antreten?

Ich habe zwei Pferde mit hierher gebracht, Christiano und Truman. Es sind zwei Wallache und ich reite sie schon eine Weile. Es sind fantastische Pferde – sie sind solide, mutig, aufmerksam und wendig, daher bin ich optimistisch, was unsere Chancen in dieser Woche angeht!

Warum ist Spruce Meadows ein so unglaublicher Ort, um hierher zu kommen und an Wettkämpfen teilzunehmen?

Es ist ein so schöner Platz hier. Wenn man unter dem Uhrenturm durchläuft und die formelle Art der Begrüßung des Sponsors miterlebt, gepaart mit den Sprüngen, die immer sehr anspruchsvoll sind, dann wird es hier nie langweilig. Etwas Besonderes an dem Turnier ist auch das Publikum und die Qualität der Pferde hier. Es ist so gut für Kanada, diese Qualität von Pferden und Reitern in unserem Land zu haben. Seit der Pandemie war es in Kanada wirklich schwer, jetzt all diese großartigen Europäer und die Besten der Welt wieder hier zu haben, ist wirklich aufregend.

Wie sehen Ihre Pläne für diese Woche aus, insbesondere mit Blick auf das CP ‘International’, presented by Rolex?

Die Qualifikation ist natürlich wichtig. Mein bestes Pferd ist Truman, der am Samstag den Nationenpreis springen wird und dann am Sonntag noch einmal antritt. Er ist ein solides Pferd und definitiv fit genug, um alles zu schaffen. Es wird nur darauf ankommen, dass er sich gut erholt, vor allem wenn wir am Samstag zwei schwere Umläufe springen. Es ist sehr wichtig, dass er sich gut fühlt und viel Energie für Sonntag hat – und dann werden wir sehen, was passiert.

Erzählen Sie uns von den Weltmeisterschaften und dem rein weiblichen kanadischen Springreiterteam ...

Die Weltmeisterschaften waren eine großartige Erfahrung. Es war unglaublich, von dieser Qualität an Pferden, Reitern und Professionalität umgeben zu sein. Die Kurse waren schwierig, aber fantastisch, es gab keinen Spielraum für Fehler. Wenn man sich in einem solchen Umfeld befindet, will man einfach alles besser machen. Ja, man kann sich immer noch verbessern, aber wenn man sich in einem solchen Umfeld bewegt, spornt mich das immer noch mehr an, noch besser zu werden.

Was das reine Frauenteam angeht, so hatte ich eine fantastische Zeit. Mit meinen Teamkolleginnen –

Tiffany, Beth und Erryn – hatte ich eine tolle Zeit zusammen, wir kommen alle sehr gut miteinander aus. Wir sind alle wirklich starke Frauen, zwar sind wir sehr unterschiedlich, aber letztendlich sind wir alle Kämpferinnen. Ich habe es wirklich genossen, Zeit mit ihnen zu verbringen und diese Schlacht zu schlagen.

Haben Sie irgendwelche jungen Pferde, in die Sie große Hoffnungen setzen?

Ich reite im Moment zwei sehr schöne achtjährige Pferde. Einer von ihnen heißt Jagger Hx und ich setze große Hoffnungen in ihn. Er ist schlau und sehr vorsichtig, ich hoffe, dass er mit etwas mehr Training den ganzen Weg schafft. Die andere ist eine kleine irische Stute namens Athena. Sie ist schnell, vorsichtig und eine echte Kämpferin. Wenn sich die beiden so entwickeln, wie ich es mir wünsche, dann habe ich hinter Christiano und Truman ein weiteres Doppelpack. Das ist das Ziel, wenn es um Langlebigkeit und Nachhaltigkeit geht.

Was hat der Rolex Grand Slam für den Springsport gebracht?

Der Rolex Grand Slam ist für den Springsport etwas ganz Besonderes. Ich hatte ein kleines Gespräch mit dem Rolex-Team, als ich in Europa war, sie erklärten mir ihre Marke und wie sie versuchen, sich mit Spitzenleistungen zu assoziieren. Dann schaue ich mir die Reitturniere und Reiter an, die sie sponsern. Ich sehe mir die Qualität ihrer Uhren an und mir wird klar, dass es bei Rolex nur um Spitzenleistungen geht. Jedes Mal, wenn man zu einem dieser Rolex Majors geht, weiß man, dass alles auf höchstem Niveau stattfinden wird. Wie ich schon sagte, es ist wirklich inspirierend.

Was machen Sie abseits des Springreitens am liebsten?

Nun, ich habe zwei Kinder – eines ist vier und eines ist zwölf Jahre alt. Außerdem habe ich einen wunderbaren Ehemann, der nicht reitet. Wenn ich nicht reite, verbringe ich so viel Zeit wie möglich mit ihnen, dann möchte ich einfach nur mit meiner Familie zusammen sein.

(Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) (Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

Word from the Organizers:

Ian Allison

 

Sicher freuen Sie sich, beim CSIO Spruce Meadows Masters wieder Fans dabei zu haben, die die Atmosphäre im International Ring und auch für die Fernsehzuschauer zu Hause auf der ganzen Welt bereichern?

Die letzten beiden Jahre waren sehr ungewöhnlich und manchmal auch schwierig. Da wir 2020 keine Turniere in Kanada veranstalten konnten und im letzten Jahr eine sehr Ausnahmeregelung mit großen Einschränkungen gab, konnten wir 2021 zumindest versuchen, wieder reinzukommen. Die jetzige Rückkehr fühlt sich an, als würde man ein Boot aus dem Trockendock ziehen. Wir hatten einige personelle Herausforderungen, der Sport hat sich verändert, es sind neue Akteure hinzugekommen. Das ist sehr aufregend sowohl für die Anlage als auch für alle Beteiligten, einschließlich der Reiter, der Medien, der Fans und auch der Sponsoren. Insbesondere natürlich die Sponsoren haben uns sehr geholfen, dazu haben wir eine fantastische Medienunterstützung und die beste Teilnehmerliste, die es jemals beim Spruce Meadows Masters gegeben hat. Das ist einfach fantastisch!

Können Sie uns etwas über die neue Zusammenarbeit mit Sportsnet erzählen?

Wir haben schon mehrmals mit Sportsnet zusammengearbeitet. Während der Pandemie sind wir auf die Idee gekommen, bestimmte Funktionen intern auszuführen, da die Anzahl der Anwesenden beschränkt war. Streaming setzte sich dadurch viel stärker durch. Wir haben Gespräche gehabt, die mit Begeisterung aufgenommen wurden, und es ist uns gelungen, die Übertragung zu erweitern, sodass wir 13 Wochen in Folge zur besten Sendezeit sowohl live als auch zeitversetzt auf Sportsnet zu sehen waren.

Das Interessante an diesem Sport ist, dass er nicht nur ein Stammpublikum hat, sondern auch ein Publikum von leidenschaftlichen Pferdenarren, die an Wochenenden in der Regel selbst reiten. Unserer Meinung nach besteht Nachfrage nach einer Live-Übertragung jeder Veranstaltung bei der man keine Runde aus dem International Ring verpasst, aber auch nach einem Dienst, mit dem Fans die Highlights ansehen können. Wir haben einen Business Plan erstellt und mit Sportsnet gesprochen – ehrlich gesagt waren die Gespräche kurz, denn sie kennen die Materie und unsere Arbeitsweise und wussten, dass wir in Kanada ein Publikum von Küste zu Küste haben, weil wir im Laufe der Jahre großes Interesse wecken.

Die Zusammenarbeit hat in diesem Jahr begonnen und sie lief von Anfang an fantastisch. An diesem Sonntag werden wir drei Stunden lang von Küste zu Küste auf Sportsnet übertragen, aufgrund der Flexibilität des Sendeplans und der Anzahl der Plattformen können die Menschen die ganze Woche über zuschauen, auch wenn sie vielleicht am Wochenende mehr am Start der NFL-Saison oder am Finale der US Open interessiert sind. Im Moment wird viel geboten.

Sie sind nun seit 47 Jahren bei Spruce Meadows – was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Aufgrund der aktuellen Situation fällt es schwer, nicht an den Besuch Ihrer Majestät, der Königin, in Spruce Meadows zurückzudenken. Dieser Tag im Juni 1990 war ohne eine einzige Wolke angebrochen und die Fans strömten bei ungewöhnlich viel Sonne in die Anlage. Ich kann mich noch gut an eine Frau erinnern, die um 6.00 Uhr mit ihrer walisischen Flagge auf der Südtribüne saß und einige hundert Kilometer gefahren war, um hier zu sein. Es war ein sehr magischer Tag, es wurde uns eine große Verantwortung übertragen, dieses Projekt für Mrs. Southern durchzuführen. Sie reiste mit Ihrer Majestät und uns war klar, dass sie sie mit der Eröffnung der Anlage beeindrucken wollte.

Es gab aber sogar noch weitere unvergessliche Tage für uns, zum Beispiel als Ian Millar mit Big Ben und Eric Lamaze mit Hickstead ihre legendären Siege errungen haben. Und natürlich der Rolex Grand Slam-Sieg von Scott Brash, den uns keiner mehr nehmen kann.

Nächstes Jahr jährt sich der erste Rolex Grand Slam of Show Jumping zum 10. Mal. Wie erfolgreich ist dieses Turnier und wie hat es den Sport positiv verändert?

Der Erfolg steht völlig außer Frage. Es hat sich auf die Welt außerhalb des Pferdesports ausgeweitet, denn die Menschen haben erkannt, was für ein erstaunliches Konzept und welche Herausforderung es ist. Ich denke, dass es gelungen ist, vier der größten Springreitplätze der Welt – jeder davon ist einzigartig – unter dem Dach einer unverwechselbaren Marke mit einem gemeinsamen Ziel zu vereinen. Dabei geht es aber nicht nur um eine Marketingstrategie. Alle vier Veranstaltungen können ihre Individualität bewahren, sei es Genf, die Dutch Masters oder Aachen.

Die Glaubwürdigkeit des Rolex Grand Slam of Show Jumping unterscheidet ihn von anderen Konzepten, die ausprobiert wurden. Er füllt den Kalender nicht zusätzlich und wurde auf der Grundlage etablierter Organisationen aufgebaut, die einen gewissen Ruf für Spitzenleistung haben. Die Sportler kannten die Plätze und wussten, was es braucht, um dort zu gewinnen. Die Liste der Siegerinnen und Sieger in den Einzelwettbewerben ist mehr als erstaunlich. Erstaunlich waren auch die Reiter, die aus dem Nichts aufgetaucht sind, wie Sameh El Dahan und Gerrit Nieberg – es hat ihr Leben verändert. Man kann meiner Meinung nach also durchaus von Erfolg sprechen.

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