INTERVIEW MIT BIRGIT ROSENBERG

Birgit Rosenberg, ©Andreas Steindl Birgit Rosenberg, ©Andreas Steindl

Wie sind die Vorbereitungen für die diesjährige Ausgabe des TSCHIO Aachen verlaufen und was hatte für Sie und Ihr Team oberste Priorität?

BR: Die diesjährige Veranstaltung unterscheidet sich deutlich von einem regulären CHIO Aachen, so viel steht fest. Unser Hauptaugenmerk bleibt aber unverändert: Wir wollen die Anlage bestmöglich vorbereiten und die allerbesten Bedingungen für Reiterinnen, Reiter und Pferde schaffen.

Für uns beginnt das mit den Böden sowie mit den Stallungen und der gesamten Infrastruktur, die notwendig ist, um die besten Pferde der Welt willkommen zu heißen. Das gehört immer zu unseren obersten Prioritäten.

In diesem Jahr haben wir ein verkürztes Programm. Deshalb war es besonders wichtig, den Zeitplan so zu gestalten, dass er den Reiterinnen und Reitern den optimalen Rahmen bietet, um ihre Pferde hierherzubringen, zu starten und sich gezielt auf den Rolex Grand Prix am Sonntag vorzubereiten. Gleichzeitig möchten wir den Besucherinnen und Besuchern ein sehr attraktives Programm bieten.

Ich finde, uns ist eine gute Mischung aus Spitzensport und Unterhaltung gelungen. Der Samstagabend wird zum Beispiel ein besonderer Höhepunkt: Dann findet das Konzert „Pferd & Sinfonie“ im Hauptstadion statt. Das Sinfonieorchester Aachen spielt live, während Reiterinnen, Reiter und Pferde zur Musik ihre Darbietungen zeigen. Ich bin überzeugt, dass das eine sehr stimmige Verbindung und eine ganz besondere Show werden wird.

Die Ausgabe 2026 findet in einem kompakten Dreitageformat vom 22. bis zum 24. Mai statt. Wie hat sich dieses Format auf die Gestaltung des Sportprogramms und der Vorbereitung auf den Rolex Grand Prix am Sonntag ausgewirkt?

BR: Die richtige Zusammenstellung des Programms hat viele Überlegungen erfordert. Wir bieten sehr gern Prüfungen für Nachwuchspferde an, weil die Reiterinnen und Reiter diese Pferde mit nach Aachen bringen möchten, damit sie in der großen Arena Wettkampferfahrung sammeln – oft zum allerersten Mal. Deshalb haben wir auch in diesem Jahr wieder Prüfungen für Nachwuchspferde ins Programm aufgenommen.

Besonders wichtig war uns, eine gute Balance zu finden. Es ist für uns auch deshalb etwas anders, weil sich unsere Veranstaltung üblicherweise stark um den Nationenpreis dreht, dem ein anderes Einladungsmodell zugrunde liegt. In diesem Jahr arbeiten wir mit einem CSI5*-Einladungsformat. Daher mussten wir sicherstellen, dass innerhalb dieses neuen Systems alles reibungslos funktioniert.

Bei einigen Aspekten musste das Team anders vorgehen, sodass sich alle ein Stück weit umstellen mussten. Ich empfinde das aber als etwas Positives. Es ist immer gut, neue Dinge auszuprobieren, Ideen zu entwickeln und auch einmal andere Wege zu gehen.

Das Veranstaltungsgelände der Aachener Soers ist im Reitsport einzigartig. Was macht diesen Schauplatz, die Arena und die Atmosphäre so besonders im Vergleich zu anderen Veranstaltungsorten?

BR: Die Rahmenbedingungen sind enorm wichtig, und wir versuchen in dieser Hinsicht stets, die höchsten Maßstäbe zu erfüllen. Doch ich glaube, dass das wirklich Besondere an Aachen die Geschichte ist. Die Veranstaltung findet hier seit über hundert Jahren statt, und der Schauplatz mit dem Hauptstadion hat etwas geradezu Magisches.

Wenn man sich alte Aufnahmen aus den 1920er-Jahren ansieht, erkennt man, dass es dem heutigen Bild mit den festen Hindernissen rund um die Arena schon erstaunlich ähnlich sah. Das ist sehr typisch für Aachen.

Auch das Publikum ist außergewöhnlich. Wir haben das große Glück, nicht nur sehr viele Zuschauerinnen und Zuschauer zu haben, sondern auch ein äußerst fachkundiges Publikum. Ganz gleich, aus welchem Land eine Reiterin oder ein Reiter kommt – die Menschen auf den Rängen feuern alle gleichermaßen an. Während des Ritts ist es fast mucksmäuschenstill, und am Ende der Runde bricht dann ein wahrer Jubelsturm los. Das ist etwas ganz Besonderes.

Für die Reiterinnen und Reiter ist es zudem ein großer Anreiz, auf der großen Siegertafel am Richterturm zu stehen, auf der die Gewinnerinnen und Gewinner des Grand Prix seit den 1920er-Jahren verewigt sind. Das hat einen ganz besonderen Stellenwert.

Was umfasst Ihre Rolle als Sportchefin und lassen Sie sich von anderen Veranstaltungen oder Sportarten inspirieren?

BR: Ja, absolut. Ich halte es für sehr wichtig, zu reisen, andere Veranstaltungen zu besuchen und zu beobachten, wie andere Organisatorinnen und Organisatoren arbeiten. Man kann von jeder Veranstaltung etwas mitnehmen – sei es etwas, das man positiv übernehmen kann, oder etwas, das man vielleicht anders machen würde.

Ich finde es außerdem wichtig, auch über den Reitsport hinauszuschauen. Ich tausche mich sehr gerne mit Menschen aus anderen Sportarten aus, um zu verstehen, wie sie bestimmte Themen angehen – insbesondere, wenn es darum geht, das Publikum einzubinden und ihm ein rundum stimmiges Veranstaltungserlebnis zu bieten.

Das ist ein wesentlicher Teil meiner Aufgabe: neue Ideen und Konzepte zu entwickeln. Wir haben hier das große Glück, mit einem sehr starken Team zu arbeiten, das sich aus jungen, begeisterten Menschen und sehr erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zusammensetzt. Die enge Zusammenarbeit mit ihnen, sie zu motivieren und dafür zu sorgen, dass sie ihre Arbeit gerne machen, bereitet mir viel Freude. Das ist aus meiner Sicht ein entscheidender Faktor für den Erfolg.

Der Rolex Grand Slam of Show Jumping verbindet vier der bedeutendsten Majors des Sports. Welche Rolle spielt Aachen innerhalb dieses Konzepts?

BR: Ich bin der Ansicht, dass der Rolex Grand Slam of Show Jumping dem Springreitsport etwas wirklich Einzigartiges hinzugefügt hat. Wir sind sehr stolz darauf, gemeinsam mit unseren Major-Partnern in Genf, Spruce Meadows und beim The Dutch Masters Teil dieses Konzepts zu sein.

Wir arbeiten eng zusammen, und der Austausch von Ideen ist von unschätzbarem Wert, um unsere Veranstaltungen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Meiner Meinung nach hat der Rolex Grand Slam jeder dieser Veranstaltungen geholfen, ein neues Niveau zu erreichen, weil wir alle stets nach dem Bestmöglichen streben.

Es ist außerdem etwas ganz Besonderes, Reiterinnen und Reiter auf der Rolex-Grand-Slam-Tour zu begleiten. Vor einigen Tagen hatten wir hier eine Pressekonferenz mit Richard Vogel. Als er über den Rolex Grand Slam und seine Teilnahme hier in Aachen sprach, sah man ihm das Lächeln deutlich an – und zugleich merkte man, wie konzentriert er ist. Nach seinem Sieg beim The Dutch Masters möchte er natürlich sehr gern auch hier gewinnen. Man spürt wirklich, welche besondere Bedeutung diese Veranstaltung für die Reiterinnen und Reiter hat.

Richard Vogel kommt als Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping zum TSCHIO Aachen. Was bedeutet es für Aachen, einen deutschen Reiter in dieser Position hier begrüßen zu dürfen?

BR: Das ist etwas ganz Besonderes. Richard weiß genau, wie er eine Verbindung zum Publikum aufbaut. Er liebt die Zuschauerinnen und Zuschauer – und sie lieben ihn.

Das konnte man im vergangenen Jahr sehr gut sehen, als er hier mehrere Prüfungen gewonnen hat. Er hat die Stimmung im Stadion richtig angeheizt, mit den Fans abgeklatscht und sie regelrecht mitgerissen. Für uns ist es großartig, ihn in dieser Rolle hier zu haben. Er ist ein echter Star des deutschen Reitsports – nicht nur wegen seiner Erfolge, sondern auch wegen seiner Persönlichkeit.

Bei der Pressekonferenz hat er mich sehr beeindruckt. Natürlich hat er gesagt, dass der Sonntag ein großer Tag ist und sich in dieser Woche alles um den Rolex Grand Prix dreht. Gleichzeitig hat er aber auch betont, dass er ein Nachwuchspferd mitbringen und in zusätzlichen Prüfungen wie dem MERKUR SPIELBANKEN-Cup starten wird, weil er das Bedürfnis verspürt, den Zuschauerinnen und Zuschauern etwas zurückzugeben.

Das fand ich sehr bemerkenswert und ich glaube, es sagt viel über ihn aus. Ihn als Anwärter auf den Rolex Grand Slam hier in Aachen zu haben, ist wirklich fantastisch.

Was war bisher Ihr stolzester Moment als Teil des Aachener Teams?

BR: Ich bin schon viele Jahre hier, deshalb gab es bereits zahlreiche unvergessliche Augenblicke. Einen einzigen herauszugreifen, fällt mir schwer.

Für uns als Team ist es immer ein ganz besonderer Moment, wenn wir am Sonntag nach dem Rolex Grand Prix den Abschied der Nationen erleben. Wir stehen dann gemeinsam dort, sind stolz auf unser Team und darauf, dass es uns gelungen ist, eine erfolgreiche Veranstaltung auf die Beine zu stellen.

Deshalb kann ich keinen einzelnen Moment benennen. Aber wenn eine Veranstaltung gut gelaufen ist, empfinde ich tiefen Stolz auf das gesamte Team und auf alles, was wir gemeinsam erreicht haben. Und ich hoffe sehr, dass wir am Sonntagabend wieder genau das sagen können.

Was wünschen Sie sich besonders für Erstbesucher? Was sollen sie in Aachen erleben und was soll ihnen im Gedächtnis bleiben?

BR: Ich würde mir wünschen, dass sie das Gefühl haben, hier etwas wirklich Besonderes erlebt zu haben. Vielleicht geht jemand, der bisher kaum Berührungspunkte mit dem Reitsport hatte, nach den Wettkämpfen fasziniert von der Verbindung zwischen Pferden und Reiterinnen bzw. Reitern nach Hause.

Schön wäre es auch, wenn den Besucherinnen und Besuchern der Schauplatz, die Atmosphäre und dieses besondere Gefühl, hier in Aachen zu sein, im Gedächtnis bleibt.

Mir ist wichtig, dass die Menschen eine Erinnerung mitnehmen, die sie nicht so schnell vergessen – eine, die in ihnen den Wunsch weckt, auch in Zukunft wiederzukommen.