©Sofya Khizhik, Bryan Smits, Rolex Grand Slam
Sie treten beim TSCHIO Aachen während eines der vier Majors an, aus denen der Rolex Grand Slam of Show Jumping besteht. Was bedeutet es Ihnen, an diesem Punkt Ihrer Karriere an einer Veranstaltung von diesem Ausmaß und Prestige teilzunehmen?
BS: Ich durfte beim CHI Genf in den U-25-Prüfungen starten, und jetzt hier beim TSCHIO Aachen zu sein, ist etwas ganz Besonderes. Ich finde solche Erfahrungen unglaublich wichtig für Nachwuchsreiter.
Wenn man die Chance hat, bei Veranstaltungen dieses Kalibers anzutreten, fühlt man sich von Mal zu Mal wohler in einem solchen Umfeld. Man ist umgeben von den besten Reitern und Reiterinnen der Welt und bekommt langsam ein Verständnis dafür, was nötig ist, um es bis ganz an die Spitze des Sports zu schaffen. Ich hoffe, dass ich in ein paar Jahren oder vielleicht schon nächstes Jahr auch in den großen Prüfungen hier antreten kann. Eine Veranstaltung wie diese trägt dazu bei, dass man sich besser vorbereitet fühlt und genau dadurch kann man dann bessere Leistung erbringen, wenn die Gelegenheit endlich kommt.
Sie haben diese Saison schon einige sehr gute Ergebnisse mit Karma-Blue erzielt. Wie sehr stärken diese jüngsten Erfolge Ihr Selbstvertrauen, wenn Sie jetzt an einen so wichtigen Schauplatz wie Aachen kommen?
BS: Das stärkt mein Selbstbewusstsein sehr. Wenn es in diesem Sport mit einem Pferd gut läuft, hat das oft auch einen positiven Effekt auf die anderen. Im Augenblick haben wir eine gute Phase und ich versuche, das zu genießen. Im Springreiten gibt es viele Höhen und Tiefen und wenn es gut läuft, muss man daraus Zuversicht ziehen. Das hilft einem fast dabei, Kraft für die schwierigeren Augenblicke zu tanken, die in diesem Sport unvermeidbar sind. Das ist auch ein Grund, weshalb ich das Gefühl hatte, dass es der richtige Zeitpunkt war, um hierherzukommen. Wäre nicht alles so gut gelaufen, hätte ich mich vielleicht eher für eine nationale Veranstaltung entschieden, aber ich bin voller Zuversicht nach Aachen gekommen.
Ich bin aber nicht hier, weil ich denke, dass ich jede Prüfung gewinnen muss. Für mich geht es darum, Erfahrung an diesem unglaublichen Schauplatz zu sammeln, meine Chance zu genießen und mich weiter plangemäß zu verbessern.
Auf diesem sportlichen Niveau macht die Partnerschaft zwischen Pferd und Reiter oft den entscheidenden Unterschied. Wie bauen Sie diese Beziehung zu Ihren Pferden auf?
BS: Die Beziehung zum Pferd ist das Allerwichtigste. Für mich ist sie sogar wichtiger als die Arbeit an der Technik oderdas Springen. Man muss Zeit mit ihnen verbringen und sie richtig kennenlernen.
Das habe ich in guten Trainingssystemen sehr deutlich erlebt, auch während meiner Zeit im Team Fuchs. Es geht nicht nur darum, was in der Arena oder im Training passiert, sondern um die Zeit, die man täglich mit den Pferden verbringt. Nach der täglichen Reitroutine, der Arbeit im Stall und auf dem Hof nehme ich mir gern ein oder zwei Pferde und gehe einfach mit ihnen spazieren. Ich könnte diese Zeit auch zu Hause beim Essen oder am Handy verbringen, aber ich versuche stattdessen, bei den Pferden zu sein. Es geht darum, einfach bei ihnen zu sein, ihnen etwas Entspannung zu gönnen und sie einfach Pferd sein zu lassen.
Ich gehe auch oft ins Gelände, weil ich das sehr wichtig finde. Es ist spannend zu sehen, wie sehr die Pferde davon profitieren. Wenn sie eine gute Einstellung haben und dir vertrauen, kämpfen sie mit dir statt gegen dich, und das macht einen gewaltigen Unterschied. Es liegt nicht nur daran, dass man ein guter Reiter ist, sondern daran, dass man sich gegenseitig so gut kennt. Durch diese Beziehung versteht das Pferd dich auf ganz andere Art und Weise.
Sie stehen noch am Anfang Ihrer Karriere, sammeln aber bereits Erfahrung bei einigen der größten Veranstaltungen dieses Sports. Wie gelingt Ihnen als Nachwuchsreiter der Balanceakt zwischen Ehrgeiz und Geduld?
BS: Ich glaube, man muss begreifen, dass alles seine Zeit braucht. Natürlich will man als Reiter vorankommen und auf höchstem Niveau antreten, aber man muss auch geduldig sein und die richtigen Entscheidungen für die Pferde und auch für die eigene Weiterentwicklung treffen.
Hier zu sein, ist Teil dieses Prozesses. Ich bin ehrgeizig, aber mir ist auch bewusst, dass ich immer noch lerne. Ich komme nicht an einen Veranstaltungsort wie Aachen und erwarte gleich alles auf einmal. Ich komme her, um Erfahrungen zu sammeln, die Atmosphäre kennenzulernen, den besten Reitern und Reiterinnen zuzusehen und mich Schritt für Schritt zu verbessern.
In Aachen anzutreten, gilt oft als Meilenstein in der Karriere eines Reiters oder einer Reiterin. Welchen Stellenwert hat dieser Augenblick in Ihrer bisherigen Karriere?
BS: Es ist ein sehr wichtiger Augenblick für mich. Aachen ist eines der Turniere, von denen jeder Reiter träumt. Dass ich schon jetzt, an diesem Punkt in meiner Karriere, hier bin, ist etwas ganz Besonderes.
Es fühlt sich ein bisschen wie ein wahr gewordener Traum an. Wenn man jung ist, träumt man von diesen Veranstaltungen, und dann wacht man plötzlich auf und ist hier in Aachen. Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ich stehe noch am Anfang meiner Reise, aber dass ich diese Erfahrung jetzt schon machen darf, wird mir in der Zukunft sehr helfen.
Die Schweiz hat eine herausragende Tradition im Springreiten mit Reitern wie Steve Guerdat und Martin Fuchs, die beständig Spitzenleistungen erbringen. Ist es eine große Inspiration für Sie, im weiteren Sinn zum Schweizer Team zu gehören?
BS: Eine sehr große. Wir haben Reiter wie Steve Guerdat und Martin Fuchs, die auf höchstem Niveau so viel erreicht haben. Ich muss sagen, ich bin ein großer Fan von Steve. Martin ist auch ein unglaublicher Reiter, aber Steve wohnt ganz in der Nähe meines Heimatortes und das macht es für mich umso besonderer.
Ich stamme aus dem Schweizer Kanton Jura, wo Pferde eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen. Es ist zwar eine kleine Region, aber viele sehr gute Reiter kommen von dort, wie Steve Guerdat, Alain Jufer, Anthony Bourquard und Gaëtan Joliat. Meine Eltern sind ebenfalls beide geritten und so haben Pferde schon immer zu meinem Leben gehört.
Ich bin sehr stolz darauf, sowohl die Schweiz als auch Jura zu vertreten. Swiss Equestrian leistet hervorragende Arbeit mit seinen Talentprogrammen, der Organisation von Lehrgängen und Trainingskursen und unterstützt uns wirklich sehr. Zweimal im Jahr gehen wir außerdem zur medizinischen Untersuchung, zum Leistungscheck und zur Blutuntersuchung. Sie stehen immer hinter uns und helfen uns und ich glaube, diese Unterstützung ist einer der Gründe, weshalb die Schweiz so erfolgreich ist.
Ich bin zwar noch nicht dort angekommen, aber ich glaube, ein solches System kann einem Reiter dabei helfen, es bis ganz an die Spitze zu schaffen. Ich bin sehr stolz darauf, die Schweizer Farben zu tragen.
Sie haben an der von Rolex unterstützten Young Riders Academy teilgenommen. Wie wertvoll war diese Erfahrung, nicht nur im Hinblick auf Ihre Weiterentwicklung als Reiter, sondern auch für Ihr Verständnis der vielfältigen Anforderungen des Sports?
BS: Es war eine unglaublich wertvolle Erfahrung. Ich bin zuallererst überhaupt erst dank der von Rolex unterstützten Young Riders Academy hier beim TSCHIO Aachen. Sie hat mir die Chance verschafft, hier anzutreten, was schon ganz unglaublich ist.
Aber die Academy bietet so viel mehr als nur die Chance, bei solchen Veranstaltungen zu reiten. Sie gibt Nachwuchsreitern die Gelegenheit, von Menschen zu lernen, die ehrlich nur das Beste für sie wollen. Sie engagieren sich sehr dafür, uns zu unterstützen, uns Türen zu öffnen und dafür zu sorgen, dass wir von den richtigen Leuten lernen. Man fühlt sich wirklich unterstützt und wenn man weiß, dass Menschen hinter dir stehen, dir helfen und an dich glauben, bekommt man das Gefühl, alles erreichen zu können.
Diese Lektionen und Erfahrungen haben mir neue Perspektiven eröffnet, wie ich mit Pferden arbeiten kann und wie ich den Sport am besten angehe. Da sind so viele Menschen involviert, die versuchen uns zu helfen, uns zu verbessern und voranzukommen, und das ist durchweg positiv. Dafür bin ich sehr dankbar.
Hier beim TSCHIO Aachen haben Sie die Chance, unter denselben Bedingungen zu reiten wie die besten Pferd- und Reiterpaare der Welt. Was kann ein Nachwuchsreiter durch die Teilnahme an einer Veranstaltung dieses Kalibers lernen?
BS: Man lernt unglaublich viel. Man reitet unter denselben Bedingungen wie die besten Reiter und Reiterinnen der Welt und kann zusehen, wie sie sich vorbereiten, wie sie mit ihren Pferden umgehen und wie sie mit dem Druck fertigwerden.
Für einen Nachwuchsreiter ist das unheimlich wichtig. Es hilft einem zu verstehen, welches Niveau man erreichen muss und auf welche Details es ankommt. Und man fühlt sich dadurch auch wohler in so einer Atmosphäre. Je mehr Zeit man bei solchen Veranstaltungen verbringt, desto normaler wird es. Und dann kann man sich ganz auf seine Leistung konzentrieren.
Sie haben jetzt den CHI Genf und den TSCHIO Aachen erlebt. Was bedeutet der Rolex Grand Slam of Show Jumping für Sie als Nachwuchsreiter?
BS: Er fühlt sich sehr weit entfernt und gleichzeitig sehr nah an. Er ist natürlich ein enorm wichtiges Ziel. Ich habe schon immer gesagt, dass es mein Traum ist, einen bleibenden Eindruck in der Welt des Reitsports zu hinterlassen. Und mit den größten Eindruck hinterlässt man meiner Meinung nach durch einen Sieg im Rolex Grand Slam of Show Jumping, weil es so schwer und eine so große Herausforderung für jeden Reiter ist.
Das macht ihn so besonders. Wenn ein Anwärter antritt und kurz davorsteht, ein weiteres Major zu gewinnen, dann sieht jeder zu und jeder spürt, wie viele Emotionen da mitschwingen. Das ist Sport. Das ist das, worum der Rolex Grand Slam das Springreiten bereichert.
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