Di Lampard, ©British Equestrian / Jon Stroud Media
Spruce Meadows gilt weithin als einer der legendärsten Austragungsorte im Pferdesport. Was macht aus Ihrer Sicht das CSIO Spruce Meadows `Masters‘-Turnier zu einer solch einzigartigen Herausforderung für die weltbesten Pferd-und-Reiter-Paare?
DL: Das Besondere an Spruce Meadows ist vor allem seine Entwicklung, die sich über so viele Jahre hinweg vollzogen hat. Schon früh orientierte man sich an Veranstaltungsorten wie Hickstead, und vielleicht liegt es daran, dass Kanada eine so enge Verbindung zu Großbritannien hat. Ich habe gelegentlich den Eindruck geäußert, dass sich ein Besuch dort ein wenig wie eine Rückkehr nach Hause anfühlt.
Die Familie Southern hat eine fantastische Arbeit geleistet. Sie versteht es wirklich, eine Veranstaltung zu organisieren. Es ist beeindruckend, wie sie diese im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat. Spruce Meadows gehörte viele Jahre lang zu den Vorreitern in diesem Sport und ist nach wie vor einer der besten Veranstaltungsorte der Welt.
Auch logistisch ist dies ein gewaltiges Unterfangen. Aus aller Welt werden Pferde nach Calgary eingeflogen. Die gesamte Koordination dieser Flüge bis hin zum Transport der Pferde in die Ställe ist wirklich einmalig. Alles rund um den Ort und die Organisation lässt diese Veranstaltung zu einem echten Major werden.
Der International Ring in Spruce Meadows ist bekannt für seine Weitläufigkeit, seine natürlichen Hindernisse und seine Atmosphäre. Welche Eigenschaften muss ein Pferd mitbringen, um in einer so anspruchsvollen Arena bestehen zu können?
DL: Es gibt kein vergleichbares Gefühl, als durch den Glockenturm in den International Ring zu reiten. Die Reiter werden begeistert empfangen. Die Arena ist in jeder Hinsicht beeindruckend.
Die Parcours sind einzigartig. Die Hindernisse sind nicht nur besonders hoch, sondern auch besonders breit, und Spruce Meadows hat sich diesen traditionellen, altmodischen Stil weitgehend bewahrt. Der Parcoursbauer [Leopoldo Palacios] gestaltet dort bereits seit vielen Jahren die Parcours und fordert die Reiter jedes Mal aufs Neue heraus.
Ein Pferd muss über ausreichend Erfahrung und Routine verfügen, um mit dem Flug und der veränderten Umgebung zurechtzukommen. Bei einem Auftritt in einer so imposanten und weitläufigen Arena benötiget manein mutiges Pferd, das zugleich überaus umsichtig sein muss, da es auch viele anspruchsvolle Hindernisse gibt.
Es muss athletisch, springstark und gut zu reiten sein sowie über genügend Energie verfügen, um die Größe der Hindernisse und die Distanzen zu bewältigen. Die Parcours sind anspruchsvoll, technisch und weitläufig, daher muss das Pferd genau diese Mischung an Eigenschaften besitzen.
Großbritannien feierte im vergangenen Jahr in Spruce Meadows einen bedeutenden Erfolg und gewann den BMO Nations’ Cup. Was bedeutete dieses Ergebnis für das Team und wie wichtig ist es, an einen Veranstaltungsort zurückzukehren, an dem britische Reiter kürzlich so positive Erinnerungen gesammelt haben?
DL: An Reitern, die in Spruce Meadows antreten möchten, mangelt es nie. Wir sind noch ein gutes Stück vom Turnier entfernt und ich habe bereits eine sehr lange Liste von Reitern, die gerne teilnehmen würden.
Wir hatten dort schon seit vielen Jahren nicht mehr den BMO Nations’ Cup gewonnen. Nick Skelton erzählte mir an jenem Morgen, wie lange dies schon zurücklag. Daher war es eine echte Erleichterung, diesen Erfolg feiern zu können. Es war ein großartiger Sieg, der dem gesamten Team sehr viel bedeutete.
Großbritannien blickt in Spruce Meadows auf eine lange Erfolgsgeschichte zurück. In den 1990er Jahren gewannen britische Teams Jahr für Jahr den Nations’ Cupund wir hatten auch zahlreiche Sieger im Grand Prix. Es war etwas ganz Besonderes, im vergangenen Jahr wieder an diese Erfolge anzuknüpfen.
Wenn man an einen Veranstaltungsort zurückkehrt, an dem zuvor bereits Erfolge gefeiert wurden, ist man mit noch größerer Begeisterung dabei. Erfolge stärken das Selbstvertrauen und geben den Reitern sowie dem gesamten Team neue Impulse. Natürlich möchte jeder dorthin zurückkehren und versuchen, ähnliche Erfolge erneut zu erreichen.
Wie unterstützen Sie als Chef d’Équipe des britischen Springreiterteams die Reiter bei der Vorbereitung auf Veranstaltungsorte wie Spruce Meadows, wo die Herausforderungen nahezu weltweit einzigartig sind?
DL: Bei der Vorbereitung ist zunächst die Auswahl der richtigen Partner entscheidend. Spruce Meadows ist eine beeindruckende Arena. Daher muss das Pferd mutig, selbstbewusst und für diese Herausforderung wirklich geeignet sein. Das Pferd spielt eine wichtige Rolle, denn letzten Endes ist es das Paar, das in den Ring einreitet und dort seine Leistung erbringen muss.
Ich würde kein Pferd-und-Reiter-Paar mitnehmen, wenn ich mir nicht sicher wäre, dass diese Erfahrung für sie die richtige ist. Wenn ich einen Reiter mitnehme, damit er in einer bestimmten Arena Erfahrungen sammeln kann – insbesondere einen jüngeren Reiter –, möchte ich, dass es eine gute und positive Erfahrung wird. Das ist mir sehr wichtig.
Außerdem schaue ich mir so viele Runden wie möglich im International Ring an. Man lernt immer wieder etwas Neues in diesem Sport. Ich beobachte, wie die verschiedenen Paare zurechtkommen, welche Paare die anderen Nationen aufstellen, was sie zustande bringen und wie sich die Parcours bewältigen lassen. Ich versuche, so viele Informationen und Einblicke wie möglich zu sammeln, damit ich meine eigenen Reiter bestmöglich unterstützen kann.
Sie haben selbst auf höchstem Niveau als Reiterin an Wettkämpfen teilgenommen. Inwiefern prägt Ihre eigene Erfahrung die Art und Weise, wie Sie die Athleten bei großen internationalen Veranstaltungen unterstützen und begleiten?
DL: Da ich selbst Reiterin war, verstehe ich viele der Emotionen, die Athleten durchleben, insbesondere im Zusammenhang mit der Auswahl und der Zugehörigkeit zu einem Team. Wenn ich ihnen Fragen stelle oder etwas vorschlage, habe ich in der Regel eine recht gute Vorstellung davon, was in den Reitern vorgeht und wie ich am besten auf ihn eingehen kann.
Verschiedene Reiter benötigen unterschiedliche Formen der Unterstützung. Manche wünschen sich ein wenig Zuneigung und viel Ermutigung, insbesondere jüngere Reiter, die gerade den Sprung auf die nächste Leistungsstufe schaffen. Andere wiederum brauchen etwas mehr Bestätigung, während einige eher motiviert und angespornt werden müssen, wie zum Beispiel indem man ihnen sagt: „Komm schon, du schaffst das.“
Außerdem kenne ich viele dieser Reiter schon sehr lange. Ich habe bereits Pony-Teams trainiert, als einige von ihnen gerade ihre ersten Schritte im Reitsport machten, darunter Reiter wie Ben Maher und Robert Whitaker. Auch ihre Eltern kannte ich sehr gut.
Sie sehen alles aus einem völlig anderen Blickwinkel, wenn Sie nicht mehr selbst im Sattel sitzen. Ich schaue heute zurück und erkenne Dinge, die mir damals nicht aufgefallen sind, darunter auch einige meiner eigenen Schwächen als Reiterin.
Erfahrungen können nicht einfach abgekürzt werden, aber wenn Sie eine gute Unterstützung haben, kann dies den Prozess erleichtern. Ich nutze alles, was ich gelernt habe, um die Reiter zu unterstützen und ihnen so gut wie möglich zu helfen.
Der Rolex Grand Slam of Show Jumping vereint vier der prestigeträchtigsten Majors in diesem Sport. Was unterscheidet diese Prüfungen Ihrer Meinung nach von anderen 5-Sterne-Turnieren?
DL: Sie ziehen die allerbesten Reiter der Welt an. Keine Frage. Ein normaler 5-Sterne-Grand-Prix hat bereits ein extrem hohes Niveau, aber wenn es sich um ein Major dieser Größenordnung handelt, zieht es die Besten der Besten aus aller Welt an.
Jeder will den Rolex Grand Slam of Show Jumping gewinnen. Es ist eine unglaubliche Leistung, die bisher nur einmal von Scott Brash vollbracht wurde. Teil dessen zu sein, war ein einmaliges Erlebnis.
Alle führenden Reiter und Nationen weltweit träumen davon, dieses Ziel zu erreichen. Bei diesen Grands Prix treffen die allerbesten Pferd-Reiter-Paare aufeinander – genau das macht sie so besonders.
Spruce Meadows spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte des Rolex Grand Slam, insbesondere als Scott Brash dort 2015 seinen historischen Grand Slam vollendete. Wie bedeutend war diese Leistung für das britische Springreiten?
DL: Es war eine unglaubliche Leistung und eine einmalige Erfahrung, daran teilhaben zu dürfen. Ich werde nie vergessen, welche Atmosphäre herrschte, als Scott den International Ring betrat. Es war so still, dass man eine Stecknadel hätte zu Boden fallen hören können.
Bis zu den letzten Hindernissen war es vollkommen still. Erst dann konnte man ein leises Raunen und aufkeimende Hoffnung rund um die Arena wahrnehmen. Der Jubel, als er die Runde beendete, war unglaublich. Es war ein wahrhaft legendärer und ganz besonderer Moment.
Solche Erfolge inspirieren Menschen im gesamten Pferdesport. Sei es der Rolex Grand Slam, eine olympische Goldmedaille oder ein weiterer großer Meisterschaftserfolg – solche Ereignisse sorgen für enorme Motivation und viel Gesprächsstoff. Jeder möchte daran teilhaben.
Dies bringt dem Sport mehr Fans, ermutigt aber auch Besitzer und Förderer, sich zu engagieren. Die Berichterstattung und die Unterstützung nehmen zu, wenn britische Reiter bei großen Turnieren antreten, und das schafft einen wunderbaren Teamgeist.
Auch bei den Nachwuchssportlern sind die Auswirkungen spürbar. Wir beobachten, dass immer mehr Paare den Sprung auf das 3-Sterne-Niveau sowie auf das 5-Sterne-Niveau schaffen und auch mehr und mehr Menschen Teil dieses Erfolgs werden möchten. Besitzer und Förderer wollen in einen Plan investieren und gemeinsam mit einem Reiter darauf hinarbeiten, auf höchstem Niveau etwas zu erreichen.
Diese Inspiration ist unglaublich wichtig. Sie gibt den Menschen etwas, an das sie glauben können, verleiht dem gesamten britischen Springreiten Schwung und trägt dazu bei, die nächste Generation von Reitern und Pferden zu fördern.
Auf diesem Niveau hängt der Erfolg oft von kleinen Details ab. Wie wichtig ist die Partnerschaft zwischen Pferd und Reiter bei der Teilnahme an einem so bedeutenden Grand Prix?
DL: Diese Partnerschaft ist äußerst wichtig. Spruce Meadows bedarf eines mutigen und selbstbewussten Pferdes, das zugleich umsichtig, athletisch und gut zu reiten sein muss. Der Reiter muss das Pferd kennen und ihm das Selbstvertrauen geben, in einer so weitläufigen und anspruchsvollen Arena zurechtzukommen.
In dieser Anlage ist nichts in Stein gemeißelt. Einige der weltweit besten Paare sind bereits sehr früh im Parcours ins Straucheln geraten. Ein Schatten, ein gewaltiger Sprung oder ein einziger kleiner Moment können einen entscheidenden Unterschied ausmachen.
Deshalb muss das Paar bestens auf diese Herausforderung vorbereitet sein. Das Pferd trägt einen großen Teil dazu bei, und ich würde ein Paar dort nicht antreten lassen, wenn ich Zweifel hätte, ob es auf diese Erfahrung vorbereitet ist.
Der britische Springreitsport profitiert weiterhin von einer starken Mischung aus erfahrenen Meisterschaftsreitern und Nachwuchstalenten. Wie wichtig sind Turniere wie Spruce Meadows für die Förderung der nächsten Generation britischer Springreiter?
DL: Seit ich diese Funktion übernommen habe, war es stets mein Ziel, in den Teams eine Mischung aus erfahrenen und jungen Reitern zu haben. Es braucht Zeit, um eine solche Balance zu entwickeln, aber ich glaube, wir sind nun auf dem besten Weg, dies zu erreichen.
In den 1990er Jahren, als Großbritannien große Erfolge feierte, waren es oft dieselben sehr erfolgreichen Reiter, die in den Teams antraten. Dadurch war es für andere Reiter schwierig, sich durchzusetzen. Zudem gab es vielleicht auch weniger 3-Sterne-Turniere. Als diese erfahrenen Reiter schließlich ihre Karriere beendeten, hinterließen sie eine ziemlich große Lücke.
Ich wollte schon immer ein System schaffen, in dem wir Reiter im Wechsel einsetzen, ihnen genügend Möglichkeiten bieten und ihnen erlauben, an der Seite etablierter Meisterschaftssportler Erfahrungen zu sammeln. Sollte es beim ersten Mal nicht perfekt laufen, erhalten sie die Chance, erneut anzutreten und es noch einmal zu versuchen.
Die Leistungen jüngerer Reiter entsprechen heute schon viel früher einem hohen Niveau und es kommen immer mehr von ihnen nach. Ich freue mich sehr, wenn Pferd-Reiter-Paare gute Leistungen zeigen, doch die Einbindung der jüngeren Generation ist besonders bereichernd.
Spruce Meadows kann bei dieser Entwicklung eine wichtige Rolle spielen. Allerdings muss man das Team sehr genau auswählen, da es sich um eine äußerst anspruchsvolle Arena handelt. Das Pferd muss mutig und selbstbewusst und das Pferd-Reiter-Paar entsprechend darauf vorbereitet sein.
Letztes Jahr waren wir mit Ben Maher, Joe Stockdale, Donald Whitaker und Matt Sampson gut aufgestellt. Ich würde sehr gerne wieder jüngere Reiter mitnehmen, vorausgesetzt sie haben die richtigen Pferde und die Paare sind der Herausforderung gewachsen.
Was erwarten Sie mit Blick auf das diesjährige CSIO Spruce Meadows `Masters‘-Turnier von den britischen Reitern und dem internationalen Teilnehmerfeld?
DL: Ich bin gespannt auf das gesamte Teilnehmerfeld und darauf, wie die verschiedenen Paare mit der Herausforderung zurechtkommen. Wir alle können aus diesem Sport immer wieder neue Erkenntnisse gewinnen, und es ist faszinierend zu sehen, welche Paare die verschiedenen Nationen entsenden und welche Pferde sie für den Wettbewerb aufstellen.
Es ist beeindruckend, die allerbesten Pferde in dieser Arena antreten zu sehen, doch im Laufe der Jahre gab es auch zahlreiche Überraschungen. In Spruce Meadows ist nichts in Stein gemeißelt. Die Größe der Arena, die Atmosphäre, die Schatten und die Hindernisse – alles kann eine Rolle spielen.
Ich versuche, so viele Teilnehmer wie möglich zu beobachten, da es immer etwas Neues zu lernen und neue Einblicke zu gewinnen gibt. Aus britischer Sicht wünsche ich mir, dass die Reiter gute Leistungen zeigen, aber ich möchte auch, dass jedes Team, das wir dorthin entsenden, eine positive Erfahrung macht und mit neuen Erkenntnissen nach Hause zurückkehrt.
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