Elena Haas - Rolex Grand Slam/Sofya Khizhik
Sie waren mit 15 Jahren zum ersten Mal in Spruce Meadows und haben es als den Augenblick beschrieben, in dem Ihnen bewusst wurde, dass Sie das höchste Niveau in diesem Sport erreichen wollten. Inzwischen sind Sie hier beim ‚Masters‘ angetreten und haben die USA vertreten. Wie hat sich Ihre Beziehung zu diesem Veranstaltungsort weiterentwickelt?
EH: Ich glaube, Spruce Meadows wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben. Es ist witzig, darüber habe ich erst neulich mit meinem Vater geredet. Als ich mein Spitzenpferd Claude bekam, war es mein großer Traum, mit dem Nations-Cup-Team der USA beim ‚Masters‘ anzutreten. Dass wir das im vergangenen Jahr tun konnten und eine fehlerfreie Runde geschafft haben – ich bekomme noch immer Gänsehaut.
Dieser Ort hat mich so sehr inspiriert, und dieses Ziel tatsächlich erreicht zu haben, macht mich unglaublich glücklich. Und jetzt die Chance zu haben, als Einzelstarterin erneut hier anzutreten, ist ein unglaubliches Gefühl, und ich versuche natürlich auch jetzt, mein Bestes zu geben. Es wäre fantastisch, wenn ich mich für den CPKC International ‚Grand Prix‘, presented by Rolex, am Sonntag qualifizieren könnte. Es gibt noch vieles, was ich erreichen möchte, aber alles, was ich hier noch erleben darf, kommt mir wie die Kirsche auf dem Sahnehäubchen vor.
Sie können in Spruce Meadows bereits einen Sieg im International Ring sowie ein paar beeindruckende Ergebnisse in 5-Sterne-Prüfungen verbuchen. Was haben diese Erlebnisse Sie im Hinblick auf den Mut, die Ausdauer und das Selbstvertrauen gelehrt, die ein Pferd und ein Reiter brauchen, um hier Erfolg zu haben?
EH: Ich glaube, durch Spruce Meadows ist mein Glauben an mich selbst viel stärker geworden, als es sonst der Fall gewesen wäre. Es ist fundiertes Selbstvertrauen durch Leistung. Man begeht die Parcours und alles erscheint einem so groß und technisch. Es erfordert Mut und sehr viel Selbstvertrauen und Vertrauen in sein Pferd, um da rausgehen und Erfolg haben zu können.
Es hat mir gezeigt, welche Bedeutung die Beziehung zu seinem Pferd hat und wie wichtig es ist, sie zu pflegen und daran zu arbeiten. Wenn man dazu fähig ist, da rauszugehen und Erfolg zu haben, kommen einem die besten Runden hier kinderleicht vor. Ich glaube, das kommt durch den Grad an Vertrauen und Freude, den man mit seinem Pferd teilt. Dieses Gefühl habe ich bei Claude auf jeden Fall. Wenn man mit einem guten Ergebnis wieder von hier abreist, gibt einem das die Chance, sich weiterzuentwickeln. Wenn man das hinbekommt, schenkt einem das enorm viel Selbstvertrauen und in meinem Fall auch ein großes Glücksgefühl.
Claude hat eine große Rolle dabei gespielt, dass Sie in den 5-Sterne-Sport und die Nations-Cup-Teams der Erwachsenen aufgestiegen sind. Wie hat sich Ihre Partnerschaft entwickelt und was gibt Ihnen auf einer so großen Bühne Vertrauen in ihn?
EH: Ich sage immer, dass Claude mein bester Freund ist, und das meine ich tatsächlich so. Ich glaube, wir haben einander wirklich gebraucht. Zu der Zeit, als er in mein Leben trat, ging es mir nicht besonders gut und ich brauchte jemanden, der an mich glaubt. Das hat er getan, und ich glaube, auch er brauchte jemanden, der an ihn glaubt.
Er hat mir vom ersten Tag an, an dem ich ihn ausprobiert habe, ein absolut unbeschreibliches Gefühl verliehen. Wir sind beide ein bisschen ängstlich und werden beide schnell nervös, aber wenn wir die Chance bekommen, uns der Herausforderung zu stellen, und uns konzentrieren, können wir immer abliefern. Gemeinsam so vieles tun zu können, wie es bei uns beiden der Fall war, hat das nur verstärkt und bewiesen, wie viel Vertrauen wir in einander haben.
Wenn wir da rausgehen und alles rundläuft, fühlt sich das an, als würde ich einfach mit meinem besten Freund durch den Park galoppieren. Bei so großen, wirklich nervenaufreibenden Veranstaltungen mit einem Pferd antreten zu können, dem ich so sehr vertraue, ist ein ganz besonderes Gefühl. Ich weiß, dass er immer alles für mich gibt und mit ganzem Herzen bei der Sache ist.
Es verleiht einem dieses gewisse Extra an Zuversicht, sodass es, wenn wir da rausgehen, keine Rolle mehr spielt, was sonst noch los ist. Es gibt dann nur noch uns beide. Solange ich meinen Job gut erledige, vertraue ich darauf, dass er sein Bestes für mich gibt.
Sie haben offen darüber gesprochen, dass Sie an Ihrem Selbstvertrauen und Ihrer mentalen Stärke arbeiten mussten. Wie haben Sie gelernt, mit dem Druck umzugehen und sich selbst zu vertrauen, wenn Sie auf dem höchsten Niveau dieses Sports antreten?
EH: Selbstvertrauen ist etwas, das in diesem Sport leider ständig schwankt. Ich habe allerdings immer gesagt, dass der Druck ein Privileg ist. Man findet immer kleine Möglichkeiten, sich selbst dabei zu helfen, daran zu wachsen, und wenn man in so bedeutenden Situationen den Druck überwinden kann, verleiht einem das unglaublich viel Selbstvertrauen.
Deshalb finde ich Spruce Meadows so großartig. Dort erlangt man fundiertes Selbstvertrauen durch Leistung. Wenn man dort antritt, kann man sagen: „Okay, ich kann das schaffen.“
Dieses Selbstvertrauen ist nicht immer vorhanden und wir alle erleben Höhen und Tiefen. Für mich ist das Allerwichtigste, mich daran zu erinnern, weshalb ich überhaupt angefangen habe: weil ich mein Pferd so sehr liebe und ihm völlig vertraue und das große Glück habe zu spüren, dass er diese Liebe erwidert. Das als Basis für das eigene Selbstvertrauen zu nehmen, ist das Wichtigste, weil es in diesem Sport so viele Höhen und Tiefen gibt. Man wird niemals ständig großartige Ergebnisse erzielen.
So sehr ein solches Erlebnis einem auch helfen kann, dorthin zu gelangen, muss man sich dann aber wieder vor Augen halten, wodurch man überhaupt dorthin gelangt ist. Durch all die harte Arbeit. Man weiß, wie viel Zeit man hineingesteckt und wie viel man aufgegeben und geopfert hat. Am Ende des Tages weiß ich, dass ich mein Bestes gegeben habe, um hier sein zu können. Wenn ich die Arena betrete, dreht sich alles nur noch um die Liebe und das Vertrauen zwischen meinem Pferd und mir.
Neben Ihrer Reitsportkarriere haben Sie Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften studiert und ausgelotet, wie sich das auf die Reitsportindustrie übertragen lässt. Wie wichtig ist es Ihnen, dass sich der Sport weiter in Richtung Nachhaltigkeit entwickelt?
EH: Mir ist es sehr wichtig, dass der Sport nachhaltiger wird. Spruce Meadows ist ein großartiges Beispiel dafür. Es ist wahrscheinlich weltweit führend in Sachen Nachhaltigkeitsinitiativen, was ganz toll ist.
Ich finde, das ist eine Verantwortung, die uns allen obliegt. Wir haben nur diesen einen Planeten und es ist ein großes Privileg, tun zu können, was wir tun. Mir ist bewusst, dass unser Sport nicht sehr umweltfreundlich ist. Schon allein dadurch, wie wir hierher gelangen – mit dem Flugzeug oder Lkw –, haben wir eine ziemlich schlechte CO₂-Bilanz. Ich finde, wenn wir die Mittel haben, haben wir auch die Verantwortung.
So empfinde ich in Bezug auf meine Bildung. Nicht jeder bekommt die Chance, Pferde zu reiten, und nicht jeder bekommt die Chance, zur Uni zu gehen. Ich hatte das große Glück, beides tun zu können, und empfinde deshalb die Verantwortung, das, was ich gelernt habe, in der Welt umzusetzen, die ich so liebe.
Wie groß ist Ihr Ehrgeiz als Mitglied einer vielversprechenden Generation amerikanischer Nachwuchsreiter, Ihr Land auf höchstem Niveau zu vertreten und sich letztendlich in den vier Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping zu etablieren?
EH: Es ist sehr beängstigend, aber auch unglaublich aufregend. Ich bin entschlossen, mir in den Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping einen Namen zu machen.
Als ich letztes Jahr zum ersten Mal beim CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turnier dabei war, wurde ein Traum wahr, und das hat das Feuer in mir noch mehr angefacht, sofern das überhaupt möglich war. Dieser Sport hat so viel mehr zu bieten. Hier anzutreten, war immer eins meiner größten Ziele, aber ich bin noch lange nicht am Ende angelangt. Ich will noch so vieles erreichen.
So beängstigend es auch sein mag, ist es auch ganz fantastisch, diese Woche hier sein zu können, so viele meiner Vorbilder zu treffen und mit ihnen zusammen zu reiten. Ich hoffe und glaube, dass mein Name, wenn ich weiterhin hart arbeite und alles richtigmache, eines Tages in einem Atemzug mit ihren Namen genannt wird.
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