Kent Farrington at The Dutch Masters 2025
Ihr Sieg im Rolex Grand Prix beim CHI Genf – Ihr zweiter Major-Gewinn dort nach 2017 mit Gazelle – hat Sie jetzt vor dem The Dutch Masters erneut zum Anwärter auf den Rolex Grand Slam gemacht. Wie war dieser Sieg im Vergleich zu Ihrem ersten und was bedeutet es Ihnen, mit diesem Titel nach ’s-Hertogenbosch zurückzukehren?
KF: Ein Major zu gewinnen, ist immer ein fantastisches Gefühl, egal auf welchem Pferd. Der Rolex Grand Slam of Show Jumping ist das Nonplusultra – der Höhepunkt unseres Sports, was Wettkampf und Prestige angeht. Diese Majors sind die Turniere, bei denen ich am allerliebsten antrete, und das motiviert mich wirklich sehr. Nach meinem ersten Major-Sieg mit Gazelle habe ich mich verletzt. Ich habe mir das Bein gebrochen und konnte in diesem Jahr nicht beim The Dutch Masters antreten, weil die Verletzung noch nicht ausgeheilt war. Das hier ist also eine neue Herausforderung.
Als Anwärter rücken Sie unvermeidlich noch mehr ins Rampenlicht. Setzt Sie das vor einem Major wie dem The Dutch Masters noch mehr unter Druck oder ändert das nichts an Ihrer Einstellung?
KF: Anwärter zu sein, setzt mich nicht zusätzlich unter Druck. Ich setze mich selbst schon genug unter Druck. Ob ich nun Anwärter bin oder nicht – ich will so oder so unbedingt gewinnen. Also nein, für mich ändert das tatsächlich nichts. All diese Major-Turniere sind schon für sich allein ganz große Herausforderungen. Darauf konzentriere ich mich.
Welches Pferd wollen Sie im Rolex Grand Prix beim The Dutch Masters reiten und was macht diese Partnerschaft so perfekt für diese Prüfung?
KF: Ich werde mit Toulayna antreten. Ich habe sie letztes Jahr hier geritten und sie war großartig. Mir ist ein vermeidbarer Fehler unterlaufen und so bin ich mit einem Abwurf auf Platz fünf gelandet. Es ist ein sehr schwieriger Parcours, aber sie ist schnell und hat viel Ehrgeiz. Ich habe sie schon zweimal im Rolex IJRC Top10-Finale geritten und bin beide Male Zweiter geworden. Hoffentlich können wir uns hier um einen Platz verbessern und uns den Sieg holen.
’s-Hertogenbosch hat eine ganz besondere Atmosphäre: enge Hallenarena, technische Parcours und ein unglaublich fachkundiges Publikum. Wie wirkt sich diese Umgebung auf Ihren Reitstil und Ihre Vorbereitung aus?
KF: Die vier Majors, die wir im Springreiten haben, unterscheiden sich meiner Meinung nach alle leicht, was den Schauplatz angeht, was sich für verschiedene Pferde als Stärke oder Schwäche erweisen kann. Ich glaube also nicht, dass ich mich anders vorbereite. Ich glaube, ich muss einfach nur am richtigen Tag mit dem richtigen Pferd antreten. Also hoffe ich, dass ich das richtige Pferd dabeihabe und es hoffentlich auch der richtige Tag sein wird!
Sie sind zum Saisonauftakt 2026 auf Turnieren in Florida und Kalifornien gestartet. Wie geht es den Pferden? Sind sie in Bestform?
KF: Ich bin in Florida angetreten und war ganz gut in Form, aber nicht großartig. Ich habe einen fünften, einen zweiten und einen vierten Platz erzielt – gute, aber keine überragenden Ergebnisse. Hoffentlich ist das ein gutes Zeichen und bedeutet, dass wir ganz kurz vor unserer Bestform stehen.
Wilfried Sandmann hat einmal über Greya gesagt: „Sie hatte ihre eigenen Ideen und brauchte ein gewisses Maß an Freiheit … und mit Kent hat sie den perfekten Partner gefunden.“ Was bedeutet „Freiheit“ in der Praxis, wenn Sie Greya reiten und trainieren, und wie haben Sie Ihr System an ihre Persönlichkeit angepasst?
KF: Ich finde, sie ist einfach ein unglaublich sensibles Pferd. Ich glaube, das liegt daran, dass sie genug Freiheit hat, ihren Charakter zum Ausdruck zu bringen. Und ich würde sagen, unser Sport – Pferd und Reiter – ist der ultimative Teamsport. Es geht nur um dich und dein Pferd und die Bindung, die du zu diesem Pferd hast. Meiner Meinung nach geht es einfach darum, das Pferd zu verstehen. Und Greya ist ein unglaublich vorsichtiges und sehr willensstarkes Pferd. Man muss also einen Weg finden, mit ihr zu arbeiten, denn sie ist der Partner bei allem, was man tut. Und man muss herausfinden, wie man gemeinsam in Wettkämpfen bestehen kann. Ich glaube, es geht hauptsächlich darum zu verstehen, gegenüber welchen Dingen sie empfindlich ist, ob das nun Geräusche oder bunte Farben sind oder was auch immer, und das Training entsprechend anzupassen, um ihr das nötige Selbstvertrauen zu geben.
Wilfried Landmann war der Überzeugung, dass es die Karriere eines Pferdes definieren kann, wo – und bei welchem Reiter – es landet. Welche Verantwortung empfinden Sie, wenn Sie das Vermächtnis eines Pferdes gestalten, vor allem bei einem so talentierten und besonderen Pferd wie Greya?
KF: Ich glaube, letztendlich gibt es einen Grund dafür, dass viele Spitzenreiter und -reiterinnen so viele Jahre lang an der Spitze bleiben – sie verstehen die Pferde. Wie gut ein Pferd sein kann, hängt häufig davon ab, in wessen Händen es ist, besonders bei einem super talentierten Pferd. Viele von ihnen bleiben auf der Strecke, weil sie nie wirklich eine Chance in Spitzenwettkämpfen bekommen. Ich weiß nicht, ob ich mich für das Vermächtnis eines Pferdes verantwortlich fühle; ich versuche einfach nur, mein Bestes zu geben, als Reiter das Beste aus mir hervorzuholen und mich immer weiter zu verbessern.
Mit Greya, Toulayna und Orafina in Ihrem Kontingent sind Sie hervorragend aufgestellt. Wie unterschiedlich lassen die drei sich reiten und wonach entscheiden Sie, welches Pferd für welches Turnier bereit ist?
KF: Eigentlich hat man nie genug gute Pferde, man braucht immer neue im Team. Wie auch in einer Profisportmannschaft muss man immer ein paar jüngere Spieler haben, die das Spiel lernen, und die älteren Spieler managen, so gut man nur kann. Und wenn sie älter werden, bekommt man langsam ein Gefühl dafür, welche Veranstaltungsorte am besten zu ihnen passen, in welchen Umgebungen sie erfolgreich sein können, wann sie Ruhe brauchen, ob es besser ist, sie öfter antreten zu lassen, oder ob sie vor einem großen Wettkampf eher eine längere Pause brauchen. Jedes Pferd ist anders, und ich glaube, mit der Zeit wird man einfach besser darin. Je älter die Pferde werden, desto besser versteht man sie und lernt, was das Beste für jedes einzelne ist, und dann passt man seine Pläne eben einfach entsprechend an. Meiner Meinung nach gibt es also keine festen Regeln, man benutzt einfach sein Urteilsvermögen und seine Erfahrung und das, was man über das jeweilige Pferd weiß, um den bestmöglichen Plan für jedes Pferd auszuarbeiten.
Ihnen gehört auch die Jungstute Diakatisa. Woran erkennen Sie bei einem solchen Pferd, das sich noch im Aufbau befindet, dass es möglicherweise die nötigen Eigenschaften besitzt, um auf höchstem Niveau anzutreten?
KF: Ich habe eine Vielzahl an Nachwuchspferden und sehe in allen von ihnen etwas, aber Potenzial und zu haben und es so weit voranzutreiben, dass es Früchte trägt, sind zwei ganz unterschiedliche Dinge. Denn letztendlich nützt einem alles Talent der Welt nichts, wenn das Pferd nicht die richtige Einstellung oder den Willen und Ehrgeiz besitzt. Wir nennen es Herz, wenn sie wirklich für diesen Sport brennen. Einige wollen ihn ausüben und andere nicht, und das ist die eine Sache, die man nicht wirklich messen kann. Deshalb versuche ich, mir eine Gruppe talentierter Pferde zusammenzustellen und sie aufzubauen, so gut ich kann. Aber letztendlich entscheiden die Pferde, wie viel sie wirklich in diesem Sport leisten wollen, und das ist wirklich schwer einzuschätzen.
Hinter jedem Major-Sieg steckt ein großartiges Team. Wer sind für Sie die wichtigsten Menschen hinter den Kulissen und wie helfen die Ihnen und Ihren Pferden dabei, Spitzenleistungen zu erbringen?
KF: Ich habe ein riesiges Team. Da wären Denise Moriarty und Arthur Anty, die sich schon seit Jahren um meine Pferde kümmern. Denise ist, glaube ich, schon über zehn Jahre bei mir, vielleicht sogar eher fünfzehn, und hat schon mehrfach die ganze Welt bereist. Sie sind großartige Pferdemenschen. Sie sind für die tägliche Pflege und Verwaltung der Pferde verantwortlich und wissen jederzeit, wie sie sich fühlen und wie sie aussehen. Die Pferde sind wie Profiathleten – und diese Menschen sind Experten darin, jedem Pferd zu helfen und alles von ihrer Ernährung bis hin zu ihren unterschiedlichen Therapien und Übungen zu regeln. Sie sind von unschätzbarem Wert für mein Team.
Dann wäre da das gesamte Logistikteam zu Hause, das alles koordiniert. Wir müssen genauso vorgehen wie in jedem anderen Profisport oder in der Geschäftswelt. Es gibt viele bewegliche Teilchen und viele Dinge, um die sich gekümmert werden muss. Dann wäre da noch das große Büroteam rund um Carol DeAngelis, die schon seit über fünfzehn Jahren bei mir ist. Es gibt wirklich sehr viele bewegliche Teile. Da wäre auch noch Claudio Baroni, der mir beim Reiten und Trainieren hilft. Er ist auch schon seit über fünfzehn Jahren bei mir und ein großartiger Pferdemensch und ein ebenso großartiger Reiter. Er hat ein gutes Auge und kann vom Boden aus vieles beurteilen. Ohne diese Menschen kann man nicht auf höchstem Niveau gewinnen.
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