Linda Southern-Heathcott - Rolex Grand Slam/Sofya Khizhik
Spruce Meadows wurde von Ihren Eltern, Ron und Marg Southern, gegründet und Ihre Familie baut diesen Austragungsort jetzt schon seit über fünf Jahrzehnten immer weiter aus. Wie bringen Sie es nach der letztjährigen Feier zum 50-jährigen Bestehen unter einen Hut, einerseits das Familienvermächtnis zu bewahren und Spruce Meadows andererseits immer weiterzuentwickeln?
[LS-H] Ich finde, wir sind den Kernwerten, für die Spruce Meadows steht, immer treu geblieben, von den Grasarenen bis hin zu den Traditionen. Doch der Schauplatz hat sich beträchtlich weiterentwickelt, seit ich vor 20 Jahren die Leitung übernommen habe, und ist heute als Sport- und Unterhaltungsstätte deutlich stärker. Wir veranstalten noch immer unsere Springreitturniere, haben aber inzwischen auch unseren internationalen Weihnachtsmarkt, Fußball, Konzerte, große Feuerwerks-Shows und vieles mehr.
Die stetige Weiterentwicklung ist wichtig, weil Calgary damals, als wir Spruce Meadows ins Leben gerufen haben, nur ungefähr 300.000 Einwohner hatte, im Gegensatz zu den heutigen 1,3 Millionen. Viele Menschen waren noch nie in Spruce Meadows, deshalb ist es wichtig, dass wir stets im Dialog mit den Menschen bleiben und sie das ganze Jahr über dazu anregen, nach Spruce Meadows zu kommen.
Auch liegt es uns sehr am Herzen, die jüngere Generation für Spruce Meadows zu begeistern, für unsere tollen Veranstaltungen, unseren Springreitsport und alles, was wir hier sonst noch tun.
Das Preisgeld in Höhe von 5 Millionen kanadischen Dollar für das CPKC ‚International‘, presented by Rolex, ist auch 2026 wieder ausgeschrieben. Was sagt dieses Engagement über den Ehrgeiz von Spruce Meadows und den Status dieses Wettbewerbs innerhalb des internationalen Springreitsports aus?
Im Verlauf der 51-jährigen Geschichte von Spruce Meadows waren wir immer führend im Hinblick auf die Preisgelder für Reitsportler aus der ganzen Welt. Unserer Familie ist es wichtig, diese Tradition fortzuführen und weiterhin Vorreiter in diesem Aspekt zu sein. Wie auch im vergangenen Jahr wird es das höchste Preisgeld für ein eintägiges Turnier unter allen Sportveranstaltungen in Kanada sein. Das wurde auch durch das Engagement unserer Sponsoren ermöglicht, von denen uns einige schon seit unseren Anfängen zur Seite stehen.
Richard Vogel tritt nach seinen Folgesiegen in den Majors beim The Dutch Masters und dem TSCHIO Aachen als Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping an. Welche Bedeutung hätte es, den erst zweiten Rolex-Grand-Slam-Sieg der Geschichte in Spruce Meadows zu erleben?
Ich glaube, das wäre etwas wirklich ganz Besonderes. In den Anfangstagen des Rolex Grand Slam of Show Jumping behauptete jeder, das wäre nicht zu schaffen. 2015 gelang dann Scott Brash diese außerordentliche Leistung und es wäre spektakulär, wenn wir einen weiteren Rolex-Grand-Slam-Gewinner erleben dürften.
Es ist eine immense Leistung für einen Athleten im Hinblick darauf, wie er mit seinen Pferden umgeht, wie er mit sich selbst umgeht, wie professionell er ist und ob er ein echter Pferdemensch ist. Wenn Richard Vogel wirklich den Rolex Grand Slam of Show Jumping gewinnen würde, glaube ich, dass das nicht nur das Niveau unseres Sports, sondern auch die Leistungen der Athleten wirklich hervorheben würde. Außerdem glaube ich, dass es uns in dasselbe Rampenlicht rücken würde wie Sportarten wie Tennis oder Golf, und das ist uns sehr wichtig.
Richard hat während der Sommerserie 2026 in Spruce Meadows beträchtliche Erfolge gefeiert. Was hat er Ihrer Meinung nach aus dieser Erfahrung gelernt und wie könnte ihm das helfen, sich auf die doch sehr anderen Anforderungen des ‚Masters‘-Turniers vorzubereiten?
Wenn man wiederholt an einem Ort angetreten ist, hilft diese Erfahrung einem dabei, Entscheidungen zu treffen. Es bedeutet nicht zwangsläufig, dass man dadurch im Parcours im Vorteil ist, aber ich glaube, es verleiht einem einen mentalen Vorteil. Man fühlt sich an diesem Veranstaltungsort wohl, man weiß, was von einem erwartet wird, und man ist mit der Beschaffenheit des Geländes vertraut. Deshalb glaube ich, dass Richard durch die Erfahrungen, die er während der Sommerserie 2026 hier gesammelt hat, einen Vorteil genießt, wenn er zum ‚Masters‘-Turnier wieder hierherkommt.
Sie waren selbst eine internationale Reiterin und sind bei den Olympischen Spielen für Kanada angetreten. Was unterscheidet Ihrer Meinung nach die Pferd- und Reiterpaare, die sich in Spruce Meadows gut schlagen, von denen, die dazu in der Lage sind, den CPKC ‚International‘, presented by Rolex, zu gewinnen?
Es braucht ein mutiges Pferd, einen mutigen Reiter und Nerven aus Stahl.
Wir befinden uns im Freien und das Wetter kann uns manchmal Ärger machen. Spruce Meadows ist ein sehr weitläufiges Gelände und die Grand-Slam-Veranstaltungen sind allesamt wirklich einzigartig. Wir sind ebenfalls einzigartig, denn wir haben die breiteren Hindernisse und den großen International Ring. Es ist eine ziemliche Strecke vom Aufwärmbereich im Paddock bis zur Springreitarena. Dadurch haben die Athleten es hier mit ganz anderen Elementen zu tun.
Auch die Atmosphäre ist anders. Wir haben hier eine sehr familienorientierte Umgebung. Es kommt immer ein riesiges Publikum und oft sieht man hier drei Generationen zusammen. Beim CPKC ‚International‘, presented by Rolex, werden jede Menge Hardcore-Fans vertreten sein, aber auch viele Familien.
Den Rat, den ich einem Athleten immer geben würde, lautet: Lass einfach alles auf dich wirken und genieße es. Solange man Ruhe und einen kühlen Kopf bewahren kann, glaube ich, dass man es bis an die Spitze schaffen kann.
Inzwischen steht den Reitern ein immer vollerer internationaler Kalender zur Auswahl. Was zieht die besten Pferd- und Reiterpaare der Welt nach wie vor zum CSIO Spruce Meadows ‚Masters‘-Turnier nach Calgary?
Dazu kann ich wirklich nichts sagen, denn letztendlich entscheiden das ja die Reiter. Wir bemühen uns immer, Entscheidungen in Bezug auf unsere Springreitveranstaltungen immer danach zu fällen, was unserer Meinung dem Sport am meisten zugutekommt.
Wir finden die Ursprünge des Sports, wie den Grasuntergrund, sehr wichtig, ebenso wie die natürlichen Hindernisse und einige der anderen Elemente, die uns im Laufe der Jahre gute Dienste geleistet haben.
Außerdem haben wir hier eine sehr einladende Umgebung und Gastfreundlichkeit wird bei uns großgeschrieben. Ich glaube, das wissen die Athleten zu schätzen. Und natürlich spricht sie das Preisgeld an, das ist also wahrscheinlich auch ein Faktor.
Das ‚Masters‘ bietet kanadischen Reitern auch die Chance, auf heimatlichem Boden gegen die Besten der Welt anzutreten. Wie wichtig ist diese Erfahrung für die Stärke und Zukunft des Springreitsports in Kanada?
Einer der Gründe, weshalb meine Eltern und meine Familie Spruce Meadows ins Leben gerufen haben, war es, kanadischen Athleten Gelegenheit zu geben, zu Hause an ihren Fähigkeiten zu arbeiten und auf internationaler Bühne anzutreten.
Wenn wir auf die Jahre zurückblicken, finde ich, dass Kanada dank Spruce Meadows in diesem Sport wirklich oberhalb seiner Gewichtsklasse mitgespielt hat. In gewisser Hinsicht haben die USA das auch, weil so viele amerikanische Reiter und Reiterinnen auch in Spruce Meadows angetreten sind.
Ich bin sehr zuversichtlich, dass Spruce Meadows auch weiterhin mit ein Grund dafür sein wird, dass kanadische Athleten bei Meisterschaften so gut abschneiden. Wir werden auch weiterhin kanadische Athleten unterstützen und ihnen die Chance geben, an ihren Fähigkeiten zu arbeiten und auf internationaler Bühne anzutreten.
Das fachkundige Publikum im International Ring hat zu vielen der unvergesslichsten Momente der Veranstaltung beigetragen. Was bewirkt diese Atmosphäre für den Wettkampf und wie wirkt sie sich Ihrer Meinung nach auf die Reiter und Reiterinnen aus, wenn sie die Arena betreten?
Unser Publikum ist wirklich interessant. Ich weiß, dass das Publikum vielerorts gebeten wird, leise zu sein und nicht zu jubeln, solange Pferd und Reiter noch im Parcours sind, aber bei uns macht sich das Publikum verschiedene Bereiche der Arena sozusagen beinahe zu eigen. Es merkt sehr schnell, wo die schwierigen Stellen in einem Parcours sind, und feuert die Pferd- und Reiterpaare an diesen Stellen an.
Ich glaube, das ist ein Vorteil. Ich hatte mal ein sehr geräuschempfindliches Pferd, das aber richtig aufgeblüht ist, wenn es das Publikum gehört hat. Pferde sind ein Teil der Gleichung und wirklich richtige Persönlichkeiten. Ich glaube, die guten Pferde strengen sich richtig an und geben einfach alles.
Ich glaube, es hat unseren Athleten – sowohl den zwei- als auch den vierbeinigen – im Laufe der Jahre geholfen, vor Publikum anzutreten, das sowohl sehr leise als auch sehr ausdrucksstark sein kann.
Die Partnerschaft zwischen Rolex und Spruce Meadows umfasst inzwischen mehr als drei Jahrzehnte. Wie hat diese Beziehung dem ‚Masters‘-Turnier dabei geholfen, sich seine Traditionen zu bewahren und gleichzeitig den Standard für den internationalen Springreitsport anzuheben?
Ich glaube, unsere Partnerschaft mit Rolex besteht inzwischen schon seit fast 40 Jahren und diese Beziehung ist im Laufe der Zeit gewachsen. Wir haben das große Glück, dass uns beinahe 20 Sponsoren und Partner jetzt schon seit 50 Jahren begleiten und Rolex seit fast 40 Jahren.
Es geht darum, Beziehungen und Vertrauen aufzubauen, dieselben Ziele und Ambitionen zu haben und mit einem starken Partner wie Rolex verbunden zu sein. Das ist sehr wichtig für Spruce Meadows und meine Familie.
Uns verbinden dieselben Kernwerte und der gleiche Anspruch an Vortrefflichkeit und daran, immer noch besser zu werden. Das heißt nicht, dass wir je perfekt sein werden, aber ich finde, das Wichtigste ist es, diese Perfektion anzustreben. So bekommt man Spitzenathleten, Spitzensport und Spitzenpartnerschaften.
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