Richard Vogel, United Touch S, The Dutch Masters 2026, ©Helen Cruden
Herzlichen Glückwunsch, Sie sind Anwärter auf den Rolex Grand Slam of Show Jumping und auf dem Weg zum TSCHIO Aachen. Wie fühlen Sie sich so kurz vor dem nächsten Major des Jahres?
RV: Ich denke ganz ehrlich so wenig wie möglich daran, dass ich Anwärter für den Rolex Grand Slam of Show Jumping bin. Letztendlich muss ich den TSCHIO Aachen wie jedes andere Turnier angehen, auch wenn er besonders wichtig ist!
Aachen ist für uns immer ein ganz besonderes Turnier und alle Rolex Grand Slam Majors gehören jedes Jahr zu den Highlights. Als Anwärter nach Aachen zu kommen, steigert den Druck natürlich weiter. Ich bin aber nicht der Meinung, dass wir – als Team – unsere Vorbereitung und Planung ändern sollten.
United Touch S ist ein unglaublicher Partner. Das Ziel ist jetzt, seine Form von ’s-Hertogenbosch beizubehalten und am Sonntag beim TSCHIO Aachen eine gute Leistung abzuliefern.
Sie haben sich Ihren Platz als Anwärter mit einem unglaublichen Sieg beim The Dutch Masters gesichert. Was machte die Leistung mit United Touch S rückblickend so besonders?
RV: United Touch S hat einmal mehr unter Beweis gestellt, was für ein besonderes Pferd er ist. Er hat einen großen Galoppsprung und eine enorme Sprungkraft und im Laufe der Jahre sind wir als Team sehr zusammengewachsen.
Sogar in einer relativ kleinen Innenarena hat er der Welt jetzt gezeigt, was er kann. Am Anfang seiner Karriere hätten ihm das wahrscheinlich nicht die wenigsten zugetraut. Aber er hat einmal mehr gezeigt, dass er nicht nur im Außen-, sondern auch im Innenbereich zu den Ausnahmehengsten gehört. In Aachen kann er jetzt seine Stärken ausspielen und den Platz für seinen großen Galoppsprung und seine Sprungkraft nutzen.
Nach den The Dutch Masters sagten Sie, dass Sie als Anwärter mehr unter Druck stehen, aber unter einem „schönen Druck“. Wie gehen Sie mit dieser Erwartung bei Ihrer Vorbereitung für Aachen um?
RV: Als Reiter ist es fast schon unsere Pflicht, mit diesem Druck umzugehen. Das ist natürlich nicht einfach, aber wir arbeiten daran, konzentriert und ruhig zu bleiben und erlauben es uns nicht, zu nervös zu werden.
Außerdem ist es sehr wichtig, dass das Pferd diesen Druck nicht spürt. Pferde sind sehr sensibel, und je entspannter sie sind, desto besser können sie sich konzentrieren. Spürt United Touch S meine Anspannung, dann weiß er, dass etwas anders ist. Er fragt sich dann: „Was passiert heute?“ und das schafft nicht die richtige Atmosphäre für unsere Arbeit.
Er ist sehr erfahren und lange genug beim Sport dabei, um zu verstehen, welcher Tag zählt. Er weiß, wann Sonntag ist, und wann der Rolex Grand Prix stattfindet. Diese Pferde sind sehr intelligent. Ich finde es wichtig, ihm zu zeigen, dass es heute zwar wichtig ist, wir aber alles im Griff haben. Wir haben einen Plan. Wir wissen, was wir machen und versuchen, so gut wie möglich abzuschneiden.
Der Rolex Grand Slam of Show Jumping vereint vier der prestigeträchtigsten Majors in diesem Sport. Was macht die Herausforderung, mehrere Majors hintereinander zu gewinnen, so einzigartig?
RV: Einen Rolex Grand Slam Major zu gewinnen, ist etwas Unglaubliches. Etwas, von dem jeder Springreiter träumt. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich meinen ersten Major beim CHI Geneva gewonnen habe. Normalerweise bin ich ein sehr klar denkender Mensch. Ich verstehe schnell, was um mich herum geschieht. Aber was wir an diesem Wochenende erreicht haben, musste ich mehrere Tage verarbeiten.
Als Anwärter wieder in dieser Position zu sein, ist etwas ganz Besonderes. Wie schon gesagt, ein „schöner Druck“. Mehrere Majors hintereinander zu gewinnen, ist nichts Neues und daher definitiv möglich, aber extrem schwer.
Aachen steht bei vielen Reitern dieses Jahr ganz oben auf der Liste, vor allem, da die FEI World Championships diesen Sommer ebenfalls dort stattfindet. Jeder bringt seine besten Pferde und will zeigen, wie gut sie in Aachen abliefern können.
Aber auch ohne diesen zusätzlichen Kontext sind bei jedem Rolex Grand Slam Major die besten Kombinationen aus Reiter und Pferd am Start. Das Starterfeld ist dieses Jahr ganz besonders stark und die Konkurrenz wird alles daran setzen, dass es für uns nicht klappt. Aber wir versuchen natürlich genau das Gegenteil.
Sie haben bereits einige bemerkenswerte Momente mit United Touch S bei Rolex Grand Slam Majors erlebt. Was bringt dieses Pferd mit, das Ihnen bei diesen großen Turnieren Sicherheit gibt?
RV: Er ist ein absoluter Ausnahmehengst. Mit ihm bin ich sicher, dass ich jeden Parcours der Rolex Grand Slam Majors meistern kann, sei es im Freien in Aachen oder Spruce Meadows, oder im Innenbereich in Genf oder bei den The Dutch Masters. Und sollte es ein Hindernis geben, das er nicht überwinden kann, dann scheitern daran auch viele andere Pferde vor ihm. Als Reiter gibt mir das eine enorme Sicherheit. Ein solches Pferd macht es fast schon bequem.
Gleichzeit mussten wir stark an unserer Partnerschaft arbeiten. Seine Begabung machte das nicht immer einfach, vor allem am Anfang. Aufgrund seines großen Galoppsprungs mussten wir sehr an der Rittigkeit arbeiten und an seiner Fähigkeit, kürzere Sprünge zu machen, mehr Gewicht nach hinten zu verlagern und bei Doppelkombinationen und kurzen Distanzen im Gleichgewicht zu bleiben.
Aber er hat auch eine gute Einstellung. Er will alles richtig machen und jeden Tag besser werden. Das ist vielleicht seine größte Stärke, auch wenn Menschen von außen das vielleicht nicht immer sehen. Sein großer Galoppsprung und seine Sprungkraft liegen sofort auf der Hand, aber sein Charakter, sein Wille, besser zu werden und seine Einstellung zum Sport sind das, was ihn so besonders machen.
Der TSCHIO Aachen gehört zu den prestigeträchtigsten Turnieren im Reitsport. Was macht die Teilnahme im Hauptstadion aus der Reiterperspektive so besonders?
RV: Soweit ich zurückdenken kann, habe ich Aachen im Fernsehen verfolgt. Für uns Deutsche ist Aachen DAS Turnier. Alle Rolex Grand Slam Majors sind wichtige Termine, aber Aachen ist etwas ganz Besonderes.
Das Hauptstadion hat seine ganz eigene Atmosphäre und Intensität. Man spürt die Geschichte des Turniers und wie viel der Sport der Menge bedeutet. Es ist einer der Orte, an denen man als Reiter die Bedeutung des Moments versteht, wenn man durch die Tore des Hauptstadions hereinreitet.
Jeder Reiter träumt davon, hier anzutreten und zu gewinnen. Mit einem Pferd wie United Touch S dort zu sein und die Chance zu haben, beim Rolex Grand Prix anzutreten, ist etwas unglaublich Besonderes.
Aachen ist für Sie als deutscher Reiter quasi ein Heimspiel. Was würde es für Sie bedeuten, dort, vor den deutschen Fans, den Rolex Grand Prix zu gewinnen.
RV: Es wäre ein Traum, der in Erfüllung geht. Als Kind hatte ich fast schon Angst, davon zu träumen, da es so groß und weit weg wirkte. Auch wenn wir außer Acht lassen, dass ich Anwärter bin, ist hier zu gewinnen, etwas unglaublich Besonderes. Etwas, von dem ich als Kind nicht zu träumen gewagt hätte.
Jetzt, da ich dieses Level erreicht habe, traue ich mich langsam, davon zu träumen. Wenn wir das schaffen, werden wir es nie vergessen.
Die Rolex Grand Slam Majors haben alle ihren eigenen Charakter. Wie stellt man sich von der Indoor-Atmosphäre bei den The Dutch Masters auf die riesige Arena und einzigartige Intensität von Aachen um?
RV: United Touch S hat gezeigt, dass er in unterschiedlichen Situation gut abschneiden kann. Bei den The Dutch Masters hat er unter Beweis gestellt, wie gut er in einer Innenarena mit engen Kurven und technischen Schwierigkeiten umgehen kann. Aachen ist eine ganz andere Herausforderung. Hier hat er mehr Raum, seine natürlichen Stärken wie seinen großen Galoppsprung und seine Sprungkraft auszuspielen. Aber das Turnier bringt seine ganz eigene Intensität und Druck mit sich.
Für uns lag der Fokus darauf, ihn auf den Rasen vorzubereiten und sicherzustellen, dass er mit den dortigen Bedingungen vertraut ist. Für ihn ist Aachen das erste Rasenturnier des Jahres. Deswegen bin ich zu Hause viel auf Rasen mit ihm gesprungen. Wir haben versucht, die Situation so gut wie möglich nachzustellen, damit er sich an den Rasen und die Stollen gewöhnt.
Außerdem haben wir nach langer Besprechung zusammen mit unserem Hufschmied und Tierarzt seine Hufeisen abgeändert. Im Innenbereich springt er ohne Eisen. Da gibt es viele Details, die man berücksichtigen muss. Es geht nicht darum, das ganze System umzuwerfen, sondern sicherzugehen, dass jedes Detail sitzt.
Beim Rolex Grand Prix in Aachen treffen die allerbesten Pferde und Reiter der Welt aufeinander. Was muss ein Pferd Ihrer Meinung nach mitbringen, um in dieser Klasse Erfolg zu haben?
RV: Ein Pferd braucht die Sprungkraft, Umsicht und Sportlichkeit, jedes Hindernis zu nehmen. In Aachen ist das jedoch nur Teil der Herausforderung. Das Pferd braucht Rittigkeit, Gleichgewicht und die Fähigkeit, im Trubel konzentriert zu bleiben.
Die Klasse ist in jeder Hinsicht anspruchsvoll. Hier müssen Pferde stark, aber auch anpassungsfähig sein. Sie müssen viel Strecke zurücklegen, aber in den technischen Abschnitten auch abbremsen, wenden und beim Reiter bleiben.
United Touch S kann das, aber was mir die größte Sicherheit gibt, ist seine Einstellung und sein Wille, mit mir zu arbeiten. Er will alles gut machen und jeden Tag besser werden. Dieser Charakter ist wahrscheinlich das, was ihn so besonders macht.
Was würde es für Sie in diesem Stadium Ihrer Karriere bedeuten, in Aachen zu gewinnen und Ihre Rolex Grand Slam Reise fortzusetzen?
RV: Das wäre etwas unglaublich Besonderes. Einen Rolex Grand Slam Major zu gewinnen, ist schon riesig. Zwei infolge zu gewinnen und die Rolex Grand Slam-Reise weiterzuführen, wäre sehr selten und würde mir viel bedeuten.
Ich bin sehr dankbar dafür, in diesem Stadium meiner Karriere in dieser Position mit einem Pferd wie United Touch S zu sein. Wir wissen, wie schwer es ist und wie stark die Konkurrenz ist, aber wir wissen auch, wozu er in der Lage ist. Das gibt uns Selbstvertrauen und ein spannendes Ziel, auf das wir hinarbeiten können.
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