Simon Delestre at The Dutch Masters - Rolex Grand Slam/Tom Lovelock
Ihr Sieg im Rolex Grand Prix beim The Dutch Masters 2025 war ein herausragender Moment. Was sind Ihre eindrücklichsten Erinnerungen an diesen Sieg und was hat ihn so bedeutungsvoll für Sie gemacht?
SD: Ich habe das The Dutch Masters im Laufe meiner ganzen Karriere schon immer geliebt. Ich bin schon oft dort angetreten und bevor ich vergangenes Jahr gewonnen habe, war ich dem Rolex-Grand-Prix-Sieg schon ein paar Mal unglaublich nahe. Ich weiß noch, wie ich vor zwei Jahren mit Cayman [Cayman Jolly Jumper] im Stechen die schnellste Zeit, aber am letzten Hindernis einen Abwurf hatte. Das war eine sehr große Enttäuschung. Mein Sieg beim Rolex Grand Prix 2025 war etwas ganz Besonderes und noch unvergesslicher, weil ich damit als erster französischer Reiter in der Geschichte ein Major des Rolex Grand Slam gewonnen habe. Für mich ist der Rolex Grand Slam etwas, worauf ich mich und meine Pferde ganz gezielt vorbereite.
Wie würden Sie Ihre Saison 2026 bisher beschreiben und was sind Ihre wichtigsten Ziele für den Rest des Jahres?
SD: 2026 wird eine lange und wichtige Saison für mich und mein Team, weil im August die [FEI] Weltmeisterschaft in Aachen ansteht. Das Jahr hat gut für mich angefangen. Im Januar bin ich mit zwei erst Zehnjährigen in zwei in 5*-Grands-Prix angetreten. Gatsby [Gatsby du Tillard] hat in Leipzig den zweiten Platz geholt, ebenso wie Golden [Golden Boy DK] in Hongkong. Wir setzen also große Hoffnungen in diese beiden Nachwuchspferde – ich glaube, dass aus ihnen Ausnahmepferde werden können.
Zurzeit konzentriere ich mich darauf, mit Cayman im März wieder am The Dutch Masters teilzunehmen, bin mir aber noch nicht sicher, wie ich die restliche Saison für ihn planen werde. Auf jeden Fall habe ich vor, im Mai beim CHIO Aachen anzutreten, aber mit welchen Pferden, weiß ich noch nicht. Golden wird wahrscheinlich meine erste Wahl für die Weltmeisterschaft, und wenn er so weitermacht wie bisher, werde ich versuchen, mit ihm den Grand Prix beim CHIO Aachen zu springen. Der CHI Genf ist immer eins meiner Ziele, aber was das [CSIO] Spruce Meadows ‚Masters‘ angeht, sind wir uns noch nicht ganz sicher, weil es so kurz nach der Weltmeisterschaft stattfindet und man ein ganz besonderes Pferd dafür braucht. Ich habe ein ziemlich beständiges Kontingent an Pferden, darunter auch Amelusina [I Amelusina R 51], der wieder einsatzbereit ist. Ich habe also im Großen und Ganzen einen guten Plan und freue mich schon sehr auf das Jahr.
Cayman Jolly Jumper, Golden Boy und Gatsby haben alle drei eine wichtige Rolle bei Ihrem Erfolg gespielt. Können Sie uns ein bisschen über sie erzählen und wie sich ihre unterschiedlichen Charaktere und Stärken im Wettkampf zeigen?
SD: Sie sind alle sehr unterschiedlich, haben aber bestimmte Eigenschaften gemeinsam. Das ist bei wirklich besonderen Spitzenpferden oft der Fall. Alle drei besitzen sehr viel Mut und Energie und sie sind alle sehr vorsichtig.
Außerhalb des Sports unterscheiden sich ihre Persönlichkeiten allerdings sehr. Cayman mag es zum Beispiel nicht, wenn jemand seinen Stall betritt. Er ist von Natur aus misstrauisch und zurückhaltend und beobachtet einen lieber aus der Distanz. Aber er liebt Turniere, er mag es, wenn sich alles um ihn dreht, und er sprüht vor Energie, wenn er die Arena betritt. Er ist anders als alle Pferde, die ich je geritten habe, und diese Kombination seiner Eigenschaften macht ihn so besonders.
Golden und Gatsby sind viel offener und zutraulicher. Sie mögen Menschen und Kontakt und sind ganz allgemein sehr fröhliche Pferde. Aber in der Arena ist jedes dieser drei Pferde ein wahrer Kämpfer.
Was macht den Rolex Grand Slam of Show Jumping aus der Perspektive eines Reiters zu einer so einzigartigen und anspruchsvollen Herausforderung?
SD: Die Majors des Rolex Grand Slam gehören zu den besten Turnieren der Welt. Ich liebe es, dort anzutreten. Die Atmosphäre ist bei jedem Major immer ganz außergewöhnlich, die Anlagen sind erstklassig und jedes Detail entspricht den höchsten Standards. Das Niveau des Springreitens ist herausragend.
Die Parcoursdesigner gestalten immer wahre Meisterschaftsprüfungen, man weiß also, dass man gleich einen ganz besonderen Grand Prix springen wird. Bei diesen Turnieren muss man schon bei der Ankunft bereit sein und sein absolut Bestes leisten.
Sie sprechen oft davon, Beziehungen und Vertrauen aufzubauen und Geduld mit Ihren Pferden zu haben. Warum sind diese Elemente so fundamental für den Erfolg auf höchstem Niveau?
SD: Meiner Meinung nach ist es unerlässlich, im Einklang mit seinem Pferd zu sein, und das braucht eben immer Zeit. Man muss einander in- und auswendig kennen. Ich kenne meine Pferde gerne bis ins kleinste Detail – was sie mögen, was sie nicht mögen, welche Distanzen ihnen am liebsten sind und wie sie denken und reagieren.
Bei mir dauert es mindestens ein Jahr, ein neues Pferd zu entdecken und richtig aufzubauen, bevor man sich sicher sein kann, dass beide – Pferd und Reiter – bereit sind, auf höchstem Niveau anzutreten.
Sie betonen regelmäßig, wie wichtig Ihnen Ihr Team ist. Wie helfen diese Menschen Ihnen dabei, an den bedeutendsten Schauplätzen Bestleistung zu bringen?
SD: Ich habe das Glück, ein sehr starkes Team und System zu haben, was uns in den letzten paar Jahren fantastische Ergebnisse eingebracht hat. Wenn ich den Menschen um mich herum vertraue und an das System glaube, das wir aufgebaut haben, sehe ich keinen Grund, etwas daran zu ändern.
Meine Pflegerin, Margaux, ist unglaublich fokussiert und hat sich eine ganz besondere Bindung zu all meinen Pferden erarbeitet. Während ich die meiste Zeit damit verbringe, meine Beziehung zu ihnen vom Sattel aus zu festigen, arbeitet sie zu Hause und bei Turnieren unablässig an dieser Bindung. Die Pferde lieben sie, und jemanden wie Margaux im Team zu haben, ist von unschätzbarem Wert für mich.
Welche Reiter und Reiterinnen waren im Laufe Ihrer Karriere Vorbilder und Inspiration für Sie und warum?
SD: Mich haben Partnerschaften schon immer mehr inspiriert als einzelne Personen – zum Beispiel die Partnerschaft zwischen Marcus Ehning und Sandro Boy. Ich beobachte bei Turnieren ständig die Pferd- und Reiterpaare, analysiere ihre Weiterentwicklung und versuche zu verstehen, warum sie sich verbessern und Fortschritte in die richtige Richtung machen.
Ich habe das Glück, beinahe jedes Wochenende auf höchstem Niveau antreten zu können, und glaube ehrlich, je öfter man gegen die Besten antritt, desto besser wird man – sowohl als Individuum als auch in der Partnerschaft mit dem Pferd.
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