Willem Greve at The Dutch Masters - Rolex Grand Slam/Tom Lovelock
Wenn Sie an Ihren Sieg im Rolex Grand Prix beim The Dutch Masters 2024 zurückdenken, welche Erinnerung fällt Ihnen dann sofort wieder ein?
WG: Für mich wurde damit ein Traum wahr. Es war ein echter Krimi – als letzter Starter im Stechen Henrik [von Eckermann] und King Edward um gerade mal Vierhundertstelsekunden zu schlagen. Und als ich das grüne Licht gesehen habe, dachte ich bloß: Ich habe es geschafft! Als ich über die Ziellinie geritten bin, habe ich zur Ergebnistafel hochgeschaut und die Buchstaben und Zahlen grün aufleuchten sehen. Da wurde mir klar, dass ich schnell genug gewesen bin. Ich wusste ja, dass ich der Letzte gewesen bin, und in dem Augenblick wurde mir bewusst, dass ich gewonnen hatte. Es war ein unbeschreibliches Gefühl und ich habe einfach nur versucht zu verarbeiten, was da gerade passiert ist.
Was hat dieser Sieg in einer so prestigeträchtigen Prüfung auf heimatlichem Boden Ihnen persönlich bedeutet? Welchen Stellenwert hat er in Ihrer bisherigen Karriere?
WG: Wir haben doch alle solche Ambitionen. Einen Grand Prix zu gewinnen, ist fantastisch, aber ein Major des Rolex Grand Slam vor Heimpublikum und im eigenen Heimatland zu gewinnen – das ist etwas, wovon jeder Reiter träumt. Ob nun Steve [Guerdat] oder Martin [Fuchs] in Genf gewinnen oder ein deutscher Reiter in Aachen gewinnt – das zu schaffen, ist es etwas ganz Besonderes und etwas, worauf man sehr stolz sein kann.
Ich hoffe, dass wir als Reiter den Nachwuchs inspirieren können. Ich finde es heutzutage sehr wichtig, dass wir Nachwuchsreitern dabei helfen, ihre Begeisterung für das Springreiten zu wecken, damit sie davon träumen können, es in diesem Sport etwas ganz Großes zu schaffen. Das finde ich sehr wichtig. Als ich aufgewachsen bin, war Jos Lansink an der Spitze unseres Sports, ebenso wie John und Michael Whitaker. Sie waren und sind noch immer meine Vorbilder, aber der Sport hat sich weiterentwickelt und inzwischen gibt es viele andere großartige Reiter und Reiterinnen.
Welchen positiven Einfluss hat der Rolex Grand Slam of Show Jumping auf den Sport?
WG: Für mich einen ausgesprochen positiven. Letztendlich hat er dazu geführt, dass die vier Veranstaltungen ihre Standards angehoben haben. Was mir wirklich sehr am Rolex Grand Slam gefällt, ist, dass Qualität Vorrang vor Quantität hat. Man wird nicht von lauter Veranstaltungen erschlagen. Die vier Majors sind legendäre Wettkämpfe und wir alle planen unsere Saison um sie herum. Das macht es so besonders – jedes Major fühlt sich bedeutend und prestigeträchtig an.
Erzählen Sie uns von Grandorado TN N.O.P. und Pretty Woman van't Paradijs N.O.P. Wie würden Sie die beiden Pferde hinsichtlich ihrer Charaktere und Stärken vergleichen und wie fordern sie Sie als Reiter?
WG: Ich reite Grandorado jetzt schon seit elf Jahren. Ich habe ihn als Vierjährigen bekommen, wir konnten also richtig zusammenwachsen und kennen einander in- und auswendig. Er ist wie ein kleiner Junge in einem großen Körper, wird aber mit zunehmendem Alter definitiv reifer. Er war schon immer sehr empfindlich und man muss vorsichtig mit ihm umgehen. Pretty Woman ist eine ganz besondere Lady mit einem Herzen aus Gold und unglaublich viel Ehrgeiz. Sie ist temperamentvoll, eine echte Kämpferin. Für ihr Alter ist sie eigentlich noch nicht sehr erfahren. Als sie im Alter von sechs trächtig war, wollte ich den Embryo ausspülen, aber das gelang nicht und sie trug das Fohlen selbst aus und brachte es mit sieben zur Welt. Obwohl sie jetzt also elf ist, fehlt ihr ein Jahr Erfahrung auf größeren Turnieren. Allerdings sammelt sie ständig Erfahrung und ich muss sagen, je älter sie wird, desto besser wird sie. Sie ist wirklich eine ganz besondere Lady und das weiß sie auch!
Was macht das The Dutch Masters zu einer so besonderen Veranstaltung für Sie? Ist es das Publikum, die Atmosphäre, die Geschichte?
WG: Alles zusammen – die Geschichte, die Kulisse, der Schauplatz – es ist einfach eine ganz besondere Veranstaltung. Und sie blickt auf so viel Tradition zurück. Ich weiß noch, wie ich als Kind dort war, als Jos Lansink 1994 das FEI World Cup™-Finale gewonnen hat. Und natürlich erinnere ich mich daran, als das Indoor Brabant 2018 Teil des Rolex Grand Slam of Show Jumping wurde. Es war damals bereits eine Spitzenveranstaltung, aber dieser Meilenstein hat das Renommee noch vergrößert. Das Turnier gehört zu den Highlights der Hallensaison für uns Reiter, vor allem für die Niederländer. Es herrscht eine so schöne Atmosphäre – warm, gemütlich und einladend – und es ist wirklich eine fantastische Veranstaltung. So empfinden es alle Beteiligten: die Reiter, die Pfleger und die Pferde. Sie genießt ein unglaubliches Ansehen und die Organisation ist jedes Mal großartig.
Was sind Ihre großen Ziele für das restliche Jahr? Gibt es etwas Bestimmtes, auf das Sie hinarbeiten?
WG: Zuerst steht das The Dutch Masters an und danach das FEI World Cup™-Finale in Fort Worth, Texas. Dann im Mai folgt Aachen und später im Jahr die FEI Weltmeisterschaft in Aachen. Das sind für die meisten Reiter die Höhepunkte der Saison und die wichtigsten Termine im Kalender.
Wie schalten Sie ab und tanken neue Kraft, wenn Sie nicht auf Turnieren sind? Was hilft Ihnen dabei?
WG: Ich bin gerne zu Hause und arbeite mit den Pferden, vor allen mit den jungen Pferden. Ich bin auch gern mit Freunden zusammen, gehe gern Essen, besuche meine Familie und verbringe Zeit mit meiner Freundin. Ich muss zugeben, dass ich bei Turnieren mehr Freizeit habe als zu Hause! Ich genieße im Augenblick einfach mein Leben – alles läuft richtig gut.
Sie haben sich ein starkes Team aufgebaut. Wie sieht dieses Unterstützungssystem aus und wie wichtig ist es für Ihren Erfolg? Und erzählen Sie uns doch etwas über Ihren Superpfleger, Richard …
WG: Es ist unglaublich wichtig, dass alle im Team – der Pfleger, der Stallverwalter, der Reiter zu Hause, der Schmied und der Tierarzt – verstehen, welche entscheidende Rolle sie spielen. Viele der Menschen um mich herum sind schon seit über fünfzehn Jahren bei mir. Wir alle arbeiten auf diese zwei Minuten in der Arena hin. Es ist genauso wichtig, dass Richie sich beim Turnier um die Pferde kümmert, wie es ist, dass die Pferde zu Hause richtig geritten und nach höchstem Standard versorgt werden.
Natürlich gibt es Phasen, in denen mal nicht alles wie am Schnürchen läuft. In diesen Augenblicken ist es ganz entscheidend, dass wir als Team am selben Strang ziehen und gemeinsam überlegen, wie wir uns verbessern können. Ich sorge immer dafür, dass mein Team weiß, dass die Meinung eines jeden zählt und ich sie wirklich zu schätzen weiß. Meine Philosophie lautet „Never change a winning Team“, auch wenn die Ergebnisse mal nicht wunschgemäß ausfallen.
Meine Stallverwalterin, Trix, ist unglaublich. Sie weiß alles und hat schon die ganze Welt bereist. Sie organisiert den ganzen Papierkram, die Gesundheitszeugnisse, die Traces-Zertifikate und die Transportlogistik. Und mein Pfleger, Richie, arbeitet unglaublich hart. Manchmal habe ich das Bedürfnis, ihn vor sich selbst zu schützen, weil er für mich und die Pferde immer alles ganz perfekt haben will. Ich verbringe wahrscheinlich mehr Zeit mit Richie als mit meiner Freundin, weil wir so viel unterwegs sind! Ich sage oft zu ihm: „An dem Tag, an dem du kündigst, hänge ich das Reiten an den Nagel.“ Er ist ein ganz großartiger Kerl.
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