CHRISTIAN AHLMANN - Stefan Lafrentz D'aganix 2000 z
Was macht an diesem Punkt Ihrer Karriere eine erfolgreiche Saison für Sie aus? Die Ergebnisse, die Entwicklung der Pferde oder etwas anderes?
CA: Das kommt ein bisschen auf die Saison an. Ich finde, es ist mehr oder weniger eine Kombination aus allem. Die Ergebnisse sind natürlich immer sehr wichtig – vor allem, wenn man einen Grand Prix gewinnt, den man unbedingt gewinnen wollte oder eine Goldmedaille oder Meisterschaft. Das sind die Augenblicke, an die man sich erinnert und auf die man als eine erfolgreiche Saison zurückblickt. Aber andererseits findet ja auch ständig eine Weiterentwicklung statt. Jeden Tag und jedes Jahr muss man weiter an sich arbeiten. Man sollte zwei oder drei Pferde haben, die für 5*-Grands-Prix auf Spitzenniveau bereit sind, darf aber niemals die Basis vernachlässigen. Man muss jeden Tag daran arbeiten, dieses Niveau zu halten und Nachwuchspferde aufzubauen, damit man in der Zukunft wieder Pferde hat, die für den großen Sport bereit sind. Es ist also ebenso wichtig, die Basis auszubauen wie zu gewinnen.
Wenn Sie an Ihre aktuellen Spitzenpferde denken, welche Eigenschaften brauchen sie, um beständig auf allerhöchstem Niveau Erfolg zu haben, vor allem bei den Rolex-Majors?
CA: Wir reden immer von Sprungkraft, Vorsicht und Qualität, was man natürlich auf jedem Niveau braucht. Aber auf dem heutigen Spitzenniveau müssen die Pferde außerdem sehr stark, sehr vernünftig und wirklich schlau sein. Sie müssen ebenso in großen Grasarenen mit Wasserhindernissen wie in kleinen Sandarenen springen, mit Flugzeugen reisen und am nächsten Tag fit für einen Wettkampf sein. Sie müssen also sehr athletisch und anpassungsfähig sein und jederzeit, in jeder Arena und auf jedem Untergrund antreten können. Vor allem müssen sie ganz beim Reiter sein, bereit sein, diesen Sport auszuüben und jeden Tag ein echter Partner zu sein. Aber es geht nicht nur um das Pferd, sondern um das ganze Team um die Pferde herum. Man braucht 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche Unterstützung, um sich an jede Situation anpassen zu können. Der Reiter ist nur ein Teil des ganzen Puzzles und alles muss sich zusammenfügen, um letztendlich zum Erfolg zu führen.
Wie gelingt Ihnen der Balanceakt, Nachwuchspferde aufzubauen und gleichzeitig auf 5*-Niveau konkurrenzfähig zu bleiben?
CA: Das A und O ist die Organisation innerhalb des Teams. Man arbeitet einen Plan für seine 5*-Pferde aus – ihre Ziele, die wichtigen Turniere, und wie man sie auf diese Wochenenden vorbereitet. Gleichzeitig erstellt man einen anderen Plan für die jüngeren Pferde. Sie müssen regelmäßig bei kleineren Turnieren antreten und manchmal nimmt man sie zu großen Veranstaltungen wie Aachen mit, damit sie sich an die Atmosphäre gewöhnen. Es ist sehr interessant zu sehen, wie sie in solchen Situationen reagieren und ob sie sich verbessern und sich an den Trubel um sie herum gewöhnen. Das Springen liegt ihnen im Blut, so viel ist sicher, aber auf diesem Niveau kommt es auf so viel mehr an. Sie müssen sich inmitten dieser Menschenmengen, des Lärms und allem, was um sie herum vorgeht, konzentrieren können und den Sport im Fokus behalten. So kann man langsam sehen, wohin die Reise führt und ob ein Pferde Potenzial für die Zukunft hat.
Sie arbeiten mit führenden Züchtern wie Zangersheide zusammen. Welche Rolle spielt die Zucht bei der Gestaltung der Zukunft dieses Sports und was begeistert Sie an der nächsten Generation von Pferden?
CA: Die Zucht ist die Basis unseres Sports. Ohne Zucht gibt es den Sport nicht. Sie ist unglaublich wichtig und ich finde, wir sollten die Arbeit der Züchter viel mehr wertschätzen. Es erfordert viel Leidenschaft und Arbeit, und sie tun es nicht des Geldes wegen. In den letzten zehn Jahren habe ich mich stärker in die Zucht eingebracht und das gefällt mir sehr. Es ist spannend zu erleben, wie die Pferde heranwachsen, sie zu trainieren, und den richtigen Hengst für seine Stuten zu finden. Man versucht, die richtigen Kombinationen zu finden, um hoffentlich Pferde hervorzubringen, die später in den Sport einsteigen können. Diese Entwicklung mitzuerleben, bereitet mir wirklich viel Freude.
Mit vielen Ihrer Besitzer und Teammitglieder arbeiten Sie schon lange zusammen. Welchen Einfluss hat diese Beständigkeit auf Ihre Ergebnisse?
CA: Ohne ein gutes Team ist kein Erfolg möglich. Der Reiter ist nur ein Teilchen des Ganzen. Es fängt mit den Eigentümern an und geht bis hin zu den Pflegern, den Reitern zu Hause, denHufschmieden, den Tierärzten – allen Beteiligten. Jeder muss einhundert Prozent geben, um auf Spitzenniveau erfolgreich zu sein. Ich arbeite schon seit vielen Jahren mit dem mehr oder weniger selben Team zusammen und vertraue diesen Menschen völlig. Wir bauen gemeinsam Pferde auf und organisieren alles rund um den Sport herum, und ich bin sehr dankbar für all diese Unterstützung, denn ohne sie wäre kein Erfolg möglich. Elsa, meine Turnierpflegerin, ist jetzt auch schon über zehn Jahre bei mir. Sie begleitet die Pferde bei allen Reisen und kümmert sich rund um die Uhr um sie. Das ist enorm wichtig – für die Pferde, für das Team, für einfach alles – und sie leistet hervorragende Arbeit.
Was macht den Rolex Grand Slam of Show Jumping zu einer so einzigartigen Herausforderung?
CA: Die Turniere des Rolex Grand Slam sind etwas ganz Besonderes. Sie sind die besten der Welt mit einer langen Geschichte. Jedes Jahr treten die besten Pferd-und-Reiterpaare bei diesen Majors an, was es extrem schwer macht, dort zu gewinnen. Wenn man also tatsächlich gewinnt, hat das einen enormen Stellenwert.
Sie haben den Rolex Grand Prix beim CHIO Aachen bereits 2014 gewonnen. Welchen Einfluss hat dieses Erlebnis auf Ihre Motivation, wenn Sie wieder dort antreten?
CA: Wenn man irgendwo einen großen Erfolg gefeiert hat, denkt man immer an diese Augenblicke zurück – vor allem in Aachen. Für deutsche Reiter und Reiterinnen ist das die Veranstaltung, bei der man unbedingt gewinnen will. In diesem Stadion vor 40.000 Zuschauern zu reiten und den Rolex Grand Prix zu gewinnen, ist ein unvergessliches Erlebnis. Es ist der Lohn für all die Arbeit, die man mit seinem Team hineingesteckt hat. Wenn diese Veranstaltung wieder ansteht, sind das die Momente, über die man nachdenkt. Und man hofft, es noch einmal zu schaffen.
Wie haben sowohl Erfolge als auch Rückschläge Ihre Einstellung an diesem Punkt Ihrer Karriere geprägt?
CA: Wenn man schon seit vielen Jahren in diesem Sport aktiv ist, versteht man, dass es immer Höhen und Tiefen gibt. Jeder Tag kann wieder ganz anders sein, vor allem, wenn man mit Pferden arbeitet. Man muss sich Schritt für Schritt an seine Ziele heranarbeiten und nie erwarten, dass sich der Erfolg einfach so einstellt. Harte Arbeit und Beständigkeit sind immer das A und O. Gleichzeitig braucht man Motivation, aber nicht nur feste Ziele, sondern man muss auch die Verbesserungen auf dem Weg dorthin wahrnehmen. Im Vergleich zu anderen Sportarten wie dem Pferderennsport, bei dem ein guter Reiter mit dem besten Pferd vielleicht acht von zehn Malen gewinnt, ist unser Sport viel komplexer. Es gibt viele Pferd-und-Reiterpaare, die an einem Tag gewinnen können und kleine Details können einen großen Unterschied machen. Es geht nicht nur darum, möglichst schnell zu sein, sondern alles muss im richtigen Augenblick zusammenkommen. Darum muss man die guten Tage wertschätzen, an denen sich alles in die richtige Richtung bewegt. Es kann sich nämlich blitzschnell ändern.
Der CHIO Aachen hat besondere Bedeutung für Sie. Welche Erwartungen und Ambitionen hegen Sie im Hinblick auf den TSCHIO 2026?
CA: Ich bin sehr motiviert. Aachen ist für uns immer die wichtigste Veranstaltung des Jahres. Dieses Jahr habe ich zwei Hengste, die hervorragend in Form sind – Dourkhan [Hero Z], der sich dort letztes Jahr sehr gut geschlagen hat, und Untouched. Beide Pferde haben eine große Zukunft vor sich. Wir arbeiten im Augenblick auf dieses Turnier hin und werden an diesem Wochenende hoffentlich bereit sein.
Was motiviert Sie nach allem, was Sie in diesem Sport bereits erreicht haben, auf diesem Spitzenniveau noch besser werden zu wollen?
CA: Ich bin ein großer Fan dieses Sports und der Pferde. Ich liebe das Reiten und habe noch immer das Gefühl, mit den Pferden, die für diese Prüfungen bereit sind, auf diesem Niveau antreten zu können. Ich möchte konkurrenzfähig bleiben und mich in diesem Sport weiter pushen. Gleichzeitig fände ich es schön, wenn meine Kinder diesen Sport vielleicht irgendwann auch für sich entdecken und wir das gemeinsam erleben können. Auch später werde ich immer mit diesem Sport verbunden bleiben, ob als Reiter, Züchter, Händler oder in einer anderen Funktion. Ich liebe es, dieser Gemeinschaft anzugehören und das wird auch immer so bleiben.
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