Dieses Jahr findet der CHI Genf zum 64. Mal statt. Wenn Sie auf die Geschichte dieser Veranstaltung zurückblicken, wie hat sie sich ihren Ruf als eine der besten der Welt bewahren können?
SMM: Ich glaube, daran waren und sind viele Faktoren beteiligt. Die Reiter und Reiterinnen, die hierherkommen, wissen, dass wir ihnen das höchste Niveau dieses Sports bieten. Als Organisatoren haben wir das Ziel, einfach nur großartigen Sport zu präsentieren. Man darf auch nicht vergessen, dass wir die besten Reiter und Reiterinnen der Welt anlocken, die allein aufgrund ihrer Leistung hier antreten. All diese Elemente zusammengenommen verleihen dem CHI Genf seine ganz besondere Identität.
Wir haben das Glück, dass wir über eine große Arena, ausgezeichnete Stallungen nahe der Halle und einen Schauplatz mit unglaublicher Atmosphäre verfügen. Diese Aspekte tragen – neben einigen anderen – mit zu dem hervorragenden Ruf bei, den die Veranstaltung bei Reitern, Reiterinnen und Publikum genießt. In diesem Jahr sponsert Rolex den Rolex Grand Prix beim CHI Genf zum 25. Mal. Wie würden Sie den Einfluss beschreiben, den diese langjährige Partnerschaft auf die Veranstaltung gehabt hat?
SMM: Der Einfluss war enorm und wir alle hier beim CHI Genf sind unfassbar stolz darauf, Rolex schon seit so vielen Jahren an unserer Seite zu haben. Wir feiern das 25-jährige Bestehen des Rolex Grand Prix, aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Partnerschaft zwischen Rolex und dem CHI Genf schon lange davor begann, und wir schätzen uns sehr glücklich über diese beständige Treue. Wenn man mit einer Marke wie Rolex zusammenarbeitet, muss man sich auf höchstem Niveau bewegen. Diese Erwartungshaltung motiviert und spornt jeden beim CHI Genf dazu an, eine Veranstaltung von Weltklasse auf die Beine zu stellen, und Rolex an unserer Seite zu haben, inspiriert uns sehr. Der CHI Genf spielt seit der Einführung des Rolex Grand Slam of Show Jumping im Jahr 2013 eine zentrale Rolle dabei. Was macht das Schweizer Major zu einem so prägenden Teil der Serie?
SMM: Wir fühlen uns nicht allein – wir fühlen uns als Teil eines Teams und einer Familie, denn das Konzept begann mit drei Veranstaltungen [CHI Genf, CHIO Aachen, CSIO Spruce Meadows] und wuchs später auf vier an, als 2018 das The Dutch Masters hinzukam. Jedes dieser vier Majors hat seine eigene Identität und Geschichte, das heißt, sie alle steuern unterschiedliche Ideen und Perspektiven bei. Diese Vielfalt hat das Konzept des Rolex Grand Slam gestärkt, da wir ständig eine offene, transparente Kommunikation pflegen und einander wirklich zuhören. Ich finde das unglaublich interessant, weil wir alle dazulernen und letztendlich gemeinsam wachsen.
Der CHI Genf ist zwar ein Hallenturnier, dennoch inspirieren uns Veranstaltungen wie Aachen und Spruce Meadows. Beim diesjährigen Spruce Meadows `Masters‘ beispielsweise hat der Parcoursdesigner Leopoldo Palacios zur Feier des 50-jährigen Bestehens von Spruce Meadows den `Masters‘-Grand-Prix-Parcours vom ATCO Cup 1976 nachgebaut – eine wunderbare Idee, die mich und mein Team hinsichtlich der zukünftigen Meilensteine für den CHI Genf sehr inspiriert hat.
Ich finde es auch wichtig, im Blick zu behalten, wie sich andere Sportarten außerhalb der Welt des Reitsports – wie Tennis und Skifahren – weiterentwickeln, und sich von deren Innovationen anregen zu lassen. Das Springreiten ist in der Hinsicht einzigartig, dass sowohl Athleten als auch Tiere beteiligt sind. Wir können jedoch trotzdem von anderen Sportarten lernen, wie man das Erlebnis für die Zuschauer, die Freiwilligen, die VIPs und die Medien noch verbessern kann. Scott Brash tritt als Anwärter auf den Rolex Grand Slam hier an. Was bedeutet es für die Veranstaltung, einen Reiter hier zu begrüßen, der sich nun zum zweiten Mal der schwierigsten Herausforderung dieses Sports stellt? SMM: Ich finde es unglaublich, was er erreicht hat, und glaube ehrlich, dass er es noch einmal schaffen kann. Scott ist hervorragend in Form, ebenso wie seine Pferde, und ich drücke ihm auf jeden Fall die Daumen. Dass Scott elf Jahre nach seinem Rolex-Grand-Prix-Sieg 2014 wieder zum CHI Genf zurückkehrt und erneut Jagd auf den Rolex Grand Slam macht, wird eine ganz fantastische und besondere Geschichte werden, über die man hoffentlich noch lange reden wird. Der CHI Genf stellt auch dieses Jahr wieder eine Plattform sowohl für nationale Reiter und Reiterinnen als auch für die U25-Riege bereit. Warum ist die Förderung und Präsentation von Nachwuchstalenten ein so wichtiger Bestandteil der Philosophie der Veranstaltung? SMM: Für mich ist es unglaublich wichtig, dass sich der CHI Genf die Verbindung zu unserer Region, den Einwohnern der Schweiz und unseren nationalen Reitern und Reiterinnen bewahrt, die eine wirklich große Leidenschaft für das Springreiten haben und darauf brennen, die Stars des Sports und ihre Idole kennenzulernen. Darum halte ich es für einen fundamentalen Aspekt der Philosophie des CHI Genf, auch nationale Wettkämpfe und Prüfungen für Nachwuchsreiter und aufstrebende Talente auszurichten, denn sie sind die Stars von morgen.
Hier beim CHI Genf dabei zu sein, gibt diesen nationalen und jungen Reitern und Reiterinnen die Chance, sich mit Spitzenathleten auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und von ihnen zu lernen – und gleichzeitig auch Raum zu haben, ihre eigenen Gedanken und Gefühle zu äußern. Ihr Team, das über 700 Freiwillige mit einschließt, genießt viel Lob dafür, eine der am besten organisierten Veranstaltungen der Welt auszurichten. Auf welche Aspekte der Organisation des CHI Genf sind sie besonders stolz? SMM: Zwischen Januar und Ende August besteht das Vollzeit-Team des CHI Genf aus nur vier Personen, was ich bemerkenswert finde. Wir haben unglaubliches Glück mit unseren Freiwilligen, die mit Feuereifer dabei sind, und ich freue mich immer, dass so viele von ihnen Jahr für Jahr wiederkehren. Ich bin sehr stolz auf mein Team, das ständig neue Ideen erarbeitet, wie man das Turnier weiterentwickeln und zukünftige Ausgaben noch besser machen kann.
Ich liebe es auch, den Fokus auf die Pferde zu legen – unsere gemeinsame große Leidenschaft –, und darum genieße ich unser Sportmeeting zu Beginn des Jahres immer sehr. Aber es ist nicht immer einfach. Da wären Herausforderungen wie die Sicherung der Finanzierung durch Sponsoren, damit die Veranstaltung erfolgreich durchgeführt werden kann. Wenn sie schließlich beginnt, blicken wir auf die monatelange Vorbereitung zurück und sind stolz auf das, was wir erreicht haben. Es mag seltsam klingen, aber diese Veranstaltung ist wie unser Baby, das wir hegen und pflegen und aufwachsen sehen. Ich schätze mich unglaublich glücklich – ich liebe meinen Job wirklich. 2026 werden Sie die Präsidentschaft über den Lenkungsausschuss des Rolex Grand Slam übernehmen. Haben Sie persönliche Prioritäten oder Bestrebungen hinsichtlich des Konzepts?
SMM: Es gibt immer vieles zu verbessern und zu besprechen. Zurzeit ist die Berichterstattung im Fernsehen ein Gesprächsthema, weil wir hoffen, 2026 einige wichtige Änderungen umzusetzen. Wir reden auch viel über das Wohlergehen der Pferde, denn das ist ein Kernpunkt in der Philosophie des Rolex Grand Slam of Show Jumping. Ich würde sagen, das sind derzeit die beiden Hauptgesprächsthemen. Wir betrachten natürlich auch andere Bereiche – vom Regelwerk und neuen Ideen bis hin zu möglichen kleinen Veränderungen am Konzept des Rolex Grand Slam. In Folge 7 der Slam Show (verfügbar auf YouTube) erwähnen Sie, dass die Vorbereitung des CHI Genf neun bis zehn Monate in Anspruch nimmt. Können Sie uns das näher erläutern und auch auf die einzigartigen Herausforderungen eingehen, ein Rolex Grand Slam Major an einem nicht-permanenten Schauplatz auszurichten? SMM: Unsere größte Herausforderung ist es, dass das Palexpo bei unserer Ankunft völlig leer ist – nur vier Wände und ein Dach. Wir müssen alles von Grund auf neu aufbauen. In gewisser Hinsicht ist das positiv, weil es uns völlige Freiheit lässt: Wenn wir die Tribünen verbessern oder ein anderes Layout als im Vorjahr gestalten wollen, können wir das tun.
Allerdings finden vor und nach dem CHI Genf andere Veranstaltungen im Palexpo statt, d. h. wir haben immer sehr knappe Fristen für den Auf- und Abbau. Vor vielen Jahren fand zum Beispiel vorher eine Motocross-Show dort statt, sodass uns nur vier Tage blieben, um den CHI Genf aufzubauen. Das war heftig. Wir hatten drei Teams, die im durchgehenden Acht-Stunden-Schichtbetrieb gearbeitet haben, nur um rechtzeitig mit allem fertig zu werden.
Zum Glück ist es inzwischen einfacher. Wir haben normalerweise etwa drei Wochen Zeit für den Aufbau, in denen wir von 6 Uhr morgens bis um 10 Uhr abends arbeiten, und fünf Tage, um alles wieder abzubauen. Das ist immer noch anstrengend, aber viel besser zu bewältigen als früher. Und zum Abschluss: Was erhoffen Sie sich, dass Reiter, Zuschauer und Partner aus dem CHI Genf 2025 mitnehmen?
SMM: Wir wünschen uns, dass alle die Veranstaltung mit einem Strahlen in den Augen verlassen. Wir hoffen, dass ihnen der unglaubliche Sport, den sie im Palexpo erlebt haben, und die Emotionen, die in ihnen geweckt wurden, im Gedächtnis bleiben und – am allerwichtigsten – dass sie es kaum erwarten können, nächstes Jahr wiederzukommen.
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