Rolex Grand Slam/Ashley Neuhof - Richard Vogel (GER) riding Cloudio in the CANA Cup
Ein weiteres beeindruckendes Starterfeld mit 56 Pferd-und-Reiterpaaren aus nicht weniger als 18 Nationen fand sich heute zur zweiten Hauptprüfung des Tages – dem prestigeträchtigen 2025 CANA Cup – im legendären International Ring von Spruce Meadows ein. Unter ihnen befanden sich auch drei der aktuellen Top 10 der Springreiter: der Brite Ben Maher, der Schweizer Steve Guerdat sowie der Deutsche Richard Vogel, der sich in sensationeller Bestform präsentierte.
Trotz des großen Starterfelds gelang es nur sieben Reitern, den anspruchsvollen Parcours von Leopoldo Palacios fehlerfrei zu absolvieren und sich damit einen Platz im Stechen zu sichern. Die Finalisten bestanden aus dem belgischen Brüderpaar Thibault und Olivier Philippaerts, den Österreichern Max Kühner und Markus Saurugg, dem Brasilianer Yuri Mansur sowie dem deutschen Duo Richard Vogel und Jörne Sprehe.
Vier der sieben Paare schafften zwei fehlerfreie Durchläufe, doch den Sieg holte sich die Nummer vier der Weltrangliste, Richard Vogel mit seinem grauen Hengst Cloudio. Der deutsche Reiter lieferte eine unglaublich schnelle Runde ab und unterbot seinen Landsmann Jörne Sprehe um gerade mal 0,77 Sekunden.
Auf die Frage, wie zuversichtlich ihn sein Sieg im CANA Cup jetzt für den CPKC ‚International‘, presented by Rolex, am Sonntag gestimmt habe, erklärte Vogel: „Ich habe gestern erwähnt, dass ich unseren Sport sehr stark für Kopfsache halte. Darum ist es immer gut, viel Zuversicht und das Gefühl zu haben, dass es richtig gut für dich läuft und alles perfekt zusammenpasst.
All meine Pferde springen hier ganz hervorragend, sie lieben diese Veranstaltung wirklich sehr, genauso wie ich. Ich bin ganz begeistert, welche Leistung Phenyo [van het Keysersbos] und Cloudio gestern und heute hier erbracht haben. Ich hatte heute Morgen auch United Touch im Parcours und auch er ist ausgezeichnet gesprungen. Wir hatten ein paar Zeitfehler, aber ich war sehr zufrieden damit, wie er gesprungen ist. Er fühlt sich wirklich gut. Hoffentlich läuft es am Sonntag genauso gut für uns.“
Tiffany Van Halle
Am Donnerstag der „Masters“-Woche in Spruce Meadows kämpften 49 Pferd-Reiter-Paare im legendären International Ring um den ATCO Cup 2025. Dabei wurden die Reiter mit einem Stück Springreitgeschichte auf die Probe gestellt: Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums von Spruce Meadows hatte sich der venezolanische Parcoursdesigner Leopoldo Palacios nämlich etwas ganz Besonderes überlegt und den Parcours des Grand Prix „Masters“ 1976 nachgebaut.
Die Spitzenleistung der ersten Runde kam von der formstarken Französin Nina Mallevaey und ihrer Stute My Clementine, die in 85,02 Sekunden einen fehlerfreien Durchgang hinlegten. In der Gewinnerrunde waren neben ihr die nächsten neun besten Paare vertreten: Die Amerikaner Laura Kraut und Kyle King, Eugenio Garza Perez aus Mexiko, der kanadische Favorit Mario Deslauriers, der dreifache Major-Sieger Daniel Deusser aus Deutschland, das belgische Duo Nicola Philippaerts und Roy van Beek, der aufstrebende Star Irlands Tom Wachman und Max Kühner aus Österreich.
Die Gewinnerrunde hat die Erwartungen mehr als erfüllt. Nur Deslauriers und Wachman kassierten Fehler, während die übrigen acht Paare die Runde alle fehlerfrei und innerhalb der vorgegebenen Zeit abschlossen. Aber einmal wieder war es Mallevaey – frisch vom Sieg beim Rolex Grand Prix der Brussels Stephex Masters –, die sich als unschlagbar erwies. Mit ihrer fuchsfarbenen Stute absolvierte sie eine weitere fehlerfreie Runde und stoppte die Uhr bei unschlagbaren 46,16 Sekunden. Mit fast zwei Sekunden Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Garza Perez auf Victer Finn DH Z zeigte die 25-Jährige einmal wieder, warum sie als die weltweit führende U-25-Reiterin gilt.
Die Top 5 vervollständigten Laura Kraut auf Platz 3 mit Tres Bien Z, gefolgt von Philippaerts und Deusser auf den Plätzen 4 und 5.
Spruce Meadows Media - Ian Millar riding Dixson during the 2014 CP 'International' presented by Rolex
Sie können auf eine der außergewöhnlichsten Karrieren von mehreren Jahrzehnten im Springreiten zurückblicken. Welche Augenblicke stechen im Rückblick als die Erfolge heraus, auf die Sie am stolzesten sind, sowohl in Spruce Meadows als auch international?
IM: Ich hatte im Laufe der Jahre 50 erfolgreiche Grand-Prix-Pferde und jedes von ihnen hat mir ganz besondere Momente beschert. Oft haben sie mehr gegeben, als irgendwer erwartet hätte – wie ein 1,40 Meter großes Pferd, das einen 1,45-m-Grand-Prix gewinnt, indem es wirklich das Letzte aus sich herausholt. Solche Augenblicke vergisst man nie.
Aber wenn ich mich für einen unvergesslichen Augenblick in Spruce Meadows entscheiden müsste, wäre es die Verabschiedung von Big Ben. An dem Tag waren mehr Zuschauer da, als Spruce Meadows je gesehen hatte. Die Menschen wurden sogar in den International Ring gelassen, weil auf den Tribünen kein Platz mehr war. Im Vorfeld waren wir dank der Unterstützung von Sponsoren wie BMO Financial und Miller’s Saddlery mit Big Ben durch Kanada getourt, um den Fans die Chance zu geben, ihn persönlich kennenzulernen und Fotos mit ihm zu machen. Die Einnahmen – etwa 100.000 kanadische Dollar – gingen als Spende an CanTRA, die Kanadische Vereinigung für Therapeutisches Reiten.
Die Anerkennung, die Big Ben durch Spruce Meadows, die Familie Southern und die Fans erfahren hat, war etwas ganz Besonderes. Ich habe schon immer gesagt, dass einen guten Athleten das ausmacht, was er auf dem Spielfeld tut, sich ein großartiger Athlet aber dadurch auszeichnet, was er außerhalb des Spielfelds tut. Genau das hat Big Ben verkörpert.
Er hat nicht nur dem Springreiten zu mehr Aufmerksamkeit verholfen, sondern er wurde zu einem Nationalsymbol. Fans haben in Spruce Meadows angerufen und gefragt: „Springt Big Ben diese Woche?“ Allein seine Anwesenheit konnte für volle Tribünen sorgen. Wie Mr. Southern immer gesagt hat: Was Big Ben für Spruce Meadows getan hat, ist nicht mit Gold aufzuwiegen. Dass ich diese Reise mit ihm zusammen unternehmen durfte, bleibt für mich immer eins der stolzesten Kapitel meiner Karriere.
Ihre unglaubliche Beständigkeit als Repräsentant Ihres Lands hat Ihnen den Spitznamen „Captain Canada“ eingebracht und Sie zu einem Symbol des kanadischen Springreitens gemacht. Wie sehen Sie Ihre Rolle bei der Gestaltung des Vermächtnisses dieses Sports in Kanada?
IM: Als derzeitiger Chef d’Équipe des kanadischen Teams liegt mein Fokus darauf, das Fundament der Pyramide zu erweitern. Je größer das Fundament, desto größer die Chance, Spitzenathleten hervorzubringen. Dieses Jahr haben wir mehr Reiter und Reiterinnen als je zuvor zu den Nations Cups geschickt und damit sowohl unserer Elitegruppe als auch der nächsten Riege Chancen eröffnet, Erfahrung zu sammeln, Unterstützung zu finden und ein starkes Kontingent an Pferden aufzubauen.
Zudem arbeite ich mit dem Ontario Equestrian’s GRIT Programme – Great Rider Intensive Training – zusammen, das ich in den Bereichen Spring- und Vielseitigkeitsreiten ich schon seit sechs Jahren leite und bei dem ich im Bereich des Dressurreitens mit Christilot Boylen zusammenarbeite. Wir haben über 20 Nachwuchsreiter und -reiterinnen im Alter von 13–25 unterstützt, nicht nur im Sattel, sondern auch im Hinblick auf Stallverwaltung, persönliches Training, Sportpsychologie, Medienumgang, Sponsoring und Körpersymmetrie – ganz entscheidend für Reiter und Reiterinnen.
Dieses Jahr haben wir sogar zum ersten Mal in 35 Jahren ein Team in Dublin ins Rennen geschickt, und diese Erfahrung hat die Bedeutung von strukturierten Verläufen wie der irischen Reiterzertifizierung noch einmal untermauert. Wir haben das Ziel, GRIT landesweit aus- und ein Zuführungssystem aufzubauen, das Talente schon zu Beginn ihrer Teenagerzeit entdeckt und fördert.
Ebenso haben meine Tochter Amy und Tiffany Foster CAN Jump mitbegründet, eine Privatinitiative, die Geld sammelt, um Nachwuchsreiter und -Teams in andere Länder zu schicken. In Kanada besteht sehr großes Interesse an solchen Strukturen – wir brauchen eine Richtung. Bei der Einführung dieser Systeme und Chancen mitzuhelfen ist das Vermächtnis, das ich dem kanadischen Springreiten zu hinterlassen hoffe.
Dieses Jahr feiert Spruce Meadows sein 50-jähriges Bestehen seit seiner Gründung im Jahr 1975. Was bedeutet Ihnen dieser phänomenale Meilenstein und wie haben Sie die Entwicklung dieses Veranstaltungsortes im Laufe der Jahre erlebt?
IM: Fangen wir bei den Gründern – Marg und Ron Southern – an, zwei wirklich außergewöhnlichen Menschen. Ron hat Spruce Meadows immer liebevoll als „einen ungewöhnlichen Sport an einem ungewöhnlichen Ort“ beschrieben, da Calgary eher für die Stampede bekannt ist. Aber die Southerns haben das Springreiten mit unfassbarer Entschlossenheit vorangetrieben.
In den Anfangstagen wurde eher in der Rubrik Lokales als auf den Sportseiten darüber berichtet. Um das zu ändern, luden sie Journalisten ein, um ihnen das Reiten beizubringen, bis sie einen Parcours absolvieren konnten, und zum Abschluss gab es einen Wettkampf. Viele stiegen mittendrin aus, aber diejenigen, die bis zum Ende dabeiblieben, entwickelten einen tiefen Respekt für den Sport – und plötzlich tauchte das Springreiten in der Sportrubrik auf. Das war der Wendepunkt.
Seitdem hat sich Spruce Meadows zu einem internationalen Schauplatz gemausert. Es war ein unvergesslicher Augenblick, als Scott Brash 2015 den Rolex Grand Slam gewann. Diese Leistung grenzte so sehr ans Unmögliche, dass wirklich alle in diesem Sport, ganz gleich, welcher Nationalität, geschlossen hinter ihm standen. Es war Drama pur: Weltklassesport von einem herausragenden Reiter und einem herausragenden Pferd.
Spruce Meadows selbst spiegelt diese Geschichte wider. Von seinen bescheidenen Anfängen als Lokalveranstaltung in Calgary ist es allen Widrigkeiten zum Trotz zu einem der angesehensten Schauplätze der Welt herangewachsen. Die Southerns – und jetzt Linda, Nancy und die Familie – haben Hindernisse stets in Chancen umgewandelt. Sie betrachten Probleme als Herausforderungen, die es zu überwinden gilt, und ihr Tatendrang hat aus Spruce Meadows einen wahren Schatz für Kanada gemacht. Ich bin unglaublich stolz darauf, dass es so etwas in unserem Land gibt.
Welchen Rat würden Sie als Mentor vieler Nachwuchsreiter aufstrebenden Athleten geben, die es im Springreiten bis an die Spitze schaffen möchten?
IM: Zuallererst: Das Pferd ist das A und O. Wir sind hier, um dem Pferd zu dienen – das Pferd ist König. Das war die erste Lektion, die ich im Alter von 10 Jahren von meinem Ausbilder in Alberta gelernt habe, und ich habe sie nie vergessen. Zu oft glauben junge Reiter, dass das Pferd ihnen dient, aber es ist genau andersherum.
Die meisten Reiter können sich die körperlichen Fähigkeiten des Reitens aneignen, aber was die Besten von ihnen abhebt, ist die Fähigkeit, eine emotionale Verbindung mit dem Pferd einzugehen. Pferde sind gefühlsbetonte Wesen – ihre Instinkte beruhen auf Kampf oder Flucht – und ihre Bedürfnisse sind simpel: Futter, Wasser, ein Unterstand und Fortpflanzung. Der Lernprozess, rationales Denken in emotionale Kommunikation mit dem Pferd umzuwandeln, dauert Jahre, aber genau das macht aus einer bloßen Fähigkeit eine Kunst.
Neben dem Reiten selbst müssen Nachwuchsathleten auch alle anderen Aspekte der Reitkunst erlernen. Sie müssen Zeit mit Schmieden, Tierärzten und Ernährungsberatern verbringen. Sie müssen sich Kenntnisse in Stallverwaltung, Pferdepflege und -transport aneignen. Selbst etwas so Simples wie den Transporter zu fahren, gehört mit dazu.
Viel zu viele von ihnen glauben, dass es zum Erfolg ausreicht, einfach nur gut zu reiten und sich im Parcours blicken zu lassen. Dem ist nicht so. Die Außergewöhnlichen – die wahren Champions – sind diejenigen, die alles beherrschen.
Meine Botschaft an den Nachwuchs ist also die: Erlerne nicht einfach bloß das Reiten, sondern erlerne auch alles andere. Opfere dich für dein Pferd auf, erlerne alle Fähigkeiten, die damit zu tun haben, und strebe nach Vervollkommnung. Das ist das Grundgerüst für eine Karriere ganz an der Spitze.
Sie haben in Spruce Meadows dreimal das ‚International‘ gewonnen (1987 und 1991 mit Big Ben und 2014 auf Dixson). Was ist das Schwierigste daran, dieses Turnier zu gewinnen?
IM: Es gibt eine Einführungsrunde, die es in sich hat. Sie ist sehr technisch, sehr kompliziert und erfordert viel Mut, und die 12 besten Pferde kommen in die zweite Runde. Wenn es doppelte Nullritte oder einen Gleichstand gibt, findet ein Stechen gegen die Zeit statt, also potenziell drei Runden. Zwei meiner drei Siege sind mir im Stechen gelungen und einmal war ich der Einzige mit zwei fehlerfreien Durchläufen.
Was das Schwierigste daran ist? Die zweite Runde. Die erste Runde ist sehr schwierig. Das Stechen ist ein Stechen, aber die zweite Runde grenzt beinahe ans Unmögliche. Es ist ein wahrer Meisterschaftssport und so unglaublich dramatisch wie sonst kein anderer Grand Prix auf der ganzen Welt. Es geht bis an die Grenze dessen, was ein Pferd-Reiter-Paar leisten kann, und zum Erfolg ist eine ganz besondere Partnerschaft nötig. Eine Veranstaltung wie der CPKC ‚International‘, presented by Rolex, beim Spruce Meadows ‚Masters‘ ist einzigartig in diesem Sport – kein anderes Turnier im Kalender stellt eine solche Herausforderung dar.
Und dann gibt es da noch die Variablen: internationales Reisen, Höhenunterschiede, Klimata, Zeitzonen, sogar Wasser und Futter. Manche Pferde können sich einfach nicht anpassen und dann auch keine Leistung zeigen. Wir menschlichen Athleten können unsere Bestform präzise planen, aber bei Pferden geht das nicht mit derselben chirurgischen Präzision. Man hofft einfach nur, dass das Pferd an genau diesem Sonntag in Bestform ist – nicht in der Woche vorher oder der danach. Man ist sich nie wirklich sicher – aber davon darf man sich nicht aus dem Konzept bringen lassen.
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