Rolex Grand Slam of Show Jumping

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Mittendrin Rolex Grand Slam: Interview mit Sameh El Dahan

Sameh El Dahan mit Suma’s Zorro (Photo credit: Rolex Grand Slam of Show Jumping / Ashley Neuhof) Sameh El Dahan mit Suma’s Zorro (Photo credit: Rolex Grand Slam of Show Jumping / Ashley Neuhof)

Interview mit Sameh El Dahan, Titelanwärter auf den Rolex Grand Slam der Springreiter

 

Wie war das Gefühl, Ihr erstes Rolex Grand Slam Major zu gewinnen?

Das war das fantastischste Gefühl überhaupt. Darauf habe ich mein ganzes Leben lang hingearbeitet – praktisch seit meiner Kindheit. Dieser Grand Prix (das „CP ‚International‘, presented by Rolex“) ist einer der anspruchsvollsten der Weltund einer, den alle Reiter gewinnen wollen. Meinen Namen neben denen der Reiterlegenden wie Eric Lamaze, Nick Skelton und den Whitakers an der Wand zu sehen, ist einfach ein wahrgewordener Traum.

Was waren Ihre Erwartungen an das CSIO Spruce Meadows ‘Masters’?

Das ist eine lustige Geschichte. Wir hatten uns eigentlich entschieden, in diesem Jahr nicht in Spruce Meadows anzutreten, da wir uns auf die Weltreiterspiele in Tryon, USA, konzentrieren wollten. Eines Morgens, etwa zwei Monate vor Spruce, sagte Zorros Besitzerin Joanne Sloan Allen bei einem Kaffee zu mir: „Ich bin heute Morgen mit diesem seltsamen Gefühl aufgewacht, dass du in Spruce antreten musst und dass du dort gewinnen wirst…“

Meine erste Reaktion war, dass es logistisch sehr schwierig werden würde, dies zu realisieren. Es schien mir einfach unmöglich.Joanne war jedoch fest entschlossen, dass Zorro und ich in Spruce gewinnen würden und dass sie mich bis zum Schluss unterstützen würde, also konnte ich natürlich nicht nein sagen!

Ich bin immer optimistisch und hoffe, dass ich im Wettbewerb gut abschneide. Aber es fühlte sich damals etwas weit hergeholt an, dass wir ein Rolex Grand Slam Majorgewinnen würden. Doch ich dachte mir, dass wir hinfahren und unser Bestes geben werden. Mein Pferd ist unglaublich, mein Support-Team ist fantastisch. Also wusste ich, dass ich, wenn an dem Tag alles perfekt laufen würde, eine Chance hätte, und glücklicherweise ist für uns alles nach Plan verlaufen.

Ich habe immer das Gefühl, dass alles aus einem bestimmten Grund geschieht, und aus welchem Grund auch immer Joanne dieses seltsame Gefühl hatte, sie hatte völlig recht!

Wie ist das Leben seit Ihrem Major-Sieg bei dem CSIO Spruce Meadows ‘Masters’?

Es war viel los! Ich bin so dankbar für all die Unterstützung, die ich erhalten habe. Menschen aus der ganzen Welt haben mir Glückwünsche geschickt. Die Resonanz aus Ägypten war überwältigend. Außerdem haben mir Freunde aus verschiedenen Ländern Zeitschriften geschickt, weil ich auf der Titelseite abgebildet war. Mein Handy stand einfach nicht mehr still! Es ging alles drunter und drüber, eine richtige Achterbahnfahrt.

Es ist lustig, weil wir immer Außenseiter waren, aber ein einzelner Sieg bei einem Major hat uns ins Rampenlicht gerückt. Jetzt erwarten die Leute, wenn sie meinen Namen sehen, dass ich gut abschneide. Also besteht da etwas mehr Druck, aber ich liebe es.

Gehen wir zu den Anfängen zurück: Wie sind Sie zum Pferdesport gekommen?

Ich war fünf, als meine Eltern mich zum Hof unseres Cousins mitnahmen und ich mit dem Reiten anfing. Mein Bruder ist vier Jahre älter als ich und er begeisterte sich fürs Reiten – viel mehr als ich. Er weckte mich um fünf Uhr vor der Schule auf und schleppte mich mit zu den Ställen. Damals hätte ich nie gedacht, dass das mal meine Karriere werden würde. Tatsächlich habe ich Medizin studiert. In meiner Familie sind alle Ärzte, also schien mir das damals der richtige Weg zu sein. Im dritten Jahr des Studiums wusste ich aber, dass ich eine Karriere im Pferdesport verfolgen wollte. Ich hatte das Glück, dass viele Besitzer mir Pferde zum Reiten gaben. Und als ich zehn Pferde in meinem Stall hatte, wurde mir klar, dass ich es wirklich zu etwas bringen könnte. Ich gebe nie etwas auf. Also habe ich, obwohl ich wusste, dass ich nicht Arzt werden würde, mein Studium beendet und die Approbation beantragt. Ich habe nicht die Absicht, zur Medizin zurückzukehren, denn die Pferde sind jetzt mein Leben und ich könnte mit dieser Entscheidung nicht glücklicher sein.

Suma‘s Zorro ist ein erstaunliches Pferd. Wie kam es zu dieser Partnerschaft?

Ich habe früher mit Cian O‘Connor gearbeitet und hatte vor, 2011 zum Start der Sunshine Tour wieder bei ihm anzufangen. Doch Joanne rief Cian an, da ihr Reiter sich den Arm gebrochen hatte und sie jemanden brauchte, der mit ihren Pferden an Turnieren teilnahm. Er schlug mich vor und damit begann unsere wunderbare Partnerschaft.

Joanne erholte sich zu der Zeit von einem gebrochenen Bein, also ritt ich die ersten fünf Wochen lang alle Pferde. Als sie dann wieder fit war, ritt ich nur die jungen und Joanne die älteren Pferde und so kam ich zu Zorro. Ich nahm mit ihr an den ersten Turnieren teil und wir passten einfach sehr gut zusammen. Joanne konnte sehen, dass sich unsere Partnerschaft entwickelte, und sie erlaubte mir, mit der Stute weiter auf Turnieren anzutreten. Ich bin so glücklich, Joanne zu haben. Vom ersten Tag an hat sie mich unterstützt und mir Rückhalt gegeben. Ich glaube wirklich, dass alles aus einem bestimmten Grund geschieht, und ohne Zorro und die Gelegenheit, die Joanne mir damals gegeben hat, wäre ich heute nicht hier.

Wie ist Zorro zu Hause? Hat sie irgendwelche kuriosen Eigenschaften?

Zorro ist ein sehr entspanntes Pferd, bis sie einen Tierarzt mit einer Spritze oder die Schermaschine sieht! Die hasst sie. Auch Lärm mag sie nicht so sehr. Wenn auf dem Hof viel los  und es laut ist, stellt sie sich in Richtung Boxenecke und verdreht die Ohren mürrisch nach hinten! Sie liebt Futter und genießt ihre Weidezeit. Sie mag auch Leckerlies sehr gerne und wenn sie Joanne, mich oder ihren Pfleger hört, streckt sie ihren Kopf aus der Box und schaut einen erwartungsvoll an.

Irland ist ganz anders als Ägypten. Hat es eine Weile gedauert, bis Sie sich an Ihr neues Zuhause gewöhnt hatten?

Ehrlich gesagt hat es nicht sehr lange gedauert. Als Kind bin ich viel mit meiner Familie gereist, so dass ich an verschiedene Orte und Kulturen gewöhnt bin. Das Einzige, womit ich zu kämpfen hatte, war der Regen! Es gibt nicht viel Regen in Ägypten, und in der ersten Woche in meinem neuen Zuhause hat es jeden Tag geregnet. Zuerst habe ich den Regen sehr genossen, aber ich wurde ihn schnell leid! Spaß beiseite: Joanne hat mir den Übergang sehr einfach gemacht. Sie ist so offen und ich habe ein Netzwerk großartiger Menschen um mich herum. Ich mag Gesellschaft und mag es nicht, allein zu sein, also fühlt es sich wunderbar an, dass da so viele sind, die mich unterstützen und lieben. Ich habe so viel Glück, in Dr. Joe und Pat Sloan unglaubliche Sponsoren und Besitzer zu haben. Ohne die kontinuierliche Unterstützung ihrer Firma WKD wäre nichts von meinem Erfolg möglich.. Es lässt sich einfach nicht beschreiben, wie dankbar ich bin.

Wie ist es in den Sycamore Stables?

Sycamore Stables besteht aus drei Höfen. Der Haupthof hat 18 Boxen, in denen die fünfjährigen und älteren Turnierpferde untergebracht sind. Dann gibt es noch zwei weitere Höfe, auf denen die Zuchtstuten und Jährlinge leben. Alle drei Höfe sind großartig ausgestattet und haben viel Weidefläche für die Pferde. Es ist ein ziemlich großes Unternehmen, das Joanne und ich leiten. Und wir wachsen und haben kürzlich ein neues Teammitglied eingestellt, das sich um die jungen Pferde kümmert.

Gibt es noch mehr Pferde in den Sycamore Stables, die Ihrer Meinung nach ein Rolex Grand Slam Major gewinnen könnten?

Ich glaube an alle meine Pferde, aber ich habe derzeit drei achtjährige Stuten, die, denke ich, einmal unglaubliche Fünf-Sterne-Pferde abgeben werden. Sie sind alle völlig unterschiedlich und verfügen über verschiedenste Stile und Techniken. Ich freue mich wirklich auf unsere gemeinsame Zukunft. Und dann gibt es da noch eine Sechsjährige, wegen der ich sehr aufgeregt bin. Aber ich halte sie unter dem Radar, weil sie noch so jung ist.

Arbeiten Sie mit Basisprogrammen in Ägypten zur Förderung junger Reiter zusammen?

Ich habe mich früher an einer Akademie in Ägypten engagiert, aber wegen meines vollen Arbeitspensums ist das inzwischen eingeschlafen. Ich stehe zurzeit in Kontakt mit Freunden zu Hause und wir besprechen den Aufbau eines Stalls in Ägypten, der sich auf die Unterstützung junger Nachwuchstalente konzentrieren soll. Auch mit Joanne arbeite ich daran. Unser Ziel ist es, das Gleiche in Europa zu schaffen, damit die ägyptischen Reiter im Sommer hier eine Basis und ein Support-Netzwerk haben.

Welche Erwartungen haben Sie an den CHI Genf? Hoffen Sie, Ihren Erfolg beim Rolex Grand Slam fortzusetzen?

Ich habe ein fantastisches Pferd. Also, wenn wir alles richtig machen und alles nach Plan läuft, haben wir in Genf eine sehr gute Chance. Zorro genießt derzeit ihren Urlaub. Aber wir haben einen Plan aufgestellt, um sicherzustellen, dass sie für den CHI Genf in Topform ist. Vor Genf wird sie an zwei 5*-Turnieren teilnehmen, da sie interessanterweise bei ihrem dritten Turnier immer am besten abschneidet. Hoffentlich funktioniert das so. Ich werde dafür sorgen, dass auch ich in Bestform bin.

Was ist der beste Ratschlag, den Sie jemals erhalten haben?

Sei demütig; Bleib bodenständig.

Unabhängig vom Ergebnis beim CHI Genf, planen Sie an den beiden anderen Majors teilzunehmen: dem The Dutch Masters und dem CHIO Aachen?

Natürlich plane ich, an beiden Turnieren teilzunehmen. Es ist ein Traum für jeden Reiter, in Aachen zu reiten. Die Atmosphäre und die Anlagen sind die besten der Welt.  Ich bin schon eine Weile nicht mehr bei dem The Dutch Masters gestartet, aber ich habe von Leuten, die dort letztes Jahr angetreten sind, sehr Gutes gehört, also freue ich mich darauf, daran teilzunehmen.

 

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Es ist an der Zeit.

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