Rolex Grand Slam of Show Jumping

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Mittendrin im CHIO Aachen: Mittwoch, 15. September

Max Kühner and Elektric Blue P (Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof) Max Kühner and Elektric Blue P (Photo: Rolex Grand Slam / Ashley Neuhof)

Max Kühner gewinnt das Turkish Airlines-Preis von Europa

Nach der offiziellen Eröffnungsfeier am Dienstag fand die diesjährige Ausgabe des CHIO Aachen einen spektakulären Auftakt mit dem Turkish Airlines-Preis von Europa, einer der Qualifikationsprüfungen für den Rolex Grand Prix am Sonntag. 48 Pferd- und Reiterpaare aus 16 Nationen traten bei dem von Frank Rothenberger designten Parcours über zwei Runden und 14 Hindernisse im legendären Hauptstadion gegeneinander an.

In der ersten Runde gaben Philipp Schulze Topphoff und seine elfjährige Stute Concordess NRW schon früh das Tempo vor und absolvierten die Prüfung fehlerfrei in nur 84,86 Sekunden. Nur der Ire Darragh Kenny auf seinem 14-jährigen Hengst VDL Cartello und der Belgier Pieter Devos auf seiner 13-jährigen Stute Mom's Isaura konnten die Zeit des Deutschen schlagen und blieben in dem 17-Sprung-Parcours ebenfalls fehlerfrei mit einer Zeit von jeweils 84,37 und 84,77 Sekunden.

Neun weitere Top-Reiterpaare qualifizierten sich für Runde 2, die den besten 25 Prozent aus Runde 1 vorbehalten war. Zu ihnen zählten auch die Nummer Eins aus Deutschland Daniel Deusser (Bingo Ste Hermelle), die Gewinner der Team-Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio Jérôme Guery (Eras Ste Hermelle) und Gregory Wathelet (Full House Ter Linden Z), das niederländische Duo Bart Bles (Gin D) und Marc Houtzager (Sterrehof's Dante N.O.P.), Portugals Luciana Diniz (Vertigo du Desert), Patricio Pasquel aus Mexiko (Babel), Daniel Bluman aus Israel (Gemma W) und der Österreicher Max Kühner (Elektric Blue P).

Als Erster trat Max Kühner an, der zuletzt im April den Rolex Grand Prix beim The Dutch Masters gewonnen hatte. In rasantem Tempo meisterte er die kurze zweite Runde mit neun Hindernissen in 56,36 Sekunden ohne einen einzigen Strafpunkt. Einer nach dem anderen versuchten die verbleibenden Teilnehmer verzweifelt, Kühners eindrucksvolle Zeit zu unterbieten, was zunehmend unmöglich erschien. Daniel Deusser schien zunächst gute Chancen zu haben, scheiterte jedoch am vorletzten Sprung, während sich Gregory Wathelets Hoffnungen am letzten Hindernis in Luft auflösten. Jérôme Guery kam dem Österreicher bis auf eine halbe Sekunde nahe, während Luciana Diniz die Bestzeit nur um 0,19 Sekunden verfehlte. Und obwohl sich Darragh Kenny aus Irland in Topform befand, bedeuteten seine drei Abwürfe am Ende nur eines: Ein überglücklicher Max Kühner trug den Sieg davon, in scheinbar perfekter Vorbereitung auf den Rolex Grand Prix am Sonntag für ihn und seinen zehnjährigen braunen Wallach.

Zu seiner Strategie für seinen erfolgreichen Major-Partner Elektric Blue P im Hinblick auf den Rolex Grand Prix erklärte Kühner: „Morgen werde ich ihm etwas Ruhe gönnen und ihn ein wenig auf dem Trainingsplatz reiten. Ich werde sehen, wie er sich anfühlt, und er wird mir sagen, wie es weitergeht. Entweder werde ich ihn in Ruhe lassen und bis Sonntag nur etwas mit ihm trainieren oder ich werde eine weitere kleinere Prüfung mit ihm absolvieren, damit er im Rhythmus und am Springen bleibt. Der Sonntag wird sehr anspruchsvoll, wenn wir ihn also die ganze Zeit über nicht springen lassen, könnte es am Anfang etwas zu viel für ihn sein. Er ist ein sehr vorsichtiges Pferd, ich werde also wahrscheinlich eine weitere kleine Runde mit ihm machen, damit er nicht aus dem Rhythmus kommt.“

Ludovic Escure (Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder) Ludovic Escure (Photo: Rolex Grand Slam / Peggy Schröder)

Stallgeflüster mit Ludovic Escure,

Pferdepfleger von Kevin Staut

 

Erzählen Sie uns ein wenig über die Pferde, die Sie hier beim CHIO Aachen mit dabei haben?

Wir haben einen Siebenjährigen namens Emir [De Moens Harcour] dabei. Er ist in großen Stadien manchmal sehr aufgeregt und nervös. Aber ich denke, er wird hier in Aachen gute Runden zeigen. Eine Stute namens Tolede [De Mescam Harcour] ist ebenfalls hier, sie wird wahrscheinlich im Großen Preis am Sonntag springen wird. Sie ist manchmal etwas unbeständig, eine Woche kann sie gewinnen und in der nächsten Woche drei Abwürfe haben, und wir wissen nicht wirklich, warum.

Dann ist noch eine 12-jährige Stute namens Visconti Du Telman bei uns, sie ist wirklich süß und besonders. Kevin reitet sie jetzt seit zwei Jahren, und am Anfang war es nicht leicht. Sie gibt sich immer große Mühe und hat bei den letzten Europameisterschaften viel gelernt. Sie wird hier in Aachen den Nationenpreis springen. Und dann haben wir noch eine Stute [Lubie de l'Elan], die einem sehr guten Freund von Kevin gehört. Kevin reitet sie nur für vier Turniere, um zu sehen, welches Potenzial sie hat. Er ist mit ihr in Valkenswaard und bei den Brüsseler Stephex Masters angetreten, und zuletzt in Riesenbeck, wo sie in einem 3*-Grand Prix fehlerfrei gesprungen ist. Sie bemüht sich sehr alles richtig zu machen.

Wie ist es, für Kevin [Staut] zu arbeiten?

Er ist ein ganz besonderer Kerl und kennt seine Pferde sehr gut. Er liest  viel in der Fachpresse und recherchiert viel, weil er als Reiter immer sein Bestes geben will. Es stellt hohe Ansprüche an sich selbst. Er erwartet viel von sich, genauso wie von mir. Die Zusammenarbeit mit ihm ist wirklich toll, weil wir als Team zusammenarbeiten und ständig versuchen, uns gemeinsam zu verbessern. Er ist ein echter Morgenmensch und ich frage mich manchmal, ob er überhaupt schläft! Ich bin auf jeden Fall kein Morgenmensch. Ich arbeite jetzt seit vier Jahren mit Kevin und alle sagten mir, ich würde noch zum Morgenmensch werden, aber das ist bisher definitiv nicht der Fall! Er kümmert sich wirklich um mich und hilft mir bei Turnieren, wenn wir viele Pferde dabei haben und es viel zu tun gibt, wie diese Woche in Aachen. Natürlich ist er mein Chef, aber wir verstehen uns wirklich sehr gut und er ist wie ein Freund für mich. Wir beide wissen, wann wir arbeiten und ernst sein müssen, aber auch, wann wir uns entspannen und das Leben genießen können.

Was macht den CHIO Aachen für Sie so besonders?

Ich verfolge das Turnier in Aachen bereits im Fernsehen, seit die Weltmeisterschaften 2006 hier ausgetragen wurden. Damals waren tolle Pferde wie Shutterfly dabei. Selbst im Fernsehen ist spürbar, dass diese Veranstaltung etwas Besonderes ist – die Atmosphäre, das Stadion, die vielen Fans. Wenn man alle Pferdepfleger und Reiter fragt, welches Turnier sie auf keinen Fall verpassen wollen, dann ist es dieses hier. Als ich dann zum ersten Mal selbst hierher kam, wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht. Der tosende Applaus aus dem Stadion war wirklich unglaublich und ich dachte erst, er käme aus dem Fußballstadion nebenan. Aber dann merkten wir, dass es die Eröffnungsfeier war, bei der so viele Leute dabei waren. Die Tribünen waren jeden Tag vollgepackt! Es ist ein so wichtiges Turnier für Deutschland und zieht Reitsportfans aus aller Welt an. Wenn man in diesem Beruf tätig ist und an Rolex Grand Slam-Turnieren wie hier in Aachen teilnimmt, ist es einfach anders – es ist ein ganz anderes Niveau. Genf, Calgary, Aachen und The Dutch Masters – es ist ein Traum, bei diesen Veranstaltungen zu arbeiten.

Was mögen Sie an Ihrer Arbeit als Pferdepfleger am liebsten?

Gewinnen, ganz klar – das ist das, was mich motiviert. Dabei spielt es ganz ehrlich keine Rolle, ob es sich um ein 1,40 m-Springen oder einen 5*-Grand Prix handelt: Gewinnen ist immer ein ganz besonderes Gefühl. Ich freue mich über Siege und liebe es, wenn sich Kevin für einen Stechen qualifiziert. Es gibt auch Zeiten, in denen nichts nach Plan läuft. Also ist es sehr wichtig, eine gute Beziehung zu seinem Chef zu haben, wenn es einmal nicht so gut geht.

Und was mögen Sie an Ihrer Arbeit als Pferdepfleger am wenigsten?

Das frühe Aufstehen! Und vielleicht das Ausmisten, aber eigentlich macht mir das nicht allzu viel aus. Generell müssen wir viele Opfer bringen und sehen zum Beispiel unsere Familie und alte Schulfreunde nur selten. Aber wir haben so viele Freunde im Springreitsport, was das wieder wettmacht. Auch das viele Fahren ist nicht so einfach, aber gleichzeitig genieße ich es auch – es ist eine gute Gelegenheit, allein zu sein, nachzudenken und zu träumen.

Michael Mronz (photo: Rolex Grand Slam / Kit Houghton) Michael Mronz (photo: Rolex Grand Slam / Kit Houghton)

Auf ein Wort mit den Veranstaltern

Michael Mronz, Geschäftsführer Aachener Reitturnier GmbH

 

Sie müssen froh sein, dass die diesjährige Ausgabe des CHIO Aachen doch noch stattfindet, nachdem sie im letzten Jahr wegen COVID-19 abgesagt und in diesem Jahr zunächst verschoben werden musste?

Ja, das ist wirklich toll. Es ist sicher kein ganz normaler CHIO Aachen. Es ist in diesem Jahr sehr speziell und fühlt sich aufgrund der Pandemie etwas anders an. Einerseits, weil er stattfindet und so etwas ganz Besonderes für das gesamte Team, die Zuschauer und die Reiter darstellt. Und andererseits, weil wir über die Kapazität nachdenken müssen. Normalerweise haben wir hier in Aachen ein volles Haus, so dass es für die Zuschauer, die Reiter, die Presse und auch für die Organisatoren ungewöhnlich ist, leere Plätze zu sehen. Aber wir müssen immer bedenken, dass wir uns weiterhin in einer Pandemie befinden, daher sind wir sehr froh, dieses Turnier in diesem Jahr austragen zu können.

Können Sie uns etwas über die Herausforderungen erzählen, die Sie überwinden mussten, um sicherzustellen, dass die diesjährige Ausgabe des CHIO Aachen tatsächlich stattfinden konnte?

Ich denke nicht, dass in den vergangenen 18 Monaten unbedingt neue Herausforderungen hinzugekommen sind. Die größte Herausforderung hat sich wohl im März geboten, als wir beschlossen haben, das Turnier auf September zu verschieben. Wir mussten im Vorfeld zahlreiche Entscheidungen treffen, die bedeutende Auswirkungen in finanzieller Hinsicht hatten. Zum Beispiel beim Aufbau der Infrastruktur, denn wir wussten nicht, ob die Veranstaltung schlussendlich stattfinden kann oder nicht. Das finanzielle Risiko war also in diesem Jahr viel größer als im vergangenen Jahr, in dem eine Absage des Turniers frühzeitig feststand. Aber dieses Jahr haben wir uns entschieden, in der Überzeugung weiterzumachen, dass die Veranstaltung stattfinden kann. Wir wollten das bestmögliche Turnier mit den besten Reitern undPferden präsentieren. Deshalb freuen wir uns sehr, dass letztendlich alles gut geklappt hat. Ich bin sehr optimistisch, daher schaue ich lieber nach vorne, als auf die vergangenen 18 Monate zurück.

 

Wie viel harte Arbeit mussten Sie und Ihr Team leisten, um die diesjährige Ausgabe des CHIO Aachen erfolgreich auf die Beine zu stellen?

Ich würde es eigentlich nicht als harte Arbeit, sondern eher als Privileg bezeichnen, als Team für ein so traditionsreiches Turnier arbeiten zu dürfen. Der Aachen-Laurensberger Rennverein wurde 1898 gegründet, das erste Turnier fand 1924 statt, die erste internationale Veranstaltung 1927. Angesichts dieser Geschichte haben wir als Team eine sehr große Verantwortung. Es war unglaublich toll zu sehen, mit wie viel Begeisterung sich das gesamte Team dafür eingesetzt hat, eine herausragende Veranstaltung zu schaffen. Das hat mich wirklich berührt.

Wie privilegiert fühlen Sie sich, im Rahmen des CHIO Aachen einen der Majors des Rolex Grand Slam of Show Jumping ausrichten zu dürfen?

Steve [Guerdat] hat erst vergangene Woche beim Spruce Meadows `Master` gewonnen und wir freuen uns sehr über seine Entscheidung, auch hier in Aachen anzutreten. Das zeigt auch, wie wichtig diese Serie für die Reiter ist. Der Rolex Grand Slam of Show Jumping ist einfach eine fantastische Veranstaltung– er ist so etwas wie die Königsklasse des Pferdesports. Scott [Brash] ist der Einzige, der ihn bisher gewonnen hat, was zeigt, wie schwierig diese Herausforderung ist. Das macht den Rolex Grand Slam of Show Jumping zu etwas wirklich ganz Besonderem. Wenn man ihn mit dem Tennissport vergleichen will, braucht man sich nur anschauen, wie es Novak Djokovic vergangene Woche ergangen ist: Er hatte die Chance, den Grand Slam zu gewinnen, verpasste jedoch den Titel. Jedes dieser vier einzigartigen Turniere blickt auf eine eindrucksvolle Tradition zurück. Es geht nicht nur um das Geld, sondern um das gemeinsame Erbe – um die Pferde, Zuschauer und Reiter sowie die Orte, an denen sie ausgetragen werden. Das macht den Rolex Grand Slam in der Welt des Reitsports absolut einzigartig.

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